Taxifahrer und Ampeln

Uns Taxifahrern werden ja die wildesten Verkehrsverstöße vorgehalten. Nicht immer zu Unrecht, gerade Nachts sehe ich mich ja auch oft mit Kollegen konfrontiert, die nicht ganz zwischen Rennstrecke und öffentlichem Verkehrsraum unterscheiden können.

Ich selbst halte mich meistens zurück, aber da es bekanntlich verkehrt ist, egal wie man es macht, hatte ich bis Anfang des Jahres ja auch 3 Punkte wegen eines (angeblichen!) Ampel-Verstoßes.

Einer meiner Fahrgäste und ich hatten allerdings vorletzte Nacht ein Schauspiel der besonderen Art zu bewundern. Ein Kollege, im Übrigen ebenfalls mit Fahrgast, hat binnen 100 Metern sage und schreibe 3 (!) rote Ampeln überfahren. Die erste hat er besonders stilvoll genommen, das war die Abbiegerampel von der Köpenicker Straße auf den Bethaniendamm in Richtung Ostbahnhof. Da die Ampel aber kurz darauf grün anzeigte (also so ca. 3 Sekunden später) und ich den selben Weg hatte, habe ich noch von der Schillingbrücke aus gesehen, wie der Typ nach kurzem Bremsen links in die Holzmarktstraße eingebogen ist und dabei 2 weitere rote Ampeln hinter sich gelassen hat.

„Gehört wahrscheinlich zu denen, die gar keinen Schein zu verlieren haben…“

hab ich trocken angemerkt, als mein Fahrgast ungläubig dem Mercedes hinterhergeblickt hat.

Aber da die Idioten wie so oft immer gesammelt Ausgang haben, ist mir in derselben Nacht noch so ein Blindfisch begegnet. Am Frankfurter Tor ist vielleicht 30 Meter vor mir die Ampel gelb geworden. Bremsen wäre ziemlich ungemütlich gewesen, also hab ich ein kleines Ordnungsgeld riskiert und mal kurz hochbeschleunigt, obwohl ich eigentlich schon über die 50 Sachen rüber war. Das ist nun vielleicht nicht lobenswert, ich glaube allerdings, dass mein Fahrgast noch keine Angst vor meinem Fahrstil bekommen hat.

Wäre er hingegen in dem Touran hinter mir gesessen, auch wieder von einem Kollegen gelenkt, wäre er sicher in Versuchung gekommen. Das Taxi fuhr gut und gern 70 bis 100 Meter hinter mir und hat auch die Geschwindigkeit nicht erhöht. Soweit ich das im Rückspiegel gesehen hab. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, dennoch gemütlich über die Kreuzung zu tuckern. Da muss es locker schon 2 bis 3 Sekunden rot gewesen sein…

Sind die Ampeln wirklich so unauffällig, oder ist es inzwischen egal?

Also ich hab die ärgerliche Aussage der beiden Polizisten damals mit 3 Punkten und 125 € bezahlen müssen, und soweit ich weiss, sind die Preise nochmal hochgegangen seitdem. Von der offensichtlichen Gefahr durch Querverkehr wollen wir mal gar nicht reden. Aber da greift wohl der alte Taxiwitz:

Ein Taxifahrer heizt mit seinem Kunden wie blöde durch die komplette Stadt. Die erste Ampel nimmt er bei rot, die zweite auch. Das geht noch eine Weile so weiter, bis sie schließlich an eine grüne Ampel gelangen.
Der Fahrer tritt in die Eisen und bringt das Auto gerade noch so vor der Haltelinie zum Stehen. Der Fahrgast ist schockiert und äußert seinen Unmut, nachdem er in den Sitz zurückgefallen ist:

„Sagen sie mal? Sind sie bescheuert? Sie sind jetzt über 5 rote Ampeln gefahren, und jetzt bremsen sie an einer grünen. Fahren sie doch einfach rüber, verdammt!“

Der Taxifahrer entgegnet:

„Bin ich lebensmüde? Stellen sie sich vor, da kommt von rechts oder links ein Kollege!“

 

21 Kommentare bis “Taxifahrer und Ampeln”

  1. fastdäne sagt:

    Moin, moin,
    die Geschichte mit dem Kollgen der die Vorfahrt missachtet habe ich vor vielen Jahren tatsächlich live erlebt. War damals zwar „nur“ Stoppschild und Vorfahrtsstraße, bedeutete aber das Ende von zwei fast neuen Taxis. Gottseidank waren wir beide frei und auch uns beiden ist nicht wirklich was passiert. (War sicher hilfreich im 5-er BMW bzw 124-er gesessen zu haben!) Der Kollege ist da völlig ungebremst in die Kreuzung geschossen, war am frühen Morgen wohl etwas übermüdet! Wir waren dann für Wochen das Gesprächsthema Nummer 1 an allen Plätzen.

  2. Manche interpretieren die StVO eben sehr kreativ. Ich als Fahrgast würde Trinkgeld verweigern und wenn er auf meinen Hinweis nicht angepasst fährt, dann noch die Nummer merken und mich beschweren.

  3. Tobias sagt:

    Ich hab die heizenden Kollegen auch erst am Wochenende wieder erleben dürfen. Dabei hat mich hier bei einem örtlichen Schützenfest fast einer über den Haufen gefahren, trotz Fußgängerüberweg im Kreisverkehr.

    (War übrigens ein Taxi von dem Unternehmen, was Torsten nicht mag) <– Und dann wundert mich nix mehr 😉

  4. highwayfloh sagt:

    So nen „Kamikaze-Taxler“ – sorry dafür! – hatte ich neulich hinter mir …

    30er Zone – eng … ich ging nur ein bisschen vom Gas und der wollte trotz Gegenverkehr überholen und wäre mir beinahe hinten drauf geknallt….

    Auch wenn ich dafür verständnis habe, dass die Jungs und Mädels die STVO „sehr großzügig“ auslegen… aber so was brauchts dennoch nicht…

  5. Jürgen sagt:

    Kann ich als Gast in dem Fall, dass ich die Fahrt dann sofort unterbreche (wenn der Taxler meinen Hinweis auf eine Fahrweise entsprechend der StVO ignoriert), die Bezahlung verweigern?

    Ich meine als ständiger Fahrradfahrer festzustellen, dass die Nichtbeachtung roter Ampeln in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen hat, so dass ich bei der Überquerung von Straßen (insbesondere wenn ich mich auf einem Radweg befinde) an Kreuzungen tatsächlich extra schaue, ob nicht ein motorisierter Verkehrsteilnehmer meint, bei Rot noch über die Kreuzung zu huschen.

  6. Robert sagt:

    that`s the new york style of driving

  7. MsTaxi sagt:

    @Jürgen

    Da ich so nicht fahre, musste ich mich noch nie mit dem Thema auseinandersetzen, aber ich denke, wenn der Kollege trotz Ermahnung deinerseits weiterfährt wie eine gesengte Wildsau, kannst du sofort rechts ranfahren lassen und auch die Zahlung verweigern. Anders sähe es imho natürlich aus, wenn dir die Kritik erst beim Erreichen des Zieles von den Lippen kommt. Nach dem Motto „jetzt am Ziel fällt mir ein, dass ich deinen Fahrstil nicht gut fand, deshalb zahl‘ ich nix“. Das wäre in meinen Augen analog zu der Beschwerde im Lokal über mieses Essen, nachdem man seinen Teller geleert hat.

  8. Nick sagt:

    So eine ähnliche Geschichte hab ich auch mal verfolgt.

    Da standen wir nachts zu dritt an der Ampel, die anderen beiden waren ein Taxi und ein Polizeiwagen (ohne Blaulicht o.ä.).
    Als die Polizei sich dann dazu entschieden hatte schonmal bei rot rüberzufahren, dachte der Taxifahrer wohl ‚Ach ja, bei rot geht ja auch‘ und ist auch losgefahren.

    Das war ziemlich abstrus, aber auch im Wedding. 😉

  9. Jürgen sagt:

    Hall MsTaxi,

    vielen Dank für die Rückmeldung. Erst bei Ankunft meckern ist tatsächlich der falsche Weg. Wobei ich wahrscheinlich auch in dem Fall, dass ich den Taxifahrer rechts ranfahren lasse, den bis dahin angefallenen Fahrpreis aushändigen würde mit der klaren Ansage, dass sein Fahrstil ein Nachspiel hätte.

    Bisher war ich nur einmal in der Situation, einem Fahrer (ich war Mitfahrer einer Mitfahrgelegenheit) ausdrücklich sagen zu müssen, er solle doch bitte auf das Leben seiner Mitfahrer Rücksicht nehmen (Baustelle auif der A2, starker Regen, Tempo 120). Ansosnten musste ich Taxifahrern (auch mal energischer) damit drohen, auf der Stelle auszusteigen, wenn sie den Taxameter nicht anmachen (allerdings in anderen Ländern Baltikum und Südosteuropa), hat bisher immer geholfen.

  10. Sash sagt:

    @Jürgen:
    Ich denke, bis zum Ausstieg ist der Fahrpreis natürlich schon zu zahlen. Zumindest vorübergehend. Der weitere Verlauf ist dann natürlich eine andere Sache. Ich hab mich mit dem Gedanken bisher irgendwie nie beschäftigt, dazu fahre ich einfach zu ordentlich 🙂

  11. Michael sagt:

    Mal eine weitere Überlegung dazu:

    Die Kilometer-Preise bis zum Stop zu zahlen, wäre aus meiner Sicht passend, da man ja auch die entsprechende Gegenleistung erhalten hat.

    Was ich aus Sicht des Kunden als blöder ansehe, ist die Grundgebühr. Wenn ich mich entscheide die Fahrt zu stoppen und anschließend mit einem anderen Taxi weiterzufahren, würde das ja bedeuten, dass ich zweimal die Grundgebühr zahlen müsste. Durch das Fehlverhalten des ersten Fahrers müsste ich also auf einmal in Summe mehr Geld bezahlen. (Zusätzlich zum Ärger/Zeitverlust)

  12. Sash sagt:

    @Michael:
    Ja, schön ist das sicher nicht. Aber was soll man machen?
    Letztlich ist auch das mit dem Preis sonst fragwürdig, da bei den meisten Taxitarifen irgendwann die Kilometer billiger werden – ergo hat man auch da eventuell einen Verlust, weil man abermals die teuren ersten Kilometer bezahlen muss.
    Im Grunde ist das erst einmal nur für den Taxifahrer ein gutes Geschäft. Leider, muss man bei der Problematik anfügen…

  13. highwayfloh sagt:

    @Michael:

    siehs mal von der anderen Seite:

    Was ist „billiger“? Der doppelte „Grundpreis“ oder im Zweifelsfalle die körperlichen Folgen eines Unfalls, bei dem Du der Geschädigte bist, respektive Dein Leben möglicherweise verlierst…

    … wenn Du schon in dieser Richtung argumentierst…

  14. chris sagt:

    Ein Bekannter war vor einigen Jahren in Acapulco. Nächtliche Taxi-Fahrt. Da der Fahrer der deutschen Sprache mächtig ist, fragt er ihn nach der vierten, bei rot überfahrenen Ampel, warum er denn nicht bei rot anhalten würde. Der Fahrer meinte „Ich zeig’s Dir“. Bei der nächsten roten Ampel hielt er an. Als mein Bekannter nach 10s Stillstand zwei merkwürdige Gestalten mit Macheten in der Hand auf die Kreuzung laufen sah, schrie er nur „GIB GAS“!!!
    War wohl nicht da beste Vierte. Trotzdem: Andere Länder, andere Sitten…

  15. SaltyCat sagt:

    @ Sash: Ich würde eher sagen, auch der bereits aufgelaufene Fahrpreis ist nicht unbedingt zu zahlen. Wenn ich in dein Taxi einsteige, gehe ich ja mit dir einen Vertrag ein. Dabei setze ich meinerseits voraus (und MUSS voraussetzen können), dass du deine Leistung im Einklang mit geltendem Recht sowie dem „gesunden Menschenverstand“ erbringst. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich durchaus argumentieren, dass unser Vertrag ungültig ist …
    Andererseits besteht bei solchen Stoffeln, die derartig durch die Gegend heizen, wohl die Gefahr, dass das eventuell auf mehr als verbale Streitereien hinauslaufen wird …

  16. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Wenn es wirklich übel ist, würde ich es vielleicht auch versuchen, nicht zu zahlen. In meinen Augen auch gerechtfertigt. Da die Fahrkünste des Fahrers aber wahrscheinlich nicht nachweisbar sein werden, nehme ich an, dass es im Falle eines Falles böse enden kann.
    Denn im Grunde hat der Fahrer relativ nachweisbar seine Dienstleistung bis zu diesem Punkt erbracht. Ich nehme an, dass man sich mit einfachem Nichtzahlen rechtlich auf dünnes Eis begibt, falls der Fahrer infolgedessen die Gendarmerie verständigt.
    Dass das zum Kotzen ist, ist klar!

  17. mwi sagt:

    ich denke sallycat hat da nicht ganz unrecht.
    ein vertrag ist immer eine beidseitige willenserklärung zu einer leistung und wenn der taxifahrer wie ne „wilde sau“ durch die straßen heizt und damit meinen vorstellung einer vernünftigen personenbeförderung nicht ansatzweise nahe kommt, dürfte der eingegangene vertrag durchaus unwirksam sein. wirklich witzig wäre allerdings, die fahrt (also die dinestleistung) direkt an ort und stelle zu reklamieren. das geht laut bgb auf jedem fall. aber dafür muss man halt auch nerven und ne gewisse ruhe mitbringen, die in solchen situationen nicht immer vorhanden sein sollte.

  18. Sash sagt:

    @mwi:
    Ich stimme Dir zwar grundsätzlich der Einstellung nach zu, aber so lange nichts handfestes passiert ist, bleibt am Ende ein Fahrgast, der sich beschwert und ein Taxifahrer, der Betrag X auf der Uhr hat, sprich: einen (und letztlich trotzdem den wesentlichen) Teil der Dienstleistung erfüllt.
    Da braucht man kein Hellseher sein, um zu erahnen, wie das ausgeht, wenn man sofort reklamiert, sprich: die Polizei antanzt.

  19. johanna ruehl sagt:

    kann mir jemand helfen ich bin 2+ mit dem taxi gefahren gleiche firma einmal mußte ich 35 euro das nächste mal41 euro bezahlen. darf der taxifahrer bei einer roten ampel wo er halten muß,die uhr weiter laufen lassen.anderst kann ich mir den preisunterschied nicht erklähren ,d
    enn die uhr lief immer weite.

  20. MsTaxi sagt:

    @johanna ruehl
    Wenn die Uhr an einer roten Ampel weiter läuft, ist das vom jeweils gültigen Tarif so vorgeschrieben ubd deshalb so programmiert. Der Taxifahrer muss also bei allen von ihm nicht zu verantwortenden Stopps (rote Ampel, runtergelassene Zugschranke etc.) den Taxameter weiter laufen lassen. Du nimmst während der roten Ampel ja auch weiterhin die Dienstleistung in Anspruch.

  21. Sash sagt:

    @johanna ruehl:
    Ms Taxi hat recht. Und zugegeben: 6€ Differenz sind zwar recht viel, wenn es nur um normale Ampelstopps geht, aber selbst hier in Berlin, wo wir eine Minute Wartezeit umsonst haben, ist ein Weiterlaufen der Uhr grundsätzlich normal. So gesehen wäre dann die erste Fahrt einfach glücklich günstig verlaufen oder der Kollege hat aus welchen Gründen auch immer vielleicht wirklich (aber mit ziemlicher Sicherheit illegal) die Uhr angehalten. Darauf bestehen kann man als Fahrgast aber nicht.

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