Taxitest in Wien

Mal sowas wie ein richtiger Test

„Die Presse“ in Wien berichtet über einen Test der Taxifahrer in der Österreichischen Hauptstadt. Am hier online verfügbaren Artikel ist einiges anders als bei den bisherigen Taxitests, dich ich so verfolgt habe. Vor allem aber eines:

Es ist nicht der Test irgendeines hibbeligen Lobbyverbandes wie des ADAC, sondern eine Überprüfung seitens der Taxiinnung selbst. Wahrscheinlich wegen der besseren Kenntnisse über das Gewerbe, sowie des doch (auf Wien) begrenzteren Operationsgebietes, wurden hier offenbar tatsächlich 300 (!) Fahrten in einer einzigen Stadt ausgewertet und 150 weitere harren noch ihrer Auswertung. Im Gegensatz zu den meisten „Tests“ geht das so langsam wirklich in die Richtung „repräsentativ“, was ich sehr löblich finde.

Ich bin ja alles andere als ein Kontrolljunkie, aber wir hier in Berlin merken ja sehr deutlich, wie es sich anfühlt, wenn von Überprüfungen lediglich gesprochen wird, nie aber gehandelt.

Wie (auch aus dem fernen Berlin) zu erwarten war, ergaben sich als Hauptprobleme die Ablehnung kurzer Fahrten, sowie Umwege.

Sehr schön finde ich beispielsweise den Ansatz, mit den Fahrern zu reden und ggf. auch über Anzeigen nachzudenken. Die, die sich sonst zu Taxi-„Tests“ berufen sehen, suchen zwar auch immer wieder nach den negativen Auswüchsen des Gewerbes, führen sie aber lediglich vor. Hier scheint es mal tatsächlich um Verbesserungen zu gehen.

Deprmierend: Die Ergebnisse

Dass tatsächlich ein paar Autos wegen technischer Mängel „umgehend aus dem Verkehr gezogen“ wurden, hinterlässt mich ein wenig erstaunt, noch mehr erstaunt mich aber die Aussage des Fachgruppenobmanns (klingt immerhin wichtig 😉 ) Christian Gerzabeck, der sich wie folgt zitieren lässt:

„Ich bin mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden, es ist besser ausgefallen als erwartet.“

Wenn ich das so höre, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass es in Wien tatsächlich schlechter aussieht als hier in Berlin.

Etwas daneben fand ich auch die Begründung mit den Testern. Diese seien „bewusst sehr provokant aufgetreten“ und hätten sich auch als nichtdeutschsprachige Gäste und Behinderte ausgegeben. Da offenbart sich dann einmal mehr die Schwierigkeit beim Bewerten von Dienstleistungen. Was ist provokant? Ich hoffe mal, dass das nicht auf nichtdeutschsprachig und behindert bezogen war, aber es andererseits unhöflich oder dreist bedeutet, wäre das in der Tat auch eine Erklärung für vieles.

Ich persönlich würde es ja begrüßen, wenn sich in Berlin mal irgendwer fürs Taxigewerbe interessiert, BEVOR wir über ein Drittel beanstandenswerte Fahrten urteilen, es sei „besser als erwartet“.

PS: Wer daran interessiert ist, was einem sonst so als Taxi-Test verkauft wird, kann ja mal die hier lesen.

8 Kommentare bis “Taxitest in Wien”

  1. grutzi sagt:

    Beanstandet wurde unter anderem, dass viele Lenker kaum Englisch sprechen. Gerzabek hält das für überbewertet: „In Wien wird nun einmal deutsch gesprochen.“

    :facepalm:

    Unfassbar daemliche Aussage, vor allem, weil da ja alles andere als verstaendliches Deutsch geredet wird! 😛 Sowas kann auch nur ein Oesi ernsthaft bringen…

  2. Taxi 123 sagt:

    Das eine Drittel relativiert sich ganz schnell, wenn man liest welche Mängel es waren: schlecht leserliche Quittungen, nicht sichtbare Unternehmensschilder und zu laute Musik. Die Verweigerung der Fahrt kam wohl „nur“ 10mal vor. Da kann ich mir gut vorstellen, daß man in Deutschland öfter am Stand nach ganz hinten geschickt wird ( auch eine Form von Verweigerung).Interessant ist aber in diesem Zusammenhang, daß die Kontrollen angekündigt waren und in kleinerem Umfang öfter stattfinden sollen. Bezahlt wird der Test von der Innung, die dafür immerhin 40.000 € ausgibt.

  3. Sash sagt:

    @grutzi:
    Naja, ich denke, der Dialekt zählt durchaus als deutsch 😉
    Was die Englisch-Kenntnisse angeht, ist es indes aber auch wirklich problematisch mit dem Testen. Dass man „to the tv tower“ noch verstehen sollte, ist sicher nett. Aber realistisch betrachtet wird es auch nirgends gefordert von Taxifahrern. Wenn ich bedenke, dass der Taxitest vom ADAC letztes Jahr allen ernstes in Englisch absolviert wurde – und dann als Mangel genannt wurde, dass die Fahrer kein Restaurant empfehlen konnten, dann geht das doch etwas zu weit. Ob in Wien oder Berlin! Und wenn ich an die Kollegen denke, die sich perfekt in Türkisch, Arabisch, Russisch, Tschechisch, Spanisch und was auch immer mit ihren Kunden unterhalten können, dann wirkt es schon angemessen, nur Leuten wie mir taugliches Wissen zu unterstellen, der ich ein paar Jahre Englisch in der Schule hatte.

    @Taxi 123:
    Ich wollte nicht behaupten, dass der Test einseitig gut und das Ergebnis einseitig schlecht ist. Aber man erkennt Unterschiede zu dem, was einem sonst so aufgetischt wird…

    @Senior:
    Autsch! Auch vernichtende Kritik 🙁

  4. Ivo sagt:

    servus sash,

    ja ich bin wiener. und regelmäßiger taxibenutzer. und da ich eher am stadtrand wohne habe ich idr ca. 15€ touren. und ich bin ein gast der stillen sorte der sicch selten aufregt. kleinere umwege machen mir auch nicht wirklich was aus. und trotzdem – meine persönliche quote sieht ähnlich aus: ca. 1/3 der fahrten sind übel. meistens weil das taxi (obwohl von außen ganz passabel) eine katastrophe ist. entweder es stink erbärmlicht, oder das fahrwerk ist absolut schrottreif, oder der kollege kann nicht schalten, oder die automatik ist kaputt, oder der kerl telefoniert die ganze zeit mit seinem „haberer“ (=kumpel) oder es kommen fremdenfeindliche sprüche (in der hoffnung ich würde zustimmen). liste läßt sich fortsetzen. und es ist vollkommen egal ob ich in einen benz steige oder in irgendwas anderes. wobei… ich gesteh: ich vermeide dacia logan und lada. das muss echt nicht sein! mal ehrlich: wie kommt ein taxiunternehmer auf die idee einen lada auf die strasse zu schicken?

    die wiener taxiinnung ist sowieso ein fall für sich. die sind tatsächlich eine interessensvertretung der taxifahrer. und nichts anderes.

  5. Sash sagt:

    @Ivo:
    Traurig. 🙁
    Was die Ladas angeht: Natürlich, weil es günstig ist. Ist ja nicht so, dass die Gewinnmarge im Taxi irgendwie exorbitant wäre – da sieht jeder zu, wie er sparen kann. Ich kann über die aktuellen Ladas wirklich nichts sagen, hab ich auch noch nie als Taxi gesehen. Aber wenn man die Kollegen mit den Dacias so hört (z.B. der Taxiblogger), scheinen das nicht die schlechtesten Autos zu sein.

  6. Krischan sagt:

    Bei deiner „Konkurrentin“ (um BOBs) mitlesend scheinen sich manche Taxifahrer von den Ansprüchen von Behinderten schon provoziert zu fühlen. Beispiele http://www.jule-stinkesocke.blogspot.de/2012/04/statistik-taxi-medizin.html und http://www.jule-stinkesocke.blogspot.de/2012/03/plotzlich-so-anders.html

  7. Sash sagt:

    @Krischan:
    Ich hab leider auch schon öfter mitbekommen, dass Kollegen mit fadenscheinigen Begründungen die Fahrten ablehnen. Ich finde das echt unter aller Sau. Sicher ist es vielleicht mal ein bisschen mehr Arbeit, aber wie man so beschränkt sein kann, entzieht sich mir völlig.

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