Hallo FDP!

Nein, was niedlich!

Der Bundestag verfehlt seine eigenen Klimaschutzvorgaben in Bezug auf die Limousinenflotte. So fahren die Damen und Herren Politiker eben weiterhin gerne schwere Limousinen, obwohl es meist nur um wenig Strecke geht. Um’s gleich vorweg zu sagen: das ist mir schnuppe! Ich fänd’s schön, wenn sie ein bisschen mehr ihre Vorbildfunktion wahrnehmen würden, aber wirklich wichtig sind die paar Autos eben allenfalls für die Presse. Genauso wie man über die Diäten der Abgeordneten meinetwegen moralisch diskutieren kann – einen Einfluss auf den Bundeshaushalt haben die paar Kröten am Ende kaum, so viel isses dann schlicht auch nicht.

Das war aber auch noch nicht der Knaller an der Sache. Es gab nämlich  einen Lösungsvorschlag, der nahe lag:

Warum nicht einfach öfter mal ein Taxi nehmen als bisher?

Jetzt könnte man irgendwelche Antworten von „Aber die brauchen immer so lange!“, „Mimimi, will einen eigenen!“ oder „Nee, nachher lande ich in ’nem Zafira!“ erwarten. Aber weit gefehlt:

Die kleine Spaßpartei FDP lässt verkünden,

„dass die Taxifahrer oftmals dazu neigten, Belehrungen politischer Art abzugeben.“

Also mal abgesehen davon, dass ich selbst als Taxifahrer allenfalls vom Fahrgast gewünschte politische Diskussionen aufgreife:

Liebe FDP,

da ihr offenbar alleine durch die wahrscheinlich brutalst radikalisierte Meinung der Berliner Taxifahrer gegängelt werdet, denkt auch mal drüber nach, ob vielleicht euer Programm daran schuld sein könnte. Ich hab hier zufällig einen aktuellen Brief von eurem Chef-Heinzelmännchen Rainer Brüderle rumliegen, in dem er erklärt, wie töfte wir doch hier gerade alle in Deutschland leben. Ein Haufen schnuffiges Finanzmarkt-Geblubber, aus dem am Ende wieder nur rauszulesen ist, dass mit der nächsten Steuersenkung sogar alles noch besser wird.

Ich meine, gut, Sie sind sich da wenigstens selbst treu, Respekt!

Aber mal im Ernst: Wir hier unten in den hellelfenbeinfarbenen Wagen, wir verdienen so wenig Kohle, dass uns Steuern am Arsch vorbeigehen! Ich hab dieses Jahr keine zahlen müssen, zu niedriger Verdienst. Und die Unsummen auf der hohen Kante (also im Kleingeldglas) hab ich bislang einfach noch nicht so wirklich in Aktien und Altersvorsorgen investieren können – entweder weil nix davon wirklich übrig war, oder weil es sich erst lohnt, wenn ich etwa dreimal so viel reinstecke, wie ich derzeit insgesamt zur Verfügung hab.

Vielleicht, aber nur vielleicht, könnte es ja sein, dass Ihnen ein paar politische Belehrungen ganz gut tun würden …

Mit freundlichen Grüßen,

Sascha Bors, Berliner Taxifahrer

Ist das weit?

Da fahr ich am Ostbahnhof weg, weil nix los ist. Die Straßen waren voller Winker, also warum sich die Reifen plattstehen? Und siehe da: Ich fahre nur einmal ums Eck und in der Straße der Pariser Kommune, direkt vor dem Ostel, standen zwei Mädels. Kurzes Reinklettern, dann die Ansage:

„Einmal Kurzstrecke ins Berghain.“

Na gut, wenn es das wert ist. Ich hab keine Diskussion gestartet, die die Kurzstrecke haben wollen, wissen in der Regel Bescheid. In dem Fall wäre der Normaltarif vielleicht sogar 20 bis 40 Cent billiger gewesen, aber wayne? Dann meinte Madame auf dem Beifahrersitz:

„Und, is des weit?“

„Äh, nee. Quatsch, das sind vielleicht 400 Meter.“

„Orrr, ich bring Dich um!“

Das war glücklicherweise nicht an mich gerichtet, sondern ihre Freundin. Die konterte:

„Hey, letztes Mal hat des irgendwie weiter gewirkt. Und da sind wir dann durch irgendwelche ewig langen Gassen gelaufen …“

Gut, war vielleicht doch sinnvoll, dass sie ein Taxi genommen haben. Irgendwelche Gassen liegen auf dem kürzesten Weg nämlich nicht.

Pjotr

Das im Fritz-Club stattfindende Metal-Festival, bei dem ich auch den Dorfmetaller aufgenommen hab, hat am vergangenen Wochenende gleich für ein paar Fahrten gesorgt. Unter jenen war auch eine zweite zusammengewürfelte Truppe. Vier lustige Menschen mit guter Laune und Pjotr.

Pjotr war das übliche Drogenopfer, das einem bei Konzerten irgendwann über den Weg wankt und das man bei positiver Grundhaltung den Abend über mitschleppt, weil es ja doch irgendwie ganz lustig ist. Pjotr hat sich freiwillig in die letzte Sitzreihe gesetzt und noch vor der Losfahrt eine Position eingenommen, bei der nicht mehr rauszufinden war, wo sich sein Kopf befand. Nach einer kurzen Zurechtweisung und einigen Fucks aus seinem Mund saß er aber brav und angegurtet, so dass ich die Fahrt doch angetreten hab.

Die restliche Besatzung war wie erwähnt in brauchbarerem Zustand und neben dem Musikhören im Auto bleibt vor allem ein nettes Gespräch mit meiner englischsprachigen Beifaherin. Sie hat mir auch erst erklärt, dass sie Pjotr gar nicht kennen würden, was er mit einem lauten „Fuck!“ beantwortete. Das war übehaupt sein Lieblingswort und zum Ende der Fahrt hin gab er einen mehrminütigen Monolog zum Besten, der außer fuck und fucking kaum verständliche Aussagen enthielt, aber selbst die irische Besatzung zum Lachen brachte. Und das will was heißen …

Meine Beifahrerin bezahlte passend, drückte mir dann aber noch einen Euro in die Hand. Mit der süßen Begründung:

„Well, here, I guess you deserve that.“

Pjotr bevorzugte statt dem normalen Ausstieg kopfüber aus dem Kofferraum zu purzeln und er tat das, als hätte er da einige Erfahrung mit. Nachdem er ein bisschen theatralisch auf der Greifswalder Straße lag und meine Versuche, ihm hochzuhelfen, abwehrte, sprang er geradezu auf, straffte die Kutte, baute sich gespielt gefährlich vor mir auf (er reichte mir etwa bis zur Schulter) und murmelte etwas auf Russisch. Ich gab zu erkennen, dass ich ihn nicht verstehen könne, woraufhin er meinte:

„FUCK! I’m asking: do you like Metal?“

„Well …“

„DO YOU FUCKING LOVE HEAVY METAL?“

„YES!“

„Oh. Ehm, hm. Good guy! Good guy …“

Und dann ist er pinkeln gegangen, der Pjotr.

Erklärungsresistent

„Des ist jetzt aber auch nicht legal, oder?“

„Was?“

„Dass der da jetzt im Kofferraum sitzt …“

„Ähm, da ist ein Sitz.“

„Ja, aber nicht legal, oder?“

„Ähm, doch.“

„Aber doch nicht im Kofferraum.“

„Der sitzt nicht im Kofferraum! Der sitzt auf einem Sitz und ist angeschnallt!“

„Mir ist das egal, aber legal kann das nicht sein.“

„Was soll denn an einem regulären Sitz illegal sein?“

„Hallo! Im Kofferraum!“

Das sind so Gespräche, aus denen man sich nach spätestens zwei Minuten ausklinkt. -.-

Dorfmetall!

Konzerte. Hach.

Ich weiß nicht, wie es der werten Leserschaft geht, aber für mich waren Rock-Konzerte immer das Maß aller Dinge in Punkto Freizeitgestaltung. Ich war schon in Discos und Clubs und hab an einem Abend eine sehr geile Performance eines Saxophonisten gesehen, der zu einem Elektro-Beat Improvisationen von sich gab. Ich habe ein oder zwei Klassikkonzerte gesehen, ebenso mit Fettes Brot und Eins Zwo guten Live-HipHop. Ich habe in einem New Yorker Schuppen Jazz vom feinsten verfolgt, war bei Pur in der Schleyerhalle und manchmal singe ich komische Sachen unter der Dusche. Aber Rock-Konzerte …

Die toten Hosen, die Ärzte, H-Blockx, Thumb, Dog eat Dog, No Doubt, Dritte Wahl, Simon Says, Sum 41, Revolver, Polluted Paradise, J.B.O., Censored Poetry, Green Day, Morgentot usw. usf. …

Egal, am Ende waren es doch die Stiefelabdrücke im Gesicht, die ein Konzert unvergesslich machten! Abgebaute Spannungen, Pogo, Action!

So gesehen war es mehr als nur schön, als mir am Wochenende ein nicht schwer als Metaller zu identifizierender junger Mann die Frage stellte, ob ich wüsste, wo das Blackland sei.

„Ähm, glaube ja …“

Keine Über- oder Untertreibung. Ich war mir ziemlich sicher, aber man irrt sich ja auch mal. Normalerweise hätte ich das alles nochmal recherchiert, aber neben dem Typen stand noch ein Pärchen, das auch gerne mitfahren wollte. Gut, deren Tour wäre nicht zu lang gewesen, aber man bemüht sich ja um die Kundschaft.

Kurz darauf war klar, dass der verstrahlte Ober-Metaller zumindest mal in die gleiche Richtung musste. Also haben sie sich das Taxi geteilt. Ich kann das für Fahrgäste grundsätzlich empfehlen, aber in der Realität kostet es mich als Taxifahrer dann doch manchmal Nerven (siehe Osama und Lisa ff.). Hier nicht.

Das Pärchen, ebenfalls auf dem Konzert gewesen, zahlte unproblematisch die Fahrt bis zu ihrerr Bude. Dann kam der Auftritt des Dorfrebellen:

„Ach, mein Dorf – offiziell Stadt – das ist ja so klein! Wie der Kreisel hier. Ich komm‘ quasi hier aus’m Kreisel, weisse Bescheid!“

Die Adresse war glücklicherweise richtig, so dass am Ende alle zufrieden waren. Inklusive mir. Und irgendwie stieg in mir das Verlangen, meine CD danach lauter zu stellen …

Nerdiges

„Also ganz ehrlich: deinen Namen hab ich immer noch nicht so richtig verstanden.“

„Das is auch besser so. Wenn Du bloggst, schreib einfach ‚Hans Meiser‘, dann weiß ich, dass ich es bin.“

Es mag unglaubwürdig klingen, aber so endet nicht jede Fahrt mit einem Leser. 🙂

Angefangen hat alles mit einer Last-Minute-Bestellung* vom Ostbahnhof zur c-base. Statt nun mit mir einfach direkt Richtung Norden zu tuckern, hat mich mein später anonym bleibender Fahrgast erst einmal angeboten, mir ein Getränk zu spendieren und mich ein bisschen in der Base rumzuführen – was echt eine geile Sache war.

Ich hab sogar den Drang unterdrückt, zu twittern, wo ich bin – da war ich an dem Abend wahrscheinlich so ziemlich der einzige dort. Hab wahrscheinlich ganz schön abgebrüht gewirkt, als ich da mit einer Premium-Cola ganz nüchtern rumgeguckt hab, während irgendwelche betrunkenen Partypeoples versucht haben, direkt daneben Mario Sixtus zu beeindrucken.

Insgesamt war der Aufenthalt dann halt doch nur kurz, ich war schließlich zum Arbeiten da. Das hab ich im Folgenden auch recht konsequent gemacht, indem ich zwei U-Bahn-Stationen verwechselt hab und deswegen meine 1925 zwei runde Kilometer Umweg aufs Straßenparkett legen ließ.

Mein Fahrgast schwankte von dannen und versprach einen erneuten Anruf. Soll ich die Nummer jetzt echt unter „Hans Meiser“ abspeichern? Wenn dann der echte anruft, sag ich ihm wahrscheinlich, dass ich mich alleine verarschen könne – und das … afk, Telefonbucheintrag ändern.

*Last Minute war es vor allem, weil ich ansonsten recht bald vom Stand weggekommen und damit besetzt gewesen wäre.

PS: Vielen Dank für all die Geburtstagsgrüße und Geschenke, zu denen ich bisher keine großen Worte gefunden habe! Danke, danke, danke! Es ist toll mit euch Lesern!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Taxi-„Chaos“ in den Medien

Also mal abgesehen davon, dass „die Medien“ es zum Thema „Taxi-Streit in Schönefeld“ immer wieder schaffen, aktuellen Entwicklungen hinterherzuhecheln und fast ein chaotischeres Bild hinterlassen als die Realität ohnehin schon,  war ich anlässlich des aktuellen Tagesspiegel-Artikels auch andersweitig verwundert. Er nutzt Schönefeld nur als Aufhänger und beschreibt die Regelungen einiger anderer Flughäfen, bei denen es auch „komisch“ ist mit der Taxenregelung zwischen den Städten und Landkreisen.

Ich stimme dem Journalisten Rainer W. During zu, dass viele dieser Regelungen zu Ungunsten des Kunden – und sogar der Umwelt (Leerfahrten, wie im Text erwähnt) umgesetzt werden. Und die Kindergärtnereien um Schönefeld will ich nicht verteidigen. Aber es wäre vielleicht schön gewesen, wenigstens einen kleinen (einen klitzeklitzekleinen!) Hinweis darauf zu geben, WARUM das so ist. Und das ist eine einfache Geschichte:

Die Pflichtfahrgebiete und die örtlichen Tarife.

Städte und Landkreise in Deutschland haben unterschiedliche Taxi-Tarife. Und das mit Grund. Wir Taxifahrer sind zwar privat organisiert, unterliegen aber als Teil des öffentlichen Nahverkehrs nicht nur manch besonderer gesetzlichen Regelung, sondern haben diesbezüglich auch einen Auftrag zu erfüllen: nämlich die Mobilität zu gewährleisten. Obwohl Taxifahren von der Sache her manchen immer zu teuer sein wird, sind die Tarife nichts, was wir uns ausdenken. Die werden ausgehandelt – mit den jeweiligen Städten und Landkreisen. Und das gibt sogar Sinn:

Deutschland ist ein vielschichtiges Land und irgendwie müssen wir alle darin leben. Das heißt im konkreten Fall: Sowohl die Taxifahrer und -unternehmer müssen von ihrem Beruf leben und die Bevölkerung muss sich die Taxen leisten können. Deswegen sind die Tarife jeweils auf die Gegebenheiten in der Region angepasst. Es ist einfach fairer als von Cuxhaven bis Berlin die gleichen Preise zu verordnen! Es ist schwer genug, bei den Tarifen die Balance zu halten und das wird ohnehin hier und da versemmelt – ein deutscher Einheitstarif würde in manchen Gegenden dafür sorgen, dass keiner mehr mit dem Taxi fährt, in anderen dafür, dass keiner mehr als Taxifahrer arbeiten würde.

Und wenn ein Flughafen, der „eigentlich“ zu einer großen Stadt gehört, in einem umliegenden Landkreis liegt, dann besteht da ein Interessenkonflikt. Und zwar nicht nur innerhalb des Gewerbes, sondern auch für die Kunden.

Bezüglich Schönefeld beispielsweise ist es so, dass die Tarife der Brandenburger Taxen (für die häufigsten Fahrten) höher sind als die der Berliner. Gleichzeitig geht ein Großteil der Fahrten nach Berlin, allerdings müssen die Brandenburger Fahrer keine Ortskundeprüfung für Berlin machen. Andererseits nehmen wir Berliner Taxifahrer den Brandenburgern natürlich jede Menge Fahrten weg, obwohl sie nicht in unserem Landkreis stattfinden – und wir müssen uns in Schönefeld selbst z.B. auch nicht auskennen. Je nachdem, wie die Lösung also aussieht, trägt ein Teil der Kunden oder ein Teil der Fahrer Nachteile mit sich herum. Die Leerfahrt für einen Brandenburger Taxifahrer von Nord-Berlin nach Schönefeld beispielsweise ist ärgerlich – soll er aber stattdessen lieber Kunden in für ihn fremdem Gebiet zu einem von den Kunden nicht gekannten Tarif befördern dürfen?

Ich hab da keine Patentlösung, präferiere im vorliegenden Fall tatsächlich eher eine Zusammenlegung des Gewerbes, aber es ist auch nicht so, dass „die Taxifahrer“ sich einfach bundesweit kabbeln ohne Sinn und Verstand. Zum einen stecken da ein Haufen Regelungen dahinter, für die wir nichts können, zum anderen ist viel Gekabbel dafür auch gerade im Sinne der Kunden.

Diese Betrachtungsweise vermisse ich im Tagesspiegel.