Taxi-„Chaos“ in den Medien

Also mal abgesehen davon, dass „die Medien“ es zum Thema „Taxi-Streit in Schönefeld“ immer wieder schaffen, aktuellen Entwicklungen hinterherzuhecheln und fast ein chaotischeres Bild hinterlassen als die Realität ohnehin schon,  war ich anlässlich des aktuellen Tagesspiegel-Artikels auch andersweitig verwundert. Er nutzt Schönefeld nur als Aufhänger und beschreibt die Regelungen einiger anderer Flughäfen, bei denen es auch „komisch“ ist mit der Taxenregelung zwischen den Städten und Landkreisen.

Ich stimme dem Journalisten Rainer W. During zu, dass viele dieser Regelungen zu Ungunsten des Kunden – und sogar der Umwelt (Leerfahrten, wie im Text erwähnt) umgesetzt werden. Und die Kindergärtnereien um Schönefeld will ich nicht verteidigen. Aber es wäre vielleicht schön gewesen, wenigstens einen kleinen (einen klitzeklitzekleinen!) Hinweis darauf zu geben, WARUM das so ist. Und das ist eine einfache Geschichte:

Die Pflichtfahrgebiete und die örtlichen Tarife.

Städte und Landkreise in Deutschland haben unterschiedliche Taxi-Tarife. Und das mit Grund. Wir Taxifahrer sind zwar privat organisiert, unterliegen aber als Teil des öffentlichen Nahverkehrs nicht nur manch besonderer gesetzlichen Regelung, sondern haben diesbezüglich auch einen Auftrag zu erfüllen: nämlich die Mobilität zu gewährleisten. Obwohl Taxifahren von der Sache her manchen immer zu teuer sein wird, sind die Tarife nichts, was wir uns ausdenken. Die werden ausgehandelt – mit den jeweiligen Städten und Landkreisen. Und das gibt sogar Sinn:

Deutschland ist ein vielschichtiges Land und irgendwie müssen wir alle darin leben. Das heißt im konkreten Fall: Sowohl die Taxifahrer und -unternehmer müssen von ihrem Beruf leben und die Bevölkerung muss sich die Taxen leisten können. Deswegen sind die Tarife jeweils auf die Gegebenheiten in der Region angepasst. Es ist einfach fairer als von Cuxhaven bis Berlin die gleichen Preise zu verordnen! Es ist schwer genug, bei den Tarifen die Balance zu halten und das wird ohnehin hier und da versemmelt – ein deutscher Einheitstarif würde in manchen Gegenden dafür sorgen, dass keiner mehr mit dem Taxi fährt, in anderen dafür, dass keiner mehr als Taxifahrer arbeiten würde.

Und wenn ein Flughafen, der „eigentlich“ zu einer großen Stadt gehört, in einem umliegenden Landkreis liegt, dann besteht da ein Interessenkonflikt. Und zwar nicht nur innerhalb des Gewerbes, sondern auch für die Kunden.

Bezüglich Schönefeld beispielsweise ist es so, dass die Tarife der Brandenburger Taxen (für die häufigsten Fahrten) höher sind als die der Berliner. Gleichzeitig geht ein Großteil der Fahrten nach Berlin, allerdings müssen die Brandenburger Fahrer keine Ortskundeprüfung für Berlin machen. Andererseits nehmen wir Berliner Taxifahrer den Brandenburgern natürlich jede Menge Fahrten weg, obwohl sie nicht in unserem Landkreis stattfinden – und wir müssen uns in Schönefeld selbst z.B. auch nicht auskennen. Je nachdem, wie die Lösung also aussieht, trägt ein Teil der Kunden oder ein Teil der Fahrer Nachteile mit sich herum. Die Leerfahrt für einen Brandenburger Taxifahrer von Nord-Berlin nach Schönefeld beispielsweise ist ärgerlich – soll er aber stattdessen lieber Kunden in für ihn fremdem Gebiet zu einem von den Kunden nicht gekannten Tarif befördern dürfen?

Ich hab da keine Patentlösung, präferiere im vorliegenden Fall tatsächlich eher eine Zusammenlegung des Gewerbes, aber es ist auch nicht so, dass „die Taxifahrer“ sich einfach bundesweit kabbeln ohne Sinn und Verstand. Zum einen stecken da ein Haufen Regelungen dahinter, für die wir nichts können, zum anderen ist viel Gekabbel dafür auch gerade im Sinne der Kunden.

Diese Betrachtungsweise vermisse ich im Tagesspiegel.

7 Kommentare bis “Taxi-„Chaos“ in den Medien”

  1. elder taxidriver sagt:

    Die Wirtschaftsnobelpreisträger Alvin E. Roth und Lloyd Shapley könnten dazu vielleicht etwas sagen. Weil sie was rausbekommen haben über ‚ Funktionierende Märkte‘.

  2. Aro sagt:

    Einspruch, Euer Ehren!
    Das meiste Gekabbel hat primär mal den Sinn, den eigenen Verband zu profilieren und sich aus Prinzip gegen die anderen Taxiverbände durchzusetzen. Und das gilt für alle, leider.

  3. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Wer etwas von funktionierenden Märkten versteht, ignoriert das Taxigewerbe doch sicher … 😉

    @Aro:
    Das mag zum Teil stimmen, deswegen sind aber die Hintergründe nicht per se unsinnig. Schönefeld ist z.B. wie gesagt Kindergarten. Aber irgendeine Lösung sollte trotzdem her.

  4. Sphen sagt:

    Ich bleibe dabei, die Münchener Lösung ist wenigstens Praktikabel… Naja Flughäfen sind schon recht lange ein Problem, zum Glück sind wir weit genug weg von einem Flughafen und müssen uns nur mit Vorbestellungen und Hinfahrten rumschlagen, und nicht auch noch mit dem ganzen Mist am Flughafen-Stand…

  5. Rosa sagt:

    Jetzt hab ich den Blogeintrag gelesen und den Artikel erst, nachdem ich meinen Kommentar über den einen der beiden Taxistandplätze in München schon fast fertig hatte. Man kann das Schild übrigens auf Google-Maps-Streetview sehen, Leopoldstr. 202 ist das Hotel, der Taxistand ist südlich von dem Busparkplatz vor der Tür.

  6. Taxi 123 sagt:

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß sich der Konflikt in Schkeuditz hauptsächlich dadurch gelöst hat, daß aus der einen Stadt kein Taxi mehr dort wartet, sondern nur auf Vorbestellung von Stammgästen zum Flughafen fährt und deshalb nur noch aus der anderen Stadt Taxis konfliktfrei warten. Inzwischen dürfte es aber zumindestens mit den Tarifen keine Probleme mehr geben, da seit dem 1. Juli 2012 in Halle und Leipzig und in den jeweiligen Umlandkreisen derselbe Tarif gilt.

  7. Sash sagt:

    @Sphen:
    Meinetwegen könnte der Flughafen auch zu bleib… oh, Moment mal! Das passiert ja wohl eh 😉

    @Taxi 123:
    Das wird hier in Berlin halt vielleicht schwierig, weil – zumindest bisher – zu wenige LDS-Taxen existieren, um den Flughafen zu bedienen.

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