Erste Tour

Meine erste Tour verlief ja so unspektakulär, dass ich sie trotz aller Aufregung dennoch mit der kompletten ersten Schicht verbloggen konnte. Gut, ich hab das Navi nicht geblickt und hätte ohne dennoch nicht den Weg zur Friedrichstraße gefunden – aber immerhin hatte ich verständnisvolle Kundschaft 🙂

Da verliefen die ersten Touren des ein oder anderen Kollegen doch ein wenig spannender.

Den absoluten Glücksgriff hatte allerdings offenbar ein älterer Kollege. Zugegeben, es klingt ein wenig nach Urban Legend, aber ich kann wenigstens eines versichern: Der Kollege ist nicht gerade bekannt für Räuberpistolen und Anglerlatein. Ich hab ihn trotz etlicher Gespräche noch nie mit irgendwelchen Touren prahlen gehört und auch das kam jetzt eher nebenbei ans Licht:

Seine erste Tour war gleich eine Tour mit Fast-Geburt im Taxi. Und zwar immerhin mit Sauerei im Auto, geplatzte Fruchtblase und so…

Glücklicherweise hat mich dieses Schicksal ja noch nicht ereilt. Ein bisschen knapp war es zwar auch bei mir schon mal, aber von ernstlichen Problemen war ich damals wohl noch weit entfernt. Und vor allem war es nicht die erste Tour!

Tankkarte

Ich unfehlbarer Held hab bei meinem letzten Wochenendeinsatz dummerweise die Flottenkarte für Total in meinem Portemonnaie liegen lassen, sprich: mit nach Hause genommen. Da hilft sie meinem Tagfahrer natürlich nur bedingt. Ihm ist das Fehlen der Karte erst gestern aufgefallen, woraufhin er mich angerufen hat, um sicherzugehen, dass sie nicht etwa komplett verloren gegangen ist.

In unserem Fall ist das echt kein Problem: Wir können jederzeit mit unseren Einnahmen bar bezahlen und die Rechnung bei Cheffe auf den Tisch legen. Bei einer kompletten Tankfüllung Erdgas sind das ohnehin maximal 20 €, kein Grund, sich wirklich Sorgen zu machen. Macht mein Tagfahrer offenbar doch, denn er hat am Telefon darüber sinniert, ob er jetzt erstmal auf Benzin fährt und dann eine Aral-Tankstelle sucht (für die wir auch eine Karte im Wagen haben).

Man kann sich das Leben auch kompliziert machen 🙂

Gerechtigkeit: zu nehmen je ein Tropfen zweimal stündlich.

Ich gehöre nun ja echt zu den Taxifahrern, die ihren Kollegen die Touren nicht neiden und auch sonst gerne mal fünfe grade sein lassen. Aber es ist immer wieder ein Ärgernis, überholt zu werden. Im Laufe der letzten Woche kam es dann, dass ich von Tempelhof aus in Richtung City gegurkt bin und mich auf dem T-Damm rotzfrech ein Kollege mit seiner E-Klasse stehengelassen hat. Zunächst bin ich hinterher, aber jenseits der 70 km/h ergreift dann bei mir meist die Vernuft die Oberhand über die Wut und ich lasse die Sau davonpreschen. Mir wegen einem Arschloch auch noch Punkte zu holen, würde mich wesentlich mehr fertig machen, als die Tatsache, dass es Arschlöcher gibt.

An der nächsten Ampel hatte ich ihn dann schon verloren, so what?

Und hinter der Ampel kam dann ein Winker angesprintet, der sich gerade noch rechtzeitig hat bemerkbar machen können. Im Grunde mehr als optimales Timing! Vielen Dank an den Kollegen und eine hoffentlich auftragsfreie Fahrt bis Frohnau!

Kaum dass ich den Kunden in der Köpenicker Straße in Kreuzberg abgesetzt habe, bin ich auch schon wieder an meinem Lieblingsbahnhof gelandet. Ich fuhr mit einem Kollegen im Schlepptau an der ganzen Schlange vorbei. Ich schlage beim Wenden gerne einen großen Haken, sodass ich etwas überrascht war, als der Kollege hinter mir plötzlich den Blinker setzte und sich anstellte. Aber gut, was soll’s? Ich hab ja auch nicht rechtzeitig geblinkt, woher sollte der Fahrer wissen, dass ich mich auch an den Stand stellen wollte?

Ich hab gewendet, mir mein Buch geschnappt und mir gar nichts weiter dabei gedacht. Wohl aber der Kollege!

Der kam umgehend aus dem Auto und bedeutete mir, ich solle doch bitte vorfahren. Ich sei zuerst dagewesen und er wolle sich keinesfalls vordrängeln. Das sei mein Platz in der Schlange, also bitte.

Hab ich gemacht. Und im Gegensatz zu vielen anderen hat es mich ein kleines Bisschen gefreut, dass wir gleichzeitig weggefahren sind und ich mitbekommen hab, dass seine Tour nach Schönefeld ging. Keine Frage, 30 € hätten sich auch auf meiner Uhr gut gemacht, aber erstens ist das nicht vorhersehbar gewesen und zum anderen hat es mich für knapp 20 € in Richtung Marzahn getragen, wo ich anschließend 10 Minuten Pause zu Hause machen konnte. War also auch für mich wirklich nicht schlecht 🙂

Und falls noch Fragen bezüglich des Überholens offen sind: Nein, ein Gesetz ist es nicht, dass sich freie Taxen nicht überholen dürfen! Es ist nichts weiter, als ein Ehrenkodex unter Taxifahrern – einer, der allerdings einen enormen praktischen Nutzen hat: Er verhindert, dass immer der schnellere Fahrer alle Kunden abgreift und begünstigt den Zufall – der sowieso im Gewerbe vorherrscht (man weiß ja nie, welcher Kunde wohin will!)  und auf lange Zeit ausgleichend wirkt. Damit verhindert diese ungeschriebene Regel übermäßige Raserei unter Taxifahrern und verteilt unsere Verdienstchancen so fair wie möglich.

Deswegen bin ich verdammt froh, wenn es auch einfach mal direkt zu positiven Effekten beim Einhalten und negativen beim Übertreten kommt. Obwohl der Kollege am T-Damm ja eher einen Blitzer verdient hätte…

A… bfrieren

Autos haben so ihre Macken. Meines natürlich auch. Die letzten Schichten waren eher unangenehm, da es Ewigkeiten gedauert hat, bis die Kiste endlich mal halbwegs warm geworden ist. Also über 15°C bei 5°C Außentemperatur…

Das ist nun Geschichte, ein Hinweis an meinen Tagfahrer hat gereicht:

Guter Rutsch jetzt auch mit warmem Hosenboden! Quelle: Sash

Jetzt bleibt bloß zu hoffen, dass die komischen Geräusche, die gerade gelegentlich auftreten, nicht die Silvesterschicht ruinieren. Aber in dieser Nacht gilt wohl mehr als in allen anderen: So lange das Auto prinzipiell schneller ist als Fußgänger, kommt es auch zum Einsatz 😀

Nee…

Ich bin dafür, dass wir neben der ganzen Gewinnspielgeschichte nun auch langsam mal wieder die Taxigeschichten-Zeit hier im Blog einläuten. Ich selbst fahre zwar erst heute Abend wieder, aber der Besuch bei Cheffe neulich hat mich auch insofern erheitert, als der nette Kollege, der mich heimgefahren hat, noch eine seiner Geschichten von letztem Monat zum Besten gegeben hat.

Offenbar hat er nach einem Konzert einen ziemlich verstrahlten Typen aufgegabelt, lange Haare, Lodenmantel bis zu den Stiefeln. Mein Kollege hat den Fahrgast gefragt, wo er hinmüsse, woraufhin dieser eine eher unorthodoxe Antwort gab:

„Du, äh, ganz ehrlich: Ich weiß es nicht! Fahr erstmal los…“

Mein Kollege hat dann ziemlich gekonnt umschrieben, wie er vorsichtig und unter stetigem Nachfragen eine mittelgroße Runde gedreht hat und nach rund einem Kilometer mit 4,80 € auf der Uhr wieder am Ausgangspunkt angekommen, erneut gefragt hat:

„Und? Isses dir wieder eingefallen?“

„Äh, nee.“

Daraufhin hat der Kollege, hilfsbereit wie wir nunmal sind, nicht nur Stadtteile runtergebetet, sondern auch in Erinnerung gerufen, dass der Fahrgast ja vielleicht eine Karte vom Hotel oder etwas ähnliches haben könnte. Der junge Mann hat daraufhin seine Taschen geleert, dabei immerhin offenbart, dass er Geld dabei hat, ansonsten aber eher in die Röhre geschaut. Auf seinem Personalausweis war vermerkt, dass er aus Wolfsburg kam. Mein geschäftstüchtiger Kollege hat natürlich gleich angemerkt:

„Wolfsburg ist doch gut, also ich fahr dich da gerne hin!“

Als Antwort bekam er kleinlaut:

„Nee, des is ja jetzt dann doch’n bisschen weit, ne?“

Am Ende kam das Gedächtnis glücklicherweise wieder und mehr als 3 € über normal sollen auch nicht auf der Uhr gestanden haben, als er in Friedrichshain abgeladen wurde. Ich persönlich frage mich ja immer noch, wie man in ein Taxi steigen kann ohne zu wissen, wo man hin muss. Aber selten ist das Phänomen dann ja auch nicht. Meine liebsten Fahrten in der Art waren ja beispielsweise der Typ im himmelblauen Shirt, der andere, der sein Hostel auch nicht kannte und zu guter Letzt irgendwie auch die beiden Hamburger

Reisen, Röcheln, Riesenkraken 5

Falls sich wer über den Titel des Eintrags wundert – oder gar den Zeitpunkt der Veröffentlichung: Das hier ist Teil einer kleinen Serie über meine Hochzeit. Überwiegend waren das natürlich keine Taxigeschichten, deswegen gibt es sie auch bei Sashs Blog. Und dort fangen sie genau hier an.

Als in Taxidingen immer knallharter Rechercheur und Besserwisser vom Dienst war ich natürlich auf meine erste Taxifahrt in Stuttgart nach langer Zeit sehr gespannt. Ich hab mich vorbereitet, um zwischen all meinen halblebigen Freunden als wirklich durchschnittlicher Fahrgast gelten zu können. Ich hab mindestens 7 Bier und 2 Wodka getrunken und gleich ohne Missverständnisse geklärt, dass ich garantiert nicht ins Auto kotze, weil ich selber Taxi fahre.

OK, ganz ehrlich: Keine Ahnung, was ich dem sehr geduldigen Kollegen erzählt habe. Über die Preise haben wir geredet, aber soweit ich das sehe, hat mich das Schlitzohr angelogen. Denn natürlich liegen die in Stuttgart meist über denen in Berlin. Der Startpreis nicht, und Kilometer 6 und 7 wohl auch nicht. Dennoch müssten 90% der Fahrten teurer sein dort unten. Aber vielleicht wollte er mich auch nur testen…

Er ist jedenfalls den perfekten Weg gefahren (der aus einmal wenden und dann nix mehr) bestanden hat, aber lobenswert ist es ja dennoch.  Also wenn er schon beim Preis lügt 😀

Nein, im Grunde war er ebenso nett wie der zweite Kollege, der uns dann vom Bahnhof zum Hostel genommen hat: Gute Fahrer, gute Autos, nette Gespräche, entsprechend gab es eben auch Trinkgeld.

Aber nach Details dürft ihr mich dieses Mal echt nicht fragen…

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Maßlose Übertreibung

Man wirft den Berliner Taxifahrern ja gerne eine gewisse Ruppigkeit vor. Dieser Vorwurf ist nicht immer böse gemeint, immerhin leben wir hier in einer Stadt, in der es angeblich total urtypisch ist, sich gegenseitig beleidigt anzuschnauzen. Wie in meinen Heimatkreisen im südwestlichen Deutschland das „Bruddeln“ auch mal liebevoll als Verhaltensweise erwähnt wird, ist es hier in Berlin dann die „Berliner Schnauze“.

Ich halte das in beiden Fällen zumindest beim näheren Nachdenken darüber für eine seltsame Verhaltensweise, aber man sollte froh sein, dass nicht jede Verstimmung gleich als Schlimm gebrandmarkt wird.

Kollege Eddi ist wahrscheinlich so ein typischer Fahrer. Er ist eigentlich ein netter und entspannter Kerl, mit dem man sich hier und da gut unterhalten kann, aber wenn es nicht so recht nach seinen Wunschen läuft, dann wird er doch schnell ziemlich ausfallend. Folglich hab ich von ihm schon sehr sehr bedenkliche Aussagen über Kunden und das Geschäft im Allgemeinen gehört, denn wie allgemein bekannt ist, geht es dem Gewerbe eher schlecht und das Leben ist ohnehin kein Ponyhof.

Umso niedlicher fand ich dann die Formulierung, die er letztens verwende hat, als ich ihn unbedarft gefragt habe, wie es denn bei ihm läuft. Es war nicht der beste Tag, zugegeben. Aber seine Behauptung entsprach wohl auch nicht ganz der Wahrheit:

„Wie’s läuft? Kollege, nix läuft hier! Ich bin heute mehr am Stand vorgerückt als überhaupt gefahren…“