Flundergrüße

Gut, mit den Fischen teile ich eigentlich nicht viel, eine gewisse Plattheit lässt mich gerade allerdings mit Flundern sehr solidarisch sein. Während meine bessere Hälfte sich gleich richtig von der Bildfläche verabschiedet hat, bin ich mir noch nicht so ganz sicher, wie es mir geht. Ich hab es jedenfalls die ganze Nacht weder ins Taxi, noch an die Tastatur geschafft.

Aber heute ist Freitag, ich gehe stark davon aus, dass mein Geldbeutel die notwendige Überzeugungskraft hat, um auch meinen Körper zu beeinflussen 🙂

Hab gehört, gegen Mattheit soll Kaffee ganz gut helfen …

So, Taxigeschichte gibt es nachher natürlich auch noch, aber ich wollte nicht gar nichts schreiben in dieser Nacht. Das geht irgendwie ja auch nicht. Ich wünsche einen guten Start ins Wochenende, ganz gleich, ob es Arbeit oder Ausschlafen bedeutet!

Ehrlich bleiben

Am Monatsanfang bei Cheffe

„Hey Christian, ich hatte da auch diesen Monat noch irgendwo 4 € Fehlfahrt*. Hab mir leider nicht notiert, wann das genau war. Im Notfall lass es drin, ist ja nicht die Welt!“

„Nee nee Du, streich ich dir raus. Wollen ja ehrlich bleiben hier!“

Einer der Gründe, weswegen ich gerne in der Firma arbeite …

*Fehlfahrt: Eine im Taxameter zwar gebuchte, aber nicht zu Einnahmen geführt habende Fahrt. In diesem speziellen Fall ging es um den/die freilaufendenen Deppen, wo ich die Tour für meinen Fahrgast gestoppt habe, dann aber dank zurücksetzen versehentlich den ganzen Betrag auf der Uhr genullt habe. Gewissermaßen Alltag – aber eben auch eine Portion Vertrauensvorschuss meiner Chefs.

Synchronfahren

Einer der unbedingten Pluspunkte am Taxifahren ist ja, dass man in seinem Auto erstmal alleine ist. Kein Chef, der einem zuschaut, selbst die Kollegen trifft man meist nur an der Halte oder hört sie vielleicht mal im Funk. Insbesondere an den guten Tagen aber trägt es einen so willkürlich durch die ganze Stadt, dass man den gern gesehenen Kollegen auch höchstens zwei- oder dreimal begegnet pro Schicht.

Deswegen ist mir das mit Peter neulich so aufgefallen. Am Ostbahnhof haben wir uns kurz unterhalten, er stand direkt hinter mir. Ich bekam eine weite Tour bis mitten nach Hellersdorf und freute mich. Noch auf der Frankfurter Allee überholte Peter mich und wir fuhren von da an beinahe im Konvoi. Erst kurz vor Erreichen des Ziels trennten sich unsere Wege. Auf dem Rückweg Richtung City ist er mir dann wieder neben’s Auto gefahren und wir haben uns kurz über die Ziele ausgetauscht.

Wir steuerten unterschiedliche Halten an, trafen uns eine Stunde später aber auf der Schönhauser Allee, beide auf dem Rückweg von Pankow. Kurz darauf fanden wir uns beide am Ostbahnhof ein, wieder hintereinander. Beide hatten wir eine kurze Tour in den Boxhagener Kiez.

Als wir uns dann an der Tanke trafen – als ich tankte und er Kaffee holte – beschlossen wir, unseren Chefs zu sagen, dass wir vielleicht künftig zu zweit fahren 😀

Guter Schnitt!

Bin zurück von einer hammermäßigen Nacht. War es die Biermeile, das gute Wetter, der Wochentag oder einfach nur Glück? Ich hab keine Ahnung und es ist mir auch egal! Ich hatte so viele Touren wie an Silvester vor anderthalb Jahren bei vergleichbarer Arbeitszeit. Gut, der Umsatz war trotzdem um Größenordnungen niedriger, da die Touren an Silvester überdurchschnittlich lang sind. Und zwar deutlich.

Trotzdem hab ich während der Schicht gerade dreimal eine Halte angesteuert – und auch das eher, weil ich inzwischen drauf und dran war, am Sitz festzuwachsen und um eine zu rauchen – und war sonst durchgängig unterwegs.

Dementsprechend hab ich aber auch „schon“ nach 9 Stunden Feierabend gemacht und das Auto glücklich und zufrieden abgestellt. Abgesehen vom Umsatz, der natürlich alle Beteiligten erfreut, werden sich meine Chefs sicher für den Kilometerschnitt bedanken:

1,34 € Umsatz pro gefahrenem Kilometer.

Ich muss ehrlich sagen: Ich hab keine Ahnung, was heute Nacht hätte besser laufen sollen. OK, das Trinkgeld war nur so durchschnittlich und über eine blöde Schnepfe hab ich mich geärgert – aber wenn das alles ist …

Deppen, freilaufende

Cholerik ist eine beschissene Sache und in keinster Weise irgendwie verteidigenswert. Es gibt nicht ohne Grund Therapeuten, die sich des Problems annehmen können. Das soll jetzt auch nicht „von oben herab“ klingen, ich bin selbst Choleriker. Im Alltag ist meine Toleranzgrenze allerdings ziemlich hoch und abgesehen von den Türrahmen, die meinen kleinen Zeh immer anspringen, hab ich mir angewöhnen können, nur Menschen anzubrüllen, deren IQ hoch genug ist, um von den geistreichen Beleidigungen auch getroffen zu werden. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar.

Aber was gestern Abend wieder los war … meine Fresse!

Ich hatte am Ostbahnhof einen Kunden eingeladen, gute Tour nach Wedding. An der Ampel in der Andreasstraße springt mir plötzlich ein Typ ans Auto und meint, ich solle doch mal bitte kurz sein Zeuge sein. WTF? Während mein Fahrgast und ich zusehen, wie er auf einen anderen Typen zugeht, steigt ein Kollege vor mir aus seinem Auto und fragt uns, was Sache ist. Während ich ihm den seltsamen Auftritt schildere, fängt besagter junger Mann an, den anderen übel anzubrüllen.

Hat der sich jetzt ernstlich Zeugen besorgt, die zusehen, wie er einen Typen verkloppt? Offensichtlich ja.

Der Kollege und ich haben überlegt, die Cops zu holen, weil die Stimmung zunehmend aggressiver wurde, allerdings hat sich mein Handy ziemlich gewehrt. Wir sind dann jedenfalls zu den beiden zurückgefahren – mit Einverständnis meines Fahrgastes. Die Uhr hatte ich ohnehin schon gestoppt.

Inzwischen war noch eine Frau aufgetaucht, die den um Zeugen bettelnden Typen angebrüllt hat, er solle sich verpissen. Eieiei …

Na gut, wir sind zu dritt (also der Kollege, mein Fahrgast und ich) zwischen die Streithähne, immerhin ohne dass es bis dato zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen ist. Der andere Mensch, offenbar grundlos angepöbelt, wollte eigentlich nur zu gerne gehen, konnte das bloß leider nicht, ohne immer wieder zu brüllen, dass er jetzt geht und ihm niemand zu befehlen hätte, wann er geht. Ein Ego in Fernsehturmgröße ohne Option zum Rückzug. Letztlich entfernte er sich glücklicherweise doch langsam.

Die junge Frau erklärte mir nun, dass der Pöbler ihr Freund, naja, seit ein paar Stunden Ex-Freund sei, sie hätte Schluss gemacht. Deswegen hätte der Kerl jetzt eine Flasche Tequila intus und sei unzurechnungsfähig. Was sie nicht daran gehindert hat, ihn nun zu begleiten. m(

Der Kollege, obgleich zwischenzeitlich auch in Rage, weil er nicht verstand, warum ich die Cops nicht gerufen hatte, stieg letztlich nochmal aus und meinte lobend, dass wir das doch zu dritt ganz gut hingekriegt hätten.
Das aber wiederum befand unser neuer Freund offenbar für eine Beleidigung und kam extra angeschnaubt, um sich vor dem Kollegen aufzubauen und ihn zu fragen, was er da erzählen würde. Der Kollege, nunmehr die Ruhe in Person, antwortete, dass es doch schön sei, dass die Situation nun geklärt sei. Antwort:

„Bist Du dumm oder was?“

Daraufhin ist dann die Ex-Freundin wieder abgehauen und der Typ hat sich nach 3 weiteren Verweisen unsererseits schmollend an den Straßenrand gestellt. Vielleicht hätte der andere ihn doch einfach k.o. schlagen sollen. Hätte ich das alles schon vorausgeahnt, dann hätte er das tun können und ich hätte nichts gesehen, aber auch gar nichts …

Lange nicht mehr so viel Dummheit auf einem Haufen gesehen. Richtig schön, dass ich einen lockeren und lieben Fahrgast und eine angenehme Tour im Anschluss hatte. Und der Typ? Würde mich nicht wundern, wenn der jetzt gerade im KH oder in der Ausnüchterungszelle aufwacht …

Der Fluch des Zinses

Jetzt hab ich neulich erst eingestanden, dass ich es bisher nicht geschafft hab, mein brasilianisches Geld loszuwerden, also umzutauschen. Aber gut, alles kein Drama. Und als ich nun in meinem Portemonnaie herumwühlte, fand ich das hier:

25 Centavos aus Brasilien: Zeugnis spontaner Geldvermehrung? Quelle: Sash

Anstatt das brasilianische Geld loszuwerden, wird es also immer mehr. Na super! Machen die Scheinchen im Geldbeutel unanständige Dinge und nach langer Zeit kommen dann Münzen dabei raus – oder wie? 😉

Das wirklich lustige daran ist, dass ich diese Münze definitiv nicht von der Familie aus dem oben verlinkten Artikel bekommen haben kann, sondern sie erst später bei mir landete. Ein wirkliches Drama sehe ich da allerdings auch nicht drin. Sicher, wahrscheinlich ist das Ding irgendwann mal statt einem 50ct-Stück oder einer Euro-Münze bei mir im Geldbeutel gelandet, aber der Verlust durch falsch erkannte Münzen hält sich bei mir doch stark in Grenzen. Waren bislang drei Fälle mit einem Gesamtschaden von um die 4 €. In dreieinhalb Jahren Taxifahren. Falls es vorsätzlich war, war es nicht nett – aber ansonsten passiert sowas halt mal. Im Gegenzug haben die Kunden im Laufe der Zeit sicher schon über 50 € bei mir im Auto verloren …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Sucherei

Ich musste unwillkürlich an das Sprichwort mit dem Hund und der Pfanne denken, als ich die beiden Winker sah. Schon wieder welche! Die Nacht lief super und jeder weitere Winker sollte daran natürlich einen Anteil haben.

Die beiden Jungs, vielleicht 20 Jahre alt und mit einer Hautfarbe gesegnet, die man als latent rassistischer Spitzenpolitiker in einem EU-Land als „gut gebräunt“ bezeichnen könnte, blickten mich etwas ratlos an, waren dann aber zumindest froh, dass wir uns gut auf Englisch unterhalten konnten. Sie wollten in einen „It-Club“ – der natürlich keine Adresse hatte. Kaum drei Minuten später haben wir uns immerhin auf eine Schreibweise einigen können: AET-Club, oder nur AET. Aber ganz sicher AET. Kommunikationsfail ausgeschlossen dank Buchstabeneingabe im Navi.

Der sagte mir gar nichts.
Der sagte dem Robertha gar nichts.
Und, das vielleicht bedenklichste – er sagte auch Google nach einer kurzen und dank Smartphone eingeschränkten Suche gar nichts.

Ob diese Fahrt zustande kommen würde, war also höchst unklar. Denn ich will das einfach nicht mehr machen: dieses suchende Herumkurven mit ungewisser Ankunft. Am Ende besteht immer die Gefahr, dass man als Taxifahrer natürlich schuld ist. Ob am nicht gefundenen Club oder einfach nur am hohen Preis bis dorthin. Und wenn Ortskunde, Robertha und Google nicht helfen können, dann muss man auch mal zugeben, dass es eine reichlich schwierige Adresse ist.

Mein neugewonnener Möchtegern-Kunde vertröstete mich kurz und begann damit, gefühlt das komplette Adressbuch durchzutelefonieren. Und nach meiner Schätzung hatte sein Handy 64 GB Speicherplatz. Nur fürs Adressbuch.

Die meisten Telefonate freilich kamen gar nicht zustande, da es fast vier Uhr morgens war und er offenbar einige Kumpels mit vernünftigen Schlafenszeiten hatte. Ein paar Wortfetzen wechselten allerdings dann doch den Besitzer und so bekam ich als Ansage den Alexanderplatz. Zum einen nicht gerade eine bombige Tour von der Friedrichstraße aus, zum anderen für meinen Geschmack immer noch ein bisschen grob. Der Alexanderplatz ist schon in der Ortskundeprüfung ein Ungetüm, aber im Wissen, dass manche Berliner den Alex gedanklich vom Schloßplatz bis zum Volkspark Friedrichshain und vom Straußberger Platz bis zur Jannowitzbrücke verorten, war meine Sorge übers Auffinden eines Clubs immer noch präsent. Gut, im eben genannten Gebiet wäre mir zwar eine Handvoll eingefallen, aber eben keiner mit dem gewünschten Namen.

Aber mir wurde versichert, dass man den Platz erkennen würde, wenn wir am Alex wären. Also Uhr an und los. Jetzt hatte ich so viel Zeit mit den beiden Jungs rumdiskutiert, jetzt wollte ich die Tour auch machen!

Kaum dass wir auf Unter den Linden angekommen waren, eröffnete ein weiteres Telefonat als Adresse dann die Rosmarinstraße (die mir dank einer anderen Fahrt dauerhaft im Gedächtnis geblieben ist). OK? Das war nun wirklich irrwitzig, da das – noch dazu Ecke Friedrichstraße – kaum 300 Meter Luftlinie vom Startpunkt entfernt gewesen wäre. Und wir inzwischen gut 12 Minuten miteinander zugebracht hatten …

Aber – ein bisschen hab ich mich ja sogar darüber gefreut – dank der perversen Sperrungen dort sind wir auf einem mehr als nur abenteuerlichen Weg letztlich am Club gelandet:


Größere Kartenansicht

(Am Ende stimmt die Route übrigens nicht ganz, denn ich habe durchaus an der Ecke Friedrichstraße/Behrenstraße das Angebot gemacht, sie sollten die paar Meter laufen. Aber den Weg über die Behren- in die Charlottenstraße wollte Google Maps mir gerade nicht erlauben.)

Was kaum zu glauben, dafür umso schöner war: Die beiden zeigten mir sichtbar stolz den Clubeingang und bezahlten die inzwischen aufgelaufenen 8,40 € trotz des Trubels und des Irrsinns der Fahrt mit glatten 10 €. Ich war trotzdem froh, dass die nächsten Winker mich für sogar etwas mehr Geld nicht einmal die Hälfte der Zeit gekostet haben. Aber wie sagt man so schön: Ende gut, alles gut! 🙂