Kurzstrecke x 2

Viele Kunden träumen ja davon, mal zwei Kurzstrecken hintereinander zu fahren. Blödsinnigerweise. Ja, es wäre immer noch günstiger als der Normaltarif – allerdings ist es weniger Ersparnis als bei einer Kurzstrecke. Bei dreien hintereinander egalisiert es sich langsam wieder, ab vieren könnte ich das Spiel mitspielen, weil es mir ein Umsatzplus beschert* … 😉

Aber meine Kundschaft hatte sogar Grund zu fragen, denn sie hatten eine Fahrtunterbrechung. Kurz vom Suicide Circus in die Simon-Dach-Str. und nach dem Holen des geliebten aber vergessenen Handys schnell wieder zurück. Hätte von der Strecke vielleicht mit einer Kurzstrecke gereicht, aber Wartezeit is da ja nicht. Ich hab aber gesagt, dass wir – wenn sie sich mit dem Holen beeilen – unter den 8,00 € für zwei Kurzstrecken landen würden.

Und dann standen wir da, das Mädel war das Handy holen und sie kommt und kommt nicht …

Ihr Freund hat sie dann versucht anzurufen, ist aber bei einem Kumpel gelandet, der genauso verpeilt war wie er. Am Ende ist es jedenfalls wider Erwarten noch ziemlich knapp geworden. Aber dann hab ich sie letztlich doch bei 7,80 € entlassen können. Großartig! 20 Cent gespart – immerhin hab ich die als Trinkgeld bekommen. Nicht viel, aber eben besser als null, ne?

Ach ja, warum hatte es eigentlich so lange gedauert. Handy nicht gefunden?

„Nee nee, wusste ja, wo es war. Aber wo ich schon mal im Bad war, hab ich mich gleich nochmal frisch gemacht …“

OK, dafür war es dann wieder recht schnell!

(Hab das jetzt sehr grob überschlagen, vielleicht liege ich um ein paar Cent falsch.)

Pjotr

Das im Fritz-Club stattfindende Metal-Festival, bei dem ich auch den Dorfmetaller aufgenommen hab, hat am vergangenen Wochenende gleich für ein paar Fahrten gesorgt. Unter jenen war auch eine zweite zusammengewürfelte Truppe. Vier lustige Menschen mit guter Laune und Pjotr.

Pjotr war das übliche Drogenopfer, das einem bei Konzerten irgendwann über den Weg wankt und das man bei positiver Grundhaltung den Abend über mitschleppt, weil es ja doch irgendwie ganz lustig ist. Pjotr hat sich freiwillig in die letzte Sitzreihe gesetzt und noch vor der Losfahrt eine Position eingenommen, bei der nicht mehr rauszufinden war, wo sich sein Kopf befand. Nach einer kurzen Zurechtweisung und einigen Fucks aus seinem Mund saß er aber brav und angegurtet, so dass ich die Fahrt doch angetreten hab.

Die restliche Besatzung war wie erwähnt in brauchbarerem Zustand und neben dem Musikhören im Auto bleibt vor allem ein nettes Gespräch mit meiner englischsprachigen Beifaherin. Sie hat mir auch erst erklärt, dass sie Pjotr gar nicht kennen würden, was er mit einem lauten „Fuck!“ beantwortete. Das war übehaupt sein Lieblingswort und zum Ende der Fahrt hin gab er einen mehrminütigen Monolog zum Besten, der außer fuck und fucking kaum verständliche Aussagen enthielt, aber selbst die irische Besatzung zum Lachen brachte. Und das will was heißen …

Meine Beifahrerin bezahlte passend, drückte mir dann aber noch einen Euro in die Hand. Mit der süßen Begründung:

„Well, here, I guess you deserve that.“

Pjotr bevorzugte statt dem normalen Ausstieg kopfüber aus dem Kofferraum zu purzeln und er tat das, als hätte er da einige Erfahrung mit. Nachdem er ein bisschen theatralisch auf der Greifswalder Straße lag und meine Versuche, ihm hochzuhelfen, abwehrte, sprang er geradezu auf, straffte die Kutte, baute sich gespielt gefährlich vor mir auf (er reichte mir etwa bis zur Schulter) und murmelte etwas auf Russisch. Ich gab zu erkennen, dass ich ihn nicht verstehen könne, woraufhin er meinte:

„FUCK! I’m asking: do you like Metal?“

„Well …“

„DO YOU FUCKING LOVE HEAVY METAL?“

„YES!“

„Oh. Ehm, hm. Good guy! Good guy …“

Und dann ist er pinkeln gegangen, der Pjotr.

Dorfmetall!

Konzerte. Hach.

Ich weiß nicht, wie es der werten Leserschaft geht, aber für mich waren Rock-Konzerte immer das Maß aller Dinge in Punkto Freizeitgestaltung. Ich war schon in Discos und Clubs und hab an einem Abend eine sehr geile Performance eines Saxophonisten gesehen, der zu einem Elektro-Beat Improvisationen von sich gab. Ich habe ein oder zwei Klassikkonzerte gesehen, ebenso mit Fettes Brot und Eins Zwo guten Live-HipHop. Ich habe in einem New Yorker Schuppen Jazz vom feinsten verfolgt, war bei Pur in der Schleyerhalle und manchmal singe ich komische Sachen unter der Dusche. Aber Rock-Konzerte …

Die toten Hosen, die Ärzte, H-Blockx, Thumb, Dog eat Dog, No Doubt, Dritte Wahl, Simon Says, Sum 41, Revolver, Polluted Paradise, J.B.O., Censored Poetry, Green Day, Morgentot usw. usf. …

Egal, am Ende waren es doch die Stiefelabdrücke im Gesicht, die ein Konzert unvergesslich machten! Abgebaute Spannungen, Pogo, Action!

So gesehen war es mehr als nur schön, als mir am Wochenende ein nicht schwer als Metaller zu identifizierender junger Mann die Frage stellte, ob ich wüsste, wo das Blackland sei.

„Ähm, glaube ja …“

Keine Über- oder Untertreibung. Ich war mir ziemlich sicher, aber man irrt sich ja auch mal. Normalerweise hätte ich das alles nochmal recherchiert, aber neben dem Typen stand noch ein Pärchen, das auch gerne mitfahren wollte. Gut, deren Tour wäre nicht zu lang gewesen, aber man bemüht sich ja um die Kundschaft.

Kurz darauf war klar, dass der verstrahlte Ober-Metaller zumindest mal in die gleiche Richtung musste. Also haben sie sich das Taxi geteilt. Ich kann das für Fahrgäste grundsätzlich empfehlen, aber in der Realität kostet es mich als Taxifahrer dann doch manchmal Nerven (siehe Osama und Lisa ff.). Hier nicht.

Das Pärchen, ebenfalls auf dem Konzert gewesen, zahlte unproblematisch die Fahrt bis zu ihrerr Bude. Dann kam der Auftritt des Dorfrebellen:

„Ach, mein Dorf – offiziell Stadt – das ist ja so klein! Wie der Kreisel hier. Ich komm‘ quasi hier aus’m Kreisel, weisse Bescheid!“

Die Adresse war glücklicherweise richtig, so dass am Ende alle zufrieden waren. Inklusive mir. Und irgendwie stieg in mir das Verlangen, meine CD danach lauter zu stellen …

Wunschträume …

Wenn Kunden die Kosten beim Taxifahren zu hoch einschätzen … immer wieder schön!

Ob ich EC-Karten nehmen würde, fragte mich der junge Mann am Ostbahnhof.

„Leider nein, ich hab keinen Leser dafür.“

gab ich wahrheitsgemäß an. Ich konnte auf die Schnelle (also in 10 Sekunden oder so) auch keinen Kollegen mit Terminal auftreiben, dann entschied er sich, doch mit mir zu fahren. Ich fragte nach einer Bank, die wir vielleicht anfahren könnten, er winkte ab: das würde schon gehen. Er wolle auch nur in die Finowstraße. Mir lag auf der Zunge, zu fragen welche, da schob er ein:

„Die hier in Friedrichshain!“

Alles klar, kurze Tour. Macht nichts, besser als in die hohle Hand geschifft – wie man so schön sagt. Acht Euro vielleicht …

Eine Minute später hing er am Telefon und bat einen Freund, am Zielort runterzukommen. Kein Bargeld, Taxi hat keine Kartenzahlung, diese Geschichten. Und daraufhin:

„Äh … so fünfzehn Euro.“

Ich hab mich ohne Witz vor Schreck erst einmal umgedreht.

Leider war es dann eben doch nur Verplanung und kein herzzerreissendes Mörder-Trinkgeld. Aber ich hab für die 8,00 € einen Zehner gekriegt, das reicht ja auch. Hoffe nur mal, dass die 15 € kein Erfahrungswert waren …

Die Juten

Die guten Taxifahrer, die richtigen. Endlich hatte ich auch mal eine Begegnung mit ihnen.

Also nicht, wie ihr jetzt denkt. Ich hab ein paar sehr nette und bedenkenlos empfehlbare Kollegen da draußen. Aber wenn es um Qualität geht, dann taucht doch immer wieder der Vergleich zu einer ganz bestimmten Stadt auf: London. Härteste Prüfungen, 3 Jahre Ausbildung, keine verlotterten Gestalten am Steuer – soll ja abgesehen vom Preis das Traumland für Taxikunden sein da drüben.

Es war ein wenig witzig, der junge Kerl wirkte fast ein wenig verschüchtert, als er mir in leisem Tonfall gestand, selbst Taxifahrer zu sein, nur eben drüben auf der Insel. War auf jeden Fall ein gutes Unterhaltungsthema, zumal wir uns erst einmal ein paar Minuten Stau geben mussten, bis wir am Kotti vorbei waren. Er wollte zum Maritim, für eine Winkertour also gar nicht mal so schlecht. Für mich aber besonders schön war, wie so oft im Leben, zu sehen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Man hört so viel über die Ausbildung der Fahrer dort, letztlich scheint die Ortskundeprüfung allerdings recht ähnlich der in Berlin zu sein. Gut, ein wenig umfangreicher vielleicht – auf jeden Fall schaffen sie das dort besser zu verkaufen …

Irgendwie gehörte zu dem Gespräch aber einiges mehr, als ich hier jetzt rüberbringen könnte. Es war einfach nett und kollegial, so wie im Übrigen auch mit den meisten anderen Taxifahrern, die ich im Laufe der Zeit im Auto hatte. Man hat sich halt doch ein bisschen mehr Interna zu bequatschen (also wenn man nicht ohnehin eine Laberbacke wie ich ist und sowieso immer alles haarklein erzählt).

Mein Fahrgast jedenfalls beendete unsere Tour mit einem „nice to meet you“ und dem schönsten englischen Satz, den ich kenne:

„Keep the change!“ 😉

Knapp 30% – der war wirklich Taxifahrer. Oder zumindest wirklich Brite. Also egal, einer von die Juten eben.

Live bei der Arbeit

Angefangen hatte alles ganz harmlos. Ein junger Mann fragte mich, ob ich ein wenig englisch spräche und ob ich fünf Leute mitnehmen könnte. Der Einfachheit halber habe ich beides mit ja beantwortet. Ach, wie toll das sei – ob ich jetzt auch noch wüsste, wie man zur Simon-Dach-Straße käme?

Ich hatte schon schönere Anfragen am Ostbahnhof. Aber gut, sechs Euro sind sechs Euro – und Zuschlag gibt es ja auch noch. Und wo wollen Großgruppen dort schon hin. Die wenigsten kommen aus dem Bahnhof und fragen mal eben an, ob man auch nach Frankfurt/Oder fährt.

Dann meinte er, dass das ja super sei und wir nur noch kurz auf die Leute warten müssten. Ich hab wahrscheinlich etwas sparsam geguckt. Nichts gegen eine kurze Tour, aber darauf warten? Eine ältere Frau wollte sich schon an ihm vorbei ins Taxi schieben und hatte auf der Stirn nur für Taxifahrer sichtbar den Aufdruck „Pankow, 17 €“ stehen. Mein Fahrgast indes war einer von den leider sehr wenigen, der die Situation verstehen konnte und meinte gleich:

„O, you can start the meter – of course I’ll pay that!“

Na dann können sich die Leute auch gerne Zeit lassen! 🙂

Also Uhr angemacht und mit ihm zum InterCity-Hotel gefahren. Dort würden die anderen dann rauskommen. Ein verfrorenes Mädel fragte gleich an, ob sie sich ins Taxi setzen könne. Sicher, dafür bezahlten sie ja.

Nun folgte der Auftritt einer anderen jungen Frau, bei der ich fälschlicherweise auf der Stirn zunächst „Fernfahrt“ gelesen habe. Sie gestand jedoch, eigentlich nur meines Blogs wegen dazusein. Sie wollte mal eben rausgucken, ob ich nicht zufällig gerade … und dann kam ich ihr mit Kundschaft direkt vor die Füße gefahren …

Während der folgenden kurzen Unterhaltung kam ich natürlich schlecht umhin, meinen zwei Fahrgästen auch zu erzählen, dass ich blogge. Der Rest der Truppe ließ weiter auf sich warten. Am Ende stand bereits ein runder Zehner auf der Uhr, was damit abgetan wurde, dass das in Schweden ganz normal sei.

(Kleiner Einschub: wenn ich meinen Fahrgästen aus dem Ausland alles glauben würde, würde ich nirgends auf diesem Planeten mehr Taxi fahren. 9 € Einstiegspreis in Italien, 10 € in Schweden und in England keine fixe Summe, sondern einfach immer 1 € mehr als meine Fahrt gekostet hat)

Sehr schön waren dann die andächtigen Worte nach dem Einstieg:

„And now keep cool. He’s a taxiblogger! Really! There was a fan waiting outside!“

Andächtige Stille.

😀

Nachdem sie am Ende rekordverdächtige 15,10 € (plus Trinkgeld) für die Fahrt gezahlt hatten, musste natürlich noch das Wesentliche geklärt werden:

„And what should we do that you’re writing about us?“

Ach, eigentlich gar nicht mal so viel … 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Bars, Cabs ’n‘ Customers

„Is this all?“

„What Do you mean?“

„Here’s just cabs.“

„Guess you’re right …“

War definitiv eine der cleversten Anfragen, die ich je an einem Taxistand gehört habe …

„But where are all the bars?“

„When I would tell you I ate them, you would not believe me, right?“

„Äh …“

Das Problem, das die vier Mädels hatten, war schnell ausgemacht: Sie wollten was trinken gehen und hatten den an und für sich ja nicht doofen Tipp bekommen, zum Ostkreuz zu fahren. Aber wie das so ist mit fremden Sprachen … ja, sie sind am Ostbahnhof ausgestiegen. Wenn man bedenkt, dass sie mit der Logik auch am Westkreuz hätten landen können, ging es eigentlich noch. Ich hatte es nicht eilig, war nicht einmal erster, da hatte ich Zeit, ihnen zu erklären, wie sie nun dahin kommen würden. Und wie das Schicksal so will: Sie wollten dann, jetzt wo sie mich schon mal kannten, wissen, wie viel ein Taxi kosten würde.

Ich hab spontan die Summe von 10 € in den Raum geworfen, wobei ich eigentlich eher auf 9 getippt hätte. Als sie mich ein wenig ungläubig angesehen haben, hab ich nachgelegt und gemeint, ein Euro weniger müsste schon auch hinkommen – außerdem könnte ich sie ja auch ein paar Meter vorher rauslassen, es wären schließlich genug Bars auf dem Weg dorthin.

„And you would take us there? For 9 €? Really. So all in all for 36 …“

Mann, was für ein dämlicher, weit verbreiteter Irrtum!

„No, 9 € all in all. For 4 Persons. Not more, that’s all!“

In solchen Momenten sitzen Fahrgäste ja schneller im Auto als man selbst mit seiner Übung da reinkommt. Auf dem Weg Richtung Osten hab ich ihnen ungefähr zehnmal erklärt, dass das jetzt kein Supi-Spezialpreis sei und es einfach auch nur ein kurzer Weg wäre. An der Simon-Dach-Straße wurden dann langsam Aussteigewünsche angemeldet. Ist ja kein Problem – obwohl ich die zwei Euro mehr natürlich gerne noch gehabt hätte. Ich wollte nur eines zu Bedenken geben:

„I just thought, I bring you to the station, just that you know, how to go home.“

„Pfft! We take a cab! How much will it be to the Grand Hotel Esplanade?“

„Well, maybe 20 €? 2 € more or less …“

Da wird sich irgendein Kollege sicher über die lukrative Winkertour am späten Abend gefreut haben. Da hab ich zwar nichts direkt von gehabt, aber mal im Ernst: es ist gar nicht so schwer, neue Kundschaft zu werben. Und hey, 2,80 € Trinkgeld gab es schon für mich – einen Grund zu meckern hatte ich also auch nicht wirklich! 😀