Ich bin sein Taxifahrer!

Direkte Übergabe: Der kommende Kunde öffnete der gehenden Kundin die Tür. Dürfte ruhig öfter passieren.

„Guten Abend, wo darf’s hingehen?“

„Brings mich zu … da bei die … die großen, wo die großen und viel.“

„Tut mir leid, das bringt mir jetzt nicht viel.“

„Na, mach ersma die Uhr an!“

Kompliment, SO überzeugt man Taxifahrer! 😉

„Also gut, noch einmal: Wohin soll’s gehen?“

„Da wo die Leute … viele Leute! Die nichmehr weil neu, aber groß!“

„Haben Sie vielleicht zunächst mal eine grobe Richtung?“

„Sicher, einmal saaauuuuber ums Eck!“

„Vielleicht einen Stadtteil? Ich kann Ihnen sonst nur schwer helfen.“

„Ersma muss ich mich entschuldigen! Glaub mir, ich bin ein ganz normaler Mann und Sie sind mein Taxifahrer! Vielen Dank für die Geduld!“

„Kein Ding, also: wohin? Versuchen Sie’s nochmal!“

„Ich muss da bei … glb …sss … im bbb … fuck, das ist mir jetzt peinlich!“

Und mir war’s auch unangenehm. Ich kenne den Zustand. Und das waren nicht wirklich die besten Partys. Wenn man betrunkener ist als man eigentlich sein will und als es sich eigentlich anfühlt. Man kann stellenweise – und in Gedanken grenzenlos! – eloquent daherreden und will den Gesprächspartner davon überzeugen, dass man ein intelligentes Individuum ist und eigentlich alles im Griff hat, aber in dem Moment sackt der Körper zusammen, man sagt nicht mehr als „Mümmmelfümmel!“ und rutscht sabbernd mit heraushängender Zunge an der Wand runter. Bei vollem Bewusstsein. Und genau an dem Punkt war er. Konnte sich höflich entschuldigen, hatte eine Menge Sätze parat, aber sein Wohnort war derzeit ein Haufen Grütze mit unscharfen Flecken.

Ein bisschen gedauert hat’s also, aber irgendwann hat er einen Platz im Westen rausgepresst.

„Na also, das kriegen wir hin!“

Obwohl ich ihm glaubte, dass das nicht nötig war, hab ich ihn ermahnt, im Falle von Unwohlsein Bescheid zu geben und bei der weiteren Konversation öfter mal abgeblockt. Zum Beispiel, als er wissen wollte, was ich den für eine Idee hätte von den Großen. Aber er war wirklich ein netter Typ und das ist bei so beachtlichem Alkoholeinschlag ja schon mal viel wert. Er hat als einer der wenigen wirklich betrunken was von viel Trinkgeld geredet und sein Versprechen gehalten und sich immer wieder für meine Geduld mit ihm bedankt, obwohl er nach der ersten Ortsangabe im wesentlichen nicht nerviger war als ein etwas zu laut gestelltes Navi, das einen bestätigt, das man richtig fährt. Es hat sogar funktioniert, den Zielort etwas zu verlegen, weil er abgeholt wurde (was auch geklappt hat).

Eines wollte ich vor dem Ende der 20€-Tour dann aber doch noch wissen:

„Was verschlägt einen von der City West in eine so abgelegene Ecke in Prenzl’berg?“

„Sagen wir mal so: Der Papi hat sich heute so richtig verirrt.“

Da hatte der Papi aber Glück, dass genau sein Taxifahrer auch vor Ort war. 🙂

10 Kommentare bis “Ich bin sein Taxifahrer!”

  1. the passenger sagt:

    „Ersma muss ich mich entschuldigen! Glaub mir, ich bin ein ganz normaler Mann und Sie sind mein Taxifahrer! Vielen Dank für die Geduld!“

    So etwas bekommt er raus, aber seine Adresse nicht mehr 🙂 Schon kurios.

    Aber „einmal saaauber um’s Eck“ find‘ ich köstlich. Probier ich bei der nächsten Taxifahrt vielleicht mal aus 🙂

  2. Sash sagt:

    @the passenger:
    Schätze, die ein oder anderen Sätze waren mehr oder weniger sitzend. Oft genutzt oder so, kein Ahnung.

  3. MithriL sagt:

    Herrliche Beschreibung eines witzigen Kunden, vielen Dank!

  4. Sash sagt:

    @MithriL:
    Danke Dir für den netten Kommentar! 🙂

  5. egal sagt:

    Ich hab die Geschichte jetzt täglich mindestens zweimal gelesen. Ich musste jedesmal lachen. Selbst jetzt gerade noch. Das ist einfach zu geil. 😀

  6. El Nico sagt:

    „Zum Beispiel, als er wissen wollte, was ich den für eine Idee hätte von den Großen.“

    Den Satz hab ich leider überhaupt nicht verstanden – wäre jemand so nett, ihn mir zu erklären? 🙂

    Ansonsten sehr herrlich! 🙂

  7. Ana sagt:

    Na die Großen. Wo die großen und viel. Aber nichmehr neu, aber groß.

    Da wird man ja wohl noch eine Idee zu haben müssen!

  8. El Nico sagt:

    Ah, jetzt, ja – natürlich, wieso hab ich das denn nicht gleich verstanden?

  9. Sash sagt:

    @egal:
    Das freut zu hören! 😀

    @El Nico:
    Eine Idee von den Großen! Hallo? Als ob das nicht selbsterklärend wäre! 😉

  10. Bitlefelder sagt:

    Also, die Großen weil neu nich mehr. Aber viele Leute, und groß. Und Sash ist der Taxifahrer vom normalen Mann.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

    (Ich bezweifle im Übrigen, dass da nur Alkohol im Spiel war.)

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