Contenance!

Ich hab mich innerlich wie ein Schneekönig gefreut: Kaum hatte ich die Kundschaft nahe des Ostkreuzes rausgelassen, hielt mich bereits ein weiterer an. Und als Fahrtziel nannte er einen Puff in Charlottenburg. Das ist doch mal eine amtliche Tour! Ich bin in Gedanken die Route durchgegangen, hab kurz nach Streckenwünschen gefragt und mir anschließend ausgerechnet, dass es locker 20 € werden würden.

Mein Fahrgast war oberste Knülle-Kategorie, ich malte mir aus, wie entspannt das für die Prostituierten sein würde: Der wäre sicher nach 3 Minuten eingepennt und sein Geldbeutel wäre zweifelsohne genauso offen gewesen wie sein Hosenstall. Eigentlich hätte ich ihm es ausreden sollen…

An der Warschauer Straße, einen knappen Kilometer nach Fahrtbeginn, meldete er sich dann von hinten:

„Wir können auch hier gleich anhalten.“

„Hier?“

„Ja.“

Ich fragte, ob es irgendeinen besonderen Grund gäbe und drehte mich um. Er hat die Frage nicht beantwortet, aber die Färbung seines Gesichtes wies bereits leichte Grüntöne auf. Der würde sofort mit dem Kotzen beginnen! Anstatt nun aber in Panik auszubrechen, murmelte er mit zusammengepressten Lippen

„Machste sieben!“

Er nahm künstlich gelassen das Wechselgeld an und stieg aus um mit steifen Schritten den Bordstein entlangzugehen. Und er hat es geschafft, bis ich außer Sichtweite war. Ein würdiges Mitglied für den von mir endlich mal zu gründenden Kontrolliert-Kotzen-Verein!

6 Kommentare bis “Contenance!”

  1. Das erinnert mich an meine erste Übernachtung bei meiner damals noch minderjährigen Freundin, während ich gerade mal 18 war. Was wir so zuvor getrieben haben, brauche ich ja nicht weiter im Detail erörtern, jedenfalls verursachte ein unabsichtlich aber unsanft in meinem eh schon flauen Magen platzierter Ellenbogen, dass ich mir nochmal das zuvor eingenommene Abendmahl durch den Kopf gehen lassen wollte. Souverän aus dem Bett raus, meine Freundin schaute mich mit großen Augen an wie ich mit dicken Backen komplett (!) in meine Klamotten begab, um dann die Etage tiefer ins Bad – am Wohnzimmer mit zwei breit grinsenden Eltern vorbei – zu begeben, um endlich das, was ich mit letzter Mühe in mir behalten konnte, rauszulassen.

  2. ednong sagt:

    Und haste auf ihn gewartet und dann mit ihm die nächste Tour verbracht?

  3. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Respekt 😉

    @ednong:
    Nee, obwohl er zweifelsohne ein Kandidat war, der nicht mal eben ins Auto reihert…

  4. Cliff McLane sagt:

    > stieg aus um mit steifen Schritten den Bordstein entlangzugehen

    und schwal[b]lte in den Gulli. Es soll Regen geben, hieß es im Radio, die Bordstein-Schwalben fliegen tief…

    PS:
    Wie isset nu, sagt ihr DER Puff oder DAS Puff? Hier in Bayern sagen die meisten „das“, in Berlin immer „der“. Ick bin verwirrt…

    DISCLAIMER:
    Ich war noch nie so… besoffen im Taxi aufm Weg in den Puff. Wallah! Isch schwör bei die Eier von meine kastrierte Kater!

  5. Sash sagt:

    @Cliff McLane:
    DER Puff. Zumindest hier und im Schwabenland. Und ich hätte vermutet, dass das schon gegensätzliche Ansichten sind…

  6. Marco sagt:

    @Cliff McLane:
    Hier im nördlichen Rheinland-Pfalz auch „der“.

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