Der RTL-Taxitest

Taxitest? War da nicht eben erst was? Ach ja, tatsächlich!

Sowas ähnliches muss sich auch ein Praktikant bei RTL gedacht und das derletzt beim Mittagessen versehentlich ausgeplaudert haben. Was sie beim Sender jetzt genau dazu veranlasst hat, den mehr oder minder fragwürdigen Test des ADAC nachzuerzählen und durch Beimischung hirnlosen Humbugs das journalistische Handwerk zuzüglich der Taxifahrer in den Dreck zu ziehen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Sollte nämlich der auf RTL gestern im Rahmen von „Extra“ ausgestrahlte „Test“ tatsächlich so geworden sein, wie sich das das sicher sehr sehr kompetente Team gedacht hat, dann müsste die Grundidee folgendermaßen ausgesehen haben:

„Wir tun so, als würden wir den Test vom ADAC machen. Dann filmen wir ein paar schlimme Taxifahrer und noch schlimmere. Einer vom ADAC darf sagen, wie schlimm die Schlimmen schlimme Ding tun. Hauptsache ist, dass am Ende Deutschland gut dasteht und wir brauchen Bilder von Taxischildern. Um Himmels Willen, vergesst die Scheiß-Taxischilder nicht!“

Und so saß ich also mit meiner besseren Hälfte Abends vor dem eiligst hervorgeholten Fernseher und sah mir das Unheil an…

Wir zeigen mal, wie schlimm das ist!

Die langen Schlangen von Taxischildern gab es gleich am Anfang, und nachdem uns eine bedeutungsschwangere Stimme bereits verkündet hat, dass viele Taxifahrer einen im Kreis fahren würden, „wie im Karussell“, konnten wir gleich am Flughafen Düsseldorf das Elend in Form eines nur mangelhaft verpixelten Taxifahrers sehen. Der fuhr dann die zweieinhalb Kilometer lange Strecke angeblich auf einem Umweg, der gleich 15 Kilometer lang war. Das Team hat ihn noch ein bisschen in die Enge getrieben und am Ende bot er einen schon mal grundsätzlich illegalen Pauschalpreis von 15 € an – was immer noch dem doppelten Normalreis entspricht. Dafür stellten sie ihn dann später am Stand zur Rede und kassierten das zu viel bezahlte Geld zurück. Soweit, so gut – selbst für die lustige Grafik mit dem Weg hat RTL offenbar die korrekten Entfernungen gegoogelt. Ein positives Beispiel für einen Fahrer sollten/wollten sie bis zum Ende nicht finden.

Anstatt dem eiskalten Betrüger, der die Sache offenbar sogar noch halbwegs lustig fand, eine Anzeige reinzudrücken, wurde irgendein Zuständiger kurz vor die Kamera gezerrt, der erklärte, dass man sich bei sowas am besten an die Zentrale oder die Ordnungsbehörde wendet. Der Fahrer, so er nicht auch nur ein gecasteter Praktikant von RTL war, hat sicher seine Lehre aus der Tatsache gezogen, dass er bei der betrügerischsten Fahrt aller Zeiten, bei der er auch noch von einem Fernsehteam erwischt wurde, am Ende tatsächlich das zu viel erhaltene Geld zurückzahlen musste. So zerknirscht, wie er am Ende des Beitrages lacht, tritt der Morgen aus Reue dem Kirchenchor bei. Oder den Hells Angels, je nachdem, wo besser gekocht wird.

Schnitt, Taxischilder, bedeutungsschwangere Stimme.

213% in Hamburg, schlimme Unlust in Düsseldorf

Von einem sonst eher Allgemeinplätze feilhaltenden Herrn Sauter vom ADAC-Verbraucherschutz wurde dann kurz erklärt, dass es in Hamburg am schlimmsten war, weil da ein Fahrer sogar mal 213% Umweg zusammengefahren hat – was irgendwie keine Wirkung entfalten will, wo gerade in Düsseldorf einer die 500% geknackt hat. Aber richtig: Das war ja ein eigentlich ganz anderer Test!

Nun wurde aber noch ein zweiter Flughafenfahrer gefilmt, der die Strecke zwar zu größter Zufriedenheit auf dem kürzesten Weg fährt, aber „ein Problem“ hat. Ich glaube, es fiel sogar das Wort „genervt“. Dummerweise haben sie nicht einmal einen O-Ton für diese Behauptung gefunden, denn der Kollege nahm es mit Humor und lachte sogar (verpixelt) in die Kamera, als er wortwörtlich sagte:

„Ich hab zwar nix dagegen, aber nach 3 Stunden tut das weh.“

Kunststück bei einer Tour unter 7 €. Unangemessen beschwert hat er sich zumindest in dem Ausschnitt nicht. Solche Sätze sage ich auch mal, wenn mich die Kundschaft auf die kurzen Strecken anspricht. Und dass die Knallchargen von RTL offenbar auf Skandale aus waren, kann man wohl als Fakt bezeichnen.

Die Problematik mit den kurzen Strecken wurde dann noch kurz erklärt, es kommen noch zwei drei zottelige unverpixelte Fahrer zu Wort und schon wird mit einem Teaser angekündigt, dass man erstmal abwarten soll, was sich die Taxifahrer im Ausland alles erlauben würden. Das Ganze ist nur echt mit Bildern von dicken streitenden Männern und schon hatten wir die Werbepause erreicht!

Ich hab jetzt erst einmal durchgeatmet und versucht zu eruieren, wer da jetzt eigentlich wo was getestet hat. RTL? Der ADAC? 2 Fahrten in einer Stadt, die der ADAC nicht auf dem Monitor hatte, wurden mit den Ergebnissen des ADAC verglichen und untermauert… ich hab mir erstmal ganz groß das Wort „WIRR“ direkt unter dem Titel auf meinem Notizblock vorgemerkt. Aber ich hatte ja keine Ahnung, was noch kommen sollte…

Die spinnen, die Römer!

Die bedeutungsschwangere Stimme klang bereits nach den ersten Wehen als sie verkündet, dass man in Rom „einige dabei erwischt“ habe, dass sie… ich hab keine Ahnung mehr, bei was! Ist auch egal, denn das Hirn der für Content zuständigen Personen hat offenbar die Sonne in Italien schlecht vertragen und der „Test“ schlingert nun in einer einzigen Absurditätskurve durch das Flughafengelände der Millionenstadt. Etliche Minuten vergehen damit, dass Fahrer gezeigt werden, die aggressiv um Kundschaft buhlen und dabei „ganz andere Preise im Sinn“ haben als die eigentlich angesagten 40 € Festpreis in die City. Das wird ausgelatscht bis auf dorthinaus, und eher nebenbei kommt dann raus, dass diese Typen gar keine Taxifahrer sind, sondern Limousinen-Chauffeure, die sich als „Taxi“ bezeichnen und mit den „echten“ Taxifahrern wohl um die Kundschaft ringen.

Ich für meinen Teil vermute, dass man in Rom wie hier auch als Taxifahrer keine Werbung für sich machen darf, und die Taxifahrer ja eigentlich die seriöse Alternative zu diesen Typen sind, die aber irgendwie auch gar nicht so zu Unrecht aufgebracht sind. Schließlich  dürfen sie (weil sie keine Taxifahrer sind) ja legal höhere Preise anbieten und nun rennt da ein deutscher Underground-Reporter durch die Gegend und weist die anderen Touristen darauf hin, dass die richtigen Taxis eigentlich billiger wären und versaut ihnen somit ihr Geschäft. Ich würde ja gerne mal in einer Live-Sendung von RTL fürs ZDF werben und dann eine Doku über unverschämtes Schrott-Fernsehen machen, weil sie mich wegschicken.

Richtig falsch richtige Taxen mit dem falschen richtigen Tarif

Dann wird es richtig lustig. Nachdem sich das Kamerateam fast von diesen Limousinenfahrern verprügeln lassen hat, nahmen sie ein Original-Taxi und hier will der Fahrer nun auf einmal 60 € statt der zuvor erwähnten 40. Um nun noch weiter zu verwirren, weisen sie darauf hin, dass es durchaus auch bei den Taxis einen 60€-Tarif gibt – nämlich, wenn das Taxi aus einer anderen Gemeinde kommt. Muss eine ähnliche Geschichte sein, wie bei uns hier in Schönefeld. Da haben die LDS-Taxen auch einen anderen Tarif als wir und kein Kunde blickt das ernstlich.

Der Fahrer war aber doch direkt aus Rom und versuchte also zu Unrecht einen höheren Tarif zu nehmen. Immerhin ist er niedriger als all die von den Limousinenfahrern – und am Ende verzichtet der junge Wilde sogar auf den Zwanni. Fazit ist, klar: Auch die richtigen Taxifahrer bescheissen!

An dieser Stelle wird darauf verwiesen, dass Rom ja auch beim ADAC-Taxitest schlecht weggekommen ist und nur Ljubiljana noch schlimmer war. Dorthin war wahrscheinlich der Flug zu teuer für das Budget der knallharten Recherche-Sendung „Extra“… Wer weiss?

Fazit

Der „Test“ von RTL bestand also aus 3 gefilmten Taxifahrten. In deren Augen waren alle schlecht.

1. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt 500% Umweg, verlangt aber letztlich einen Festpreis von 200% des Maximalpreises, findet das lustig und wird aber ganz dolle bestraft, indem er 8 € zurückzahlen muss.

2. Fahrt in Düsseldorf: Der Fahrer fährt vorbildlich, macht allerdings den Fehler, dass er darauf hinweist, dass die kurze Tour sich bei der langen Wartezeit eigentlich nicht wirklich lohnt.

3. Fahrt in Rom: Der Fahrer fährt ohne Uhr und verlangt 150% des erlaubten Preises und ist ziemlich genervt. Am Ende bezahlen sie den vorgeschriebenen Preis und sind damit weit billiger als mit den ganzen anderen Chauffeuren, mit denen sie sich fast prügeln mussten (weil sie die Taxis verteidigt haben!).

Das Fazit aus diesem umfangreichen Taxitest über das Fahren in europäischen Großstädten ist damit nach RTL völlig logischerweise:

In Deutschland hat man es eigentlich recht gut mit den Taxifahrern, nur die Umwege sind nicht so toll. Im Ausland muss man bedeutend vorsichtiger sein!

Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht! Diese gequirlte Kacke auf dem Niveau von 5-jährigen Gehirnamputierten wird erwachsenen Menschen als informative Dokumentation aufgetischt. Ich bin heilfroh um jeden Beitrag, der sich kritisch mit unserem Gewerbe auseinandersetzt, ganz bestimmt. Aber so eine Bedienung blödester Kneipenklischees ist schlichtweg Volksverblödung. Eine vermeintliche Aufklärungssendung, die Betrüger davonkommen lässt, nicht einmal das Subjekt ihrer Nachforschung genau umreissen kann, reisserisch Bericht erstattet, das genaue Gegenteil von analytischer oder auch nur halbwegs durchdachter Arbeit ist und all das noch gelegentlich durch das mildtätige Lächeln von Birgit Schrowange so einlullend macht, dass auch die letzte Gehirnzelle einschläft, die kann ich nur als intellektuelles Abführmittel bezeichnen. Zeigt wieder Softcore-Pornos wie in den Neunzigern, dann komme ich vielleicht auch mal wieder in die Versuchung, den Fernseher anzuschalten!

Hilfreiche Informationen

Informationen sind wichtig. Man braucht sie, um Prüfungen zu bestehen, Regierungen zu stürzen und – genau! – um Taxi zu fahren. Ich würde spontan sagen, dass ich als Fahrer von Fahrgästen mindestens eine Information brauche: Wo sie hinwollen. Diese Info zu bekommen, klappt ja meist mehr oder weniger gut. Manchmal tut es schon ein genuschelter Clubname wie „Börgn“ (Berghain), manchmal ist es besser, eine vollständige Adresse mit Straße und Hausnummer zu haben.

Meine italienische Kundschaft wollte ein Lokal besuchen. Der Name des Lokals sagte mir zunächst nichts, aber die Information dazu lautete:

„Oranjeburtor“

Oranienburger Tor. Prima. Das reicht von der Warschauer Brücke aus zweifelsohne als grobe Richtungsbeschreibung um erst einmal loszufahren. Nun gibt es im weiten Umfeld des Oranienburger Tors aber sicher hundert Lokale. Also habe ich den einzigen wenigstens der englischen Sprache mächtigen Fahrgast gefragt, ob er es genauer wüsste. Daraufhin erzählte er mir ziemlich konfus was von

„Station Friedsenstraß first or second left and right. or left.“

Ähm, ok.

Der Verkehr war verdammt fies an diesem Abend und ich sah auch so keinen großen Grund, den Umweg über die Linden zu nehmen, also hab ich ihn gefragt, ob er mir das eventuell genauer sagen könnte. Den Straßennamen wenigstens. Ist das jetzt in der Friedrichstraße oder der Oranienburger Straße? Oder vielleicht in der Tor-, Linien- oder Johannisstraße?

„Wait. Call my friend!“

Bald darauf hatte ich einen alten Nokia-Knochen in der Hand – beim Fahren natürlich – und es meldete sich Olli. Ich hab Olli kurz mitgeteilt, dass ich gleich da wäre (wir waren tatsächlich bereits am Hackeschen Markt vorbei) und eigentlich nur wissen wollte, an welcher Straße auf welcher Seite das Lokal nun genau wäre. Und Olli sagte:

„Kein Problem. Das ist direkt am Oranienburger Tor. Also quasi da wo die Friedrichstraße und die Oranienburger Straße zusammen kommen, da am Platz, quasi direkt am U-Bahnhof.“

Glasklar

Ich hab als Taxifahrer übrigens mal eine Frage: Was macht Glasscheiben eigentlich so anziehend?

OK, das ist vielleicht etwas seltsam formuliert. Ich zeige mal ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag. Leider ist dieses Beispiel nur so halb aus dem Arbeitsalltag, da ich immer gerade das Auto geputzt habe, wenn ich darüber schreiben will. Dass da ein Zusammenhang besteht, ist übrigens völlig klar… wo waren wir? Klar! Genau:

Glasklar… zumindest beinahe. Quelle: Sash

Dieses Bild ist also kein Foto meiner Scheiben, sondern eines des Haupteinganges des Ostbahnhofs. Etwa in Kopfhöhe (!)…

So in etwa kann man sich Taxischeiben vorstellen, wenn sie 2 Nachtschichten lange nicht geputzt werden – was ich persönlich im täglichen Umgang mit verschiedensten Glasoberflächen schon für einen ziemlich peniblen Intervall halten würde.

Das Auto sauber zu halten gehört zu meinem Job und der schlimmste Teil sind die Scheiben sicher nicht. Die lassen sich ja wirklich mit dem mitgeführten Glasreiniger binnen Minuten am Stand in zumindest erträglichen Zustand versetzen. Aber ich bin auch jetzt – nach fast 3 Jahren in dem Job – immer noch erstaunt, wie viele Leute an den Scheiben entlang schmieren, tatschen und – aber das ist wirklich eine seltene Königsdisziplin – lecken. Ihr dürft ruhig würgen, das gibt es tatsächlich.

Ich meine: Natürlich lehnt man sich mal müde mit dem Kopf gegen das Fenster und wenn man schwitzt oder gegelte Haare hat, bleibt ein Abdruck. Und natürlich kommt auch irgendwer mal mit fettigen Fingern an die Scheibe. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich fast doppelt so lange wie alle Fahrgäste zusammen an meiner Seitenscheibe sitze, ergibt sich schon ein düster-schleimiges Bild von meiner Kundschaft, wenn ich diese Scheibe nur etwa jedes zweite bis vierte Mal mitsamt der anderen säubere.

Und ich sitze wirklich nicht im Auto und trage Gummihandschuhe. Ich mach es mir da ebenfalls bequem, ich esse teilweise im Auto und kümmere mich erstmal gar nicht darum, was ich mache. Ich sehe halt zu, dass ich es nicht forciere.

Gibt es sowas wie Glasfetischismus da draußen? Manchmal hinterlässt mich meine Arbeit echt mit Kopfschütteln…

Schwedische Gardinen

Und zwar nicht nur ein paar…

Ich muss ja zugeben, dass es nicht wirklich im Sinne der StVO war, was ich meiner guten 1925 da die Tage mal zugemutet habe. Es war aber nur eine kurze Tour für einen alten Bekannten, der mich angefragt hat, ob ich mit ihm ein paar Dinge vom IKEA in seine neue Bude und sein Büro bringen könnte.

Wahrscheinlich handelt es sich um einen neuen Rekord, was die Beladung meines Zafiras angeht, und bei aller Vorsicht, die daraufhin im Verkehr geboten war: Ein bisschen stolz auf die Ladungsplanung sind wir dann doch gewesen. Und gelohnt hat es sich auch…

Euch wünsche ich jedenfalls ein schönes Wochenende mit wesentlich weniger Dingen, die man in den 3. und 4. Stock tragen muss 🙂

Einer geht noch… Quelle: Sash

Sozialistisches Gewissen

Bei der amerikanischen Familie hatte ich ja zunächst gedacht, dass die nächste Tour sicher besser werden würde. Dieser Gedanke war natürlich umgehend verflogen nach dem Trinkgeld von 4,50 € auf eine 6,50€-Tour.

Hätte ich gewusst, was für eine Tour mir bevorsteht, hätte ich den Gedanken aufrecht erhalten. Aber gut, vom A&O-Hostel bin ich gleich zum Bahnhof zurückgegurkt. Auf den Straßen schien nichts los zu sein und so richtig Lust auf Cruisen hatte ich auch nicht. Also hab ich mich etwas uninspiriert ans Ende der Schlange gepackt und wieder eine Dreiviertelstunde vor mich hin gewartet.

Mein nächster Fahrgast ereilte mich erst an der Spitzenposition, während ich mit zwei meiner Kollegen ein bisschen am Quasseln war. Der Gestalt nach war er das, was meine Kollegen einen „jungschen Kerl“ nennen, sprich: ein Mensch in meinem Alter. Seine Zieladresse lag zwar gerade mal 6 Euro weit entfernt, aber noch vor dem ersten Loch in der East Side Gallery waren wir dabei, uns gegenseitig unsere Herkunft zu nennen und ich erfuhr somit, dass er „Dunkeldeutscher, aus’m Osten, Sozialismus und so“ war.

Glücklicherweise verband er das nicht mit Wessi-Bashing, was übrigens noch erstaunlich oft passiert in dieser Stadt. Er plauderte darüber, dass er inzwischen selbst nicht mehr hier wohne, „Arbeit und so“, aber immer wieder froh sei, wenn er mal zu Besuch wäre. Bei der Anfahrt seiner Adresse hab ich mich ein wenig vertan und bin einen ziemlich unsinnigen Bogen gefahren. Einmal um den Block, im 40-Cent-Bereich. Er hat das nicht mal für erwähnenswert gehalten und meine Entschuldigung nur mit Verwunderung zur Kenntnis genommen:

„Na hör mal, musst ja auch von was leben!“

„Sicher, aber dazu brauch ich ja hier nicht mit der Kirche ums Dorf…“

„Nu is ja keen Problem!“

„Ja, dann wären wir bei 6,60 €“

„Nu hab ich aber och ’n schlechtes Jewissen!“

„Wieso denn das?“

„Naja, wenn ich in Bayern Taxi fahr, dann immer mindestens für 15 €, nich hier so…“

„Mein Gott, kurze Strecken gehören auch zum Geschäft!“

„Ja nee, machste auf jeden Fall mal 15. Für mein Gewissen!“

„Äh, oh! Wow! Danke! Das wäre aber nicht nötig gewesen!“

„Ach Quatsch, hier Sozialismus und so. Das Soziale zählt! Du musst schließlich gleich wieder rumstehen, während ich hier in der warmen Bude hocke!“

Manchmal gibt es einfach keine passenden Antworten, sondern einfach nur seliges Grinsen…

„Kannste loofn!“

Das ist so in etwa die mieseste Ansage, die man am Ostbahnhof von einem Taxifahrer kassieren kann, wenn man ins A&O-Hostel in der Köpenicker Straße will. In der Tat ist das eine Strecke von ziemlich genau nur einem Kilometer und viele Leute laufen da tatsächlich hin. Im Allgemeinen kann man aber wohl davon ausgehen, dass die Leute, die nach einer Taxifahrt anfragen, auch gerne fahren möchten. Das hindert den ein oder anderen Kollegen natürlich nicht, daran zu glauben, er habe ein Abo auf lange Fahrten erworben.

Ich mache solche Ansagen nie und ich hab es einfach versucht gelassen zu nehmen, dass ich jetzt eine Dreiviertelstunde rumgestanden bin, um ca. 2,20 € brutto damit zu verdienen. Die nächste Tour wird besser!

Die Kundschaft war eine amerikanische Touristenfamilie auf dem Rückweg von ihrem 9-stündigen Tagesausflug durch die ganze Stadt. Die Kids waren reichlich müde und die kleinste ist auf dem Sitz in der letzten Sitzreihe quasi noch vor dem Hinsetzen eingeschlafen. Wie so oft kein unsinniger Beförderungswunsch. Durch die plötzlich vermehrt auftretenden untergroßen Vorerwachsenen hatte sich also auch noch eine Gruppengröße von 5 ergeben, was mir nochmal 1,50 € Zuschlag sicherte.

So kamen wir dann 2 Minuten später am Hotel an und es war einer der schönen Momente, in denen ich eine wirklich zufriedene Kundschaft sehen konnte. Für die war der Tag gelaufen und so war auch die Lust beim Bezahlen nur mäßig ausgeprägt.

„Let’s say 8!“

„Thank you!“

Ich kramte nach einem Zweier, da kam schon der Zwischenruf:

„Ah, don’t worry. Ten’s ok!“

Alles in allem also eine äußerst erfolgreiche Tour (mein Verdienst ist damit etwa so hoch wie bei einer trinkgeldlosen 14€-Tour gewesen) und ein weiterer Beweis, dass man die kurzen Fahrten nicht unbedingt ablehnen sollte. Mit einem allerdings rechnet man in so einer Situation wirklich nicht:

Dass der nächste Fahrgast sich von hinten anschleicht und einem noch einmal einen Euro zusteckt. Gut, dass die nicht gelaufen sind 🙂

Allerdings sollte die nächste Tour tatsächlich noch besser werden. Aber das kann man dann morgen früh hier lesen…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Farbiges Geschwätz

Es ist schon praktisch, dass man mit dem Internet heutzutage ein Medium hat, mit dem sich auch ohne große Recherche ein paar Zuhörer sichern kann. Was ich als Blogger größtenteils rechercheunabhängiger Geschichten gut finde, wird an dem Punkt absurd, an dem Journalisten oder Branchen-Profis es erkennbar an Faktenkenntnis mangeln lassen. Insbesondere wo diese heute so  leicht verfügbar sind.

Da wäre zum Beispiel Norbert Kettner, Tourismusdirektor in Wien. Der reagiert auf gleich zwei verheerende Taxi-Test-Ergebnisse unter anderem mit einer Forderung nach einem einheitlichen Auftreten der Wiener Taxen. Zumindest lässt er sich so zitieren:

„Man kann niemanden vorschreiben, wie sein Taxi ausschaut. Ich glaube nur, was in Städten wie Berlin oder Hamburg funktioniert, muss in Wien auch funktionieren“

Ferner verkündete er, dass es in „den beiden deutschen Städten“ eine „freiwillige Selbstverpflichtung, wie ein Auto auszusehen habe“, gebe.

In dem Blödsinn stecken gleich zwei Fehler:

Erstens kann man Taxlern das natürlich vorschreiben. Und zweitens passiert genau das in Deutschland. Die BOKraft regelt das in §26 in einer an Eindeutigkeit nicht zu überbietenden Klarheit:

(1) Taxen müssen kenntlich gemacht sein
1. durch einen hell-elfenbein-farbigen Anstrich; als Farbton ist zu wählen RAL 1015 des Farbtonregisters RAL 840 HR des Ausschusses für Lieferbedingungen und Gütesicherung (RAL) beim Deutschen Normenausschuß,
[…]

Ich habe nichts gegen die einheitliche Farbgebung der deutschen Taxen. Ich finde die bunt zusammengewürfelten Flotten in den Bundesländern, die über die Ausnahmenregelung eine Quasi-Freigabe erreicht haben, nach wie vor nicht schön und auch wenn die Farbe bei Tageslicht vielleicht nicht sonderlich hübsch ist, bin ich froh, eine hellelfenbeinfarbige Kiste zu lenken.

Aber freiwillig ausgesucht habe weder ich mir das, noch mein Chef.

Und von einem Menschen in halbwegs fachkundiger Position wie Kettner mit einer lautstarken Meinung zum Thema kann man die 3 Minuten Recherche schon verlangen, würde ich mal sagen.

PS: Ich hab beim Lesen der Geschichte übrigens gedacht, dass Hamburg sogar eines der Bundesländer mit einer Freigabe wäre. Das hätte die Äußerung Kettners natürlich nochmal um Klassen lustiger gemacht. Dafür habe ich allerdings auf die Schnelle keine Hinweise gefunden. Falls dem aber doch so sein sollte, dann lacht für mich einmal mit 😉