„Kannste loofn!“

Das ist so in etwa die mieseste Ansage, die man am Ostbahnhof von einem Taxifahrer kassieren kann, wenn man ins A&O-Hostel in der Köpenicker Straße will. In der Tat ist das eine Strecke von ziemlich genau nur einem Kilometer und viele Leute laufen da tatsächlich hin. Im Allgemeinen kann man aber wohl davon ausgehen, dass die Leute, die nach einer Taxifahrt anfragen, auch gerne fahren möchten. Das hindert den ein oder anderen Kollegen natürlich nicht, daran zu glauben, er habe ein Abo auf lange Fahrten erworben.

Ich mache solche Ansagen nie und ich hab es einfach versucht gelassen zu nehmen, dass ich jetzt eine Dreiviertelstunde rumgestanden bin, um ca. 2,20 € brutto damit zu verdienen. Die nächste Tour wird besser!

Die Kundschaft war eine amerikanische Touristenfamilie auf dem Rückweg von ihrem 9-stündigen Tagesausflug durch die ganze Stadt. Die Kids waren reichlich müde und die kleinste ist auf dem Sitz in der letzten Sitzreihe quasi noch vor dem Hinsetzen eingeschlafen. Wie so oft kein unsinniger Beförderungswunsch. Durch die plötzlich vermehrt auftretenden untergroßen Vorerwachsenen hatte sich also auch noch eine Gruppengröße von 5 ergeben, was mir nochmal 1,50 € Zuschlag sicherte.

So kamen wir dann 2 Minuten später am Hotel an und es war einer der schönen Momente, in denen ich eine wirklich zufriedene Kundschaft sehen konnte. Für die war der Tag gelaufen und so war auch die Lust beim Bezahlen nur mäßig ausgeprägt.

„Let’s say 8!“

„Thank you!“

Ich kramte nach einem Zweier, da kam schon der Zwischenruf:

„Ah, don’t worry. Ten’s ok!“

Alles in allem also eine äußerst erfolgreiche Tour (mein Verdienst ist damit etwa so hoch wie bei einer trinkgeldlosen 14€-Tour gewesen) und ein weiterer Beweis, dass man die kurzen Fahrten nicht unbedingt ablehnen sollte. Mit einem allerdings rechnet man in so einer Situation wirklich nicht:

Dass der nächste Fahrgast sich von hinten anschleicht und einem noch einmal einen Euro zusteckt. Gut, dass die nicht gelaufen sind 🙂

Allerdings sollte die nächste Tour tatsächlich noch besser werden. Aber das kann man dann morgen früh hier lesen…

8 Kommentare bis “„Kannste loofn!“”

  1. Dass bei kurzen Touren eher mal vergleichsweise üppiges Trinkgeld lacht als bei einer langen Strecke, ist doch psychologisch durchaus erklärbar. Dumm nur, dass manche deiner Kollegen nix mit Psychologie am Hut haben.

  2. ednong sagt:

    Cliffhanger gehören verboten!

  3. Neuling sagt:

    Habe ich hier im Ort gerade Gestern noch einen Leserbrief zu dem Thema gelesen: Eine gebehinderte Seniorin, die laut eigenen Angaben definitiv nicht Laufen konnte, wurde am Taxistand schroff abgewiesen.

    Sie schrieb, dass sie weiß, dass die Taxler solche Kurzfahrten wegen des geringen Verdienst nicht mögen und dass sie daher immer ein extra großes Trinkgeld geben würde.

  4. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Ich zitiere einen Kollegen nach einer verkehrspsychologischen Schulung (wo es um einfache Dinge wie Stressvermeidung ging): „Weeste, dit is Psychologenzeugs für Psychologen, dit kannse nich vergleichen mit inn Taxi sitzen!“ Du hast leider Recht…

    @ednong:
    Ja wo kämen wir hin, wenn jeder ankündigen würde, was in nächster Zeit noch alles geschrieben wird? 😉

    @Nihilistin:
    Ja und sie ist nicht alleine damit. Gut, es gibt sie ja wirklich öfter mal, diese 4,80€-Touren, die mit bestenfalls mit „Machste fünf“ enden. Gut, hat sich dann halt mal das Geschäft für ein oder zwei Stunden nicht gelohnt…
    Die Kollegen würde ich gerne mal an der Haltestelle hören, wenn die BVG wieder streikt – wie schnell sich da die Weltanschauung ändert, ist wahrscheinlich nicht mehr zeitlich erfassbar.

  5. Cliff McLane sagt:

    Wer ist dieser Cliff Hanger, von dem hier geredet wurde? Hier gibt’s nur einen Cliff, und das bin ich!

  6. Taxijule sagt:

    Ja, so ähnlich ging es mir heute bei meiner ersten Tour – die Anfahrt war weiter als die Beförderungsstrecke – auf dem Taxameter standen tatsächlich 4,00 Euro – na toll dachte ich mir – geht ja schon gut los. Der Mann gab mir sage und schreibe 11 Euro, ich sagte zu ihm, dass das dann doch ein bißchen zu viel sei, aber er meinte das wäre schon ok – für die Umstände.
    Ich sage mir immer, jede kurze Strecke bringt mich auch wieder zu einer langen.

  7. […] der amerikanischen Familie hatte ich ja zunächst gedacht, dass die nächste Tour sicher besser werden würde. Dieser Gedanke […]

  8. Sash sagt:

    @Cliff McLane:
    Ach, das ist irgend so ein alter Kumpel von ednong, mit dem der ein bisschen Zoff hat 😉

    @Taxijule:
    Zumindest passiert es manchmal. Irgendwann weiss man doch so Pi mal Daumen, wie lang eine Durchschnittstour ist. Kann man sich ja mal übers Jahr hinweg ausrechnen. Und wenn eine Tour durchschnittlich 10 € bringt, dann sollte man sich eben nicht ärgern, wenn man eine zu 5 und eine zu 15 bekommt. Passiert halt alles mal und gleicht sich am Ende aus.
    Ich glaube, manche gehen da mit der Einstellung ran, dass die Tour aber mindestens so und so viel bringen muss… dass das nicht klappt, irritiert mich nicht. Es sind immer noch die Fahrgäste, die das Ziel bestimmen.
    Dass es mal nervt, klar! Mich ja auch. Man sollte als Taxifahrer irgendwann halt mal gelassen genug sein.

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