Uber und die Medien …

Gottchen, bei der Geschichte mit der neuen Uber-App „UberPOP“ kommen so langsam auch alle durcheinander, oder?

Ein besonders schönes Beispiel, allerdings kein Einzelfall, ist der aktuelle Artikel im Tagesspiegel. Der wirft 2 Dinge durcheinander: Das eben ergangene Berliner Urteil gegen den Limousinenservice von Uber und die aktuelle ANDERE Dienstleistung von Uber: UberPOP eben. Ein kleines Bisschen richtiger, aber auch ohne die notwendige Unterscheidung schafft es zeit.de

Zum Mitschreiben:

1.

Der Limousinenservice von Uber existiert schon länger und ist vom Prinzip her legal. Gegen ihn wurde seitens eines Berliner Taxiunternehmens vor einiger Zeit „nur“ geklagt, weil sich die Limousinen unberechtigt in der Innenstadt bereithalten, was laut Personenbeförderungsgesetz für Mietwagen (das sind Limousinen im Sinne des Gesetzes) nicht erlaubt ist.

2.

UberPOP ist ein davon unabhängiges Angebot (Ja, auch mit App, aber niemand verbietet einer Firma, zwei Apps zu programmieren!), bei dem Privatpersonen ohne P-Schein Fahrten abwickeln sollen. Dieses Angebot gibt es erst seit Dienstag in Berlin, da gibt es noch kein Urteil. Wohl aber auf diesen Service scheint sich das Urteil in Belgien (engl.) zu beziehen und auf dieses Urteil wiederum bezieht sich die inzwischen vielzitierte Kritik der EU-Kommissarin Neelie Kroes.

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So, sind jetzt alle Unklarheiten beseitigt?

Das jetztige Berliner Urteil hat eine ganz andere Tragweite als die durch UberPOP aufgeworfenen Fragen. Beim normalen Limousinenservice ging es ausschließlich ums Bereithalten, welches laut Gesetz Taxen vorbehalten ist. Und der Streit ist so alt wie der Unterschied zwischen Mietwagen und Taxen. Es gab bestimmt in jeder Stadt, in der es eine nennenswerte Anzahl an Mietwagen gibt schon ähnliche Streitigkeiten und da darf in meinen Augen auch wesentlich ergebnisoffener diskutiert werden, ob diese Unterteilung jetzt wichtig ist oder nicht.
Es fällt aber natürlich schwer, ausgerechnet bei Uber jetzt milde zu urteilen, wo sie mit UberPOP ziemlich unmissverständlich beweisen, dass sie sich aus Prinzip einfach mal eher nicht an ihnen ungenehme Gesetze halten. Der Einlauf, den sie zu UberPOP bekommen werden, wird nochmal viel mehr knallen als das, was da jetzt im Berliner Landgericht passiert ist.


Nachtrag, 17:43 Uhr: Der Tagesspiegel hat den oben verlinkten Artikel inzwischen geändert.

Das Glück ist mit den Unvorsichtigen

Als er aus dem Wagen gesprungen ist, um Geld zu holen, ist mir erst aufgefallen, wie scheißblöd ich doch bin. Vertrauen in die Kundschaft halte ich nicht für meine schlechteste Eigenschaft, aber es gibt so Momente, da sollte man vorsichtig sein als Taxifahrer. Dass ich ihn an einem Club eingesammelt hab: geschenkt. Dass er voll war: geschenkt. Aber er brabbelte die ganze Fahrt über schwer verständliches Kauderwelsch über eine Jacke, die ihm abhanden gekommen sei und dass er später zurückmüsse, um sie zu suchen. Abgeranzt mit kaum Klamotten am Leib gab er mir dann umständlich zu verstehen, ich solle an der Tankstelle kurz vor der Lichtenberger Brücke halten – sein Haus wäre gegenüber.
An für sich ist das somit schon noch „vor der Tür“, aber eben locker 100 Meter entfernt. Die Frankfurter Allee ist schweinebreit da draußen und ich wäre gar nicht so schnell legal auf die andere Seite gekommen. Sich so ohne zu bezahlen zu verdrücken, wäre nicht schwer gewesen.

Und ich hatte nicht daran gedacht, ihm ein Pfand abzutrotzen.

Dabei war der Kerl so hinüber, der hätte auch mitten auf der Straße oder bei sich in der Wohnung einpennen können, es muss ja nicht einmal böse Absicht sein. Mir kam der Gedanke wie gesagt erst als er in Richtung Straße rannte. In mir rasselten dann schnell die Überlegungen durcheinander: Sollste hinterher? Warteste? Rufste ggf. die Cops oder vergisste’s einfach?

Aber da plötzlich stoppte der Kerl seinen torkelnden Lauf und kam zurück. Stolz und selbst sichtlich überrascht zeigte er mir einen Zehner, den er zerknüllt in seiner Hosentasche gefunden hatte. Bis auf den Cent genau der Betrag, der auf der Uhr stand. Gut, die Fahrt war damit zwar trinkgeldlos, aber immer noch besser als alles, was ich mir 3 Sekunden vorher ausgemalt hatte. 🙂

Mit solcher Kundschaft wird das aber auch nix, sich Vorsicht anzutrainieren. Echt jetzt!

Illegale Taxen – uberhaupt kein Problem!

Ich kann kaum noch zählen, wie viele Hinweise bei mir inzwischen eingegangen sind bezüglich der neuen App „Uber Pop“.

Ich bin immer kritisch gewesen, was die Angebote von Limousinendiensten betroffen hat. Meist aus dem für Kunden nachvollziehbaren Grund, dass die Fahrten mit diesen Anbietern in der Regel teurer waren und damit nur auf dem Papier eine ernste Konkurrenz für uns Taxifahrer.

Damit ist nun Schluss, denn seit kurzem bietet der Anbieter Uber eine App an, die etwas wirklich neues versucht. Mit ihrer Hilfe sollen „private“ Fahrer Fahrten anbieten können, und das natürlich – weil sie nicht wie wir Taxifahrer zum öffentlichen Nahverkehr gehören – zu anderen Preisen, die niedriger sein sollen als unsere Tarife. Das klingt erstmal nach einer super Sache für alle Kunden. Taxifahren ist teuer, insofern ist ein niederpreisigeres Angebot doch gut. Oder?

So einfach ist das leider nicht. So wie ich das sehe, ist es vor allem auch illegal. In Brüssel ist das Angebot bereits verboten worden und auch hier laufen die Taxiverbände Sturm. Das zwar vor allem aus eigenen Interessen, aber das Modell von Uber hat wirklich ein gesetzliches Problem:

§1 des PbefG definiert den Personenbeförderungsgesetz-Geltungsbereich für Fahrten wie folgt:

„Den Vorschriften dieses Gesetzes unterliegt die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, mit Oberleitungsomnibussen (Obussen) und mit Kraftfahrzeugen. Als Entgelt sind auch wirtschaftliche Vorteile anzusehen, die mittelbar für die Wirtschaftlichkeit einer auf diese Weise geförderten Erwerbstätigkeit erstrebt werden.“

Und wer Zweifel hat, darf in §46 über Formen des Gelegenheitsverkehrs lesen:

„Als Formen des Gelegenheitsverkehrs sind nur zulässig

1. Verkehr mit Taxen (§ 47)
2. Ausfugsfahrten und Fernziel-Reisen (§ 48)
3. Verkehr mit Mietomnibussen und Mietwagen (§ 49)“

Alles andere erlaubte ist Linienverkehr und damit definitiv nicht das, was Uber macht. Und das Gesetz stellt Ansprüche an Taxen und Mietwagen, sowie deren Fahrer. Die von mir gerne erwähnten zwei Türen auf der rechten Seite mögen die meisten Autos vielleicht noch erfüllen, aber die von der BOKraft verlangte Alarmanlage wird sich wohl keiner der neuen Chauffeure einbauen lassen, wenn sie nicht einmal eine Konzession beantragen. Außerdem müssen Fahrer von Taxen und Mietwagen selbstverständlich einen P-Schein machen. Und wer eine Konzession hat und/oder einen P-Schein, der kann auch gleich regulär Taxi oder Mietwagen fahren.

Versteht mich nicht falsch: Mir liegt nichts an einer rein ehrenhalber vorgenommenen Verteidigung des Taxigewerbes. Ich mag das Gewerbe als beteiligter Arbeitnehmer natürlich, aber Kundenfreundlichkeit ist mir mindestens genauso wichtig. Uber macht das schon clever und setzt noch stärker wie z.B. MyTaxi auf Bewertungen von Kunden und Fahrern. Allerdings frage ich mich:

Wenn es im Taxigewerbe trotz Regulierungen und Beschränkungen angeblich nicht so super läuft: Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass das mit wesentlich weniger Einschränkungen für noch weniger Geld funktioniert? Und auf wessen Kosten? Ich hab’s schon oft geschrieben: Taxifahren ist nicht so lukrativ, wie viele sich das vorstellen. Wenn das nicht schnell gerichtlich gekippt wird, werden sich einige mit der Uber-App auf die Straße schmeißen, vermeintlich lukrativ schwarz „dick“ Kohle machen und spätestens wenn das Auto hinüber ist merken, dass sie sich irgendwie verrechnet haben. Uber nimmt wohl 20% Vermittlungsgebühr und die Preise sollen trotzdem 20% unter denen von Taxen liegen. Das ist auf Dauer für niemanden rentabel, außer für Uber.

Ich finde die Vorstellung ja noch nett, dass sich jemand im Ruhestand durch 2 Fahrten täglich ein bisschen Kohle dazu verdient. Aber um erfolgreich zu sein, bräuchte die App viele Fahrer, die das regelmäßig machen. Und da finde ich es keine sehr erbauliche Vorstellung, dass das alles Leute ohne nachgewiesene Ortskunde, ohne nachgewiesene gesundheitliche Eignung, ohne geklärte gesetzliche Rahmenbedingungen zu einem Hungerlohn sein werden.

Uber stellt das Ganze zwar mehr oder weniger wie die knuffige Form einer Mitfahrzentrale dar, aber im Gegensatz zu den Fahrten bei einer solchen (Ich weiß, auch da gibt es dunkelgraue Bereiche) zielt der US-Anbieter nicht darauf ab, überschüssigen Platz unter Freunden oder Bedürftigen zu teilen, sondern professionelle Personenbeförderung anzubieten. Nur versuchen sie dabei, auf professionelle Kräfte zu verzichten. Und das meine ich nicht der Ausbildung wegen. Uber stellt die Fahrer nicht an, ein Gewerbe müssen sie aber auch nicht anmelden. So schön das Angebot für Kunden klingen mag: Das ist nichts weiter als organisierte Schwarzarbeit.

Neue Ideen im Beförderungsgewerbe sehe ich mir immer gerne an. Selbst wenn es uns Taxifahrern Kunden abwirbt. Denn dann hat das Angebot offenbar seine Qualitäten. Das kann ich bei Uber nicht erkennen. Sie mögen bessere Preise als Taxen anbieten, ok. Legal kriegen sie das offenbar nicht hin (Ihr Limousinendienst in Berlin ist wohl eher mäßig erfolgreich), also drücken sie sich jetzt ohne Rücksicht auf Verluste in den Markt. Für sie ist das leicht verdientes Geld, sie tragen dabei kaum ein Risiko. Sie stellen keine Leute ein, kaufen keine Autos. Sie müssen die App am Laufen halten, das ist aber auch schon alles. Am Ende wird das auf dem Rücken der Fahrer ausgetragen. Die haben meiner Ansicht nach ebenso wie die Kunden keinerlei Rechtssicherheit bei der Abwicklung ihres Geschäftes. Nebenbei wird der Staat um Steuereinnahmen gebracht und die Taxifahrer um Aufträge.

So einen dreisten Scheiß hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich hoffe, die deutschen Richter folgen ihren belgischen Kollegen. Da stimme ich ausnahmsweise mal zu 100% mit unseren Gewerbevertretungen überein: Das geht überhaupt nicht, was Uber da abzieht!

Fettnäpfchen die zweite

Dass ich Fahrgästen auf die Füße trete, passiert selten. Und selbst dann nur metaphorisch, trotz Schuhgröße 50.

Die Tour war unspektakulär. Winker, 3 Kilometer Weg, das Ziel in Kreuzberg. Mir wurde an den letzten zwei Ecken noch der genaue Weg erklärt, ansonsten blieb es eher ruhig. Das Bezahlen war auch kein Problem, es gab 1,50 € extra und so wünschte ich wie immer einen angenehmen Abend. Daraufhin lehnte sich der Typ vom Beifahrersitz noch mal ins Auto und meinte:

„Na, mal schauen. Ihre Freundin ist gerade tödlich verunglückt. Schätze, das wird heute nix mehr.“

Autsch. 🙁

PS: Berichte über mein Ableben wären zwar stark übertrieben, aber krank bin ich derzeit auch. Also seid gnädig, wenn ich die Tage seltener vorbeischaue, um zu kommentieren.

Faulheit, letztes Level

Zunächst hab ich mich geärgert. Kam da doch tatsächlich auf der  Petersburger Straße Richtung Süden ein Kollege mit angeschalteter Fackel entlanggeschossen und überholte mich kackedreist, obwohl ich selbst leer unterwegs war. Grmpf! Das macht man nicht!

Dann sind mir die Gesichtszüge noch etwas mehr entgleist, denn der Kollege war im engeren Sinne keiner – es war ein Brandenburger aus dem Landkreis LDS. Also hat der Kerl nicht nur gegen eine ungeschriebene Regel verstoßen, sondern sich tatsächlich illegal bereitgehalten. Bis zu seinem Heimatlandkreis waren es locker noch 20 Kilometer – das ist schon mehr als nur dreist.

Dann tauchten am rechten Straßenrand plötzlich Winker auf. Lustige Situation, denn wenn er angehalten hätte, hätte er auch Ärger gekriegt. Ich gönne den Kollegen aus LDS ihre Kunden, ich bin da nicht so feindseelig wie mancher Kollege. Aber das Taxigewerbe in LDS hat sich erbittert den Schönefelder Flughafen erstritten und wacht mit Argusaugen darüber, dass ja kein Berliner Taxi vielleicht auch nur versehentlich eine unerlaubte Tour von Schönefeld aus kriegt, da kann man umgekehrt doch die gleichen Standards verlangen …

Aber der Kollege fuhr ohne mit der Wimper zu zucken (ok, das hab ich nicht gesehen, aber zumindest hat er nicht mal kurz angebremst) vorbei. Kann sein, dass ihm klar war, dass ich hinter ihm bin, sah aber tatsächlich so aus, als jucke es ihn nicht. Schon sein Tempo flüsterte unhörbar: „Nur schnell weg aus dieser irren Stadt, flieh! Sofort!“

Wenn ich das mal gutgläubig annehme, dann muss ich mich doch fragen, was einen bei einer mehr als 20 Kilometer langen Fahrt davon abhält, wenigstens die Fackel auszuschalten. Das ist ein Knopfdruck, der eventuell mehrere Anfeindungen und Missverständnisse verhindert. So schwer kann’s doch echt nicht sein.

Am Ende wäre es noch lustig gewesen, wenn die Kunden nach Schönefeld gemusst hätten. War aber leider nur eine Kurzstrecke zum S-Bahnhof Warschauer … 😀

Der Mann mit dem hellelfenbeinfarbenen Wagen

„Wow, das war ja jetzt wie bei James Bond!“

quiekte sie vergnügt.

Um ehrlich zu sein, hatte sich die ganze Sache weit unspektakulärer angelassen, als dieser Ausspruch vermuten lassen würde. Ich sah die drei Leute auf der linken Straßenseite der Köpenicker Straße winken, bremste, setzte den Blinker und wendete, um vor ihnen zu halten. Winker halt, das Übliche.

Gemeint hat sie natürlich was anderes, das ist mir auch bewusst. Ich musste auch erst ungefähr 20 Jahre alt werden, um zu verstehen, dass man Taxifahrer ruhig auch auf der Straße ranwinken kann. Und ich musste erst am Steuer eines solchen Wagens landen, um zu begreifen, dass sich die Taxifahrer darüber sogar freuen.

Diesbezüglich ist Deutschland wohl wirklich so spießig, wie ihm manchmal unterstellt wird. Hier ist es einfach üblich, sich ein Taxi zu bestellen. Das hat natürlich seine Vorteile und in vielen Ecken dieses Landes ist es ja auch nicht so kundenfreundlich um die Taxidichte bestellt wie in Berlin. Aber auch hier gibt es ja die Leute, die sich am Frankfurter Tor ein Taxi rufen, obwohl wir so zahlreich vorbei fahren, dass man sich problemlos ein Automodell aussuchen könnte. Ich hab desöfteren Winker mit Anhang, der sich dann wundert: „Ach, das geht ja wirklich!“

Ihr Stammleser wisst’s ja, aber das darf gerne geteilt werden:

Einfach mal die Hand hochhalten, um ein Taxi anzuhalten!

Wie in so einem irren Film, der in New York spielt – das klappt. 😉 Fast immer. (Nachts drauf achten, ob das Dachschild leuchtet. Tut es das, sind wir frei.)

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Momente …

Winker in der Torstraße. Ging nur zwei Kilometer die Schönhauser hoch …

„Und, hatten Sie einen guten Abend?“

„Ja ja, toller Abend!“

„Uh, das klingt nicht so begeistert …“

„Doch. Also ich fand den Abend toll. Bis auf diesen einen Moment.“

„Moment?“

„Ja, es gibt so Momente. Aber die muss man wegtrinken.“

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