Der merkt das nicht …

Die gesperrte Oberbaumbrücke. Inzwischen hat mir diese Baustelle sicher gut 100 € extra an Umsatz gebracht. Dass ich fortan bei einigen längeren Touren einen Umweg machen müsste, war mir ja von Beginn an klar – was ich nicht erahnt hatte, war, dass tatsächlich gerade die ganz kurzen Touren ziemlich beliebt sind. Und die lohnen sich eben wirklich.

Und nun wieder: ein junges Pärchen in der Warschauer äußert den Wunsch, zum Watergate gebracht zu werden. Ich setze da immer gleich vorsichtshalber eine Beileidsmiene auf, denn eine für alle perfekte Lösung gibt es halt nicht. Entweder ich bringe sie nur zur Brücke und für mich ist es eine Tour mit grob geschätzten 4,40 € Umsatz – oder ich fahre bis vor die Tür, was den Kunden für die Ersparnis von 150 Metern Fußweg schnell mal 6 bis 7 € mehr kostet. Wer freut sich da wirklich?

Aber auch hier:

„Nee nee, bring uns mal bis vor’n Club! Das is‘ ja auch nicht so wild. Er hier merkt das eh nicht!“

Lustig, so eine Ansage im Vorfeld zu machen, ganz offensichtlich auch noch, weil der junge Mann wohl zu zahlen hatte. Der zeigte sich allerdings tatsächlich nur mäßig interessiert daran, was er zu zahlen hatte, er löcherte mich lieber gleich bezüglich des Geschäfts, weil er selbst Taxifahrer als Aushilfe in einem kleinen Landkreis war. Ich schlage also den ewigen Haken über die Elsenbrücke, wir unterhalten uns und alles ist prima. Am Ziel angekommen gibt es 20% Trinkgeld und ich meine zum Spaß noch, dass das jetzt ungefähr so viel Trinkgeld gewesen sei, wie normalerweise der Fahrpreis (eine Übertreibung, aber sonderlich ernst waren wir nicht miteinander), da ruft die Freundin wieder dazwischen:

„Ach was, das hat der doch gar nicht mitgekriegt, dasss das ein Umweg war!“

Ich bin mir sicher: wenn der Kerl wirklich häufiger Taxi fährt, dann ist ihm das aufgefallen. Dieses Denken in Karten wird man so schnell nicht wieder los …

Kollege mit Plan

Reinhold aus München hat heute mal wieder einen Artikel geschrieben, der verlinkt werden muss. Es geht um veraltete Taxiordnungen und … genau: Pläne.

So sehr ich mir hier in Berlin mehr Kontrollen der Taxifahrer wünschen würde – irgendwann wird es dann absurd.

PS: Ich hab keine Ahnung, ob unser Stadtplan in der 1925 noch aktuell ist. Meine Lust, nachzusehen, hält sich allerdings auch stark in Grenzen.

Vermischtes

Hmm, ok. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, den Silvester-Artikel hab ich schon geschrieben und mir für heute gar keine großen Gedanken gemacht. Aber es ist ja nicht so, dass mir nichts einfallen würde. Ich hab ja z.B. in meinem privaten Blog über Silvester oder meine Träume geschrieben. Im Taxihaus-Blog hab ich das neue Jahr aus Taxi-Sicht begrüßt und es gibt neben mir ja auch noch einige Kollegen, die im Gegensatz zu mir nicht immer nur auf der faulen Haut liegen:

Bei Aro ist zwar seit seinem Besserwisser-Artikel nichts neues in der Taxi-Rubrik vorgekommen, aber der Rest der Seite ist wie immer lesenswert.

Klaus beklagt das miese Weihnachtsgeschäft, schießt im Gegensatz zu mir aber wenigstens ein paar schöne Fotos zwischendurch.

Torsten vom taxi-blog hat immerhin nicht weniger als den besten Grund ever gefunden, an Heiligabend Taxi zu fahren, auch wenn ihn sonst eher üble Geschichten beschäftigen. Neben den Links geht hier vor allem ein aufrichtiges Beileid nach Paderborn! 🙁

Kollege Reinhold hat Sorgen mit der Gesundheit, schreibt aber immer noch und immer wieder lesenswerte Artikel.

Und – man hätte es kaum erwartet – auch Mia aus meiner alten Heimatstadt Stuttgart meldet sich hin und wieder und erzählt die ein oder andere bewegende Geschichte – wie beispielsweise die von Frau Weiß.

Und das sind ja noch nicht alle. Bei mir in der Seitenleiste und bei den Kollegen ebenso finden sich eine Menge Taxifahrer, die alle die ein oder andere Geschichte zu erzählen haben. Gerade jetzt in der Winterzeit kurz vor dem Jahreswechsel. Und abgesehen von den vielen Kollegen möchte ich hier auch noch Jo erwähnen, der zwar letztlich bei seinem Steckenpferd – der Software – geblieben ist und nicht auch als mein Kollege im Taxihaus-Berlin angefangen hat (gut, er hat dort immerhin mal das Netzwerk eingerichtet). Der hat nach langer – unter anderem finanziell bedingter – Blogabstinenz einen neuen Blog aufgemacht, nachdem ich ihm in einer nicht gerade alkoholfreien Nacht ein bisschen Platz auf meinem Server spendiert habe. Den hatte er sich ohnehin schon dadurch verdient, dass wir uns schon eine Weile kennen und er immer noch den normalen Taxitarif zahlt, wenn ich ihn von A nach B bringe …Und wenn etwas lesenswert ist, dann auf jeden Fall sein herzlich pragmatischer Jahresrückblick.

So, damit hätten wir weit mehr gute verlinkte Texte, als zum Ausgleich für einen fehlenden GNIT-Artikel nötig wären. Da ich euch aber für eine belastbare Zielgruppe halte, wollte ich zusätzlich noch fragen, was euer Lieblingsartikel hier im Jahr 2012 war. Ursprünglich hatte ich vor, eine große Wahl mit Vorentscheidung und dergleichen zu machen, was aber bei so vielen Artikeln (Huch, es stinkt hier! Rieche ich Eigenlob?) irgendwie unpraktikabel ist.

Also falls euch was besonders in Erinnerung ist, würde ich mich einfach freuen, wenn ihr das in den Kommentaren mitteilt. 🙂

Ab durch die extreme Mitte!

Hergehört, liebe Taxigeschichtenleser!

Während ich mich mit allen Nicht-Blog-Aktivitäten stets aufs Neue verheddere, hat der von mir sehr geschätzte Kollege Yok seine Taxierlebnisse in ein handliches Buchformat gebracht und rausgehauen. Ich hab es selbst noch nicht gelesen, aber ich bin ein Freund nicht nur so mancher Musikstücke von ihm, sondern auch relativ regelmäßiger Leser seiner monatlichen Taxigeschichten.

Das gute Stück heißt „Punkrocktarif – mit dem Taxi durch die extreme Mitte„, kostet glatte 10 € und sieht so aus:

Buchbestellung unter newyok@gmx.de

Yok gehört zu den Kollegen, die wie ich bisher nicht dem Versuch erlegen sind, den Ärger dieses Lebens auf unter uns stehende Randgruppen zu schieben und weiter mit gutem Gewissen links denken. Traurigerweise sind diese Kollegen im Taxigewerbe schwer zu finden und schon deswegen rühre ich hier gerne auch mal für ein bisher ungelesenes Buch die Werbetrommel. Den Klappentext möchte ich Euch nicht vorenthalten und da ich zu faul war, ihn abzutippen, bekommt ihr ihn nun auch in bildlicher Form:

Das klingt, als müsste man das haben, stimmt’s?

Über die ISBN im Bild wird das Buch sicher von jedem Buchhändler eures Vertrauens bestellt werden können – direkt erhältlich ist es jedoch nur in Kreuzberg, und dort unter folgenden Adressen:

Schwarze Risse, Gneisenaustraße 2a
real deal, Gneisenaustraße 60 und
rebel store, Mariannenstraße 49.

Bestellt werden kann es auch unter newyok@gmx.de

Wer die Katze nicht im Sack kaufen will, kann auch zu einer Lesung am 3. Januar 2013 (also etwa, wenn der Kater aufhört) um 20 Uhr im BAIZ kommen – ich werde versuchen, da zu sein. Versprechen will ich besser nix, aber ich will das Buch ja auch bald haben und Yok und ich fahren uns auch nicht in größer Regelmäßigkeit über den Weg.

Reflexe (3)

Den am wenigsten beneidenswerten Reflex hat dieses Wochenende allerdings ein Fahrer gehabt, den ich nie zu Gesicht bekommen habe. Seine Kunden auch nicht – und genau das war das Problem. Der Trupp aus drei Männern an der Trabrennbahn Karlshorst sah schon nicht mehr so gut gelaunt aus und der Kerl mit dem Schnauzbart, der sich auf den Beifahrersitz setzte, äffte gleich:

„Die 6XXX in 3 Minuten. Jaja, sicher! Der ist jetzt schon 13 Minuten nicht gekommen!“

So schwer es einem auch fallen mag, der Zentrale eine richtige Zeiteinschätzung zu geben, wann man da ist – ab einem gewissen Punkt wird es dann dreist, lässt es doch vermuten, dass die Zeit genannt wird, um sich einen Auftrag zu erschleichen, den eigentlich ein anderer bekommen würde. Und gerade 3 Minuten werden dabei gerne genannt, weil die Zentrale (also zumindest meine) danach kein Unterbieten mehr erlaubt und dem Fahrer direkt den Auftrag erteilt.

Ich bin ja grundsätzlich skeptisch bei solchen Ansagen. Gerade in kühleren Nächten behaupten die potenziellen Kunden ja gerne mal Wartezeiten, die bei genauerem Nachfragen eben doch nicht kurz nach dem Krieg, sondern eher erst vor 39 Sekunden begonnen haben. Einen kleinen Glaubwürdigkeitsbonus hatte dieser Kunde allerdings (mal abgesehen von der ungewöhnlich präzisen Zeitangabe):

Er war ein Kollege.

Und selber beim besagten Funk.

Und ein netter Kerl, dem erkennbar wenig daran lag, andere Kollegen über den Tisch zu ziehen.

Traurig für den Fahrer, der die Fahrt nicht bekommen hat, denn:

„Erstmal gradeaus.“

„Und wie lange etwa?“

„Ziemlich lange. Also vielleicht 10 Kilometer oder so – bis Hohenschönhausen.“

„Oh, ok. Das ist gut.“

„Nette Fahrt, oder? Da ist aber nicht Schluss. Er hier muss nach Weißensee und Endstation ist Neu-Lindenberg.“

„Na damit ist meine Schicht gerettet!“

„Ach, sind auch nur 40 €.“

Genau genommen nur 35 € – aber was soll ich sagen: Gelogen hat er halt auch nicht. 🙂

Pech für Peppi …

Stressige Kundschaft

Aro hatte mal wieder besonders bezaubernde Kunden. Wo er die immer wieder herkriegt …

Ich hab scheinbar echt erstaunlich unterdurchschnittlich viele solche Töffel bei mir im Auto. Aber es gibt sie, das weiß ich. Bei der Tour von Aro lohnt es sich zudem, sich mal auf einem Routenplaner anzusehen, was sein Kunde gerne von ihm gehabt hätte und wo Aro langgefahren ist. Ich kann jedenfalls gut verstehen, dass man so blöde Kommentare mal mit einer zackigen Ansage beantwortet. Ist zugegebenermaßen nicht gerade mein Stil, aber manchmal ist es schon traurig, was man sich für vielleicht einen Fünfer (inkl. Trinkgeld, versteht sich) manchmal von Leuten anhören muss, die eine Ahnung haben wie Kühe vom Fliegen*.

Ich versuche solchen Quatsch ja gerne auf die nette Art zu regeln, aber manchmal geht das nicht, da verstehe ich meinen geschätzten Kollegen vollkommen.

*ausgenommen Kühe aus südlichen Bundesstaaten der USA mit Tornado-Erfahrung.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die Juten

Die guten Taxifahrer, die richtigen. Endlich hatte ich auch mal eine Begegnung mit ihnen.

Also nicht, wie ihr jetzt denkt. Ich hab ein paar sehr nette und bedenkenlos empfehlbare Kollegen da draußen. Aber wenn es um Qualität geht, dann taucht doch immer wieder der Vergleich zu einer ganz bestimmten Stadt auf: London. Härteste Prüfungen, 3 Jahre Ausbildung, keine verlotterten Gestalten am Steuer – soll ja abgesehen vom Preis das Traumland für Taxikunden sein da drüben.

Es war ein wenig witzig, der junge Kerl wirkte fast ein wenig verschüchtert, als er mir in leisem Tonfall gestand, selbst Taxifahrer zu sein, nur eben drüben auf der Insel. War auf jeden Fall ein gutes Unterhaltungsthema, zumal wir uns erst einmal ein paar Minuten Stau geben mussten, bis wir am Kotti vorbei waren. Er wollte zum Maritim, für eine Winkertour also gar nicht mal so schlecht. Für mich aber besonders schön war, wie so oft im Leben, zu sehen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Man hört so viel über die Ausbildung der Fahrer dort, letztlich scheint die Ortskundeprüfung allerdings recht ähnlich der in Berlin zu sein. Gut, ein wenig umfangreicher vielleicht – auf jeden Fall schaffen sie das dort besser zu verkaufen …

Irgendwie gehörte zu dem Gespräch aber einiges mehr, als ich hier jetzt rüberbringen könnte. Es war einfach nett und kollegial, so wie im Übrigen auch mit den meisten anderen Taxifahrern, die ich im Laufe der Zeit im Auto hatte. Man hat sich halt doch ein bisschen mehr Interna zu bequatschen (also wenn man nicht ohnehin eine Laberbacke wie ich ist und sowieso immer alles haarklein erzählt).

Mein Fahrgast jedenfalls beendete unsere Tour mit einem „nice to meet you“ und dem schönsten englischen Satz, den ich kenne:

„Keep the change!“ 😉

Knapp 30% – der war wirklich Taxifahrer. Oder zumindest wirklich Brite. Also egal, einer von die Juten eben.