Ungeduld

Ich hab zwar am Ostbahnhof meine Lieblingshalte und stehe da auch manchmal ein bisschen länger und unterhalte mich mit Kollegen – ich fühle mich aber trotzdem wie das Gegenteil eines Flughafenfahrers beispielsweise. Dass man da auch seine Kohle macht, glaube ich ja – aber die Wartezeiten sind mir trotz der meist langen Touren zu extrem.

Am Flughafen dauert eben alles ein bisschen länger – aber das wissen wir Berliner inzwischen ja recht gut …

Kollege Mehmet hat allerdings neulich den absoluten Joker gezogen. Steht zweieinhalb Stunden in Schönefeld an und nimmt als sechster in der Reihe einen Funkauftrag in der Nähe an. Er fährt hin, wartet, wartet, wartet und wartet noch ein bisschen, aber keiner kommt. Also ist er zurück zum Flughafen und hat sich wieder hinten angestellt. Wieder zwei Stunden. Dann eine Fahrt zur Spinne in Rudow. Die erste Hälfte, die ersten 5 Stunden seiner Schicht waren das – für 10 € Umsatz.

Seine schlechte Laune konnte ich wirklich gut verstehen. Ich hatte in der selben Zeit fast 100 € auf der Uhr.

Startschwierigkeiten

Na Prost Mahlzeit!

Als der Oktober so langsam zu Ende ging, hab ich angefangen, mich wirklich auf November zu freuen. Ich meine, ich war krank im Oktober, die 1925 hat lange Zeit in der Werkstatt verbracht – da ist so ein Monatswechsel auch ein bisschen ein symbolischer Neuanfang. Am Donnerstag Abend hab ich noch eine ruhige Kugel geschoben, nur das Autochen hab ich schon mal für einen besseren Start vor die eigene Wohnungstüre verlegt. Mein Tagfahrer ist immer noch krank, während der Tage, die ich arbeite, steht es meist vor der Türe. Auch sehr nett. 🙂

Und dann bin ich gestern aus dem Bett gefallen. Quasi. Die Fallhöhe ist nicht allzu groß, zeitlich war 13.30 Uhr aber nicht so der Bringer. Naja, ich hatte so oder so noch etwas mit Cheffe zu bequatschen und das Büro macht offiziell um 18 Uhr dicht. Also hab ich hochproduktiv zweieinhalb Stunden im Bett blödsinnig über unsere Chilipflanzen nachgedacht, um dann doch noch in Hektik zu verfallen. Duschen, einkaufen, dieses, jenes, bla, keks.

Um 17.15 Uhr hab ich mir dann das Autochen heimelig eingerichtet und noch eine Kippe geraucht. Dann hab ich meine Füßchen (Größe 50) elegant in den dafür vorgesehenen Raum geschwungen, den Zündschlüssel gedreht und die Batterie war leer.

Na klar.

Trotz des Werkstattmarathons in letzter Zeit war das Spinnen der Batterie Ende September so eine einmalige Sache gewesen, dass ich gar nicht daran gedacht hatte, das auch noch erledigen zu lassen. Und das rächte sich jetzt wohl. Jetzt, am ersten Arbeitstag im ach so neuen November! Verdammt! Nach Rücksprache mit meinem Chef und der darauf folgenden erfreulichen Erkenntnis, dass richtige Mechaniker für diese 30 Minuten so viel Geld nehmen wie ich in den nächsten 5 Stunden Umsatz haben würde, hab ich halt doch ein Taxi für die Starthilfe gerufen.

Die Kollegen aus der Firma waren alle andersweitig beschäftigt, bzw. einfach zu weit weg oder hatten wie ich keine Kabel dabei. Und im Gegensatz zum letzten Mal stand ich auch eingekeilt auf einem ebenen Parkplatz – mit anschieben war da nicht viel zu machen!

Hat aber auch so prima geklappt. Der Kollege, der keine 10 Minuten später vor der Türe stand, war zwar etwas einsilbig – dafür in Punkto Routine kaum zu überbieten. 5 Minuten nach seiner Ankunft schnurrte mein Kistchen wieder und es hat damit die nächsten 7 Stunden nicht aufgehört. Feierabend habe ich sogar erst 11 Stunden später gemacht, bis dahin jedenfalls lief alles blendend!

So, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das heute auch noch mal klappt – am Besten sogar gleich ohne Starthilfe. Natürlich hätte ich mir heute bereits eine neue Batterie holen können – laut Cheffe sogar mehr oder minder sollen. Die samstägliche Betriebsamkeit unseres Ersatzteilhändlers zwischen 10 und 13 Uhr lag mir aber doch ein wenig zu sehr in meinen Kernschlafzeiten. Dank von mir aus auch noch einstündiger Fahrt dorthin war es erst recht keine Option. Ich meine, normalerweise schlafe ich 8 bis 16 Uhr, wie sollte ich das bitte hinkriegen? Aber gut, ich würde auch heute Abend eine zweite Starthilfe bekommen und den Austausch erledigt dann mein derzeitiger Tagfahrer am Montag.

Alles in allem lief der Start in den November also nicht so ganz reibungslos. Ich hab ja heute morgen nicht mal mehr einen Artikel zustande bekommen …

Aber so ist das Leben. Dafür hatte ich wenigstens ein bisschen Glück mit Umsatz und vor allem Trinkgeld. Und das ist ja auch schon mal was 😀

Klaus, verzeih mir!*

Ich kann heute keinen Artikel schreiben. Sicher, ein paar Dinge hätte ich noch auf der hohen Kante – aber nix, was sich mal eben schnell machen lässt. Die lange Abstinenz von der Arbeit macht sich halt auch mal bemerkbar. Leider. 🙁

Heute Abend indes geht es wieder los. Endlich. Und so wie ich die Wochenendschichten kenne, wird sich da auch schnell wieder was zu Bloggen anbieten. Den ein oder anderen wird es vielleicht wenigstens entschädigen, dass ich heute noch zu Cheffe fahre und damit ungewöhnlich früh bereits zu stalken sein werde. 😉

Also so ab 17.30 Uhr etwa …

*Klaus hat mir mal gesagt, er könne es nicht leiden, wenn ich schreiben würde, ich hätte nichts zu schreiben. Ich hoffe, ich kann ihn mit einem Link zu seinem lesenswerten Blog besänftigen. Nicht, dass unser nächstes Treffen noch schlimmer läuft als unser letztes

Kollegiale Hilfe

Gerade am Ostbahnhof passiert das jede zweite Nacht: Irgendein Taxifahrer hält am Stand und fragt mich oder einen der Kollegen nach einer nahe gelegenen Adresse. Berghain, Pegasus Hostel, Fritz-Club zum Beispiel. Und man hilft sich. Natürlich. Ich hab – ohne das irgendwie eingeplant zu haben – ja auch so mein Stammrevier, meine Lieblingsecke. Da kennt man am anderen Ende der Stadt nicht alles. Um ganz ehrlich zu sein: so manche Location bemerkt man auch nach hundert mal vorbeifahren nicht. Und ich würde schon sagen, dass ich seltenst mit geschlossenen Augen fahre …

Insofern ist diese Hilfe unter Kollegen sinnvoll und auch wichtig. Berlin ist groß und wenn man schon jemanden fragen muss, dann doch am Besten jemanden, der sich ebenso recht gut auskennt. Nur woanders vielleicht. Und ob über Funk oder persönliche Nachfrage ist ja egal.

Den Kollegen aus Berlin empfehle ich übrigens, sich noch mal taxi-weblog.de anzuschauen. Aro, Klaus und ich haben da mal angefangen, für Taxifahrer relevante Neuigkeiten zu sammeln und zu posten. Ich bin zwar in letzter Zeit dort zu nichts gekommen, aber jede Einsendung macht die Seite besser!

Und nun stand ich da.

Amber Suite! Nie gehört. Und zwar wirklich nie. Aber da wollte die Kundschaft hin. Das heißt, eigentlich wollten sie zum Fritz. Der Türsteher jedoch legte ihnen auf offenbar sehr charmante Art nahe, dass sie des Alters wegen vielleicht einen anderen Club suchen sollten. Ich hab schon viel schlechtes über und von Türstehern dort gehört, der hier jedoch hat sie scheinbar wirklich nicht rausgeschmissen, sondern eine Empfehlung ausgesprochen, der meine Gäste gerne gefolgt sind.

Ja schön, und nun?

Ich wollte schon Onkel Google bemühen, da meinte einer der Fahrgäste, er frage noch mal eben nach und stürmte davon.

Ich hätte die Lösung sicher – trotz aller Pannen, die dabei auftreten können – einen Kollegen gefragt, aber er sprintete schnurstracks zum Türsteher zurück. Und als er wieder ankam, fragte er nur:

„Ullstein-Haus? Sagt dir was?“

„Na klar.“

Und ab ging es. Ich will es bei den vielen Arschlöchern in vielen Berufszweigen nicht zu weit herausposaunen, aber es gibt so Momente, in denen ich die Hoffnung habe, wir Nachtarbeiter könnten uns alle irgendwann mal als Kollegen sehen und uns helfen …

Netz der Unwägbarkeiten

Also irgendwie war das Wochenende so ziemlich das mieseste, was einem passieren kann. Gut, dass die 1925 rumgezickt hat … das ist halt so. Kann im Endeffekt niemand was dafür und ich hoffe, dass es wenigstens nix endgültiges ist.
Und meine Chefs wären nicht meine Chefs, wenn sich da nicht in der Regel was machen ließe. Im Büro ist am Wochenende zwar keiner, aber im Grunde hat die telefonische Notfallrettung funktioniert. Es gab ein freies Auto und ich konnte es an der Firma abholen. Also waren sogar die Wege recht kurz. Da ich vorher aber die 1925 zum Schrauber bringen sollte, wurde mir von dort zur Firma sogar ein Taxi gestellt. Bezahlt. Lieb wie ich bin, hab ich die Fahrt an einen Kollegen von uns vergeben. So bleibt das Geld wenigstens in der Firma 😉

Nun gab es nur folgendes Problem: Das Auto war nicht an der Firma. Und – wie ich nach einer halben Stunde lustigen Wanderns festgestellt hatte – auch nicht irgendwo in der Nähe.

Und der Fahrer – der es aller Wahrscheinlichkeit nach mit nach Hause (oder in den Urlaub, was weiß ich) genommen hat, der war konsequenterweise nicht zu erreichen. Herrlich, sowas. Aber wenn ich bei dem Namen richtig liege, ist es ohnehin der Firmenassi und ich sollte nicht überrascht sein … 🙁

Damit war dann alles im Arsch – will heißen: die ganze Schicht. Für den Abend hätte ich zwar noch ein Auto kriegen können – allerdings nicht mal bis zum Ende meiner Schicht. Zuzüglich nerviger An- und Abfahrten, was halt so passiert.

Also hab ich das Angebot angenommen, abermals ein Taxi zu entern und nach Hause zu fahren. Ich hab mir wieder einen Kollegen geordert, abermals einen guten natürlich. Also bin ich heute statt 20-mal mit Kundschaft 2-mal als Kundschaft Taxi gefahren. Nicht so der Bringer.

So viel Pech hat man selten auf einmal – das war es jetzt hoffentlich für die nächsten Jahre. Ozie hat mich schon gefragt, ob ich derletzt irgendwelche Einhörner überfahren hätte oder weswegen mein Karma so offensichtlich mies sei.

Naja, Schwamm drüber!

Ich schulde euch noch ein Netz und das gibt es hier:

Wie ich immer sage: Wir brauchen eine andere Netzpolitik! Quelle: Sash

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kleine Gastgeschichte über eine unmögliche Fahrt

Hallo Sascha

Ich bin zwar erst seit kurzem Leser.
Aber habe mich schon sehr festgelesen in Deinem Stoff.
Und immer wieder stelle ich fest, wie sich doch die Gedankengänge und Sichtweisen von Taxifahrern gleichen können.

Ich bin selbstfahrender Unternehmer in Dresden, der fast ausschließlich Nachts am Werk ist.
Die meisten die mich kennen, würden mich als beknackten Vollpatienten bezeichnen, der jeden Tag doch zu motiviert seinen Dienst macht, egal welches Geschäft gerade an liegt.
Wobei es glaub ich die beste Variante ist, um für jeden Kunden die beste Laune vorrätig zu haben, in dem man immer hochmotiviert seinen Dienst beginnt und macht.

Soviel zu mir…

„Es ist schon einige Zeit her, aber schön erzählt zu werden.

Es war eine Samstag Nacht, die durch einen Promi und Medien lastigen Boxkampf recht gut rockte.
Kurz vor4, das zweite Huhn (Schwan/200) war lange zu.
Ich wollte noch soviele Fahrten machen, bis mich eine in meine HeimPostleihzahl verschlägt. (soetwas kann auch mal den Dienst um 2std verlängern).
Doch beim zurück kullern zum Veranstaltungsort, winkte es doch zarkhaft am Straßenrand.
Gestopt und eingeladen.
Eine junge Frau an die 30.
Blond, recht gut aussehend
aber sie hatte verweinte Augen.

„wo soll es den hingehen?“

„ich brauch was zum pennen“

„Also Hotel?“

„ja“

„Willst Du morgen irgendwo hin fahren, da wäre ein Hotel am Bahnhof ja sinnvoll“

„ähm ja will morgen nach Berlin, is mir egal“

Da ich den Job nun schon eine weile mache, bin ich ja weder zimperlich noch Geschäftsuntüchtig.

„Berlin???
Ich kann Dich auch glei nach Berlin fahren.. Ist in 1,5std erledigt“

„Nach Berlin fahren???
Jetzt???
Was kostet das???“

„300euro“

„okay dann überrasche ich meinen Freund glei.
Müssen wir aber an einer DeutschenBank halten.“

Gesagt getan.

Als wir dann auf der Autobahn so dahin flogen.
Wurde sie dann entspannter und fing an zu erzählen.
Was sie denn in Dresden macht.
Sie war mit ihrem Vater bei dem besagten Boxkampf.
Und nach irgendwelchen Streitigkeit und Außeinandersetzungen.
Ist sie dann da geflüchtet und spazierte schon mindestens 1std allein durch Dresden, ohne sich auch nur ein Stück auszukennen oder gar wieder zu finden.
Bis dann das Licht am Ende des Tunnels erschien,
Mein Taxilicht,
Welches ja nun das HappyEnd der Nacht bescheren sollte.

Nach viel Bla und Blub über Gott und die andere Welt, nach etwas mehr als 1std, näherten wir uns doch schnell dem Schönefelderkreuz.
„Berlin ist gleich gefunden…
In welche Ecke möchtest Du denn?“

„naja…
Eine Straße kann ich Dir nicht sagen“

„ja is ja kein Problem, jede Straße kenn ich in Berlin auch ni.
Aber sicher kannst Du mir den Weg zeigen.“

„ähm…
Ich weiß nur…
Es sind drei Haltestellen mit der Straßenbahn vom Alex aus, und an der dritten Haltestelle ist ein NettoMarkt“

Jetzt werden viele denken:
Oh Gott LottoSpiel…
Scheiße das findet der ni…
Und der Berliner Taxifahrer fährt in Gedanken jede Linie ab…

Aber
Gut das ich mal drei Jahre in Berlin gelebt hab.
Hab da sogar meinen Führerschein gemacht.
Was auch der Grund ist warum ich gern nach Berlin fahre.
Ich liebe den Berliner Verkehr.
Obwohl das für Sonntag morgen gegen um6 egal ist.
Den da ist Berlin so ruhig wie jedes andere Dorf auch.

Also runter von der Autobahn
Adlergestell
Treptower Park
Vor bei am Ostbahnhof
Zum Alex

„na da fangen wir mal an…“

(sorry fals Straßennamen nicht ganz passen)

Erster Versuch:
Linie Richtung Schönhauser Allee
Dritte Haltestelle kein NettoMarkt

Also auf Anfang

Zweiter Versuch:
Dritte Haltestelle kein Netto

Dritter Versuch:
Richtung Greifswalder
Dritte Haltestelle Netto? NEIN!!!

Und nochmal Alex

Irgendwie eine Linie Richtung Landsberger Allee
Dritte Haltestelle
JA ein Netto
Also Links rein

„jetzt muß es der Block sein nach dem Kindergarten.
Da habe ich drauf geschaut.“

Siehe da…
Da ist ein Kindergarten und dahinter der Block der muß es sein.

„ja hier, genau“

„na da geh mal klingeln“

„na muß ich mal guggen
Ich weiß 6etage, aber er wohnt bei einem Kumpel und ich weiß ni wie der heißt“

Also wir zum Klingelbrett
Zehngeschoßer
Berlin Sonntag früh um kurz nach 6
Und dann nur Russische Namen an der Klingel.
Man kann es als „Russisch Roulette“ bezeichnen

„ähm pass auf!!!
Du klingelst!!!
Ich setzt mich wieder ins Auto“

Sie hat die richtige erwischt.
Und ihr Freund hat sich echt riesig gefreut.

Aber wie heftig muß der Vater mit ihr umgesprungen sein,
Das sie völlig allein und auch planlos davon irrt.
Und am Ende auch noch Ziellos nach Berlin fährt.

Mich hat es gefreut
Es gibt nix besseres als jemanden zu helfen ob über kurz oder lang.
Und dafür belohnt zu werden.

Und so segelte ich beflügelt wieder Richtung Dresden.

Vielen Dank für die Aufnahme meiner Geschichte in Deinem Blogg.

Liebe Grüße vom Taxi Spockie aus Dresden