Was man halt so macht …

„Ah, warte hier mal kurz. Ich bin gleich wieder da.“

„Nee, fahr besser mal da hinten links. Da ist eigentlich immer …“

„Mist! Lass uns mal umdrehen und da wo ich vorher gesagt hab …“

„Ach Scheiße, bring mich einfach wieder zurück.“

Morgens um 5 Uhr in Spandau nach Drogendealern suchen? Check.

Und Euer Wochenende so? 🙂

Vergurkt

Manchmal klappt’s einfach nicht. Jeder hat mal einen schlechten Tag auf Arbeit, ich natürlich auch. Meist merke ich das an geringen Umsätzen – aber selbst da hab ich als Nichtfunker schon mal eine Gefahrenquelle weniger. Fehlfahrten hab ich so gut wie nie. Aber keine Regeln ohne Ausnahmen. Am Freitagabend hab ich mich nach etwas Hin und Her via Twitter (und letzten Endes SMS) mit @luutoo am Flughafen Tegel treffen wollen. Das war ein krisensicherer Plan, das hat bisher immer funktioniert. Er wurde nur geringfügig dadurch beeinträchtigt, dass wir uns nicht darüber unterhalten haben, an welchem Terminal ich warten solle.

Natürlich ist das bescheuert, aber ich hab bisher alle meine Fahrgäste am Terminal A abgeholt und mit der Zeit einfach nicht mehr darüber nachgedacht. Dass mein äußerst netter Leser an Terminal C ankam und fortan wohl etwas irritiert durch den Flughafen irrte – wozu auch ich mit unzureichenden Angaben sicher beigetragen habe – war so nicht geplant.

Dabei waren wir beide ungefähr mit gleich viel Verspätung angekommen, es hätte also alles so gut passen können. Stattdessen war es dann ein klassisch wortkarger Kollege, der mir wohl zumindest mal entfernt ähnlich sah, der keine Anstalten gemacht hat, die Verwechslung aufzuklären und „meinen“ Fahrgast mitgenommen hatte, was ich etwas überrascht mitbekam, als es in einer SMS nunmehr nicht mehr um Terminals ging, sondern darum, dass – sollte ich nach der grandiosen Verpeilung noch Interesse an der Fahrt haben – nun nach Moabit kommen könnte.

Da war er wieder: Der Punkt, an dem ich aufgehört habe, mich darüber zu ärgern, was passiert war, sondern mit geradezu grenzdebilem Grinsen einfach nur gemeint hab, dass das ja nun nach all dem Hickhack auch kein Problem mehr sei. OK, natürlich war das am Ende eine Stunde mehr Zeit als geplant, die Tour war kürzer und auf der Uhr standen nochmal 10 Kilometer mehr. ABER WENN WIR MAL ANFANGEN, EINE TOUR ZU „PLANEN“, DANN ZIEHEN WIR DIE AUCH DURCH! 😀

Und ich hab’s nicht bereut, ehrlich. Der @luutoo ist ein furchtbar netter Zeitgenosse und der Umweg war definitiv besser als die Tour am Ende nicht zu fahren. Und das nicht wegen des Trinkgeldes oder weil es am Ende doch noch wenigstens eine 17€-Tour war, sondern weil’s Spaß gemacht hat. Obwohl oder weil es so schiefgegangen ist. Egal! Und wer von uns jetzt mehr oder weniger verpeilt hat? Egal! Am Ende hat’s auf abenteuerliche Weise dann halt doch gepasst.

Zur Glubschallee bitte!

Die Glubschallee in Berlin. Quelle: philipk76 via fotolia.de (für Original Bild anklicken)

Die Glubschallee in Berlin. Quelle: philipk76 via fotolia.de (für Original bitte das Bild anklicken)

Beim unbekannten Kollegen vor mir stieg ein Fahrgast ein. So weit, so gut, das passiert an einem Taxistand schon mal. Dann aber fuhr das Taxi nicht etwa weg, sondern der Kollege stieg aus und ging auf mich zu. Das ist schon eher seltener, passiert aber auch gelegentlich. Eine Frage vermutlich. Ich freue mich immer, wenn ich Kollegen helfen kann. 🙂

„Kollege, kennste zufällig die Glubschallee?“

„Die WAS bitte? Glubsch?“

„Weiß nich‘ genau, versteh‘ ihn nicht …“

Ich bin mal mit zum Auto. Ich dachte mir gleich, der Fahrgast würde englisch sprechen und der Kollege nicht. Also quatschte ich den auf der Rückbank wartenden jungen Mann an und fragte, wo genau es nochmal hingehen sollte. Er antwortete, tatsächlich in englisch. Was an der Aussprache des Ziels nichts änderte, da er das schon den deutschen Ohren angepasst hatte …

Ich wendete mich an den erwartungsvollen Kollegen und sagte:

„Du, der Kerl will zum Club Chalet.“

Glubschallee! Darauf wäre ich im Traum nicht gekommen! 😀

Man muss dazu sagen, dass der Name dem Kollegen nicht geläufig war, da kommt sowas vor. Ich hab auch gleich an mein Ringen mit der Gleichestraße denken müssen. Hab also auch noch schnell erklärt, wo das genau ist. Hoffe, der Kollege kann rückblickend trotz der kurzen Fahrt ein wenig über die Geschichte lachen. 🙂

Sehr passend

Die gestrige Schicht war langweilig. Extrem langweilig. Wenn ich meinen Kollegen Glauben schenken darf, dann hatte ich rein von der Auftragslage her noch Glück – aber bei genauem Hinsehen waren es nicht etwa viele Touren, sondern ein paar lange, die den Unterschied gemacht haben.

Lange Touren wären ja prima gewesen für lustige Geschichten, aber alles in allem war es wirklich eine trübe Sammlung an Kundschaft. Ein Italiener, mit dem ich mich wegen Sprachproblemen kaum unterhalten konnte oder ein paar Mädels, die so in ihr eigenes Gespräch vertieft waren, dass ich völlig außen vor blieb – so zog sich das durch die Schicht. Fast alle waren müde, maulfaul oder wenigstens uninteressant. Das kommt vor, ich hab dann halt auch eher Dienst nach Vorschrift gemacht.

Nachdem ich dann wirklich eine Stunde mal sinnlos rumstand, verging auch mir die Lust. 27,30 € fehlten mir noch auf mein selbstgestecktes Minimalziel, maximal anderthalb Stunden wollte ich noch auf der Straße sein. Dann wieder Flaute. Ein Kollege am Ostbahnhof murrte über seine Umsätze, bekam dann sogar vor mir seine Tour und war auch wieder da, bevor ich wegkam. Ganze 6,60 € hat er eingefahren – ich erwartete ähnliches.

Als ich zweites unter insgesamt vier Taxen war, näherte sich eine illustere Dreiergruppe und blieb vor meinem Auto stehen. Sie unterhielten sich, ich hab’s aber kaum hören können. Dann traten sie tatsächlich heran und einer der beiden Herren ließ die Dame wissen:

„Wir nehmen jetzt dieses Taxi!“

Mir sollte es recht sein. Wobei ich mich immer noch frage, weswegen sie genau mich ausgewählt haben. Ich hatte mit Abstand das älteste Auto am Stand und zu dem Zeitpunkt vermutlich noch nicht einmal besonders niedlich geguckt. Vor und hinter mir nagelneue E-Klassen, ganz zuletzt dann der Kollege mit einem Touran. Vielleicht waren es ja Blogleser, die sich nicht outen wollten.

Was überhaupt eine gute Erklärung wäre, denn die Fahrt passte wie Faust aufs Auge. Ich hatte vor, schnell meine 27 € einzufahren – und sie hatten eine 27€-Fahrt nach Eiche. Für die Nicht-Berliner: Eiche liegt außerhalb der Stadt direkt hinter Marzahn, wo ich wohne. Eine absolut perfekte Abschlusstour für mich.

(Aber manchmal wird man ja auch einfach so für absurd gute Touren ausgewählt …)

Schon zu Beginn ging es um die Fahrtstrecke. Ich hätte sie auf einer Route ans Ziel bringen dürfen, die zwei oder drei Euro mehr gebracht hätte. Mit den Makeln, dass das meinem inneren Perfektionisten nicht so recht passt (ein schweigsamer Geselle, aber immer wenn er mich ärgern kann, meldet er sich!) und dass sie nicht besser zu fahren war. Also hab ich nochmal nachgehakt und wir sind am Ende zumindest weitgehend meinen Weg gefahren.

„Ach, was macht das am Ende? Einen Fuffi?“

„Da würde ich gerne ja sagen, aber es sind wohl eher um die dreißig Euro …“

Ja, ich hätte den Preis frei vereinbaren können, bzw. sogar müssen. Aber bei Touren knapp jenseits der Stadtgrenze nehme ich gerne den Taxameterpreis, wenn es die Verhandlungen erspart. Hier hätte es sich offenbar gelohnt, doch zu verhandeln. Naja, kleiner „Fehler“ zugunsten der Kunden. Vielleicht bin ich zu gut für diese Welt. Wenn Ihr der Meinung seid, kauft zum Ausgleich eure Weihnachtsgeschenke über meinen Amazon-Link. 😉

Aber ich hatte mich sogar verschätzt. Wie das eben manchmal passiert. Die Fahrt brachte gar nicht mehr als 27 €, sondern nur so ganz knapp. Dann geschah etwas, das ich so von Nicht-Lesern (deswegen mein Verdacht) auch noch nie gehört habe: Ich sollte am Ende nicht einfach auf Höhe des Hauses halten, sondern ruhig noch bis zum Ende der Sackgasse fahren, wenden und dann erst anhalten:

„Das nehmen wir noch mit!“

Ganz harte Liebe, werte Fahrgäste! Aber: WTF?

Am Ende hat es trotzdem nicht gereicht. Die Uhr blieb bei 27,20 € stehen, ich blieb 10 Cent im Minus. Damn! 🙂

Im Ernst: Natürlich mache ich mir nix aus 10 Cent (also 4,5 Cent brutto). Aber wenn man schon Statistiken führt, dann gibt es halt die harte Grenze zwischen „erreicht“ und „nicht erreicht“. Andererseits wäre von dort aus wieder bis weit in die Innenstadt hineinzufahren wirklich nur sinnvoll gewesen, wenn ich noch ein oder zwei Stunden mindestens hätte ranhängen wollen. Also hab ich es gelassen. Und bin trotz der Verwunderung, warum ich die Fahrt bekam und wie man ein Schichtziel so zielsicher treffen kann, einfach nur zufrieden. Und heute gibt es dann hoffentlich ein paar interessante Touren mehr!

Aus der unergründlichen Welt der Rechtfertigungen

„[…] Weißte, wenn ich schon mal in der Hauptstadt bin … ich dachte ja: Kannste nix falsch machen – hier fahren ja genügend Züge. Aber nein! Der letzte um 22.30 Uhr und der erste erst wieder um 4.30 Uhr! Und die Bullen lassen einen hier ja auch nich‘ einfach mal ein paar Stunden am Bahnhof pennen, also was soll ich sonst machen?“

„Also zu einem Puff?“

„Ja, logo.“

Menschen …

Lost

„Do you maybe know a club called Tresor? We are a little bit lost …“

Gut, zum Tresor war’s nicht weit, aufgegriffen hab ich sie am Franz-Mehring-Platz. Ich hab das junge Paar gerne eingeladen und die paar Meter mitgenommen. Eigentlich keine erwähnenswerte Tour. Dann aber haben sie gesagt, dass sie vom Astra kommen würden und nunmehr seit anderthalb Stunden umherirren würden.

(Hier eine Karte. Grün: Astra, Gelb: Wo ich sie aufgesammelt hab, Rot: Tresor)

Die anderthalb Stunden waren sicher übertrieben, aber ich hab den Faden mal aufgenommen und gesagt:

„Well, if it lasted one and half an hour for you to get here, then I save you from another two hours of searching.“

In Anbetracht der Kürze der Fahrt haben sie dann letzten Endes doch auch lachen müssen. 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Das mit dem Feierabend

oder: Von mies zu supergeil zu immer noch toll.

Trotz frühem Aufstehen hat die Fitness dann am Ende doch noch für eine 10-Stunden-Schicht gereicht. Nach nicht einmal neun hätte ich eigentlich gerne schon Feierabend gemacht. Ich hatte mir mein Ziel mit über 200 € hoch gesetzt und zumindest mal die zwei Scheine schon in der Tasche. So mehr symbolische 3,20 € haben mir gefehlt. Aber das Geile war halt: Egal wie kurz die Tour wird – mit der nächsten hab ich es auf jeden Fall!

Also hab ich mich nochmal angestellt.

Nach wenigen Minuten kam dann auch ein netter Bahner mit einem Gutschein und wollte nach Grunewald. Das war der Moment, wo ich die Tour mies fand. Deswegen hätte ich sie nicht hergeben wollen, immerhin bedeutet das über 20 € Umsatz, aber es war halt die grottenfalsche Richtung – und dann auch noch so weit! Aber hey, das erspart mir morgen vielleicht eine Stunde Arbeit …

Als wir auf dem Weg dann so ins Gespräch kamen, wechselte meine Meinung zu der Fahrt auf „“supergeil“ – und anders kann man’s nicht mehr sagen, denn in Grunewald sollte die Fahrt nur für den einen zu Ende sein. Dort würde sein Kollege dann einsteigen und zum Ostbahnhof zurückfahren. Gegen „für 20 € in die falsche Richtung“ wirkt „für 40 Euro wieder genau hier her“ zum Feierabend dann halt doch ein bisschen besser. OK, um ehrlich zu sein: Das würde natürlich fast immer zutreffen.

Einen kleinen Dämpfer bekam ich dann, als der andere Kollege dann unterwegs beschlossen hat, sich schon am Potsdamer Platz abzumelden, weil das für ihn günstiger lag. Auf der anderen Seite sind über 36 € als Abschlusstour mit einem Ende in Mitte dann doch ziemlich geil. Und vom Potsdamer Platz geht es in den Morgenstunden ja auch relativ schnell bis nach Marzahn … 🙂

Die beiden waren übrigens tatsächlich Lokführer – allerdings mussten sie die Notfalls-Loks für den Hauptbahnhoftunnel trotz Streik bereit halten, um dort ggf. liegengebliebene Züge rausziehen zu können. Ist ja immer interessant, was man so mitkriegt …