Auf den Tod nicht ausstehen …

kann ich ja die Kollegen, die ständig kurze Touren ablehnen. Die ganz besonderen Exemplare haben zudem ganz eigene Vorstellungen von „kurz“. Mir persönlich könnte das ja eigentlich total egal sein, wäre das nicht schlecht fürs ganze Gewerbe. Bei näherem Hinsehen sollte ja schließlich klar sein, dass kein Fahrgast plötzlich mal weiter weg fährt, bloß damit uns Taxifahrern das Geld reicht. Im Gegenteil: viele fahren nach wiederholtem Angepflaumtwerden gar nicht mehr und am Ende verdienen wir alle weniger – und nicht nur der besagte Kollege in dieser einen Stunde …

Irgendwie hab ich aber nicht die Hoffnung, dass alle Kollegen sich diesen offenbar so verdammt schweren Gedankengang mal erarbeiten.

Das Problem haben wir in Berlin natürlich nicht exklusiv gepachtet, und so ist auch der Undertaker vom Bestatterweblog bei seinem Ausflug nach Köln an so ein eher weniger lustiges Exemplar unseres Berufsstandes geraten. Der „Kollege“ hielt es für nötig, an einer 10€-Tour rumzumaulen.

Dass das hier in Berlin für eine Taxifahrt so ungefähr der Durchschnitt ist, wissen inzwischen die meisten meiner Leser. Aber nur mal so als Beispiel: gestern war kein guter Tag für mich und bei Twitter hab ich auch ein bisschen rumgejammert – aber ich hatte gestern keine einzige Tour über 10 €. Eine punktgenau, alles andere war darunter. Und wie sehr hab ich wohl meine Kunden angeschnauzt dafür? Arg schlimm kann es nicht gewesen sein, denn ich denke, die 25% Trinkgeld gestern sprechen für sich. Da liegt mein Schnitt nämlich normalerweise bei rund 10%.

Ich find’s schön, dass Tom auch noch einen anderen Fahrer hatte, der das Bild wieder geradegerückt hat – und auch die Bestatterweblog-Leser da jetzt nicht eine falsche Vorstellung von haben. Und die Hinweise auf GNIT in den Kommentaren haben mich natürlich auch gefreut. 🙂

Und die Leser, die vom Undertaker herübergewuselt kommen, heiße ich hiermit auch ganz herzlich willkommen!

19 Kommentare bis “Auf den Tod nicht ausstehen …”

  1. Aro sagt:

    Toms Kunden beschweren sich wohl auch seltener über ihren Fahrer.

  2. Sash sagt:

    @Aro:
    Davon gehe ich auch aus. Und wenn, dann sind die Pressemeldungen sicher ziemlich übel … 😉

  3. Gast sagt:

    Besonders übel, wenn es sich um Gruppenreisen über die östlichen Landesgrenzen hinaus handelt… 😉

  4. Sonnenschein sagt:

    Wenn ich hier schon mal Taxi fahre, dann sind es auch nur Strecken bis max. 10 Euro, so riesig ist Leipzig nun mal nicht… Das gleiche ich dann allerdings stets durch ein kräftiges Trinkgeld aus – und die Freude des Fahrer darüber, die Fahrt angenommen zu haben, ist dann immer wieder schön 🙂

  5. elder taxidriver sagt:

    Eine zehn-Euro-Tour, das ist immerhin die Strecke vom KaDeWe zum Hotel Adlon..In der Zeit kann man schon einen Lebenslauf erzählen -oder anhören..

  6. Lesbomat sagt:

    Also, ich als Userin muss sagen, dass ich Kurzstrecken lieber laufe, weil ich schon blöd angemacht worden bin von Taxifahrern . Ihr verliert also durchaus Kunden durch Kollegen, die Kurzstrecke ablehnen.

  7. MsTaxi sagt:

    Es gibt halt immer noch Kollegen, denen einfache Grundbegriffe nicht klar sind:

    1. Die Schnelligkeit, mit der ich an einen Standplatz zurückkehre, hat keinen Vorhersagewert über die Position, die ich in der Reihe einnehmen werde, und gibt auch keinen Anlass zur Hoffnung, dass meine nächste Tour eine lange, lukrative sein wird.

    2. Eine kurze Tour zu fahren bedeutet nicht, dass am Ende dieser Tour jemand einsteigt, der wiederum nur eine kurze Tour fahren will.

    3. Kleinvieh macht auch MIst.
    Nach unserem Tarif habe ich bei 10 kurzen Touren, die jeweils 6€ Umsatz machen, 21€ Umsatz aus der Anfahrtspauschale. Diese ist ja dazu gedacht, die Autokosten zu decken (zumindest ansatzweise), die der Wagen alleine durch seine Bereithaltung verursacht. Die restlichen 49€ Umsatz habe ich dann mit ca. 23 besetzten Km erwirtschaftet. Bei einer einzigen langen Tour muss ich 36km fahren, um 60€ auf dem Taxameter zu haben.

    4. Beförderungspflicht – you know it?

    5. Der Imageverlust ist beträchtlich für’s Gewerbe, wie @Lesbomat es ja schon schrieb.

    Was mich aber mindestens genauso ärgert wie solche ignoranten „Kollegen“, sind Unternehmer, die sich zu fein sind, ihren Fahrern diese Grunz… sorry Grundbegriffe wirtschaftlichen Handelns nahezubringen. Sei es, weil sie sie selber nicht peilen, sei es, weil sie zu faul sind…

  8. MsTaxi sagt:

    Sorry, das muss natuerlich heissen „die restlichen 39 (!)€habe ich dann mit ca. 24km erwirtschaftet“. Da hatte ich nur die erste Tasse Kaffee des Tages im Kopf 🙂

  9. Sash sagt:

    @Gast:
    Der war ein kleines bisschen fies. Aber gut! 😀

    @Sonnenschein:
    Da müsste ich jetzt eigentlich lobende Worte loswerden … 🙂

    @Lesbomat:
    Ja, mir war bewusst, dass das nicht nur ein theoretisches Problem ist. Wäre es das, könnte man ja irgendwie drüber lachen – aber so ist es am Ende eben einfach schade 🙁

    @MsTaxi:
    Schön zusammengefasst, trotzdem traurig.
    Bei uns hier in Berlin kommt erschwerend dazu, dass einem als angestelltem Fahrer ja völlig egal sein kann, wie viel man fährt. Also natürlich in den Grenzen, in denen Cheffe das noch akzeptiert. Aber als ich mal einen guten Tag hatte und mit nur 63 km einen Hunni eingefahren hatte, fand ich niemanden, der sich mitgefreut hätte. „Was interessiert mich der Schnitt?“, so die einhellige Meinung der Kollegen.

  10. Rena sagt:

    Bin nicht über Tom her gekommen, sondern über Pharmam. *g*

  11. Sash sagt:

    @Rena:
    Trotzdem herzlich willkommen! 😉

  12. Apotheker-Typ sagt:

    “Was interessiert mich der Schnitt?“
    Dass es den Angestellten nur gut gehen kann, wenn es dem Arbeitgeber gut geht, hat sich in Deutschland einfach noch nicht herumgesprochen. Das gilt nämlich auch umgekehrt! (Und das verdrängen die Arbeitgeber großer Betriebe auch sehr gerne – auch hier beruht es also auf Gegenseitigkeit.)

  13. Sash sagt:

    @Apotheker-Typ:
    Das ist wahr. Allerdings halten in vielen – gerade größeren Betrieben – die Arbeitgeber ja auch gerne größtmöglichen Abstand zum Fußvolk und binden es nicht wirklich in die Firma ein. Würde ich von meinen Chefs nur gegängelt und ausgenutzt werden, hätte ich vielleicht auch eine andere Einstellung zu Schwarzfahrten beispielsweise und würde so gucken, dass ich „mir meinen Teil halt selber hole“.
    Manchen Leuten kann man das ja kaum noch übel nehmen, so wie sie behandelt werden. Wie Du sagst: eigentlich sollte es ein Geben und Nehmen sein, von dem am Ende beide Profitieren.

  14. Dennis sagt:

    Ich wollte in Siegen mal mit dem Taxi fahren … eine 3km-Tour zur Marienborner Straße, mehrere Taxifahrer haben behauptet sie wüßten nicht wo die Marienborner Straße ist und der der mich dann gefahren hat gemeint, die haben gelogen weil ihnen das zu nah war … wird wohl so gewesen sein … eigentlich hätte ich mir alle Ordnungsnummern merken sollen und mich beschweren sollen :-!

  15. Sash sagt:

    @Dennis:
    Das kenne ich von hier auch. Straßen wie Engeldamm, Friedenstraße oder Andreasstraße sind am Ostbahnhof erschreckend unbekannt – insbesondere bei den Fahrern, die den Job schon seit Jahrzehnten machen … 🙁

  16. idriel sagt:

    Danke für das erneute Willkommen – aber ich war doch schon da ^_^

  17. Sash sagt:

    @idriel:
    Woher hätte ich wissen sollen, dass Du auch unter diesem Nick zu finden bist? 😉

  18. blaueralptraum sagt:

    All diesen Mecker-Kollegen wünsche ich bei ihren nächsten Kneipen-Besuch einen Kellner,
    der ihnen auf die Anfrage nach einem Bier antwortet mit:

    „EIN Bier? Nur EINS??? – Tut mir leid, NUR EINS geht nicht! – Da müssen Sie schon ZWEI nehmen!!!!“

  19. Sash sagt:

    @blaueralptraum:
    Genau so sieht’s aus …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: