Das Taxizeichen

Das vergangene Wochenende war voll des Lobs. Nicht mal für mich, sondern allgemein die Kollegen in Berlins Taxen. Ich hatte haufenweise viel- und gernfahrende Kundschaft, und sie haben sich fast ausnahmslos positiv über die Besatzung der hellelfenbeinfarbenen Wagen geäußert. Sehr schön, so muss das! 🙂

Eine Feiernde erklärte ihren taxi-skeptischen Freunden dann gleich noch etwas mehr:

„DAS (hält sich ein Auge zu) ist zwischen mir und meiner Freundin das Taxi-Zeichen.“

Ich hab ebenso wie die anderen etwas sparsam geguckt, denn mir ist allenfalls diese ZDF-Werbung aus dem letzten Jahrzehnt eingefallen. Aber sie wusste das schlüssig zu begründen:

„Ja, immer wenn sich eine von uns schon ein Auge zuhalten muss, um die SMS auf dem Handy nicht doppelt zu sehen, ist klar, dass wir’n Taxi nach Hause nehmen …“

Wieder was gelernt.

Back in Town

BÄM, da bin ich wieder! Also metaphorisch gesprochen. Wirklich weg war ich nicht, aber ich hatte die letzten zwei Tage nicht wirklich Nerven für GNIT. Fragt mich nicht, warum – ich weiß es selbst nicht. Woran es nicht liegt, ist das Taxibuch. Denn auch wenn ich vergleichsweise fleißig daran schreibe (168 Seiten von 250 bisher), nimmt das gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Meinen Blog auf Eis legen muss ich dafür nicht wirklich. Vielleicht mal kurz vor der Manuskriptabgabe im Herbst wegen viel Klein-klein, aber ich würde nicht darauf wetten.  🙂

Nö, war einfach nix spannendes passiert und ich hatte nicht vor, irgendwas spannendes zu machen. Ganz einfach. Und im Taxi saß ich sowieso nicht.

Die neue Woche fängt vielversprechend an. Meine halbe Donnerstagsschicht war so kurz wie schon lange keine mehr – wider Erwarten hat sich der gestrige Herrentag dann doch noch aufs Taxigeschäft ausgewirkt. Die letzten Jahre hab ich das immer gehofft und wurde meist enttäuscht. Gestern hat das dann auch deswegen gut gepasst, weil ich spät los bin. Richtig spät. Eigentlich wollte ich hier in meinem Zimmer nur kurz ein Regal sauber machen und die Rückwand wieder fixieren, dann hatte sich das blöde Ding aber im Laufe der Jahre – und insbesondere eines Abends, als ich nicht mehr ganz nüchtern von einem Twitter-Treffen heimkam – ziemlich verzogen und konnte nur durch zusätzliches Anschrauben einiger Komponenten wieder in Form gebracht werden. Was – in Kombination mit meinem späten Erwachen – für ziemlichen Zeitdruck am Abend sorgte.

Gut, Donnerstag. Halbe Schicht, wie gesagt. 70,00 €, dann Heimflug. Das kann sehr schnell gehen – tut es halt selten. Gestern hatte ich gleich einen Winker, danach stand ich am Bahnhof. Da war zwar die Schlange sehr kurz (hab mich als achter angestellt), aber kaum dass ich auf Position 1 war, war wieder Ruhe im Karton.

Um 22.32 Uhr – 3 Minuten vor dem nächsten Zug – kamen dann 2 Paradegestalten der Zombieapokalypse jedes Herrentags zu mir und wollten immerhin „erstmal“ nach Neukölln. Das nur auf dem zweitkürzesten Weg, und weiter ging es ja auch noch. Nach Plänterwald. Ist nicht die Welt, aber nach anfänglicher Skepsis hab ich festgestellt, dass die beiden zwar schon genug getrunken hatten, aber durchaus noch taxitauglich waren. Sehr zu meiner Überraschung, und noch mehr zu meiner Freude, gab es satte 4 € Trinkgeld auf die 18€-Fahrt. So darf das laufen! 🙂

Exakt anderthalb Stunden nach ihrem Einstieg, um 0:32 Uhr, hab ich mich nochmal für eine Kippe am Ostbahnhof gestellt. Mal gucken. Da das aber noch mindestens eine halbe Stunde zu dauern drohte, bin ich heim. Und das zufrieden. In der Zeit hatte ich nämlich insgesamt 67 € Umsatz gemacht – was zusammen mit dem ersten Winker locker über die angepeilten 70 gereicht hat. Sicher hätte ich gerne noch einen weiteren Winker zum Abschluss gehabt, aber arg viel zu toppen war an dem Verlauf eh nix mehr.

Und ich kann’s nur immer wieder sagen: So ist das leider nicht immer.

Aber gut, jetzt noch 2 Tage Mai – und dann fängt ja schon der neue Monat an. Und der darf gerne so laufen wie dieser Monat … ach, meinetwegen sogar wie die gestrige Schicht. 😉

Lucky

Also diese Schicht heute …

Wenn man den Kollegen glauben darf, dann lief es richtig mies. Ich aber hatte auf der anderen Seite mehr Leseranfragen, als ich mal eben abarbeiten konnte. Womit es dann am Ende so halbwegs gepasst hat. Vor vier Wochen wäre ich sogar froh um das Ergebnis gewesen, aber die letzte Zeit lief so gut … und außerdem war ich ja gestern nicht draußen.

Was ich schon mal geschrieben habe: es ist immer schwer mit Anfragen mitten in der Schicht. Heute hat das Jo mitbekommen, den ich erst achtmal weggedrückt und anschließend am Telefon nochmal abgewürgt und ihm gleichzeitig eine Absage erteilt habe. Das mache ich extrem ungern, aber zweiteilen kann ich mich auch nicht. Vierteilungen wiederum sind zwar historisch belegt, die Gesundheitsgutachten der Probanden lassen aber auch da eher Probleme für den Alltag erwarten.

So hatte ich auch dieses Mal vor einer Lesertour knapp eine Stunde Zeit. Gut, ich musste dazu sowieso raus nach Marzahn, da konnte ich wenigstens einen Zwischenstopp bei mir zu Hause als richtig echte und sogar arbeitsrechtlich korrekte Pause einlegen. Aber was das wieder an Leerkilometern einbringt!

Und dann winkte es tatsächlich. Auf der Landsberger Allee stadtauswärts. Kurz vor IKEA. 0.o

Richtung Osten wäre mir recht gewesen, im Grunde hoffte ich aber nur, dass es nicht in die Stadt zurückgehen sollte. Und dann fragten mich die zwei schon reichlich schwankenden Gestalten, ob ich das Lucky Inn kennen würde. Da muss man einwerfen: das ist eine fast schon unverschämte Frage. Das ist eine absolut unbedeutende Kneipe in einem Außenbezirk, die nicht einmal von einer öffentlichen Straße aus einsehbar ist. Ungefähr 125% der Besucher dieser Kneipe rekrutieren sich aus den drei umliegenden Hochhäusern. Wer soll diese Kneipe kennen?

Ich natürlich. Und: tue ich auch. Ich wohne nämlich ein Hochhaus weiter, knapp außerhalb des Einzugsgebietes. Aber wenn mir persönlich eine Kneipe in Torkelweite unheimlich ist, dann ist das ein ernstzunehmender Warnhinweis!

Die Tour war also in vielerlei Hinsicht perfekt: sie bedeutete für mich einen quasi inexistenten Umweg, füllte also einfach die ohnehin anfallenden Kilometer mit ein paar Euro. Darüber hinaus waren die zwei Burschen ausgesprochen ok dafür, dass sie bereits voll wie Wassereimer in der Monsunzeit waren, jeder noch Bier mithatte und sie auf eine Marzahner Absturzkneipe zuzusegeln gedachten.

„Ach, ihr Taxifahrer! Ihr habt’s ja ooch nich‘ leicht. Ick meine: wir uff’n Bau schimpfen ja schon wejen da Kohle!“

Die haben die schwärzesten Seiten des Jobs besser beleuchten können als jeder meckernde Kollege da draußen, das ist gewiss. Wenn man ihnen glauben darf, verdienen wir irgendwas um die 1,50 € brutto, werden jeden Tag ausgeraubt, angepöbelt und mit vollgekotztem Auto zurückgelassen. Also sinngemäß. Das hat dann ja nun auch nicht mehr sonderlich viel mit der Realität zu tun.

Aber sie fanden es gut, dass ich den Job gerne mache und rundeten am Ende die aufgelaufenen 10,60 € obergroßzügigst auf 15 € auf. Was noch besseres hätte mir in dieser „Leerlaufzeit“ echt nicht passieren können. Und am Ende hätte ich sogar noch eines der verschlossenen Biere behalten können. Sogar meine Marke. DA hab dann sogar ich abgelehnt. Perfekter als perfekt ist dann ja vielleicht doch ein schlechtes Omen oder so … 😀

Das Wichtigste im Blick …

Die Leute einzuschätzen ist ja immer so eine Sache.

Sie standen am Weißenseer Weg und haben gewunken. Also „gewunken“. Beide rotzevoll und dementsprechend dabei, das zu praktizieren, was ich gerne als „Ganzkörperwinken“ bezeichne: Den Arm hochhalten und dabei mit dem ganzen Körper wackeln – eine Art verschäfte Gleichgewichtsübung mit unsichtbarem Haltegriff.

Als ich näherkam, sorgten Sie sich wohl darum, dass ich nicht anhalte und haben ihr Treiben auf die rechte Spur verlegt, wobei einer der beiden auch noch ziemlich ins Straucheln kam und beinahe als erster Fahrgast liegenderweise vor meinem Auto posiert hätte. Entsprechend begeistert war ich. Nach wie vor hab ich nix gegen Betrunkene, aber man macht sich schon so seine Sorgen.

Beides Männer um die 30, dem Akzent nach vielleicht Russen. Der eine grinste mich gleich nett an und fragte den Umständen entsprechend höflich:

„Tschuuuljunk! Du fährst uuuuns Friechshaaaain?“

„Na logo, steigt ein!“

Sekunden später saßen beide im Auto. Ich wollte gerade losfahren, da brüllte der eine dazwischen:

„CHAAAAALT! STOOOOP!“

Ich dachte schon, ich wäre im Begriff, jemanden zu überfahren. Tatsächlich ging es um die Sicherheit: Seinem Kumpel war offenbar das Anschnallen zu kompliziert. Also musste ihm erst mal eine Standpauke darüber gehalten werden, wie wichtig es ist, sich anzuschnallen, wenn man im Auto sitzt. Geradezu vorbildlich. Wie, äh, offenbar auch die restliche Lebensführung:

„Fährst Duu uns Bank, dann Tanke! Müssen trinken weil wir gewonnen fette Schlägerei! Trinkst Du Wodka mit uns, oder?“

Ja nee, is‘ klar! -.-

Kleiner Funfact: Sie haben an der selben Bank Geld geholt wie der frisch aus dem Gefängnis entlassene Kerl, der sich ebenfalls ums Anschnallen gesorgt hat. Darüber hinaus war es für mich eine sehr angenehme Fahrt. Beide waren total nett, auch wenn der eine wirklich pausenlos einen Monolog über Unfallsicherheit hielt. Am Ende gab es ein gar nicht so schlechtes Trinkgeld und gut war. Selbst den Wodka habe ich ihnen ausreden können. Also den für mich …

Was halt so passiert …

„Ey, das muss ich Dir erzählen …“

„Was denn?“

„Ich hab mir den Kopf gerade so übel an so ’ner Ampel angeschlagen!“

Und ich dachte, es wäre irgendwas besonderes. 😉

Aprilwetter im Mai

„Sag mal, is‘ ganz schön frisch heute, oder?“

„Naja. Ich würde meinem Thermometer nicht alles glauben, aber es sagt 6,5°C, und irgendwas um den Dreh wird es schon haben.“

„Nicht wirklich T-Shirt-Wetter.“

„Nee …“

Aber natürlich trug er nur ein T-Shirt. Das aber – versicherte er mir – nicht, weil er nicht mit einer kalten Nacht gerechnet hätte. Viel simpler: er hätte einfach beim Saufen sowohl seine Kumpels als auch Teile seiner Bekleidung verloren, das wär’s eigentlich schon.

Ach so … na dann ist das ja völlig normal. 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Das Glück ist mit den Unvorsichtigen

Als er aus dem Wagen gesprungen ist, um Geld zu holen, ist mir erst aufgefallen, wie scheißblöd ich doch bin. Vertrauen in die Kundschaft halte ich nicht für meine schlechteste Eigenschaft, aber es gibt so Momente, da sollte man vorsichtig sein als Taxifahrer. Dass ich ihn an einem Club eingesammelt hab: geschenkt. Dass er voll war: geschenkt. Aber er brabbelte die ganze Fahrt über schwer verständliches Kauderwelsch über eine Jacke, die ihm abhanden gekommen sei und dass er später zurückmüsse, um sie zu suchen. Abgeranzt mit kaum Klamotten am Leib gab er mir dann umständlich zu verstehen, ich solle an der Tankstelle kurz vor der Lichtenberger Brücke halten – sein Haus wäre gegenüber.
An für sich ist das somit schon noch „vor der Tür“, aber eben locker 100 Meter entfernt. Die Frankfurter Allee ist schweinebreit da draußen und ich wäre gar nicht so schnell legal auf die andere Seite gekommen. Sich so ohne zu bezahlen zu verdrücken, wäre nicht schwer gewesen.

Und ich hatte nicht daran gedacht, ihm ein Pfand abzutrotzen.

Dabei war der Kerl so hinüber, der hätte auch mitten auf der Straße oder bei sich in der Wohnung einpennen können, es muss ja nicht einmal böse Absicht sein. Mir kam der Gedanke wie gesagt erst als er in Richtung Straße rannte. In mir rasselten dann schnell die Überlegungen durcheinander: Sollste hinterher? Warteste? Rufste ggf. die Cops oder vergisste’s einfach?

Aber da plötzlich stoppte der Kerl seinen torkelnden Lauf und kam zurück. Stolz und selbst sichtlich überrascht zeigte er mir einen Zehner, den er zerknüllt in seiner Hosentasche gefunden hatte. Bis auf den Cent genau der Betrag, der auf der Uhr stand. Gut, die Fahrt war damit zwar trinkgeldlos, aber immer noch besser als alles, was ich mir 3 Sekunden vorher ausgemalt hatte. 🙂

Mit solcher Kundschaft wird das aber auch nix, sich Vorsicht anzutrainieren. Echt jetzt!