Zielgruppen und so…

Ich finde es irgendwie schön, gerade mal wieder ein paar ältere Artikel auszugraben und sie euch zu zeigen. Für mich persönlich ist das Ärgerlichste am Bloggen, dass alte Einträge irgendwann in Vergessenheit geraten. Und die meisten Leser heute haben den Blog vor zwei Jahren noch nicht gekannt. Ein paar ganz begeisterte haben weit zurückgelesen, dass weiß ich – auf die Mehrheit trifft das natürlich nicht zu.

Ich selbst tue das ja auch nur bei sehr wenigen Blogs. Aber neben manchen Beiträgen, die ich im Nachhinein gerne in der Versenkung verschwunden sehen würde (ich weiß, ich kann sie löschen, aber das tut auch weh!), finden sich eben auch immer wieder welche, die man irgendwann wiederfindet und sich denkt:

„Verdammt, den liest jetzt keiner mehr. So ein Mist!“

Deswegen abermals zum Nachmittag ein Link zu einem älteren GNIT-Text. Im Gegensatz zum dort auftretenden Typen schätze ich, dass ich die richtige Zielgruppe erwischt habe, indem ich den Link setze. Also: Zielgruppen-Fail

Begeisterte Kunden

Die Kundin hatte nun wirklich keine sonderlich spannende Fahrt anzubieten. Eine kleine Nebenstraße in Friedrichshain, keine 3 Kilometer vom Ostbahnhof entfernt. Im Grunde kenne ich mich in der Gegend gut aus, aber wie das so ist: Manchmal kommt man mit den kleinen Straßen, die man nicht regelmäßig befährt, auch mal durcheinander. War das jetzt die vierte oder fünfte Querstraße?

So ähnlich hab ich das auch der Kundin gesagt, als ich kurz vor dem Ziel kurz anfragte:

„Ich bin mir gerade nicht sicher: Hier ab oder erst die nächste?“

„Die nächste Straße!“

„OK, sorry. Alles merkt man sich auch nicht…“

Dazu ein nettes Grinsen aufgesetzt, fertig. Was allerdings schön war, war ihre Antwort:

„Oh, nein nein! Das ist kein Problem! Ich bin ja jetzt schon ganz begeistert von ihnen!“

Unglaublich: Ein Taxifahrer, der nur einmal nachfragt, wo er genau abbiegen muss… 😀

Du? Oder Sie?

Man könnte ewig viele Artikel über das Thema „Duzen im Taxi“ schreiben. Aber eigentlich hab ich schon 2009 alles auf den Punkt gebracht. Ich will ehrlich sein: Jetzt mit erhöhter Leserzahl würde ich mich sehr über eine Diskussion zum Thema freuen!

SuDie die Zweite

Taxifahrer und ihre Taxis

…und einparken!

Als Taxifahrer sammelt man Fahrpraxis. Eine ganze Menge. Sicher, die Kollegen aus den Bussen und den LKW mögen lachen über unsere bescheiden vor sich hintickenden Kilometerzähler, aber 2.000 bis 5.000 Kilometer monatlich sind doch einiges im Gegensatz zu manchem Nur-privat-Fahrer, der über die 9.000 km jährlich, die in seinem Vertrag mit der Versicherung festgehalten sind, nie herauskommt. Wie wir alle wissen, macht Routine uns zu besseren Fahrern, bla Keks.

Da ist sicher auch etwas dran, aber wenn man mich fragt, was das Taxifahren für Auswirkungen auf mein fahrerisches Können hat, dann muss ich mit Tränen in den Augen zugeben:

„Ich verlerne langsam aber sicher das Einparken…“

Es ist ein Drama sondersgleichen. In Stuttgart habe ich bereits meinen Fahrlehrer in schweißgebadete Zustände getrieben, wenn ich schwungvoll die letzten Zentimeter meines Autos ausgenutzt habe. Als ich dann in freie Wildbahn entlassen wurde, hab ich das auf die Spitze getrieben. Als persönlichen Rekord möchte ich verbucht wissen, dass ich den Renault Mégane meiner Mutter – bei dem man die Front so wenig sehen konnte wie bei der 1925 – am Berg (!) ohne Feindberührung in eine Parklücke bugsiert habe, die sich im Nachhinein als kaum 15 bis 20 cm länger als das Auto herausgestellt hat.

Ohne Witz: Ich bin ein Meister im Einparken!

Natürlich hab ich mir das bitter erkauft, denn alle meine bisherigen Unfälle betrafen den ruhenden Verkehr. Aber ich hab auch die Sprinter des Behindertenfahrdienstes in vergleichsweise enge Lücken in engen Einbahnstraßen untergebracht und die Autos meiner Eltern wirklich zentimetergenau dort eingefädelt, wo kurz zuvor die Besitzer wesentlich kleinerer Fahrzeuge nach 5 Versuchen aufgegeben hatten.

Und jetzt? Wann muss ich denn bitte mal einparken?

Die meisten Stopps erledigt man in zweiter Reihe, die Straßen in Berlin sind ohnehin überdimensionierter und hier vor dem Haus haben wir nur Parallelparkplätze. Mit denen können einige zwar auch nicht umgehen, mich haben sie immer schon gelangweilt und meine diesbezügliche Einweisung in der Fahrschule dauerte exakt einen Versuch lang – danach hat mein Fahrlehrer zugegeben, dass ich das wohl kann…

Nur selten – aber immerhin manchmal – ist wenigstens Position 5 am Ostbahnhof noch eine „Herausforderung“. Da muss man manchmal tatsächlich einparken. Es kommt allerdings auch oft vor, dass Kollegen die Position erst einnehmen, wenn bereits zwei bis vier Fahrzeuglängen Platz ist. Im Großen und Ganzen würde ich da allerdings nicht die Park-Skills der Kollegen für verantwortlich machen, sondern eher deren Willen, noch ein bisschen länger auf der „Abstauberposition“ 6 zu verharren, die Fahrgäste gerne für den Beginn einer zweiten Schlange halten und man somit von ihr oftmals schnell mit zahlender Kundschaft wegkommt.

Wie dem auch sei: Ich habe also im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich immer schlechter im Einparken werde. Das ärgert mich zwar, ist aber erst mal bedeutungslos, weil ich es ja im Gegenzug auch kaum mehr muss. Ursache und Wirkung vermischen sich hier.

Nun hab ich aber einmal mehr meine Lieblingshalte mit Leben erfüllt und der Kollege vor mir rutschte auf – auf Position 5. Platz war mehr als genug, selbst seine E-Klasse hatte noch ungelogen drei Meter (!) Spielraum zum Rangieren. Und was macht besagtes Wunderkind der Fahrkunst und der Kommunikation?

Er hupt meinen Kollegen Yussuf auf Position 4 an, weil der noch etwa 80 cm zum Dritten in der Reihe aufrutschen konnte. Ich selbst hatte mir davor überlegt, ob ich nicht letztlich auch noch dorthin passen würde. Hab die Überlegungen dann aber auf Eis gelegt, weil ich befürchtete, damit die Platzangst des Kollegen eher zu forcieren. Also hab ich es wie Yussuf gehalten und nichts gemacht. Und damit einen Kunden von der Abstauber-Position an Land gezogen…

Taxifahren ist teuer…

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt viele Kunden, die glauben, dass Taxifahren mehr kostet als ohnehin schon. Ich möchte mal wieder auf einen alten Artikel verlinken – und damit auf eine Fahrt, die mir klar gemacht hat, dass wir mit unseren Tarifen eher werben sollten, als sie kleinlaut unter den Tisch zu schieben:

Taxifahren ist teuer!

Kundenschreck im Fußraum

Worum könnte es sich bei einem Kundenschreck im Fußraum handeln? Nun: Um diesen kleinen Kerl hier:

Taxi-Alarmanlage im Fußraum des Taxifahrers
Versifft, aber laut: Taxialarm. Quelle: Sash

Es geht hier gar nicht um den vielen Dreck – den ich zwar auch nicht angenehm finde, der sich aber bei matschigem Wetter immer irgendwann einstellt – es geht um den kleinen unscheinbaren Knopf. Das ist der Knopf für die Alarmanlage. Der hat gute wie auch schlechte Seiten. Die gute ist: Ich kann ihn zu jeder Zeit erreichen. Egal, was ein potenzieller Räuber auch tut – ich habe noch nie gehört, dass einer mit Fußfesseln angefangen hat…

Der Nachteil – insbesondere, wenn man wie ich mit Quadratlatschen in Größe 50 unterwegs ist – besteht darin, dass man durchaus auch mal versehentlich dagegenkommen kann. Derletzt ist mir das ausgerechnet passiert, als ich prominent in erster Position am Ostbahnhof stand und ich mich aus dem Wagen schwingen wollte, um einem Kunden beim Einladen des Gepäcks zu helfen. Hat einen prima ersten Eindruck gemacht, wie das Taxi plötzlich anfing zu heulen und der Fahrer erstmal zur Motorhaube gestürzt ist…

Denn: Der Alarm lässt sich nur ausschalten, indem man das Gegenstück zu diesem Knopf drückt. Und der ist praktischerweise im Motorraum untergebracht. Mein Kunde hat es mir – wenn auch mit riesigen Fragezeichen auf der Stirn – nachsehen können. Danach bin ich dann ganz gelassen ums Auto gewuselt, hab ihn mit einem Lächeln begrüßt und gemeint, dass das eben das Problem an gut erreichbaren Alarmknöpfen ist 😉

Im Übrigen, falls sich jetzt jemand Gedanken über potenzielle Taxiräuber macht: Diese Alarmknöpfe sind selbst bei den Opel-Taxen in unserem Betrieb nicht überall an derselben Stelle untergebracht. In vielen Taxen gibt es neben dem (vorgeschriebenen) lauten Alarm auch noch einen stillen. Das grobe Wissen hier bringt einen also nicht wirklich weiter…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Tassi!!!

Donnerstag Abend, 19 Uhr etwa:

Die Taxischlange am Ostbahnhof ist vollzählig. So ziemlich jeder Kollege, der sich gelegentlich hier anstellt, ist da. Aus der Luft betrachtet ist die komplette Bahnhofsvorfahrt, sinnigerweise mit dem Straßennamen „Am Ostbahnhof“ versehen, Stück für Stück mit wartenden Taxen besetzt.

Gegenüber der letzten Nachrücke, direkt neben dem InterCity-Hotel tritt schwankt ein Mann auf die Straße. Aus seiner Sicht müsste die Straße nun quasi ein einziges durchgängiges Taxi sein. Zumindest, wenn man seinen Alkoholpegel in die Betrachtungsweise miteinbezieht. Nichtsdestotrotz macht er einen Schritt auf die Fahrbahn, lehnt sich gefährlich weit zurück und ruft gen Himmel in martialischer Lautstärke:

„ICK WILL ENN TASSI!!!“

Kollege Torben, gerade mit mir an der frischen Luft, um eine zu rauchen, hat sich mit mir zusammen dem Kerl angenommen. Nach einer kurzen Anfrage, wo es genau hingehen sollte (immerhin nach Gesundbrunnen!), hat Torben ihn eingesackt. Soll eine Tour mit gutem Trinkgeld geworden sein. Ich überlege mir noch, ob ich vielleicht das gleiche mal umgekehrt versuche:

„ICK WILL ENN KUNNEN!!!“

😀