Böse Briefe

Interessantes Ende eines Experiments: Es ist inzwischen weit über eine Woche her, dass ich meinen offenen Brief bezüglich der vorgeschlagenen Tariferhöhungen an die Innung und TaxiDeutschland geschickt habe.

Das Ergebnis ist erschreckend mau. Keine der beiden für die absurden Vorschläge verantwortlichen Gewerbevertretungen hat geantwortet. Wer hingegen geantwortet hat: Vertreter beider anderer Vertretungen, der BTV und des Verbandes. Dass die beiden mit mir bei diesem Thema eher übereinstimmen, hat zweifelsohne den Ausschlag gegeben. Immerhin aber möchte ich anmerken, dass ich die nicht mal direkt angeschrieben habe. Richard Leipold von der BTV hat mich sogar in einer Zusammenfassung zur Debatte um den Tarif verlinkt.

Ich muss an dieser Stelle natürlich auch mich selbst fragen, ob der Brief so in Ordnung war.

Naja, ganz den diplomatischen Gepflogenheiten hat er nicht entsprochen, das muss ich zugeben. Die Debatte um eine Tariferhöhung ist immer eine emotionale – und wie man sieht: auch auf Seite der Fahrer. Vielleicht war es ja tatsächlich zu gemein, Herrn Berndt die Frage nach der 15%igen Inflation zu stellen. Oder ich hab beide Gewerbevertretungen hart getroffen, indem ich fragte, wie sie eine Nachtzulage den Kollegen aus der Tagschicht verkaufen wollen.

Kollegen übrigens, denen ich ganz ernsthaft Respekt zolle, weil Taxifahren im Hauptstadtfeierabendverkehr für mich tatsächlich eine Zumutung wäre.

Ja, vielleicht war ich da zu böse und vielleicht habe ich einfach nicht die nötigen Umgangsformen, um auf der ach so tollen politischen Bühne des Gewerbes mitreden zu dürfen. Warum sollte mir auch jemand antworten – ich bin ja nur ein Taxifahrer, was hab ich schon damit zu tun?

So kann man Politik machen – und vielleicht muss man das auch in einer Position wie der von Herrn Berndt. Wenn man immer nur um Einfluss kämpfen muss und ständig in die Kameras lächeln. Ich bleibe lieber bei meinem Weg: Versuchen, auf nette Weise das Bild unseres Gewerbes ein bisschen geradezurücken und die Probleme auch mal mit etwas Ironie und Umgangssprache ansprechen – die im Übrigen weit weniger unschöne Worte und Formulierungen enthält als die vieler vieler Kollegen da draußen. Nur mal so am Rande…

3 Kommentare bis “Böse Briefe”

  1. daju77 sagt:

    Wirklich schade, dass keine Antwort eingegangen ist. Hoffentlich bewahrheitet sich der Spruch, das nichts so heiss gegessen wird, wie es gekocht wird.

  2. anonym sagt:

    Ich denke, Sie haben sich nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil: Sie haben Ihre Meinung kundgetan, und dies in einer Form (falls ich das richtig in Erinnerung habe), die durchaus okay war.

    An Ihrer Stelle würde ich mir da generell keine Gedanken machen, warum keine Antwort kam. Damit muß man immer von vornherein rechnen – und schließlich liegt es nicht in Ihrer Verantwortung, ob und wie man zu antworten gedenkt.

    Ich schreibe ja keine offenen Briefe; aber im Laufe der Jahre ist es immer mal nötig gewesen, daß man an eine Firma oder auch an ein Amt schreibt. Ganz egal, wie wohlformuliert man da seine Schreiben versendet – es ist naturgemäß immer ungewiß, ob und wann man eine Antwort erhält (und welche). Meine subjektive Erfahrung: Meist ist die Antwort den Brief nicht wert, den man geschrieben hat. Und mittlerweile ist es mir lieber, ich bekomme gar keine Antwort als eine bestürzend dämliche aus (unpassenden) Textbausteinen. Keine Antwort heißt: Ich habe den Figuren meine Meinung in fundierter Weise zur Kenntnis gebracht; und ich bin froh, daß ich mir im Anschluß ihr verlogenes Gesülze und ihre fehlerhafte Rechtschreibung nicht antun muß.

  3. […] Innung des Berliner Taxigewerbes e.V. hat inzwischen tatsächlich auf den offenen Brief oder meinen Eintrag heute morgen geantwortet. In der 8-zeiligen E-Mail schreibt mir Herr Gawehn persönlich, dass er sich bedankt, […]

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