Ich fühle mit euch!

Ich schreibe ja immer, dass ich den Job nicht tagsüber machen könnte, bzw. möchte. Im Notfall ist man natürlich zu vielem bereit, aber ich erinnere mich immer noch an die Worte meines Tagfahrers, als ich ihn kennengelernt habe. Er war schon eine ganze Weile unterwegs und hat mir und unserem Techniker aus dem Taxihaus das Auto an jenem Mittag besonders früh gebracht, damit ich eine kleine Einweisung bekommen konnte.
Kurz bevor er sich verabschiedete, meinte er damals:

„Weeßte, ick würd‘ Dir ja jerne ’n paar Tipps jeben, aber dit kann ick nüscht. Ick weeß ja nich, wo man sich nachts hinstellt, is alles anders, dit is’n annerer Job!“

Heute sage ich denselben Quatsch mit etwas weniger Dialekt zu all den Tagfahrern 🙂

Abgesehen von den Schwierigkeiten, die die Nachtarbeit einfach der Tageszeit wegen mit sich bringt, bin ich ja schon auf der leichten Seite des Gewerbes gelandet. Ich muss mir fast nie um den Verkehr Gedanken machen und Eile ist ohnehin nur selten geboten. Das ist eine Erleichterung, die ich zu schätzen weiß!

Mich treibt es zwar nur selten tagsüber auf die Straße, aber die Kollegen haben mein aufrichtiges Mitgefühl, denn ich bin inzwischen so daran gewöhnt, die Hauptstadt so schnell als möglich zu durchqueren, dass mir die meisten Verzögerungen inzwischen dreifach lästig vorkommen.

So hatte ich neulich einen Winker, einen sehr entspannten Typen um die 60, der unweit des schlesischen Tores auf mich wartete und mir eine Adresse in Charlottenburg nördlich der Bismarckstraße als Ziel nannte. Das ist zunächst mal vor allem eines: ein echter Glücksgriff! Eine Winkertour um die 20 € hat schon für so manches Lächeln bei Taxifahrern gesorgt und dieses Mal war es nicht anders.

Während dieser Tour habe ich dann allerdings einen kleinen (und unzureichenden) Einblick in das bekommen, was die Tagfahrer in Berlin jedes Mal so runterreissen müssen. Bis auf vielleicht 3 oder 4 Stück waren ALLE Ampeln unterwegs rot. Ich hab keine Ahnung, wie ich das schaffen konnte – zumal ich auf den Straßen in die Richtung nun ja oft genug unterwegs bin – aber es war furchtbar. Und tagsüber wäre man an einzelnen davon ja auch mal länger als eine Ampelphase gestanden. Ich hab für die knapp 10 Kilometer über eine halbe Stunde gebraucht und ich hatte das Gefühl, die ganze Nacht zieht an mir vorrüber, während der Typ bei mir im Fond gelegentlich aus seinem Tiefschlaf heraus laut und aufgeregt grunzte.

Nein, ich könnte das nicht immer haben und ich bin froh, dass ihr den Job macht, liebe Kollegen!

5 Kommentare bis “Ich fühle mit euch!”

  1. Bernd sagt:

    Ich danke dir, Sash! Ich tue das gern für dich, sogar in einer anderen Stadt. Auf diese Weise brauchst du dich damit nicht auch noch plagen. 😉

  2. D_EQAI sagt:

    Hi, du wirst lachen, aber selbst ich als Student und Nachtfahrer auf dem Land beneide meine tagfahrenden Kollegen nicht um ihren Job, der zusätzliche Verkehr kann ganz schön nerven.

  3. Aro sagt:

    Ach Sash, heute bist Du ja ein richtig mitfühlender Kollege. Und auch unter Deinen Stammkollegen am OBF waren heute zwei richtig Nette. war irgendwie Feiertag, oder was? 😉

  4. Markus sagt:

    Da sieht man dann, wie notwendig die Abschaffung der Wartezeitunterdrückung ist. Das wären dann locker 10,– € mehr auf der Uhr gewesen. Wer einen Senat wählt,der die Ampeln auf „Rote Welle“ schaltet, hat nix anderes verdient, als die Berechtigung, dafür bezahlen zu dürfen.

  5. Sash sagt:

    @Bernd:
    Na dann … 🙂

    @D_EQAI:
    Irgendwie isses aber auch extrem nervig …

    @Aro:
    So bin ich halt 🙂
    Für die Kollegen kann ich aber nix!

    @Markus:
    Dabei würde man mit mehr Geld sogar den Senat mehr unterstützen 😉

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