Der Japaner im Kofferraum (2)

Nun endlich: Die Rezension!

Ich hatte vor einiger Zeit ja schon geschrieben, dass der Taxiblogger nun sein erstes Buch veröffentlicht hat. Wie damals schon befürchtet, hat es mit der Rezension jetzt etwas länger gedauert. Aber das Schöne an Büchern ist ja, dass es sie dauerhaft käuflich zu erwerben gibt. 🙂

Als regelmäßiger Leser beim Taxiblogger war ich sehr gespannt auf das Buch, gerade weil es das erste Buch eines Kollegen ist, der aus der selben Stadt und teilweise sogar der selben Zeit berichtet. Freundlicherweise hab ich das Buch vom Autor selbst zugesandt bekommen und es auch gleich binnen 3er Taxinächte durchgelesen.

Ich will ehrlich sein: Die Rezension ist mir auch nicht leichtgefallen. Obwohl ich das Buch gerne gelesen habe.

„Der Japaner im Kofferraum – Mein Leben als Taxifahrer“ hat nämlich einen skurrilen Aufbau, der sich nicht leicht beschreiben lässt. Mein Kollege hat es geschafft, auf den 202 Seiten unglaublich viele verschiedene Anekdoten zum Besten zu geben, worunter die Form etwas gelitten hat.
Das Buch hält insofern, was es verspricht: Ein Leben als Taxifahrer – insbesondere wenn es gleich mehrere Städte und Arbeitsverhältnisse umfasst – ist natürlich ein Auf und Ab. Dem wird das unterhaltsame Buch zweifelsohne gerecht 🙂

Der Titel ist meines Erachtens nach nicht clever gewählt, da der besagte Japaner im Buch ohne die prominente Erwähnung zwischen einem ganzen Haufen lustigerer und längerer Anekdoten untergeht. Aber diese Verlagsentscheidung möchte ich garantiert nicht dem Autor anlasten.

Der Schreibstil von Fischer ist meist wie aus seinem Blog gewohnt kurz und prägnant, wobei ich glaubte, in der ersten Hälfte des Buches ein wenig mehr ausschweifendes Erzählen wahrgenommen zu haben als auf den hinteren Seiten. In jenem hinteren Teil begegnen Bloglesern auch mehrere bekannte Einsprengsel aus selbigem, alles in allem stimmig untergebracht im bunten Sammelsurium des „Japaners“.

Was das Bild des bunten Taxler-Lebens abrundet, sind allerlei Informationen, mal als kleine Kästchen, mal als ganze Kapitel. So hat das Buch auch einen gewissen Sachbuchcharakter und wirft hier und da auch mal ein Licht auf die rechtlichen Fragen und Begleitumstände unseres kuriosen Gewerbes. Vom Preisvergleich zu anderen Städten über die Frage nach Traiferhöhungen, den Schönefeld-Streit unter den Taxlern und betrügerischen Kollegen findet man alles, aber ebenso seine legendäre Einsteiger-Typologie, Murphy’s Law für Taxler und andere nicht ganz so ernste Zusammenstellungen.

Was mir ganz ehrlich nicht gefallen hat, war mancher wilde und schwer nachzuvollziehende Zeitsprung und manch allzu kurz gefasste Info – der ein oder andere Leser wird sich sicher über das Mehrangebot auf Frank Fischers Blog freuen, wenn er den Hinweisen des Autors dorthin folgt.

Dementgegen steht eine gewaltige Vielzahl an Anekdoten, von denen ich als Fahrer in derselben Stadt und als Leser seines Blogs nur selten überrascht war, wenn dann aber umso mehr 🙂
Für alle unbedarften Leser ist es ein bunter Einblick ins Arbeiten, Leben und Denken eines Taxifahrers mit Humor und Beobachtungsgabe, das seine 10 Euro wert ist.

Ich persönlich war beeindruckt, weil mein Kollege einen Gedanken in Worte gefasst hat, den ich selbst für absolut richtig halte, den ich aber in all der Zeit, die ich nun selbst mit dem Schreiben über diesen Job verbringe, nicht in dieser Klarheit hatte: Die Erkenntnis über die Fahrgäste:

„Wir sehnen ihn herbei und buhlen um seine Gunst, aber wenn er erst mal da ist, möchte man ihn so schnell wie möglich wieder loswerden: den Fahrgast.“

(Kapitel 3, S.25, erster Satz)

Besser kann man es einfach nicht ausdrücken! 😀

Frank Fischer:
Der Japaner im Kofferraum – Mein Leben als Taxifahrer
ist erschienen bei Knaur
ISBN: 978-3-426-78355-9
9,99 €

Wer sich für das Buch interessiert und mir auch noch was Gutes tun will, der bestellt über diesen Link bei Amazon:


10 Kommentare bis “Der Japaner im Kofferraum (2)”

  1. Taxiblogger sagt:

    Der Autor dankt recht schön und hat es in seine Rezensions-Sammel-Seite übernommen! 😉

  2. opatios sagt:

    ei der Daus, wo ist denn der Link hingekommen? Ich seh keinen…

  3. Sash sagt:

    @Taxiblogger:
    So war das auch gedacht. Wollte heute morgen eigentlich noch eine Mail schicken, war dann aber zu müde 🙂

    @opatios:
    Wahrscheinlich blockst du ihn 😉

  4. opatios sagt:

    stümpt. Eben seh ich ihn auch… 😉

  5. highwayfloh sagt:

    Du traust dich aber …

    bin gespannt, wann Du von der Liste des „bloggeramtes“ gestrichen wirst… Stichwort „Schleichwerbung“ …

    SCNR

  6. Sash sagt:

    @highwayfloh:
    Ähm, du weisst schon, was SCHLEICHwerbung ist, oder? Das hier sicher nicht. Das ist ganz einfach Werbung…

  7. […] Frank Fischers “Der Japaner im Kofferraum” habe ich mich indes dazu hinreissen lassen, meine Meinung zu sagen, ebenso bei Wilhelm Schusters “Ich bin […]

  8. Beatrix Alfs sagt:

    Ich habe mich bei der Lektüre des Buches köstlich amüsiert und kann es nur empfehlen!

  9. Erst kürzlich kam ich noch mit Freunden auf dieses Buch zu sprechen, die sich auch schlappgelacht haben!

  10. elder taxidriver sagt:

    Ein erfahrener Leser wittert schon beim ersten Adjektiv das schlechte Buch.

    Nicolas Gomez Davila

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