Die Taxifahrerin

Nachdem ich selbst ja nun seit Jahren übers Taxifahren schreibe, bin ich auch dazu übergegangen, nicht nur die inzwischen zahlreichen Blogs, sondern insbesondere auch die Bücher von Kollegen und Ex-Kollegen zu lesen. Meine bisherige Sammlung ist zwar im Grunde noch unbedeutend, aber natürlich habe ich inzwischen einige „Standard-Werke“ zum Thema gelesen.

Karen Duves „Taxi“ ist mir dabei ähnlich schwer rezensierbar erschienen wie Sabine Fabers „Ach, ’ne Dame„. Bei Frank Fischers „Der Japaner im Kofferraum“ habe ich mich indes dazu hinreissen lassen, meine Meinung zu sagen, ebenso bei Wilhelm Schusters „Ich bin Taxifahrer„.

Ich möchte es auf ein neues versuchen, so schwer es mir auch dieses Mal fällt. Der unter den Blogkommentatoren inzwischen wohlbekannte „elder taxidriver“ hat mir inzwischen eine Menge Bücher geschenkt, darunter unter anderem

„Die Taxifahrerin“ von Victoria Thérame

Im Wesentlichen trifft auf ihr Buch das zu, was ich über Wilhelm Schusters Werk geschrieben habe: Es ist ein interessanter Blick ins Gewerbe, wie es vor etlichen Jahren war. Noch dazu beschreibt Thérame ihr Leben als Taxifahrerin nicht als Deutsche, sondern als Französin in Paris der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts.

Und diese Tatsache ist wichtiger als ihr Beruf an sich.

Natürlich liefert Thérame wie jeder Fahrer und jede Fahrerin, wie jeder Blogger und jede Bloggerin einen Einblick ins Gewerbe, mehr noch ist ihr Buch aber eine Kampfschrift für sozialistische Politik und Feminismus. Ich möchte keineswegs leugnen, dass die Autorin damit in vielerlei Hinsicht auch meinen politischen Nerv trifft, aber selbst mein Lesevergnügen hat beträchtlich darunter gelitten.

Das Buch ist nahezu komplett unsortiert gehalten, manchmal fällt es sogar schwer, die Gedanken der Autorin von den Aussagen ihrer Fahrgäste zu trennen. Die Sprache, für damalige Verhältnisse wahrscheinlich geradezu revolutionär, wirkt zwar auch heute noch nicht altbacken, als Leser mit anderen Hintergründen erwischt man sich dennoch oftmals dabei, ein geistiges „WTF?“ einzufügen.

Das Buch ist zweifelsohne verdammt interessant. Es gibt einen mehr als intimen Einblick in ins Frankreich der 70er, in die damaligen Arbeitsverhältnisse und in den Kampf und zwischen Mann und Frau und die Zwischentöne desselben zu jener Zeit. Ich habe es sicher nicht bereut, das Buch gelesen zu haben und ich hab durchaus auch ein paar nette Kundengeschichten mitgenommen. Alles in allem ist es aber ein Buch, das sich wesentlich mehr für Historiker und Politikwissenschaftler eignet, die den Geist jener Epoche zu ergründen versuchen, als für Leser, die nach ein paar unterhaltsamen Geschichten gieren.

Die Taxifahrerin
von Victoria Thérame
ISBN-10: 349914235X
ISBN-13: 978-39914142352

6 Kommentare bis “Die Taxifahrerin”

  1. Peter sagt:

    Der Link zu Karen Duves “Taxi” ist kaputt.

  2. Paul sagt:

    @Peter
    Sash hat versehentlich den Link mit dem, der auf diesen Artikel hier zeigt gemixt (übrigens nicht zum ersten Mal) 😉 Einfach den ersten Teil des Links löschen, dann wird die Amazon-Seite angezeigt.

  3. Sash sagt:

    @Peter:
    Ist gefixt. 🙂

    @Paul:
    Ja, man merkt, dass ich das mit den Amazon-Links nicht jeden Tag mache. Allerdings weiß ich immer noch nicht, wie das am Ende zustande gekommen ist. 🙂

  4. […] 77. salsango (723) 78. Fashion Monger(755) 79. Anja Rieger(767) 80. Zeitgeschmack Fashionblog (801) 81. Gestern Nacht im Taxi (821) 82. Twittwoch e.V. (862) 83. Kunzfrau Kreativ (873) 84. Politicool(887) 85. Wellmann (889) […]

  5. Umzug Wien sagt:

    :)) Taxilenkerinnen sind mir lieber als Taxler, irgendwie sicherer!

  6. Sash sagt:

    @Umzug Wien:
    Das ist aber auch grob verallgemeinernd …

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