Was ist eigentlich Fußball?

Also gleich vorweg: Was ich hier schreibe, bezieht sich keineswegs nur auf Fußball, sondern eher auf Sport im Allgemeinen. Und ich will auch niemandem sein Hobby madig machen, es hinterlässt mich jenseits aller bissigen Ironie tatsächlich ratlos.

Es war das Wochenende des Pokalfinales und ich verrate jetzt am Morgen sicher niemandem zu früh, dass Bayern verloren hat. Im Taxi ergab sich dieses Wochenende schnell die Frage:

“Und, für wen sind sie?”

“Eigentlich interessiert mich Fußball gar nicht so sonderlich …”

“WAAAS? Ja also nee, ohne Fußball könnt’ ick nich leben!”

Und hey, ich hatte es mit BVB- und Bayern-Fans zu tun und entgegen der landläufigen Meinung von Fußball-Fans auch gar keine blöden, aggressiven oder sonstwie schlimmen Zeitgenossen. Antipathie kann ich mir nur sehr begrenzt unterstellen lassen, dennoch frage ich mich, ob die Welt eigentlich noch alle Latten am Zaun hat, wenn ich mich hier rechtfertigen muss, weil ich keinen Lieblingsverein habe.

Fußball ist zweifelsohne ein geiler Mannschaftssport, aber ebenso wie bei vielen anderen Sportarten komme ich nicht umhin, mich zu langweilen, wenn ich anderen Menschen dabei zusehen muss. Ich stelle es mir zwar toll vor, als Stürmer der Nationalelf ein Tor zu schießen oder als Rennfahrer ein Rennen zu gewinnen – aber was bitte hab ich davon, dass andere das tun?

Ich meine, ich kann mich gut in andere Leute reinversetzen. Das können sogar virtuelle Personen aus Romanen oder Filmen – ja sogar Computerspielen – sein. Aber Profisport mit ständig wechselnden Leuten? Wie kann man es fertig bringen, Menschen zu hassen, weil sie für eine gegnerische Mannschaft spielen, um sie anschließend zu bejubeln, wenn sie in “den eigenen” Verein wechseln?
Was sollte mich dazu bringen, “für meine Heimat” zu jubeln, wo doch alle Protagonisten heute hier und morgen dort spielen, und die meisten mit der Stadt, deren Trikot sie tragen, gerade mal eine Summe auf dem Gehaltsscheck und vielleicht drei einstudierte Antworten für die Pressekonferenz verbindet?

Ich hab noch nicht einmal was dagegen, all diese lästigen Fragen zu umgehen und zu sagen, dass Fußball ja letzten Endes auch eine Art Kunst ist, ein virtuoser Umgang trainierter Menschen mit einem Sportgerät. Aber mich ereilt da immer das Problem, dass ich im Grunde dann doch den Besseren den Sieg gönne – und das vermiest einem den Spaß am Spiel auch gewaltig, weil echte Euphorie nunmal nur aufkommt, wenn man einer bestimmten Truppe den Sieg von ganzem Herzen gönnt.

Ich versuche das manchmal bei Weltmeisterschaften, aber selbst wenn die recht zufällig ausgewählte Mannschaft (bei der letzten WM hab ich Uruguay genommen, unter anderem, weil ich es eindrucksvoll fand, dass das Land durchschnittlich mehr Internetbandbreite hat als wir hier in Berlin) am Ende gewinnt, ist das irgendwie nur dünn. Da kribbelt es mehr bei mir, wenn ich erfahre, dass dank Bildblog mal eben 8.000 Menschen einen Text von mir gelesen haben.

Wie gesagt: Ich gönne ja allen ihre Freizeitgestaltung und meine Interessen decken sich natürlich (und ganz offensichtlich) auch nicht mit einer Mehrheit. Aber wieso bewegt so ein Sportereignis so ungemein? Wenn ich beispielsweise sage, dass dieses oder jenes Kunstwerk mich irgendwie zutiefst berührt, dann weiß ich, dass damit irgendetwas aus meinem Leben angesprochen wird: Da hat jemand Worte, Bilder oder sonstwas gefunden, um einem Gefühl, das mir schon innewohnte, besser Ausdruck zu verleihen, als ich es könnte. Das kann es beim Sport aber doch kaum sein, oder? Geil – der hat den Ball genau so getreten, wie ich es mir vorgestellt hab!? Oder ist das so?

Ich meine: Feiern, saufen und mit guten Freunden ein paar Lieder gröhlen kann ich bei jeder WG-Party oder einem Konzert! Das macht zweifelsohne als wenig geistreiche Unterhaltung einen enormen Spaß, aber dazu braucht es keine überbezahlten Typen, die im Fernsehen auf und ab wuseln. Und im Gegensatz zu Lieblingsclubs kann ich einen Haufen Lieblingsbands haben. Im selben Genre, in derselben “Liga”, ja ich freue mich sogar, wenn sie was zusammen machen! Was bringt einen zu diesem Konkurrenz-Denken?

Mir ist klar, dass nicht immer “Hochkultur” (was immer dieses blöde Wort aussagen will) sein muss. Mal feiern ohne nebenbei über wichtige Fragen aus Politik und Philosophie zu diskutieren, ist zweifellos nötig. Man muss auch mal den Kopf frei kriegen! Aber kann es sein, dass Sportler, Trainer, Vereine und all die anderen angeblich wichtigen Beteiligten dabei eigentlich nur ziemlich sinnloses Schmuckwerk sind, die im Grunde keine Sau interessieren müssten?

Oder mal noch tiefer gehend:

Muss man sich nicht eigentlich um Leute Sorgen machen, die behaupten, sie würden ihr Leben für einen Verein leben?

Natürlich hat jeder Interessen und Vorlieben, Idole und Vorbilder. Und alle haben eine Meinung zu diesem und eine Eistellung zu jenem. Aber was bewirkt, dass man sich verhältnismäßig “fanatisch” mit Dingen beschäftigt, die sowohl für einen selbst, als auch kulturell keine wichtige Wirkung haben, die über die Angeber-Vitrine im Vereinshaus hinausgeht?

Wie gesagt: Da muss ich ernstlich passen.

Wäre schön, wenn die Antworten über “xy ist goilste, weil isso!” rausgehen würden …

Wochenende!!!

OK, nicht so wirklich. Also für euch vielleicht. Für mich eher nicht …

Aber ich hab heute Nacht wenigstens lange genug durchgehalten, um recht sicher sagen zu können, dass ich am Sonntag zu Hause bleiben kann. Aber die letzte Stunde war dennoch eine Qual. Leider war sie nicht so unwichtig, wie man meinen mag: Ich hab über 20% des Umsatzes in dieser Zeit gemacht!

Abgesehen vom Umsatz belohnte mein Schichtende mich allerdings zusätzlich mit einer Fahrt, die mich ungelogen von etwa 11 Kilometer Entfernung bis auf 500 Meter an den Abstellplatz brachte. Natürlich nachdem ich davor vollgetankt und das Auto gereinigt hatte. Damit war sogar mein Kilometerschnitt wieder in Ordnung. :D

Dabei war es eine turbulente Schicht. Die ersten Stunden bin ich zwar nicht aus dem Auto gekommen, hab aber immer nur eine Tour mit ewigen Leerfahrten gehabt. Die Kunden habn mich dann jedes Mal kurz vorm Aufgeben erwischt. Nach Mitternacht folgte dann plötzlich das, was ich tote Stunden nenne: Bis um 1 Uhr hatte ich einen Hunni gemacht, zwischen 1 und 5 Uhr sind gerade mal 40 € zusammengekommen …

Aber gut, so lange das Ergebnis passt, will ich nicht meckern. Einen kleinen Grund gab es dennoch. Etwas, das ich schon mal hatte:

Mist, schon wieder!

Vergurkt

Was vielleicht selbst bei mir im Blog manchmal ein bisschen zu sehr auf der Strecke bleibt, ist die Tatsache, dass ich als Taxifahrer auch ein Mensch bin. Wir reden hier ständig über Tarife, über Betrug, professionelle Ortskunde – neulich hab ich aber erst wieder bewiesen, dass ich mich auch ganz klassisch verfahren kann. Wobei verfahren in dem Fall nur bedingt stimmt. Denn ich kannte die Strecke. Ich bin bloß aus lauter Gewohnheit, zuzüglich etwas Müdigkeit gleich zwei Mal falsch abgebogen. Einfach so.

Das war kein Betrugsversuch, kein peinliches Nicht-Kennen der Straße, es war einfach nur ein bisschen Träumerei und ein bisschen zu viel Gequatsche mit dem Kunden. Und zack! standen wir eine U-Bahn-Station weiter westlich als geplant.

Da hilft nur locker bleiben. Der Fahrgast wusste, wie viel er normal bezahlt, also hab ich die Uhr früher ausgemacht. Und er hat meine Erklärung mit einem Grinsen akzeptiert anstatt mir böse Absichten zu unterstellen.

Peinlich war es mir trotzdem irgendwie.

Na sag das doch!

“Und wie viel kostet das dann etwa?”

Die Straße lag weit im Süden, ich stand im Osten und war erstmal planlos.

“Puh, das ist jetzt so ‘ne Strecke, dich ich grad gar nicht einschätzen kann. Ich würde jetzt aus dem Bauch raus 20 € sagen, aber zwei mehr könnte ich auch nicht sicher ausschließen …”

“Na, ich hab halt noch 25 € dabei. Das muss reichen.”

“Ja, kein Thema. Für 25 kommen wir zumindest fast bis zur Stadtgrenze, also erheblich weiter!”

“Gut, dann fahren sie mal. Ich hab vorher bei so ‘ner App geschaut, die hat sogar gemeint, es wären nur 16 €. Und das stimmt eigentlich immer.”

Ich bin ehrlich gesagt ja froh, dass er nicht blind der Technik vertraut. Aber wenn ich – ebenfalls mit allgemein zugänglichen Mitteln wie Google Maps die Länge (und damit den Preis) einer Taxifahrt ermittele und dem Ergebnis nach mehreren Versuchen vertraue – dann steige ich doch nicht bei einem ins Auto, der mit seiner Einschätzung mal eben 30% drüber liegt …

Und es waren am Ende 16. Danke für das Vertrauen! :D

Kurzes Gespräch

Ich hab gleich vermutet, dass sie ein bisschen Erfahrung haben. Sie sind zielsicher auf mich als Letzten in der Schlange am Berghain zugekommen um mich zu fragen, was es zur Bossestraße kosten würde.

“Hm, ich schätze 7 €, aber vorsichtshalber schließe ich 8 € mal nicht aus.”

Das sind 2 bis 3 Kilometer und ich würde tatsächlich sagen, dass das ein eigentlich fairer Preis für eine Heimfahrt zu zweit mit eigenem Fahrer ist, wenn es draußen regnet und man müde vom vielen Tanzen ist.

“OK, alles klar. Machste 5?”

“Nö. Ganz sicher nicht.”

Dazu ein entwaffnendes Lächeln. Dass sie gleich abhauen, hatte ich nicht erwartet. Meist entspinnt sich ja am Ende doch noch eine Diskussion. Eine Diskussion im Übrigen, für die ich rhetorisch gut gerüstet bin und die ich folglich immer gewinne.

Ich weiß, dass einige das als unglaublich spießig und unflexibel ansehen. Sind ja “nur 2 €” …

Aber mal im Ernst: Warum soll ich illegalerweise meinen Stundenlohn von irgendwas zwischen 5 und 9 € einfach mal spontan um einen senken, wenn doch die Kundschaft auch “nur 2 €” mehr zahlen müsste?

Google und die Currywurst

Nachdem ich schon für den Artikel heute morgen ein bisschen mit Google Maps gespielt habe, dachte ich, ich könnte doch auch mal eine lange Strecke zeigen – eine möglichst unsinnige. Und, naja … wenn ich an unsinnige Routen denke, dann fällt mit immer die mit der teuren Currywurst ein. Und weil es wirklich eine besonders schöne Strecke  war, könnt ihr sie hier nochmal bewundern:

 

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Die ganz kurzen Fahrten

Als ich um kurz nach 23 Uhr am Schulze-Delitzsch-Platz vorbeikam, winkte mir ein Mann zu. Zwischen den geparkten Autos erkannte ich nicht, dass er neben zwei kleinen Kindern auch noch Gepäck dabei hatte. Trotz des Gepäcks hatte ich nun nicht mit einer Flughafen-Fahrt gerechnet – aber zum A&O-Hostel in der Köpenicker Straße war dann wirklich weit unter den Erwartungen.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass mir das deswegen unangenehm war – es war eine Winker-Tour, quasi auf dem Weg liegendes geschenktes Geld! Um das kleine bisschen Aufwand zu entschädigen, haben wir ja unsere 3,20 € Startpreis. Mehr als 4,20 € kamen am Ende allerdings auch nicht raus dabei ;)

Die Fahrtstrecke kann ich euch natürlich nicht vorenthalten:

 

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