Als ich den Koffer mit dem Gewicht eines Blauwalbabies an Bord hievte, fragte sie gleich:
„Sagen sie, würden sie – wenn ich ihnen ein Trinkgeld gebe…“
„Den Koffer hochtragen?“
„Ähm… ja!?“
„Selbstverständlich mache ich das.“
Na gut, vielleicht war es ansatzweise unlauter, nicht zu betonen, dass dafür kein Trinkgeld nötig ist. Aber versteht bitte, dass ich angesichts des Walbabies nicht riskieren wollte, sie von einer großartigen Idee abzubringen… 🙁
„Fairerweise muss ich aber sagen, dass ich wirklich im fünften Stock wohne…“
Das wiederum hat mich kein Bisschen überrascht. Wenn jemand Geld ausgeben will, um einen Koffer getragen zu kriegen, dann macht man das entweder grundsätzlich – und lässt ihn dann auch noch für sich packen – oder (was mir bei dieser Kundin wahrscheinlicher schien) man hat wirklich noch was fieses vor sich mit dem Ding.
„Soll ich mit anpacken?“
„Jetzt hören sie mal: Sie bezahlen mich schon dafür. Dann mache ich das auch alleine!“
„Aber ich warne sie! Sie werden schnaufen!“
„Da bin ich überzeugt von, aber wenn, dann machen wir das richtig!“
Die fünf Stockwerke waren eher fünfeinhalb, das Haus natürlich ein großzügig dimensionierter Altbau und der Wal inzwischen deutlich gewachsen. Aber: Service ist Serv… *hechel* ice…
Dann konnte ich den Koffer auf dem obersten Absatz abstellen und eine glückliche Kundin nach einem 20-Stunden-Tag in die ersehnte Ruhe nach einer hektischen Reise entlassen. Gut, bei mir war es die erste Tour – der Auftakt zu einer 12-Stunden-Schicht, aber was soll es?
Kurz zurückgespult zum Bezahlen:
„Das macht dann 6,80 €“
(also bekomme ich wohl einen Zehner…)
„Ja, dann ist das hier für die Taxifahrt…“
(7 €, dankeschön!)
„…und das hier fürs Tragen!“
(nochmal 10? Wow! Moment, muss es aussprechen!)
„Wow!“
Das ist mal ein Lohn, bei dem man sich nicht beschweren will. Aber dennoch: Schnell verdientes Geld war es, einfach verdientes eher nicht. Ich hoffe, der Wal passte noch in die Wanne…