Alternative Zahlungsmittel

6 Mädels vom Matrix zu einem Hotel nach Wilmersdorf zu fahren ist eine nette Tour. Die überwiegende Kommunikation fand außerhalb meiner Sprachfähigkeiten irgendwo in der Nähe von niederländisch statt, aber das ein oder andere nette Wort in Deutsch oder Englisch hatten sie dann doch auch mal für Fahrer und Auto übrig.

Sie haben gesagt, sie wollten es möglichst billig haben, was natürlich (wie nachts eigentlich immer) kürzeste Route bedeutet. Naja, die Oberbaumbrücke war mal wieder wegen Filmdreharbeiten gesperrt, aber ansonsten ist das ja kein Problem. Am Hotel angekommen hab ich dann kurz den Preis mit den Zuschlägen verrechnet und verkündet:

„OK, here we are! And we’re at 24,20 €.“

Die Antwort gestaltete sich wie folgt:

„Puh, 24 €! And if we show you our…?“

Wenn ich es mir recht überlege: 12 auf einmal… wie konnte ich mir das nur entgehen lassen 😉

Ich könnte reich sein…

Da kämpft man sich bei einer ziemlich miserablen Wochenendschicht durch die von freien Taxen verstopften Straßen von Kreuzberg. Nerv! Einfach niemand von den zigtausend Menschen auf der Straße beansprucht meine Dienstleistung, obwohl der Taxigott es mit Nieselregen um 0 Uhr eigentlich gut meint mit uns Fahrern.

Doch was erblicken meine Augen: Ein Winker! Warschauer Ecke Stralauer! Was für eine Überraschung! Wenigstens irgendwas läuft noch normal in dieser Nacht…

Ich halte und ein junger Mann lehnt sich ins Auto und meint:

„Tut mir leid, ich hätte nur eine Nachfrage…“

Hmm… nicht wirklich das, was ich erhofft hatte. Er wollte wissen, wie er zu einer Straße direkt ums Eck kommt, und ob er da völlig falsch sei. Ich hab ihm den Weg natürlich kurz erklärt – jetzt stand ich eh schon da.

Und dann zückt er sein Portemonnaie und gibt mir 70 Cent

„für den Aufenthalt“.

Würden das alle so halten, dann wäre mein Einkommen signifikant höher. In einer guten Wochenendschicht würde ich 50 € alleine für Wegansagen vom Ostbahnhof zum Maria einnehmen 😉

Modern Stalking oder: Point of View

Der gestrige Abend war etwas seltsam. Ich war wie immer in letzter Zeit pünktlich in der Stadt unterwegs, was zuerst bedeutet hat, dass ich eine Stunde lang am Ostbahnhof vergammelt bin. Als ich gerade kurz davor war, meinen ersten Fahrgast aufzunehmen, hat mein Handy geklingelt. Wie passend! 🙁

War aber alles in allem in Ordnung, da mich ein Kollege in Internet- wie Firmen-Dingen auf einen schnellen Becher Kaffee zum Cahoona-Coffee-Drive-In in der Leipziger Str. eingeladen hat. Die Kaffee-Preise für Taxifahrer sind erträglich, und ich hatte da eine echt nette Zeit und nette Gespräche (Wahnsinnige. Alles Wahnsinnige. Aber das macht es ja gerade sympathisch.) – sollte das Beste an der Schicht werden…

Da ist mir das erste Mal dieser komische mit Werbung vollgepflasterte Mini aufgefallen, der da scheinbar unbenutzt im Eck gestanden ist.

Ziemlich spät bin ich dann zum Zwecke der Geldbeschaffung wieder gen Ostbahnhof gegurkt. Irgendwie ist mir dieser komische Mini gefolgt. Der seltsam anmutende Fahrer hat sich sogar an der selben Tanke Kippen gekauft wie ich. Obwohl ich das erste Mal an der Tanke war und nicht an meiner Stammtanke gegenüber. Komische Sache!

Am Ostbahnhof angekommen stelle ich fest, dass der Fahrer mir schon wieder gefolgt war und sein Auto ebenso stoppte. Wohl um irgendwas zu Essen zu holen. Wahrscheinlich wäre mir das nicht aufgefallen – aber dank der Werbung…

Prompt trat eine Kundin an mich heran und überraschte mich beim Rauchen einer Kippe. Ich war reichlich abgelenkt wegen dieses komischen Wagens und hab sie erst einmal völlig übersehen. War aber eine gute Tour – bis zum bayrischen Platz – mehr konnte ich mir nach 5 Minuten rumstehen auch wirklich nicht erhoffen. Die 16,40 €-Tour sollte bis weit nach Mitternacht meine Einnahmen-Statistik dominieren…

Als ich an der Yorckstr. so in den Rückspiegel schaue: Un-glaub-lich. Da fährt, ihr ahnt es sicher schon: Dieser komische Mini. Mit dem selben kuriosen Fahrer wie zuvor! Ein bisschen Paranoia geschoben hab ich ja schon. Insbesondere als er dann auch noch am Bayrischen Platz stoppte. Da bin ich dann ausgestiegen und hab ihn zur Rede gestellt. Irgendwie war das ja nicht mehr normal.

Hier ist mal ein Foto von der Kiste:

Und er stalkt mich... all Night long, Quelle: Sash

Und er stalkt mich... all Night long, Quelle: Sash

Tja, und was war wohl? Eigentlich nix besonderes. Über Sinn und Unsinn sowie Wahrheitsgehalt dieser Geschichte könnt ihr etwas mehr erfahren, wenn ihr euch neben diesem Gelaber hier auch noch den Artikel bei Jo anschaut…

🙂

Spaß muss sein und wie ich gestern zu Jo gesagt habe: Soll nochmal einer behaupten, dass Bloggen keine Arbeit ist!

Zielgruppen-Fail

Berlin 2010. Der Winter war dieses Jahr hart und entbehrungsreich. Zusätzlich zu den üblichen Winter-Depressiven sind in diesem Jahr auch noch gelegentlich Personen verstorben, weil sie die unerbittlich zwei Monate überdauernde Eisdecke über der Stadt nicht sicher zu überqueren wussten. Die Polizei wird bis in den Sommer hinein noch damit beschäftigt sein, die Überreste von Rentnern aus einsamen Wohnungen zu bergen, die verhungert sind, weil sie sich bei minus fünfzehn Grad nicht mehr vor die Türe getraut haben.

Die Nacht ist einsam, es ist niemand auf der Straße. Dabei nähert sich der Kalender unaufhaltsam dem Frühlingsanfang. Die Temperaturen sind längst wieder für ein paar Stunden täglich im Plus-Bereich, nur die Nacht ist noch kalt und mörderisch. In den einsamen Friedrichshainer Abendstunden wirkt die Welt noch wie schockgefrostet. Keine Fußgänger weit und breit, und von den wenigen Zügen, die den harten Winter trotz der Sparmaßnahmen der Bahn überlebt haben, taucht keiner im Osten der Hauptstadt auf.

Das Fernsehen lehrt uns, dass in so einer Situation gerne lose Dornenbüsche durch die Prärie kugeln, aber die wenigen Dornenbüsche in Berlin sind entweder tot oder vom Resteis noch zu schwer zum Kugeln. Ein paar Taxifahrer halten am leblos wirkenden Beton-Gerippe des Bahnhofes ihre Wacht wie die Aasgeier. Stets mit wachem Blick, die Zigarette lose im erschlafften Mundwinkel hängend, verfolgen sie die Reste des Zivilisationsmülls, der in solch schweren Stunden die Dornenbüsche ersetzt.

Im Wissen, jegliche Bewegung würde die Stille jäh zerreissen, schweigt die Welt sich aus und nur in irgendeinem fahl beleuchteten Büro sitzt ein einsamer Praktikant in der Duden-Redaktion und ändert als vermeintlich letzter Überlebender den Eintrag zu „Apokalypse“ in die Vergangenheitsform um.

Als sich gerade eine Wolke vor den blass anmutenden Mond schiebt, gleitet eine Schiebetür des Ostbahnhofs auf, als sei es das selbstverständlichste der Welt. An diesem Märzabend um 22 Uhr. Durch selbige schleift sich alsbald ein etwas kleinwüchsiger aber nicht schlecht gebauter Mensch südländischer Herkunft. Der lange schwarze Mantel umweht ihn mystisch, es bleibt ihm nichts als ihn mit den nackten Händen an sich zu pressen, um nicht den letzten Funken Körperwärme zu verlieren.

Die Taxifahrer schrecken aus ihrer Lethargie hoch. Manch einer murmelt sein Mantra: „Komm zu mir, komm zu mir…“ Weniger actionorientierte Exemplare setzen ihren sorgsam vor dem Spiegel geübten Bruce-Willis-Blick auf und konzentrieren sich ganz auf die Ablehnung einer zu kurzen Fahrt.

Ganz hinten in der Schlange realisiert Sash, dass er offensichtlich zu viele Thriller liest, weil er erschrocken ist, dass die unheimliche Gestalt sich ihm unverdrossen nähert. Sie blickt sich um, scheint Angst zu haben. Was? Was wird dieser traurige Haufen Mensch mir wohl antun wollen, fragt Sash sich.

Die Antwort ist grausam.

Das Dunkel der Nacht legt sich für einen Moment tiefer über das Auto von Sash, als der Fremde die gespenstisch anmutende und tote Fassade des Bahnhofs mit seinem Schatten schluckt. Die Augen kommen näher, sie sehen sich panisch um. Was wird das? Waffen? Was kann man noch tun? Die Nacht würde jeden Schrei verschlucken und der eisige Wind keine Spuren hinterlassen, wenn nun jemand sterben würde. Der Fremde öffnet langsam den Mund, blickt Sash an und sagt:

„Ey, ‚absch hier neue Sonnenbrille! Will’sch du kaufen?“

Nee, sorry!

Bullshit!

Eine super relaxte Tour. In einer bescheidenen Nacht 2 Winker in Neukölln aufgegabelt und auf dem Weg gewesen, mal kurz 15 € auf die miserablen Einnahmen raufschlagen zu können.

Ein junges Pärchen, anspruchslos und nett. Irgendwie habe ich aber die Konversation, die ich mit ihm geführt habe, am Ende nicht mehr verstanden.

Kurz nach dem Start habe ich nachgefragt, ob die von mir angepeilte Route ok wäre, und es war alles sehr gechillt.

„Du bist der Taxifahrer, du machst das schon…“

Danke! Das ist doch mal eine Aussage! Anderthalb Kilometer vor dem Ziel fielen dann aber völlig aus dem Zusammenhang gerissen folgende Sätze:

„Ja, ich meine, du fährst echt Bullshit!“

„Ähm… wieso das?“

Die Verwunderung war nicht gespielt. Meine Route schien mir sehr gut zu sein – vielleicht nicht bis auf den letzten Hinterhof perfekt, aber prüfungssicher. Mein Fahrstil war wie immer gesittet aber auch nicht durch die Nacht schleichend. Flott aber legal. Das Auto war technisch in Ordnung, es war einfach alles völlig ok. Also was wollte er?

„Ja, das ist einfach scheiße!“

„Und was habe ich mir darunter vorzustellen?“

„Hey, du bist der Taxifahrer, nicht ich!“

„Ja, aber wenn irgendwas so nicht in Ordnung ist, wie ich es mache…“

…und der Rest der Fahrt verlief dann schweigend. Also ich bin vielleicht nicht der Beste im Aufnehmen von Kritik, ich ärgere mich viel zu oft – auch wenn ich es nicht zeige – aber nach dem Gespräch hab ich mir wirklich gedacht, dass er mich mal kreuzweise kann. Dass er die exakt 15 € ohne Trinkgeld bezahlt hat, ist ok. Ich war letztlich froh, die beiden aus dem Auto zu haben.

Nehmen wir mein liebstes Vergleichsgewerbe und stellen uns die Frage: Wenn wer zum Bäcker geht und sagt „Wie sie Brot verkaufen, ist scheiße!“, was will er damit eigentlich sagen? Und warum mache ich mir eigentlich Gedanken darüber. Naja, irgendeinen Grund muss es wohl geben, sich zu ärgern… 🙁

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Bitte kauft euch eine Karte!

Berlin ist ziemlich groß und kann schon mal einschüchternd wirken auf Neulinge. Als Taxifahrer bin ich es inzwischen gewohnt, dass mich reihenweise Leute nach dem Weg irgendwohin fragen. Meist beschränkt sich das auf einen Club in unmittelbarer Nähe oder eine Straße, die 2 Blocks weiter liegt. In solchen Fällen ist schnell geholfen und es entstehen nicht wieder so peinliche Momente wie damals in Kreuzberg, als ich noch auf die Ortskundeprüfung gelernt habe, und einer Frau am Heinrichplatz gesagt habe, dass ich von einer Naunynstraße wirklich noch nie was gehört habe…

Aber am vergangenen Wochenende war ich wirklich überfordert. Erklärt mal fremdsprachigen Menschen am Ostbahnhof, wie sie nach Hannover kommen!

Mal abgesehen davon, dass ich zunächst wirklich nicht wüsste, auf welche Autobahn ich da müsste: Wie erkläre ich denn von dort aus möglichst einfach den Weg zu irgendeiner Autobahn? Einen ungünstigeren Punkt zum Fragen kann man sich ja kaum suchen…