Schadenfreude

Herrlich, wenn schon die Überschrift ein Wortwitz ist…

Manch einer mag vielleicht meinen Tweet vorgestern Abend etwas erstaunt zur Kenntnis genommen haben.  Ich schrieb folgendes:

Das erste Mal jemandem erfolgreich einen Unfall gewünscht. Geiles Gefühl! #schadenfreude

Und es war wirklich enorm erheiternd 😀

OK, zu den Tatsachen! Ich bin am Sonntag Abend im Rahmen meiner Arbeit den Kottbusser Damm von Neukölln nach Kreuzberg entlanggedübelt. Trotz dieser brachialen Wortwahl war ich überwiegend regelkonform unterwegs. Das bin ich – wie die meisten Autofahrer – tatsächlich nicht immer. Es gibt so Straßen, die zum Heizen animieren. Der Kottbusser Damm bei Dunkelheit und „dichtem“ Verkehr zählt nicht dazu. Die Straße ist schlecht ausgeleuchtet, und neben den ständig auf einer der zwei Spuren haltenden Autos und den Radfahrern, die hier und da mal eine oder beide Spuren mitbenutzen, rennen auch gelegentlich Fußgänger in scheinbar suizidaler Absicht aus dem Dunkel des Mittelstreifengebüschs in Richtung Gehweg auf der anderen Fahrbahnseite. Und wenn man Glück hat, sind die meisten Beteiligten nüchtern und reaktionsschnell.

Der Fahrer des PKW mit DEL-Kennzeichen war sicher reaktionsschnell. Musste er auch sein, denn er übte sich im Kolonnenspringen und legte dabei eine ordentliche Geschwindigkeit an den Tag. Ich will mich nicht damit aufhalten, ob es 70 oder 80 km/h waren, Fakt ist, dass er gedrängelt und geschnitten hat, wo es nur geht.

Und mein Gedanke war eben:

„Mensch, dir würde ein Unfall jetzt echt gut tun!“

Auf der Kottbusser Brücke hatte der junge Mann ein Problem. Er fuhr gerade mal wieder auf der linken Spur, dort allerdings wollte jemand abbiegen und musste wegen des Gegenverkehrs warten. Dummerweise war die rechte Spur gerade aber mit fließendem Verkehr belegt, sodass der Eilige gezwungen war, anzuhalten. Das tat er auch, sogar problemlos und rechtzeitig. Immerhin.
Der Zustand, ruhend auf einer Fahrbahn, war ihm indes wohl entweder unbekannt oder unheimlich, und so beschloss er, daran etwas zu ändern. Im fließenden Verkehr auf der rechten Spur tat sich etwa 3 Autos vor mir eine Lücke auf – und die wollte er nutzen. Was genau er jetzt falsch eingeschätzt hat, weiss ich nicht. Jedenfalls ist er aus dem Stand mit Vollgas beim Anfahren seinem immer noch blinkenden Vordermann mit vernehmlichem Krachen ins Heck gefahren. Hihi.

Tut mir jetzt zwar sehr leid für den unbeteiligten Abbieger, aber ich hab mich gefreut. Eindeutige Schuldfrage, aber dennoch nur Sachschaden und einfach ein versauter Abend… genau so hab ich mir das in Gedanken ausgemalt gehabt.

Manchmal muss man eben auch böse sein 🙂

Fahrer, Kunden, Missverständnisse

Mein Gott, was sich aus einer Kundenanfrage alles ergeben kann – oder wie rede ich aneinander vorbei. Drama am Ostbahnhof in 3 Akten.

Die Personen:

Die Kunden:
4 Rentnerinnen mit 4 kleinen Koffern.

Taxifahrer (nach Reihenfolge am Stand, vereinfacht):
Kollege 1, Fahrzeug Mercedes E-Klasse
Kollege 2, Fahrzeug Mercedes B-Klasse
Kollege 3, Fahrzeug Skoda Octavia Kombi
Kollege 4, Fahrzeug Opel Zafira
Kollege Sash, Fahrzeug Opel Zafira.

Sashs Fahrzeug steht als einziges auf der den Kunden gegenüberliegenden Straßenseite.

1. Akt (Prolog)

Die Kunden betreten den Bahnhofsvorplatz. 3 von ihnen bleiben weise dreinsehend am Taxistand neben den Fahrzeugen von Kollege 1 und 2 stehen. Eine Kundin stelzt über die Straße auf Sashs leeres Fahrzeug zu. Sash wird aufmerksam und gibt sich als Fahrer zu erkennen.

„Hallo, kann ich ihnen helfen?“

„Ja, wir bräuchten ein Taxi für 4 Personen mit Gepäck.“

2. Akt (Eskalation)

Sash sieht sich am Stand um. Jedes der Fahrzeuge bietet selbstverständlich Platz für 4 Personen zuzüglich des nicht sehr umfangreichen Gepäcks. Dies gibt er auch zu verstehen und meint:

„Das ist selbstverständlich machbar. Aber sehen sie: Die Kollegen haben doch auch Platz für sie.“

Damit will er nicht etwa die Rentner loswerden, sondern nur sicherstellen, dass sie nicht wegen falscher Vermutungen ein anderes Taxi vor ihm verschmähen. Die Kollegen 1 und 2 scheinen sich nicht zu interessieren und bleiben im Wagen sitzen, Kollege 3 meint auf Nachfrage verwundert:

„Wat weiss ich denn, warum die hier so einen Stress machen?“

Dann nimmt er einen Funkauftrag an und fährt davon.

Sash geht zu Kollege 2, in der Hoffnung, seine nette Geste, einem länger wartenden Fahrer die Tour zu ermöglichen, wird erkannt:

„Kollege, bei dir ist doch sicher auch Platz für das bisschen Gepäck der Damen, oder?

Die Kunden sind sichtlich aufgebracht, schielen verächtlich auf das Fahrzeug und beharren auf folgendes:

„Aber wir wollten doch ein Auto für VIER Leute!“

Währenddessen schält sich Kollege 2 aus seinem Fahrzeug und fängt an, Sash anzupöbeln:

„Was ich nicht verstehe: Wieso gehen sie denn nicht zu ihm!?“

und deutet auf Kollege 1. Der bleibt weiterhin im Auto sitzen und ignoriert das ganze Geschehen. Inzwischen wittert Kollege 4 eine gute Chance und fragt nach, ob er eventuell helfen könne.

Während Sash Kollege 4 erklärt, was für ein Auto gesucht ist, redet sich Kollege 2 in Rage über Kunden, die keine Ahnung hätten, aus völlig unerklärlichen Gründen nach wie vor in Richtung Sash. Kollege 4 reagiert erfreut und ruft den Damen zu, sie mögen doch bitte zu ihm kommen, er würde sie gerne mitnehmen. Das wiederum ist für die Kundschaft zu viel. Die Wortführerin beschwert sich nun lautstark, dass sie überhaupt nicht daran denkt, ein anderes Auto als das von Sash zu nehmen und wie unverschämt es sei, dass ihr dieser Wunsch verwehrt würde.

„Natürlich können sie bei mir einsteigen, ich wollte doch nur…“

„Glauben sie, wir wollen in so ein tiefes Auto einsteigen? Da kommen wir doch nicht mehr raus. Eine Frechheit ist das hier!“

Mit Zähneknirschen murmelt Sash ein paar einladende Worte und geleitet die lustig erregte Truppe über die Straße zu seinem Auto. Kollege 1 verharrt weiterhin in seinem Fahrzeug und Kollege 2 ruft Sash beleidigt hinterher, dass er die Tour ruhig fahren soll. Kollege 4 gibt langsam sein Betteln um Aufmerksamkeit auf, während Sash unter empörtem Fluchen auf die ach so schlimmen Berliner Taxifahrer das Gepäck einlädt…

3. Akt (Auflösung)

Mit durchaus ambivalenten Gefühlen nimmt Sash zur Kenntnis, dass es sich um eine lukrative Tour bis nach Buckow handelt. Während der Fahrt gelingt dann die teilweise Aufdröselung des Durcheinanders, und Sash findet mit seiner Bitte Gehör, doch beim Schimpfen auf die bösen Taxifahrer wenigstens diejenigen auszuklammern, die versuchen, irgendwie zu helfen.

Das Schauspiel endet letztlich unblutig mit einem durchschnittlichen Trinkgeld für Sash und einer Truppe von Kunden, die ab jetzt der Meinung sind, die Taxifahrer am Ostbahnhof streiten sich, um zahlende Fahrgäste loszuwerden.

Kollege 1 wacht eine halbe Stunde später auf und erzählt von einem irren Traum mit vier Rentnerinnen. Kollege 2 ist die restliche Schicht noch sauer über die blöden Kunden und hofft vergeblich, die Fahrt wäre unter 8 Euro geblieben, während Kollege 4 sich fragt, was er eigentlich falsch gemacht hat.

Da soll mir nochmal einer sagen, dass das ja alles so einfach ist…

Öffnungszeiten

Ich bin ein bisschen geplättet vom Arbeiten. Spaß hin oder her, irgendwann isses mal gut. Aber mein Tagfahrer hat über Ostern ein paar freie Tage, da nutze ich es mal, das Auto mitnehmen zu können.

Für längere und geistig höherwertige Ergüsse fehlt mir, gerade frisch aus dem Bett gefallen, der Sinn. Deswegen nur ein kurzer Dialogfetzen von heute Morgen.

Die werte Kundschaft streitet sich über die Frage, ob sie noch was einkaufen sollen. Die Sonne war längst aufgegangen, ein strahlender Frühlingstag stand bevor. Und dann fragt mich jemand:

„Sagen sie, meinen sie, die Geschäfte haben schon offen? Wann glauben sie, machen die auf?“

„Am Ostersonntag?“

Ich glaube, tatsächlich den Begriff „fetter Fail“ von der Rückbank wahrgenommen zu haben.

Naja, letztlich haben wir dann an der Tanke angehalten…

Taxi-Service: Ostervorhersage

Ich hab gestern mal ein paar Kollegen nach ihren Erwartungen bezüglich der verbleibenden April-Woche befragt. Insbesondere, weil bei mir die letzten Jahre die Osterferien echt mies waren. Damit alle Kollegen etwas davon haben, möchte ich die Vorhersagen mal wiedergeben.

Kollege 1:
Ostern ist immer super! Die Feiertage werden sicher umsatzstark. Klar, nächste Woche ist dann etwas schwächer, aber bei so schönem Wetter wird das durch die Touristen trotzdem gut bleiben.

Kollege 2:
Ostern ist bei mir eigentlich noch nie gut gewesen. Jetzt am Donnerstag und Freitag geht ja noch, aber am Samstag mach ich frei. Hab ich letztes Jahr gearbeitet: Nie wieder! Nächste Woche arbeite ich nur, wenn es sich lohnt. Ach, wird wahrscheinlich eh nix…

Kollege 3:
Nächstes Wochenende ist wegen dem Rückreiseverkehr natürlich bestens! Davor hoffe ich, ich komme auf meinen Hunni.

Kollege 4:
Ich fahr eigentlich nur Sonntag und Montag, aber da ist sicher nicht viel los.

Kollege 5:
Letztes Jahr war das Osterwochenende bei mir die beste Zeit gewesen. Nur die Ferien sind nicht so gut…

So, damit sind dann wohl alle Klarheiten beseitigt, oder? 😉

Zu wenig

Ich bin manchmal wirklich eklig nett. Eigentlich völlig ungeeignet, um vernünftig Geschäfte zu machen. Also in vielen Punkten bin ich da ja schon stolz drauf, und ich finde nach wie vor, dass der Taxi-Branche ein wenig mehr Dienstleistung und etwas weniger Egoismus gut tun würde. Aber manchmal denke ich dann auch, dass ich eigentlich dämlich bin.

Die beiden Jungs am Frankfurter Tor schienen sich nicht so wirklich sicher zu sein, ob sie ein Taxi nehmen sollten. Eine Hand hat gezuckt, ich hab leicht gebremst, Blicke wurden ausgetauscht, ich löste die Bremse, das Gesicht wurde länger, ich bremste wieder stärker… manchmal hat man es ja auch nicht einfach. Dass der Kollege direkt vor mir die beiden nicht wahrgenommen hat, wundert mich nicht.

Aber als ich dann dastand, war ja alles gut. Die Nacht lief bescheiden wie immer in den Osterferien, und hey: Winker! Also eigentlich ja eher Zucker…
Das nähere Betrachten der beiden weckte dann aber auch wieder Argwohn in mir. Mit Bierflaschen hab ich jetzt persönlich kein so großes Problem, das ist mit einer Ermahnung bisher immer gut gegangen. Aber die beiden hatten ausgerechnet noch Döner dabei. Verdammt! Und ich meine jetzt nicht eine stolz befüllte dünne Plastiktüte mit Dönern drin, sondern abgenagte Teigfladen ohne den Hauch einer Serviette. Hmm, was mach ich jetzt? Ich meine, ich Idiot hab ja auch noch selber angehalten…

„Entschuldigen sie, ist der dem vielleicht ok mit den Kebaap oder besser nicht?“

Nüchtern übrigens. Nur Schweden.

„Ist nicht wirklich gut, ist es nicht? Mit den Kebaap?“

Ach Jungs, für die nette Nachfrage und die niedliche Aussprache machen wir mal eine Ausnahme. Enttäuscht mich nicht!

Ich hab sie natürlich trotzdem nochmal eindringlich ermahnt, dass ich das nur so locker sehe, so lange davon nix an den Sitzen landet.

„Das ist sehr nett von ihnen. Viele Dank für nehmen uns mit den Kebaap! Wir müssen in den Koppenstraße nicht weit.“

Und was mach ich? Nach 40 € Umsatz in 5 Stunden? Bei zwei angetrunkenen Schweden mit Döner in der Hand?

„Machen wir Kurzstrecke, oder?“

Ich sag es ja: Manchmal ist es widerlich mit mir. Schlimmer noch: Die beiden wären von sich aus nie auf die Idee gekommen!
Allerdings war die Fahrt wirklich angenehm. Beide hielten sie ihre Döner ehrfurchtsvoll fest und dankten mir, dass ich sie trotzdem mitnehmen würde. Der Geruch hat mich dann auch noch hungrig gemacht, aber da wusste ich, dass der bei offenen Fenstern schnell wieder weg ist. Die beiden haben wirklich keinen Krümel hinterlassen, keinen Tropfen Bier, ja nicht einmal die obligatorische Haargel-Schleimspur an der Seitenscheibe.

„Was soll es jetzt kosten?“

„Vier Euro. Kurzstrecke eben.“

„Oha! Vier Euro. Das ist zu wenig!“

Meine Rede 🙂

Und so sind dann doch noch 6 € daraus geworden. Irgendwann werde ich es noch bereuen, so viele Zugeständnisse zu machen. Bei denen war es schon ok.

„Und haben sie den Dank, dass sie uns genommen haben mit…“

Mit Kebaap, ich weiss…

Kopfstand?

Interessanter Anblick am schlesischen Tor gestern Abend:

In Kreuzberg aufs Kreuz gelegt, Quelle: Sash

In Kreuzberg aufs Kreuz gelegt, Quelle: Sash

Allerdings war das Ganze wohl nur die Kulisse eines Filmdrehs. Bei allem Wissen um den Unfallschwerpunkt schlesisches Tor: Sich da aufs Dach zu packen, ist dann doch schon wieder Kunst… 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Bonne nuit!

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann dass es kein Fehler war, Französisch in der Schule abzuwählen. Französisch ist zweifellos eine wunderschöne Sprache, mir persönlich liegt sie allerdings gar nicht. Theoretisch hätte ich an meiner Schule sogar das französische Abi machen können, bei mir war es aber eher so, dass mich die ein oder andere Stunde histoire etliches Geschichtswissen gekostet hat, anstatt es mir näherzubringen.
Ich stehe im Allgemeinen mit der Grammatik ein wenig auf Kriegsfuß, und das wird der Grund sein, weswegen ich mich mit Englisch zwar anfreunden kann, Französisch aber immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.*

Aber eines muss man dieser Sprache lassen: Richtig ausgesprochen ist es die beste Form, Einladungen ins Schlafgemach glaubhaft zu machen.

Nun, ganz so zügellos geht es meinem Taxi dann auch nicht zu. Aber ich hab mich dazu breitschlagen lassen, ein paar Worte auf französisch zu reden mit der reizenden jungen Dame, die in ihr Hotel gebracht werden wollte. Also sind wir ehrlich: Einen wirklich holperfreien Satz hab ich allenfalls zur Verabschiedung zustande gebracht (manche Dinge vergisst man halt doch nie) – aber es hat tatsächlich ein wenig Spaß gemacht. Und ein paar Worte haben die 7 Jahre Unterricht dann ja doch hinterlassen. Während ich in Spanien wirklich ausschließlich zwei Bier bestellen kann, kann ich in Frankreich schon erklären, dass ich mit dem Auto da bin und lieber etwas alkoholfreies hätte.

Aber wir (will heißen: Sie) hatten schon einiges zu lachen. Am Ende hat sie zusätzlich zu ihrem netten Trinkgeld noch im Geldbeutel gekramt, eine Münze rausgeholt und sie mir mit einem umwerfenden Lächeln in die Hand gedrückt:

„C’est pour toi, mon ami. Pour collectionner. Bonne nuit.“

Ganz ehrlich: Obwohl ich jedes Wort verstanden hab, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Rrrr!

Was die Münze angeht, hatte ich ja auf einen Franc gehofft, wäre ja wirklich nett, eine nicht mehr im Umlauf befindliche Münze zu erhalten. Aber leider war meine wohlwollende Kundin wohl aus der Schweiz.

Aber wenn ich gerade dabei bin:

Zut alors! Trop tard pour écrire des textes longues… Bonne nuit, mes copains!

Wer in den Sätzen Fehler findet, darf sie gerne behalten. Ich kann schließlich gar kein Französisch und hab es jetzt nicht überprüft.

*Hey, an diesem bewusst zweideutigen Wortspiel hab ich hart gearbeitet – also lacht bitte auch! 🙂