War schon reichlich verstrahlt, das Pärchen, das am Wochenende zu einer recht fortgeschrittenen Uhrzeit in mein Taxi fiel.
„Naaa-ause!“
flötete sie aus dem Hintergrund. Als er dann endlich auch im Auto saß, herrschte erst einmal Stille.
„Naaa-ause!“
artikulierte sie noch einmal. Daraufhin mischte er sich ein:
„Sagen sie mal, hat sie ihnen wirklich nur „nach Hause“ gesagt?“
Die Spielregeln waren erstmal klar: Sash ist der mit dem Durchblick, die Kunden sind die mit dem Hundeblick. Nun gilt es, möglichst gemeinsam an ein noch zu definierendes Ziel zu gelangen. Hat nach den ersten Anlaufschwierigkeiten auch hervorragend geklappt, sie ließen sich eine eindeutige Adresse entlocken und das ist ja quasi schon die halbe Miete. Womit die ersten 2 Minuten Fahrt unterhaltungstechnisch verbracht wurden, weiss ich nicht mehr. Hellhörig wurde ich (wahrscheinlich wegen meiner eigenen Hochzeitspläne), als er meinte:
„Ja Schatz, ich würde dich aber trotzdem zu meiner Gemahlin nehmen!“
„Ja, weil ich so schöne Titten hab!“
Ich möchte an dieser Stelle einmal anmerken, dass ich nun wirklich nichts für die Ausdrucksweise meiner Gäste kann…
Auf diese Aussage von ihr (sie sollte diese in den nächsten Minuten noch etwa 25mal wiederholen) hörte man von ihm ein kleinlautes:
„Ja, und…!?“
„Und ’n geilen Arsch!“
proletete es aus ihrer Richtung. Seine Antwort war denkbar simpel:
„Genau!!!“
Das war so weit schon ganz unterhaltsam, wurde aber langsam ein wenig ins Groteske verzerrt, als sie es wie eingangs erwähnt mehrfach wiederholte. Wie immer in Situationen, die man eigentlich nur noch durch Schweigen wieder geradebiegen kann, wählte sie die Möglichkeit, das Gesagte zu unterstreichen:
„…und schlau bin ich auch ganz arg. Ich hab schöne Brüste, ’nen geilen Arsch und bin schlau. Und schöne Titten hab ich auch!“
„Schatz, Brüste und Titten sind im Zweifelsfall das selbe!“
„Was?“
Ich hab es mir nicht verkneifen können:
„Na, das Gedächtnis scheint dagegen nicht mehr das beste zu sein…“
Überspringen wir kurz die Stelle, als mir von seiner Seite aus nahegelegt wurde, ja nicht zu widersprechen und kommen wir gleich zu dem Punkt, an dem wir den Einsatzwagen der Polizei überholt haben.
„Ey, ich pöbel die jetz einfach an!“
„Bitte ni…“
„EYÖÖÖHEEYYY!!! IHR!!!“
Meine kurzfristige Geschwindigkeitsübertretung um außer Hörweite zu gelangen, war wahrscheinlich für alle Beteiligten das Beste. Dummerweise war die nächste Ampel rot. Zunächst sah es gut aus. Madame beschäftigte sich wieder mit ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen, was jetzt nicht unbedingt schlimm sein muss. Nicht unbedingt. Sie kam allerdings auf die famose Idee, sie müsste nun der inzwischen hinter uns ebenfalls haltenden Staatsgewalt… naja, ihre „Heiratsgründe“ zeigen.
Sie hatte sich bereits aus Gurt und Sitz befreit, das Fenster geöffnet, als ich ihren Verlobten („Ja schöner Ring, ich muss aber fahren!“) daran erinnert habe, dass die Anschnallpflicht auch im Taxi gilt, und ich es nicht für besonders clever halten würde, wenn seine bald Angetraute nun… und die hing tatsächlich schon aus dem Fenster und war fleissig am Hochkrempeln.
Mit vollem Krafteinsatz schmiss er sich an den quasi dritten Heiratsgrund seiner Liebsten (nein, nicht an die Schlauheit!) und zerrte sie unsanft wieder rein. Der Rest der Fahrt verlief dann wenigstens ruhig und angeschnallt. Und die Ordnungshüter haben sich (sehr zum Bedauern der stolzen Braut) auch nicht übermäßig für ihre Eskapaden – und natürlich ihre Brüste – interessiert. Puh!
Seien wir mal ehrlich: Glückliche Pärchen können einem auch ganz gewaltig auf die Nerven gehen! 😉