Strich 30

Andreas hat mich folgendes gefragt:

Salü aus dem Süden der Republik,

Nahm heute in Berlin vom Café Einstein ein Taxi nach Tegel. Als die Fahrerin in allen 30er Zonen Strich 30 fuhr, kam ich mir irgendwie verarscht vor 😉

Besonders weil sie sonst ausnehmend aggressiv fuhr.

Was sagt mein Favoriten Taxi Blogger dazu? 😉

Vg Andreas

Also ich sehe da kein Problem, ehrlich gesagt. Wir müssen uns schließlich auch an die Regeln halten.

Es sind zwar einige Fahrer wirklich wie die gesengten Säue unterwegs, allerdings darf man nicht vergessen, dass unser P-Schein bei weit weniger Punkten nicht verlängert wird, als man braucht, um den Führerschein an sich zu verlieren. Insofern bin ich eigentlich verwundert, dass so wenige Taxler recht vernünftig fahren.

Wenn die Fahrerin jetzt sonst eher zu schnell unterwegs war, dann hätte ich dafür sogar einen Erklärungsansatz: Ich bin auch daran gewöhnt, dass 50 km/h erlaubt ist (obwohl das in Berlin nur auf einem kleinen Teil der Straßen stimmt) und da fahre ich nach Gefühl und sehe nur selten auf den Tacho. Wenn ich jetzt aber in eine 30er-Zone wechsel – gerade auf großen breiten Straßen, wo vielleicht nur zeitweise Tempo 30 gilt – sehe ich eher mal nach, ob ich die Geschwindigkeit richtig einschätze. Und hey: In Berlin beeinflusst die Fahrtgeschwindigkeit immerhin nicht den Preis!

Die 5 besten Methoden, ein Taxi heranzuwinken

„Ein Taxi heranwinken“ klingt so einfach, so banal. Aber jeder, der das zum ersten mal macht, fragt sich: „WIE soll ich das tun?“ GNIT leistet hier gerne Aufklärungsarbeit und stellt die 5 erfolgversprechendsten Methoden vor:

Methode 1 – Street Running

Ein Klassiker, der garantiert immer gelingt! Beim Street Running sucht ihr euch ein Taxi aus – egal ob frei oder besetzt – und nehmt es ins Visier. Je nach Geschwindigkeit und Umgebungsverhältnissen (etwas Training, z.B. auf dem elterlichen Hof oder der nächsten Autobahn schadet nie!) rennt ihr frontal auf die Fahrbahn und damit das Taxi zu. Wichtig ist dabei, mit den Armen wild und ohne Grenzen umherzuwedeln. Ein gebückter Gang, bei dem die Arme zudem gelegentlich den Boden berühren, lässt euch aussehen wie einen Orang-Utan. Das beeindruckt Taxifahrer ungemein – denn wer hätte nicht gerne einmal eines dieser drolligen und leider gefährdeten Tierchen als Beifahrer? Eben.

Sollte der Taxifahrer dennoch ausweichen, versucht ihm den Weg zu versperren, gerne auch unter Einbeziehung lautstarker Artikulation. Auch hier schadet ein wenig Abgucken bei Menschenaffen kein bisschen!

Methode 2 – Aktionsloses Rufen

Das aktionslose Rufen ist nicht ganz so vielversprechend wie das Street Running, beinhaltet allerdings gleich eine Fahrerauswahl. Dazu stellt ihr euch an einen belebten Platz und ruft einmal ganz laut: „TAXI!“. Gebt den massenhaft vorbeifahrenden Taxifahrern ja keinen weiteren Anhaltspunkt. Man muss dieses Ritual ggf. ein paarmal wiederholen, bis tatsächlich jemand hält, dafür kann man sich aber auch sicher sein, dass man keinen müden Dauerschläfer erwischt, sondern einen Fahrer, der in allen Situationen seine Sinne geschärft hat. Oder wenigstens einen, der im richtigen Moment in die richtige Richtung geguckt hat. Ist ja auch was wert.

Methode 3 – Pfeifen

Das Pfeifen ist ein zeitloser Klassiker unter den Methoden, sich ein Taxi heranzuwinken. Es wird vielfach in Hollywood-Filmen praktiziert und damit ist das meiste gesagt: Wer, wenn nicht ein Filmstar, weiß, wie man ein Taxi bekommt? Der Vorteil am Pfeifen ist ebenso wie beim aktionslosen Rufen, dass man in Sekundenbruchteilen die Aufmerksamkeit aller Taxifahrer im näheren Umfeld hat. Gut, zugegeben: Auch die Aufmerksamkeit sämtlicher Hunde, Frauen und – je nach Tonlage und Meeresnähe – sämtlicher Delfine. Umso größer ist die Auswahlmöglichkeit! Wichtig ist natürlich auch hier, sich nicht vorschnell zu verraten. Erst einmal Ruhe bewahren, die entstehenden Auffahrunfälle ignorieren und die Frauen beiseite treten. Wenn alle allzu schnell wieder abhauen, kann man sich ja auch für eine der anderen Methoden entscheiden.

Methode 4 – Das schüchterne Zucken

Das schüchterne Zucken ist eher etwas für die Zartbesaiteten, denen Brachialmethoden wie das Street Running nicht liegen. Hierbei stellt man sich an die Straße und wartet, bis ein Taxi in Reichweite ist. Der Abstand darf hier so zwischen 100 und 10 Metern etwa betragen. In dem Moment, in dem man der Meinung ist, dass der Taxifahrer jetzt gefälligst herzuschauen hat, lässt man kurz seine Hand emporzucken. Wichtig hierbei – um die Etikette zu bewahren – niemals die Hand höher als auf Gürtelhöhe steigen lassen. Sollte man dabei unschlüssig sein, sollte man sein Gürtelverhalten überdenken. Erstaunlicherweise gibt es noch immer einige Taxifahrer, die leider kein Verständnis für diese Methode haben und statt auf die Hände der Fahrgäste unnötigen Kram wie Ampeln und andere Autos anstarren. Sollte man so einen erwischen, lässt man ihn besser vorbeiziehen wegen dieser Stillosigkeit. Wenn man es ganz eilig hat, kann man aber – und das ist der Clou – einfach auf Methode 5 umschwenken.

Methode 5 – Traurig hinterhersehen

Methode 5, das traurige Hinterhersehen, deckt gleich mehrere Optionen ab. Zum einen ist es die Notfallvariante, falls all die anderen Versuche aus unerfindlichen Gründen nicht funktionieren. Zum anderen ist es eine Möglichkeit, auch als schüchterener Mensch ein Taxi zu bekommen, ohne Blickkontakt mit dem Fahrer riskieren zu müssen. Zu diesem Zwecke wartet man ab, bis das Taxi an einem vorbeigefahren ist. Im Moment des Vorbeifahrens setzt man ein besonders trauriges Gesicht auf und sichert sich so das Mitleid der Fahrer. Anschließend kann man eigentlich alles machen, was einem gerade so einfällt. Je nach Einschätzung der Situation kann man die Methoden 1 – 4 hier hinter dem davonrauschenden Taxi anwenden, je nachdem, was für einen Fahrer man anzuhalten gedenkt. Selbst für Spezialtechniken wie „wütendes Aufstampfen“ und „Beleidigen der Mutter“, die man normalerweise nur als Strategien für Bewerbungsgespräche kennt, ist hier der geeignete Platz.

Fazit:

Es ist eigentlich ganz leicht, sich ein Taxi heranzuwinken. Ich hoffe, ich konnte mit dem kleinen Ratgeber ein bisschen helfen. 😉

Flughafen reloaded (Uptdate!)

Kleiner Hinweis:

Der Taxiblogger hat heute eine interessante Mail veröffentlicht bezüglich des neuen Flughafen und der Taxiordnung dort, bzw. genau genommen geht es um die Rangeleien um die Organisation und die Kosten. Ich bin leider ein bisschen spät aufgestanden, werde mich aber in den nächsten Tagen – hier oder bei meinen Chefs drüben – auch nochmal damit befassen.

Bis dahin: Ohren steif halten und Trinkgeld geben! 😉

Update: Wie versprochen gibt es die Übersetzung der kryptischen Mail, garniert mit einer Prise Verachtung, drüben im Taxihaus-Berlin:

Neues vom Flughafen BER

Routine

Manchmal hilft vor allem eines: Coolness. Die hatte ich bei einer meiner letzten Fahrten am Wochenende durchaus. Weit mehr aber muss ich sie meinen Mitreisenden zugestehen.

Es war eine dieser typischen schichtverlängernden Touren – wie die polnische Frau und die Festpreisverhandler neulich auch. Eine Tour, die ich eigentlich nicht machen wollte, dann aber doch irgendwie. Mein Feierabend zum Wochenende fällt nun mal gerade auf jene Stunden, in denen sich die meisten potenziellen Taxikunden auf der Straße befinden: In den frühen Morgenstunden. In der Regel fasse ich um 5 Uhr etwa den Entschluss, Feierabend zu machen. Meist hab ich dann beim Versuch, zur Tankstelle zu kommen, schon mindestens eine Winkertour – auf dem Weg zum Abstellplatz kommen meist auch noch welche dazu. Und dann mache ich zwischen 6 Uhr und 6.30 Uhr „wie geplant“ Schluss.

Nun hatte mich eine Fahrt zum Golden Gate getrieben.  Das Auto war betankt und saubergemacht, so langsam wollte ich ernst machen. Ich fuhr die Dircksenstraße Richtung Alex hoch, um dann über die Landsberger schnellstmöglich Richtung Heimat zu kommen. Aber, siehe da: Auch auf der Rückseite des Alexas lassen sich Kunden finden zu dieser Zeit. Ein junges asiatisch aussehendes Pärchen, er eigentlich ganz lässig und cool, sie nur aufrecht, weil er sie mitschleifte. Das Fahrtziel war die Martin-Luther-Straße weit im Westen, also so ziemlich genau in die entgegengesetzte Richtung. War ja klar.

Die Coolness, die Kunden nicht merken zu lassen, dass ich eigentlich anderes geplant hatte, hab ich ohnehin. Das war aber bei weitem nicht das Spannende an der Fahrt. Die beiden waren recht schweigsam. Sie rollte sich mehr oder minder zum Schlafen hinter meinem Sitz zusammen, er lümmelte mit seiner Lederjacke betont cool auf dem rechten Sitz und sah schweigend aus dem Fenster.

Irgendwann dann hörte ich Flaschengeklimper und Raschelgeräusche von der mitgebrachten Plastiktüte. Die letzten Alk-Einkäufe. Ein kleines Bissen hektische Betriebsamkeit auf der Rückbank und plötzlich das schlimmste Geräusch (wenn man explodierende Motoren mal ausnimmt): Würgen!

Mein Blick in den Rückspiegel vermochte mir nicht viel an Aufschluss zu geben – außer eben, dass alles ganz gelassen war. Er blickte desinteressiert aus dem Fenster und sie kotzte in die Tüte, aus der sie eben ein Bier und eine angebrochene Tequila-Flasche befreit hatte. Aha. Natürlich hatte ich „ein wenig“ Sorge, aber ich hab mir gedacht:

„Gut, spielen wir das eben so: Ihr sagt nix, ich sage nix. Am Ende sehen wir dann mal…“

Irgendwann hab ich dann mal kurz eine Nachfrage an die beiden gerichtet, die eher nichtssagend beantwortet wurde:

„Glaubt ihr, das klappt mit der Tüte?“

„Ja, wir haben ja extra eine Tüte.“

Äh!? Ja. Gut.

Als wir am Ziel waren, bin ich natürlich ausgestiegen, weil ich sichergehen wollte, dass auch wirklich nichts passiert ist, aber die lässige Routine der beiden hat sich als beste Umgangsform erwiesen. Sie hielt die Tüte sicher in der Hand, er die Flaschen und das Auto war sauber. Komische Umgangsform mit der Problematik „Kotzen im Taxi“, aber zur Zufriedenheit aller Beteiligter gelöst. Wenn das immer so laufen würde, fände ich Kotzer auch wirklich nicht schlimm. Leider tut es das ja eben gerade nicht

„Dachte, du rauchst…“

Das war die Erklärung des Kollegen, weswegen er am Ostbahnhof direkt nach seiner Ankunft einfach mal an mir vorbeigefahren ist und sich vor mir in die extra für die Busse freigelassene* Lücke gestellt hat.

Was die Definition des in der Taxiordnung vorgeschriebenen „umgehenden Nachrückens“ am Stand angeht, kann man geteilter Meinung sein. Gerade an meiner Lieblingshalte wird das eher locker ausgelegt, was ich persönlich ok finde, da ich mich gerne mal mit Kollegen unterhalte und nicht jedes Mal sofort zum Auto rennen will, wenn sich was bewegt. Allerdings ist der Übergang fließend zu den Kollegenschweinen, die eine der „Abstauberpositionen“ an der gestückelten Halte besetzt halten – in der Hoffnung, so schneller Kundschaft zu bekommen.

Wie gesagt: Da kann es schon mal sein, dass man unterschiedlicher Meinung ist. Aber ich bevorzuge es doch, wenn man bei vermeintlichen Problemen ein wenig kommuniziert und sie nicht gleich mit der Brechstange angeht. Ich bin ja auch noch nicht dazu übergegangen, Kollegen einfach von der Straße zu drängen, wenn sie mich überholen… Davon hielt besagter Kollege nicht sehr viel, er ist eben einfach an mir vorbeigefahren, was letztlich dazu geführt hat, dass ich das erste Mal dieses Jahr die Hupe verwendet hab.

Er hat mich dann zerknirscht und kleinlaut vorziehen lassen, sichtbar davon überzeugt, trotzdem aber Recht zu haben. Aber für sowas gibt es ja die Arschlöcher-Kategorie in diesem Blog 😉

*ist gerade alles ein wenig seltsam am Ostbahnhof wegen der Baustelle.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Car2Go, Carsharing und so…

Jan hat mir vorher folgende Mail geschrieben:

Moin Sash,

ich bin zwar einer Deiner stilleren Leser, aber immerhin treu. 🙂

Jetzt habe ich aber doch mal eine Frage. Wie stehst Du als Taxifahrer eigentlich zu Angeboten wie Car2Go? Also Carsharing mit Autos, die ortsunabhängig sind?

Bin gespannt

Also zunächst wollte ich danke sagen, denn durch diese Mail ist mir wieder eingefallen, dass ich vor Jahren im Stuttgarter Bürgerbüro diesen tollen Satz „Das Fahrzeug ist ja standortgebunden.“ gehört habe – einer der Punkte, weswegen ich mich dazu entschieden haben, über belanglose Kleinigkeiten zu bloggen, die vielleicht erst beim zweiten Mal lesen lustig sind 🙂

Nun aber zum Carsharing:

Eine besonders von meinem Beruf abhängige Meinung hab ich dazu nicht. Ich denke mal, die Frage zielte darauf ab, ob ich diese Angebote als Konkurrenz zum Taxigewerbe sehe. Das tue ich nur zu einem kleinen Teil. Sicher wird hier und da mal eine Taxifahrt wegfallen, weil einer mehr sich an Car2go beteiligt. In der gesamten Menge schätze ich die „Gefahr“ allerdings gering ein. Es gibt Taxis noch, obwohl es Privatautos, Fahrräder, Flugzeuge, Züge, Straßenbahnen, Busse, Kutschen, Fähren und nun eben auch Carsharing gibt. Wie ich ja schon oft in diesem Blog geschrieben habe, besteht ein großer Teil der Dienstleistung Taxi in der Anwesenheit des Taxifahrers selbst. Wir werden beauftragt, wenn wir schnell vor Ort sein müssen, wenn der Fahrgast nicht fahrtauglich ist, wenn man ein bisschen reden will, wenn noch Gepäck getragen werden muss, wenn man keinen Parkplatz suchen will etc.

Carsharing schließt zweifellos eine Lücke im breiten Angebot der Mobilität heute, als Konkurrenz sehe ich sie nicht unbedingt. Da ist die Konkurrenz innerhalb des Gewerbes viel heftiger.

Und was halte ich nun davon?

Ich finde es persönlich eine gute Idee. Es stehen so unglaublich viele Autos in Deutschland einfach nur blöd rum und verrosten lange bevor sie wirklich ausgedient hätten. Wer für sich nicht jeden Tag und rund um die Uhr ein Auto braucht und es auch nicht liebevoll individuell zumüllen will, der ist doch ganz gut bedient damit.

Im Interesse der Umwelt wäre es ja zweifelsohne schön, die Zahl der produzierten Autos zu senken und diese dafür auch auszulasten. Da ist Carsharing sicher ein guter Ansatzpunkt.

Ob das Angebot nun für einen persönlich attraktiv ist, das muss natürlich jeder selbst wissen. Ich z.B. würde das für mich eher negativ beantworten. Ich brauche zum einen wahnsinnig selten ein Auto für größere private Touren – mir reichen da die Angebote der gängigen Vermietungen. Außerdem hab ich mit dem Taxi (wenn auch zeitlich eingeschränkt) ja für Kleinigkeiten wie Einkäufe notfalls eines zur Verfügung.

Also meiner Meinung nach gibt es daran nichts auszusetzen – auch als Taxifahrer nicht.