Fünf. Und. Zwanzig. Tausend.

Nein, die Überschrift hat leider nix mit meinem Verdienst zu tun. Ich wünschte es mir sicher mal, aber in der Regel lasse ich sogar Fahrgäste einfach aussteigen, die mal eben 100.000 € mit sich durch die Gegend schleppen

Aber es ging wirklich nicht ums Geld, sondern um ISO-Werte. Mein Fahrgast stieg mir am Berghain ein, wollte kurz nach Hause und anschließend zurück. Das passiert bisweilen, meist sind es Clubgänger mit Geldsorgen. Er jedoch berichtete mir, dass er gar nicht so ein x-beliebiger Besucher wäre, sondern der Einzige, der im Berghain auch offiziell fotografieren dürfte.

Ich erfuhr von ihm, dass es im Berghain ungern gesehen wäre, wenn fotografiert würde. Im Grunde nicht weiter verwunderlich, ist der Club doch auch überregional bekannt für mehr oder minder wilde Orgien. Und das – wenn ich das meinem Fahrgast glauben darf – ist auch der Grund, weswegen man dort keine Fotos schießen darf oder sollte: Die Leute sollen tun und lassen können, was sie wollen, ohne dabei Sorgen zu haben.

Er aber ist wohl mit den Inhabern bekannt gewesen und hatte nun nach langer Abstinenz mal wieder vor, Fotos zu machen. Der Grund: Er hatte eine neue Kamera. Eine nagelneue Canon, die eine Empfindlichkeit von ISO 25.000 hat…

Im Gegensatz zum oben verlinkten Cello mit wesentlich mehr Wert hätte ich lieber dieses Schmuckstück entwendet!

Denn als Nachtschichtler hat man es schwer mit Fotos. Ich würde gerne mehr fotografieren, aber ich kann ja schon von Glück reden, dass meine Digicam es bis ISO 1600 schafft. Bilder von bewegten Objekten bei Nacht sind dennoch schwierig festzuhalten. Kameras, die in der Nacht gute (nicht verrauschte) Fotos machen, sind selten. Sein Teil wäre mir zwar zu groß gewesen, aber ich hab mitfühlen können, wieso es ihm jeden einzelnen der 2.000 € wert war…

Er hat dann während der Fahrt einfach so ein paar „Schnappschüsse“ aus dem fahrenden Taxi heraus geschossen… verdammt, ja: Ich bin neidisch!

Bahnföhrer

Manchmal hab ich ja mehr oder weniger frustrierte Bahngäste an Bord. Der hier war eher belustigt. Und das hatte auch einen Grund. Sein Zug hatte Verspätung. Das wurde auch durchgesagt, leider hat das Mikro manchmal den Dienst versagt. Und so verschluckte es an etwas ungünstiger Stelle wohl das Wort „Zug“:

„Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden sie sich bitte an den …Führer.“

Prompt schreckte eine alte Dame hoch:

„Was, der lebt noch!?“

Ich hätte  ja auch gelacht, ganz ehrlich! 🙂

Furchtbare Tragödie!

Er war ein bisschen ein schräger Vogel, aber einer von der ganz lieben Sorte. Ein bisschen Alt-Rocker, ein bisschen über 50 und ein bisschen angetrunken. Er winkte mich zu sich an den Straßenrand und gab als Fahrtziel an:

„Einfach gradeaus!“

„Wie weit etwa?“

„Puh, so bis Allee der Kosmonauten…“

Ich frage das bei unklaren Zielangaben gelegentlich, auch um den Leuten noch eine Chance mehr zu geben, sich an die Kurzstrecke zu erinnern. Manchmal frage ich ja auch selbst nach – obwohl ich das nicht müsste. Er war so ein Fall, bei dem ich mir vorstellen hätte können, dass er erst die Ansage vergisst und nachher überrascht ist, dass sein Geld nicht reicht.

Aber auch ich vertue mich gelegentlich bei der Einschätzung – sowohl von Leuten als auch Strecken – und die Fahrt kostete am Ende acht Euro. Wir standen inmitten einer neuen Wohnsiedlung und er hatte mir bereits erzählt, dass er auf seine alten Tage, nach dem Auszug des Sohnes, doch noch eine Eigentumswohnung erworben hat. Keine Story von Reichtum und Glück, mehr eine von verpassten Chancen, kleinen Freuden und langen Wegen zur Vernunft. Ein Soziogramm, 3 Kilometer lang, mittelschwer und irgendwie hat ihm das wohl ganz gut getan. Die einen freuen sich über anonymen Sex in bestimmten Clubs, andere quatschen sich gerne anonym aus – auch ein Anwendungsgebiet von Taxen.

Er wollte mir seinen letzten Zehner vermachen, den er schon vor Fahrtbeginn artig aus der Brieftasche gezogen hatte. Und jetzt nicht fand.

Natürlich nur vorübergehend. Dass ich am Ende mein Geld kriegen würde, war mir gleich klar. Im schlimmsten Fall mit etwas Wartezeit als Bonus, weil er kurz in die Wohnung sprintet, vielleicht auch mit drei Euro extra für eine Fahrt zur Sparkasse. Aber eigentlich war ich auch sicher, dass der Zehner irgendwo war.
Ähnlich wie ich trug der gute Mann eine Funktionsjacke mit zig Taschen und Täschchen, Einschüben und Halterungen. Je nach Kreativität kann so ein kleiner Geldschein da überall landen. Ich hab mein Sprüchlein aufgesagt:

Nur mal keine Hektik – damit fangen wir um die Uhrzeit gar nicht erst an!“

„Ja nee, aber das tut mir jetzt voll leid!“

„Was denn?“

„Na, dass ich hier so ewig suchen muss.“

„Machen sie sich mal keinen Kopf!“

„Nein, du musst ja auch weiter.“

„Ja, aber auf 2 Minuten kommt es ja nicht an.“

„Ach was, das ist doch aber Scheiße jetzt…“

„…“

„Ich bin sonst echt nicht so. Das tut mir so leid!“

„Wie gesagt: Ruhig Blut, checken sie die Taschen einfach der Reihe nach…“

„Ach Mensch, halt mich jetzt bitte nicht für so ein Arschloch!“

„Wieso sollte ich?“

„Na wenn ich dir hier die Arbeitszeit klaue, weil ich mein Geld nicht finde…“

Dieser Dialog ging noch ewig weiter und am Ende hat er doch nur drei Minuten gedauert.

Um es mal klarzustellen: Es ist nicht so, dass ich darum betteln würde, unbezahlt im Auto zu sitzen! Natürlich nicht. Bei so kleinen Verzögerungen ist aber meist das Glück ein viel entscheidenderer Faktor. Seine Tour war ein gutes Beispiel: Ich bin von ihm letzten Endes mit drei Minuten „Verspätung“ gestartet und hab auf meinem Weg nach Hause (kurz Pause machen) noch eine weitere Tour in die richtige Richtung gekriegt. Wäre ich drei Minuten vorher die Rhinstraße entlanggegurkt, hätte ich statt 7,50 € wahrscheinlich 0,00 € verdient auf diesem Weg. So viele Winker rennen gegen Mitternacht nicht durch Marzahn, da mal zwei in Folge zu erwischen, ist Wahnsinn!

Natürlich bin ich froh, schnell wieder wegzukommen. Aber eine wirkliche Katastrophe sieht dann doch anders aus…

Frag den Sash!

Moin, liebe Leserlein!

Dank der Deutsche Welle Blog Awards hab ich gerade hier bei GNIT eine Menge neue Besucher zu vermelden. Aber nicht nur das. Auch Journalisten interessieren sich mal wieder ein bisschen mehr für das, was ich hier so mache. Da ich die Bedingungen für den Journalismus in Deutschland nicht mal eben umkrempeln kann, werde ich wohl damit leben müssen, dass viele nur einen kurzen Blick hier reinwerfen und dann drauf losschreiben. Andererseits nervt es mich, wenn ich irgendwelche falschen Infos irgendwo lesen muss. In der Regel sind das keine großen Dinge, aber vielleicht versteht ihr, dass ich mir ungern ein anderes Geburtsjahr andichten lasse, eine andere Automarke, etc.

Aber das ist nicht das einzige: Viele lesen auch einfach die letzten drei Seiten – und gerade jetzt beispielsweise bestehen die ja auch viel aus Artikeln, die vielleicht gar nicht so repräsentativ sind für GNIT.

Meine Überlegung dazu war, oben im Menü gut auffindbar eine Seite extra für Journalisten einzurichten, auf der ich GNIT und mich nochmal kurz beschreibe und ein paar Links zu gelungenen Artikeln setze (wie ich es ja neulich bei den Lesetipps schon gemacht habe – nur komprimierter)

Und nun wollte ich mal fragen: Ideen? Also an die Stammleser geht natürlich besonders die Frage, welche Artikel bei der Aufzählung nicht fehlen dürfen, von den Neulesern würde ich gerne wissen, ob ihnen irgendwas hier besonders unklar ist.
(Beispiel: Neulich hat mich eine Journalistin nach meinem Alter gefragt und ich hab festgestellt, dass man das auf der Seite echt erst nach sehr langem Suchen findet)

Oder habt ihr sonst Ideen oder Tipps für so eine Seite, vielleicht sogar eigene Erfahrungen? Ich würde mich freuen, hierzu in den Kommentaren ein paar Anregungen zu bekommen. Ich werde manches vielleicht erst auf der Seite selbst beantworten, auf jeden Fall bin ich froh um alles, was gefragt und gesagt wird!

Drei. Zwei. Eins… LOS!

PS: FAQ zum Taxifahren müssen hier nicht unbedingt rein, die sind auch jetzt schon recht umfangreich. Es soll wirklich um GNIT und mich gehen.

MARZAHN !!!

Und natürlich schichtarbeit!!!

Es liegt mir zweifelsohne fern, Kollegen irgendwie zu nahe zu treten, aber sollte ein Stellenangebot wirklich wie folgt aussehen:

Suche mir neue kollege…

bin gerade alleinfahrer !!!
Gesucht wird NACHTFAHRER …
Bitte keine anrufe mit alleinfahre oder sonstiges…..

schichtarbeit, gewechselt wird im berlin – MARZAHN……

AUTO: VW T5, 8 sitzer….. ( grossraum )

Also mal abgesehen davon, dass ich mit meinen Chefs sehr zufrieden bin und nicht über einen Wechsel nachdenke: Das geht doch echt nicht. Und das ist keine Satire! Das ist original und sogar aktuell. Wie hab ich mir da wohl die Lohnabrechnungen vorzustellen…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Er kam HIER her!

Falls jemand nach der irrsten Taxigeschichte sucht, muss er heute bei Torsten im Taxi-Blog nachsehen. Ich vermute stark, dass das der abgefahrenste Beitrag über einen Kunden ist, den ich je gelesen hab. Ein bisschen hab ich noch die Befürchtung, Torsten hat das nur geträumt und im Schlaf geschrieben, aber wenn dem nicht so sein sollte, dann sei hiermit ein herzlicher Glückwunsch ausgerichtet!

taxi-blog.de – Du kommst WO her?

PS: Ja, ich hab mitgekriegt, dass es ein Gastbeitrag ist 😉