Beide in einen Sack …

… und dann draufhauen und nie jemand falsches erwischen.

[Selbst ich muss mich hier mal für die Sprachwahl im Text entschuldigen. Aber sie ist leider real.]

… wie oben genannt in etwa waren meine Gedanken. Bezüglich einer Kundin und eines Kollegen. Und das ist beides nicht sehr üblich, auch wenn ich mich gerne mal über dieses oder jenes ärgere.

Aber es war schon starker Tobak, den mir meine Kundin am Ende der Fahrt aufgetischt hat:

„Da hatte ich ’nen Taxifahrer, der hat gemeint, er müsse mich unterwegs mies anmachen und der meinte beim Bezahlen dann auch noch so zu mir ‚Ey Alte, mein Schwanz is‘ schon ganz hart‘ …“

0.o

Ich hätte an dieser Stelle nicht gedacht, dass ich jemandem nach so einer Erfahrung irgendwelche Sachen übelnehmen könnte. Aber diese Kundin hat es ziemlich gut geschafft:

„Aber hätte ich ja vorher wissen sollen: bei Kanaken oder Negern sollte man halt nicht einsteigen!“

Manchen Menschen wünscht man ja eine gemeinsame WG … oder oben erwähnten Sack.

-.-

Wort gehalten

Sie sagte:

Ich sag immer: Gute Taxifahrer, gutes Trinkgeld! Scheiß Taxifahrer, kein Trinkgeld!“

Na endlich! Ich mache ja keinen Hehl daraus, dass ich etwas unfair finde, dass wir Fahrer im Schnitt irgendwie alle um die 10 – 15% Tip bekommen, wo es doch so unterschiedliche „Kollegen“ gibt. Und – auch wenn ich mich eigentlich auf der sicheren Seite wähne – es wäre eigentlich auch ein tolles Korrektiv, ein Anlass über das eigene Verhalten nachzudenken, wenn man sicher wüsste, dass das Trinkgeld überlegt gegeben wurde. Aber auch ich hatte schon Trinkgeld von Leuten, die mir einen Betrug vorgeworfen haben und erst heute Nacht wieder kein Trinkgeld von total dankbaren Leuten.

Und meine oben erwähnte Kundin?

Hat aus 27,20 € glatte 35 € gemacht. Und danach einen Kerl überredet, bei mir ins Auto zu steigen, weil ich so cool war.

Ich glaube, mit dem System könnte ich mich anfreunden. 😉

Understatement? Kann ich.

Es war eine stinknormale Winkertour. Stinknormaler als stinknormal sogar. Ein Pärchen winkte mich ran, nannte eine Adresse, ich wusste etwa, wo das war. 4 Kilometer, 10 Euro, der Durchschnitt unter den Durchschnitten. Ich brachte sie hin, aber bereits nach den ersten paar Sätzen ist die Konversation zwischen uns abgebrochen und die beiden haben sich fortan untereinander unterhalten. Ich fuhr, flott aber nicht bekloppt. Alles das quadrierte Nichts.

Ich kam dann zum Ende der Fahrt wieder ins Gespräch, denn dort meinte die junge Dame ohne erkennbaren Anflug von Ironie plötzlich:

„I am so happy, that we got this awesome driver tonight! Really, You made my day!“

Da muss man Profi bleiben. Ich hab’s folglich kurz gemacht und ebenso trocken geantwortet:

„That’s what we’re here for.“

Arbeitsmoral auf der Probe

Gestern hat es mich nicht wirklich vor die Türe gezogen. Das Wetter war zwar traumhaft, aber am Ende war es genau das, was ich befürchtet hatte: Der letzte Wochentag der Osterferien – nicht gerade bekannt für gute Geschäfte im Taxi. Und was mir die Kollegen so berichteten … da war ich ganz schnell wieder weg von der Straße. Und ich war mit 9,40 € Umsatz auf 2 Stunden nicht das schlimmste, was in dieser Woche im Berliner Taxigewerbe passiert ist, das kann ich Euch sagen.

Deswegen sollte ich es jetzt am Wochenende besser nicht so schleifen lassen. Ein paar Euro brauche ich dann nämlich schon noch, um auf mein Soll zu kommen. Und nun habe ich dieses Wochenende auch noch sturmfrei … da ist mein innerer Schweinehund leider gerne besonders aktiv.

Also wenn ihr schon immer mal beim Feiern am Wochenende jemanden rumscheuchen wolltet, dann erinnert mich bei Twitter oder Facebook daran, dass ich arbeiten muss. Statt Gemecker nehme ich aber natürlich auch Touren an. 😉

Will ich’s wissen? (2)

Da stand ich also. Mitten in einem Industriegebiet, der Regen wurde stärker und meine Kundin war um’s Eck. Abgehauen? Ich glaubte nicht daran. Sicher, dass sie offenbar kein Geld zum Bezahlen dabei hatte, davon war auszugehen. Aber sie würde ja kaum heulend und brüllend am Telefon hängen und durch den Regen stromern, wenn sie sich nur gerne mal umsonst von A nach B (noch dazu ein äußerst uneinladendes B) hätte bringen lassen wollen.

Als ich gerade ein paar Meter vorfahren wollte, um mal einen Blick ums Eck zu werfen, gab es ein Lebenszeichen von ihr. Nicht das beruhigendste, aber immerhin: eine Autoalarmanlage heulte auf und die Nische, in der sie verschwunden war, strahlte gelb-blinkend rhythmisch auf. Das war mir dann ehrlich gesagt zu sehr Tatort-Klischee, um es noch bedrohlich zu finden. 🙂

Während es aus der Nische hupte und blinkte, nahm ich in anderer Richtung, in 300 Metern Entfernung, eine Bewegung war. Eine trostlos müde Gestalt schleifte sich über den schlecht asphaltierten Boden in meine Richtung. Nicht ganz zombiehaft, aber doch ausreichend ähnlich, um mich zu amüsieren. Die Alarmanlage erlosch, startete kurz darauf erneut und erlosch wieder. Der Zombie kam immer näher. Ich stand inzwischen neben dem Auto und hab eine geraucht. Wenn schon versteckte Kamera, dann will ich wenigstens cool rüberkommen!

Zunächst tippelte ein Waschbär von rechts nach links über die Straße. Der Rücken krankhaft krumm, aber die Reaktion blitzschnell, als ich versonnen zweimal aufs Autodach trommelte. Und schon war er wieder weg! Der Zombie entpuppte sich beim Näherkommen schnell als desinteressierter Hausmeister, ganz offensichtlichen das Vorbild für Scruffy aus Futurama. Als er dann letztlich kraftlos an mir vorbeischlurft, trafen sich unsere Blicke kurz und beide sagten sinngemäß:

„Na, Du hast Dir ja auch ’ne bescheuerte Lokalität zum Arbeiten ausgesucht heute!“

Kurz darauf stapfte meine inzwischen klatschnasse Kundin wieder auf mich zu, offensichtlich unzufrieden. Ich öffnete ihr vorsorglich die Türe und sie nahm die Einstiegsmöglichkeit dankbar an. Ich selbst habe Kundschaft, die noch nicht bezahlt hat, ja auch lieber im Auto als irgendwo in einem Hinterhof.

„Soll es noch wo anders hingehen?“

flüstere ich geradezu.

„Ja, aba ei‘ Moment no‘!“

Weiterhin schluchzte sie vor sich hin und telefonierte. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt Interesse daran hätte, herauszufinden, was Sache war. Da sie aber mit Mühe versuchte, sich mir gegenüber normal zu verhalten, war ich inzwischen sicher, dass mir kein Ungemach drohte. An ihrer Stelle wäre mir vermutlich so langsam komisch vorgekommen, dass der Taxifahrer so ruhig bleibt. Aber für mich war das nur logisch: Zum einen hatte ich sicher 10 Minuten Wartezeit verschenkt, sah aber die Möglichkeit, für die Anschlussfahrt die Uhr mit Einstiegspreis und teureren ersten Kilometern wieder starten und den Verlust so amortisieren zu können. Zum anderen war ein ordnungsgemäßes Ende der Tour überall wahrscheinlicher als hier in diesem trostlosen Hinterhof, der von der Zivilisation so weit entfernt schien wie der Mond, der in diesem Moment hinter dicken Regenwolken gar nix zu melden hatte.

Es dauerte noch rund drei Minuten. Ich saß auf dem Fahrersitz, die Kundin direkt hinter mir. Ihr Gesicht im Innenspiegel erkennbar verheult und von ihrem Smartphone-Display erleuchtet, wenn sie nicht gerade telefonierte. Der Motor summte leise und der eklige Nieselregen plätscherte uninspiriert lautlos aufs Autodach. Gelegentlich schaltete ich den Scheibenwischer ein, einfach um diesen seltsamen Moment dramaturgisch wertvoller zu gestalten.

„OK, wi‘ gehe‘ zu’ück.“

„Zurück? Wieder zur Torstraße?“

„Ja.“

Bevor ich meine Zustimmung äußern konnte, hatte meine rechte Hand das Taxameter wieder eingeschaltet. Sehr gut, so eine zuverlässige rechte Hand zu haben!

Während die Kundin abermals telefonierte, hochaufgeregt und immer wieder mit Phasen des Weinens, fuhr ich recht stumm gen Innenstadt zurück. Mir war klar, dass ich gerade eine Nebenrolle in irgendeinem größeren Drama spielte und dass das eine der Fahrten sein würde, die niemand je schätzen zu lernen würde: Hinfahrt, erfolglos irgendwas versuchen, Rückfahrt. Am Ende sollten es 28,60 € Taxifahrt für ganz offensichtlich nix und wieder nix sein. Im Gegensatz zu so vielen Touren, bei denen man als Fahrer helfen kann oder Leute glücklich machen.

Natürlich war die Frage der Bezahlung immer noch offen. Dementsprechend hätte ich angespannt sein können. Wie bei der letzten Fehlfahrt z.B.
Aber um ehrlich zu sein: Ich war es nicht. Natürlich hätte ich mich aufgeregt, hätte ich das Geld nicht bekommen. Und natürlich wäre die gute halbe Schicht eine beschissene halbe Schicht geworden. Aber mir war das egal. Vollkommen. Vielleicht eine unterbewusste Blockade – ICH wäre es immerhin nicht, der die Nacht flennend durch Berlin rennt. MEIN Tag wäre immer noch besser als ihrer, selbst wenn sie mich jetzt abzockt …

Was für ein Drama sich da zwischen Mitte und Lichtenberg letzten Sonntag abgespielt hat, weiß ich immer noch nicht. Ich will’s vielleicht wirklich nicht wissen. Das Ende für mich jedoch war unspektakulär. Ich hielt, wo mir geheißen wurde, und meine Kundin zückte mit einer beachtlichen Selbstverständlichkeit ihr Portemonnaie, als ich bei 14,60 € die Uhr das zweite Mal an diesem Abend stoppte. Insgesamt 28,60 €, hier sind 30, stimmt so. Mein Tagessoll war damit erfüllt, und das sogar recht früh. Nur tanken musste ich immer noch. Aber irgendwas ist ja immer …

Will ich’s wissen? (1)

Meine letzten Fahrgäste waren vor einem Kilometer erst ausgestiegen und hatten mich an diesem Sonntag auf 50 € Umsatz gebracht. Auf den Punkt genau. Das hätte egal sein können, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Umsatz als Marke zu nehmen, um anschließend das Auto zu betanken. 70 € wollte ich in meiner halben Schicht einfahren, aber ich tanke gerne vor der letzten Tour, falls sie mich in eine Gegend verschlägt, von der aus ich dann weite Umwege zu einer der Erdgas-Tankstellen fahren müsste.

Da schnellte ein Arm hoch und ich legte ein ziemlich apruptes Bremsmanöver auf der Torstraße hin. Aber alles im grünen Bereich: kein einziges Auto weit und breit auf der Straße außer mir. Der winkende Arm gehörte zu einer jungen asiatisch aussehenden Frau und die nächsten zwei Minuten verbrachten wir mit leichten Kommunikationsschwierigkeiten und dem Versuch, das Fahrtziel zu erörtern. So grob war es schnell klar – die Herzbergstraße. Aber welche Ecke da genau war ein bisschen schwierig. Direkt damit zusammenhängend: Was es etwa kosten würde.

Ich taxierte schnell mal 15 €, aber da sie irgendwie verunsichert wirkte, gab ich mal einen Straßennamen ein, der eigentlich weiter weg hätte liegen sollen …

„Naja, eher so 12 bis 13 €.“

Das war es dann erst einmal mit der Unterhaltung, denn sie telefonierte. Und das in – vermutlich – ihrer Muttersprache. Ich verstand kein Wort und wurde aus dem Alltagstrott, den das stumme Fahren halt darstellt, rausgerissen, als sie mir dann plötzlich den Weg zu einer anderen Kreuzung als erwartet wies. Als sie mich dann dort auch noch auf eines der riesigen Industriegelände einbiegen lies, neiget sich die Uhr deutlich über 13 €. Ich hörte die junge Frau am Telefon weinen und neben mir unbekanntem Vokalsalat das Wort „Taxi“ jammern. In der Hoffnung, ihren offensichtlich schlechten Tag ein wenig aufzuheitern, hab ich die Uhr dann bei 14,00 € ausgemacht, obwohl wir noch am Fahren waren. Aber arg weit konnte es auch nicht mehr sein.

Sie lotste mich ein paar hundert Meter zwischen nicht mehr ganz benutzbar aussehenden Industriebaracken hindurch und ich folgte geduldig. Am Ende standen wir im tiefsten Lichtenberg (und doch nicht einmal weit vom Abstellplatz des Autos entfernt) mitten im Hof und sie stieg panisch telefonierend aus.

Nun ist es ja so, dass es bessere Situationen gibt, als als Taxifahrer in einem verlassenen Industriegebiet bei einsetzendem Regen alleine rumzustehen, während die Kundschaft telefonierend flüchtet. Viele Kollegen unterstellen mir gerne Leichtsinnigkeit bei solchen Fahrten, aber ich hab die Lage durchaus vernünftig versucht einzuschätzen. Trotz Dunkelheit hatte ich gute Sicht in alle Richtungen. Mir standen drei Fluchtwege offen und der Großteil meines Geldes war gut versteckt. Und ich behielt meine Kundin vorerst immer genau im Auge, obgleich sie selbst eher verängstigt als gefährlich wirkte. Der Zündschlüssel steckte, der Motor lief und ich hab beschlossen, dass ich jetzt einfach mal abwarte.

In alle drei verfügbaren Richtungen rannte die junge Frau jeweils bis zu 100 Meter weit, nie jedoch außer Sichtweite. Was beruhigend war. Obwohl ich langsam Zweifel hatte: Ich wollte die 14 € von ihr schon haben!

Irgendwann bin ich ihr dann tatsächlich ein paar Meter hinterhergerollt, erst in die eine, dann wieder zurück in die andere Richtung. Sie fluchte und heulte am Telefon und ich wusste so langsam gar nicht mehr, woran ich war. Während ich mich ärgerte, dass sich das in die Länge zog und die Uhr aus war, verschwand die junge Dame plötzlich um eine Hausecke …

Fortsetzung folgt heute Mittag um 15 Uhr.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Findungsreichtum

Glück im Unglück muss man haben. Der Kollege war verzückt: er hatte nach einer trinkgeldlosen Fahrt am Ende des Abends einen zerknüllten Zehn-Euro-Schein im Fußraum gefunden. Mehr als mein ganzes Trinkgeld an dem Abend zusammen. Aber siehe da: nach der Schicht hab ich auch noch Geld im Fußraum gefunden. War nur … wie soll man sagen … quantitativ eher nicht mit einem Zehner zu vergleichen:

Könnte vermutlich nicht einmal beim Materialwert mithalten … Quelle: Sash

Könnte vermutlich nicht einmal beim Materialwert mithalten … Quelle: Sash