Autonome Autos

Thorsten, langjähriger Leser hier, hat mir vor ein paar Tagen einen Link zu einer Meldung bei heise.de gegeben, die sich mit autonomen, also eigenständig fahrenden, Autos beschäftigt. Damit verbunden war eine eher allgemeine Frage nach meiner Meinung und Einschätzung dazu.

Nun. Ich bin natürlich weder Experte für die dort eingesetzte Technik, noch Hellseher. Aber dass das Thema in der Zukunft eine große Rolle spielen wird, scheint klar zu sein. Die Versuche in die Richtung laufen ja schon seit spätestens den 90er-Jahren und ich erinnere mich daran, dass ich schon beim Lernen auf den P-Schein darüber nachgedacht habe, wie lange es Taxifahrer wohl überhaupt noch geben wird.

Ich sehe bei der Sache drei wesentliche Probleme:

1. Die Technik

2. Das Autofahren als persönliche Freiheit

3. Die gesetzlichen Fragen

1. Die Technik

Wie weit die Technik ist, das kann ich nicht sagen. Man hört so viel widersprüchliches, mehr als dass ein komplett alleine fahrendes Auto noch nicht endgültig marktreif ist, lässt sich wohl kaum sagen. Aber technisch ist es nur eine Frage der Zeit. Denn immerhin ist klar: alle Grundlagen dafür existieren. Im Grunde muss alles was da ist lediglich schneller, sicherer, genauer und preiswerter werden. Zumal die meisten Techniken sowieso auch für andere Bereiche entwickelt werden und man da gar nicht nur auf das Engagement bei der Entwicklung der Autos angewiesen ist. Ob die Technik noch 5 oder 35 Jahre braucht, um wirklich besser als menschliche Fahrer zu sein, weiß ich nicht. Aber der Punkt wird kommen. Vor 50 Jahren war auch schwer vorstellbar, dass es einmal Landkarten geben wird, die uns binnen weniger Sekunden die schnellste Strecke zwischen zwei hunderte Kilometer auseinanderliegenden Punkten nennen und uns Anweisungen geben, wohin wir fahren sollen.

2. Das Autofahren als persönliche Freiheit

Hier können wir gleich mit der Vorstellungskraft weiter machen. Für viele ist es heute sicherlich noch undenkbar, das Steuer aus der Hand zu geben. Das Auto ist Fortbewegungsmittel und Statussymbol zugleich und ein nicht unbedeutender Anteil der Fahrer bildet sich ganz schön was auf die eigenen Fähigkeiten am Steuer ein. Aber auch hier: das ist noch nicht lange so und es besteht überhaupt kein Grund, davon auszugehen, dass das ewig so bleiben wird. Wozu es indes führen wird: sollten sich autonome Autos irgendwo durchsetzen, dann tatsächlich eher im Carsharing-/Mietwagen-/Taxi-Bereich. Autos, die man rein zweckmäßig nutzt oder wenn man eigentlich gar keine Zeit zum Fahren hat. Ganz davon abgesehen, dass Fahrer natürlich Geld kosten und – eine entsprechend bessere Technik vorausgesetzt – ein Risiko sind. So sehr ich mich als Taxifahrer über die netten Gespräche mit der Kundschaft freue – am Ende fahren die Fahrgäste, um ans Ziel zu kommen, nicht wegen meiner Person.

3. Die rechtliche Seite

Das ist ein schwieriger Punkt. Wie sich das entwickeln wird, ist schwer abzusehen. Auch hier wird – wie bei den meisten technischen Revolutionen – die Gesetzgebung der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinken und sie entsprechend ausbremsen können. Selbstfahrende Autos sind noch nirgends vorgesehen und es gibt natürlich eine Menge Fallstricke auf dem Weg. Wer haftet für selbst entscheidende Maschinen? Was, wenn sie gehackt werden?
Ich erwarte ehrlich gesagt nicht, dass Deutschland da Vorreiter sein wird. Die Sicherheit wird hier großgeschrieben, da wird es andere Länder geben, die weniger zu verlieren haben. Aber auch dann wird es – vermute ich – eine Frage der Zeit sein. Denn sobald das Konzept irgendwo funktioniert, wird man es erfahren. Vielleicht sind es am Ende ja die Lobbyisten aus der Versicherungsbranche, die den Umschwung bringen. Wäre immerhin mal was neues … 🙂

Mein persönliches Fazit

Ich bin sicher, dass autonome Fahrzeuge irgendwann den Straßenverkehr wie wir ihn kennen, ersetzen oder zumindest dominieren werden. Und ich vermute weiterhin, dass es zu allererst Branchen wie das Taxigewerbe treffen wird. Wann das allerdings passiert – und ob es dann so plötzlich gehen wird, wie Brad Templeton im Heise-Artikel sagt – weiß ich nicht. Ich bange nicht wirklich um meinen Job deswegen, aber ich würde wetten, dass sich die Frage nach einer Beschäftigung als Fahrer in der Generation der jetzt geborenen Kinder nicht mehr stellen wird.

Wird das gut oder schlecht sein?

Ich habe keine Ahnung! War die Erfindung des Autos gut oder schlecht? Mir fehlt allen Ernstes die Vorstellungskraft, um mir diese Welt auszumalen. Aber wir – oder unsere Kinder – werden da reinwachsen. Wir haben es auch geschafft, binnen weniger Jahre damit umzugehen, plötzlich Geräte mit dem kompletten Weltwissen in der Hosentasche mit uns herumzutragen. Und was machen wir? Wir schicken Videos von süßen Kätzchen damit umher. Wer hätte das erahnen können? Und vielleicht fahren die autonomen Kisten dereinst wenigstens weniger Kätzchen über den Haufen.

Teh Parteeey!?

Was viele Berliner ja gar nicht ahnen, ist, wie eigenartig diese Stadt wirklich ist. Ich als Zugezogener und nur mäßig begabter Städtekenner will da jetzt auch keinen vom Pferd erzählen über die vielen interessanten Besonderheiten Berlins. Was aber wirklich für viele Touristen nicht einfach zu begreifen ist, ist die flächige Verteilung dessen, was gemeinhin als „Innenstadt“ gilt. Und tatsächlich liegen hier selbst die drei angesagtesten Clubs (welche immer man da im einzelnen nennen will) ein ganzes Stückchen auseinander. Schlimmer noch: zwischen ihnen liegt nicht einmal immer noch irgendwie belebte Gegend.

Natürlich ist das einer der Gründe, warum in Berlin viel Taxi gefahren wird. Bzw. warum ich als Taxifahrer das so oft zu hören kriege. Aber mich hat’s auch erstaunt, als ich mich ein bisschen mit der Stadt beschäftigt hab. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie irritiert ich in einer meiner ersten Schichten war, als ich entdeckte, dass das pralle Leben am Ku’damm nachts völlig zum Erliegen kommt – weil es halt eher eine Einkaufs- als eine Partymeile ist.

Und nun hab ich – eigentlich schon auf dem Heimweg – am Potsdamer Platz noch Winker gehabt. Zum nh-Hotel „Alexanderplatz“. Schöne Winkertour, zwar nicht übermäßig lang, aber nicht einen Meter abweichend von der Strecke, die ich sowieso fahren wollte. Ich begrüßte die drei jungen Männer wie so viele:

„Hey, guys. Let me guess: The party’s over for tonight?“

Die eher unerwartete Antwort war:

„Party? Tell us were’s teh parteeey!?“

Aber ja, nachts ist der Potsdamer Platz heute noch manchmal so trist wie zu Mauerzeiten. Also bevölkerungsmäßig.

Am Ende habe ich ihnen ein paar noch offene Clubs genannt, war aber froh, dass sie ihren Plan nicht noch einmal geändert haben. Manchmal braucht es halt mehr als einen Abend, um sich daran zu gewöhnen, dass das Clubhopping hier in Berlin auch Taxifahrten einschließt. 🙂

Knallharte Vorteile

„Da, hier! Genau in den Laden wollten wir!“

„Ah, ok. Ich dachte, Ihr meint den hier auf der anderen Seite.“

„Nee. Oder … ist der besser?“

„Keine Ahnung.“

„Na, dann gehen wir hier rein, da krieg ich Rabatt, weil ich heute Geburtstag hab.“

Wer sich so seine Stripclubs aussucht, feiert auch Geburtstag bei McDonald’s, oder? 😉

Neuer Monat und so …

Uff. Zwei Tage Pause. Und das nicht nur beim Bloggen, sondern auch im Taxi.

Dass ich am zweiten Mai auch frei gemacht habe, war so zwar eigentlich nicht geplant – aber der Abend des ersten ist etwas länger geworden und ich musste um ehrlich zu sein erst einmal einen kleinen Kater wegstecken. Viel nerviger als dieser war jedoch, dass ich die ganze letzte Woche nicht sonderlich gut geschlafen hab. Soll ja ein verbreitetes Nachtschichtproblem sein. Ich hatte gehofft, das langsam mal hinter mir zu haben.

Glücklicherweise scheint der Mai es gut mit mir zu meinen. Denn am Ende war ich gestern trotz fehlendem Schlaf und spätem Losgehen kein Bisschen unzufrieden mit der Schicht. Den verlorenen Freitag hab ich natürlich nicht reinholen können, aber überhaupt mein Ziel bei so wenig verbleibender Zeit zu erreichen, war super.

Ich hätte noch ein bis drei Fahrgastgeschichten zu verbloggen, aber darüber denke ich morgen nach. Gestern waren es dreieinhalb Stunden – noch dazu unruhiger – Schlaf. Dass ich jetzt, nach 6 Uhr morgens, überhaupt noch geradeaus gucken kann, ist schon verwunderlich genug, das will ich nicht überstrapazieren.

Jetzt ist nur noch Essen und Bettchen angesagt.

Euch allen einen schönen Sonntag, hier machen wir erst morgen wieder weiter, ok?

Gestern am Telefon

„Moin, Sascha hier. Du, ich wollte nur nochmal kurz Bescheid sagen, dass ich morgen, am ersten Mai nicht arbeite. Also falls Ihr das Auto braucht …“

„Heute auch nicht?“

„Heute ist ja eh Mittwoch. Aber morgen würde ich ja eigentlich …“

„Jo, is‘ aber’n interessanter Tag, das weißte, ’ne?“

Schon. 🙂

Aber der erste Mai ist der einzige Feiertag im Jahr, an dem ich immer geplant freimache. Das hole ich an Silvester wieder rein. Oder so.

Alle Infos zu FAER

Nun ist es so weit: Ab morgen tritt das neue Fahreignungsregister FAER auf den Plan und ersetzt das liebgewonnene Verkehrszentralregister VZR in Flensburg.

Wer sich noch nicht über die neuen Regelungen Gedanken gemacht hat, kann hier bei bussgeldkatalog.org alle Infos bekommen.

Gefunden hab ich den Link im immer lesenswerten lawblog.

Tanzt gut in den Mai – und beehrt das FAER nicht gleich mit Neuzugängen! 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Tagfahrermomente

Ich hab ja wirklich – und das ist kein Scherz! – einen Heidenrespekt vor den Kollegen, die den Job tagsüber machen. Denn abgesehen von den sozial etwas verträglicheren Arbeitszeiten kann ich darin keinerlei Vorteile erkennen. Der Verkehr macht die Fahrten viel komplizierter und zeitaufwändiger und ich würde wetten, die Kundschaft ist keineswegs einfacher. Sicher, das Bangen ums Ins-Auto-Kotzen entfällt vielleicht, dafür entsteht viel mehr Stress durch Gepäck, kurze Touren, schwierige Haltesituationen, eilige Termine, gestresste Leute etc. pp.
Und dem Hörensagen nach ist am Ende der Verdienst durchschnittlich noch einmal schlechter als in der Nacht.

Gewiss ist das eine Gewohnheitssache. Ich hab ja jahrelang in Stuttgart zur Hauptverkehrszeit Behindertenfahrdienst gemacht, dagegen ist die Berliner Rush-Hour gemütliches Cruisen. Und ich hab’s eigentlich gerne gemacht und mich wenn dann nicht über den Verkehr geärgert.

Nun, warum schreibe ich das? Weil mich neulich tatsächlich so ein bisschen Tagfahrer-Feeling gestreift hat. Nicht nur, dass ich meinen Tagfahrer-Kollegen heimgebracht habe und dann sehr früh (und bei Sonnenschein, ih!) angefangen habe. Nein, ich hatte als erste Tour ausgerechnet eine Fahrt, wie sie bei mir – und natürlich ist das meine Klischeevorstellung! 😉 – irgendwie immer ausdenke, wenn ich an die Arbeit während der Sonnenstunden denke:

An einem Taxistand am Straßenrand fuhr gerade ein Kollege weg, dahinter stand ein älterer Mann und winkte mich heran. Er konnte nur schlecht gehen, ich hielt also möglichst passend vor ihm. Noch bevor er einstieg, begann er zu fluchen:

„Haben Sie das gesehen? HABEN SIE DAS GESEHEN?“

„Was denn?“

„Da hat der mir das Taxi weggeschnappt! Dieser Junge Schnösel! Und der Fahrer nimmt den auch noch mit!“

Jetzt aber, glücklich mit eigenem Taxifahrer, beruhigte er sich schnell wieder. Er sagte eine Zieladresse an, für die er wirklich an eine seltsam doofe Ecke gewatschelt war. Also klar, zum Taxistand. Aber 50 Meter vorher hätte er zumindest besser einen der durchaus zahlreich anzutreffenden Kollegen ranwinken können. Er hätte allerdings auch eine Kurzstrecke verlangen können und das hat er auch nicht.

Die eigentlich nur zwei Minuten Fahrt wurden verhältnismäßig kompliziert, damit länger und waren vollständig von seiner medizinischen Geschichte bestimmt. Eine Leistenbruch-OP hätte er bald und er überlege, ob er das wirklich machen sollte. Über die Zahl solcher Eingriffe und der Komplikationen wusste er bestens Bescheid, aber er musste das jetzt loswerden und wollte – natürlich, man nenne mir mal bessere Experten! – einen Rat von mir als Taxifahrer.

„Gut, Sie sind ja nun ooch noch nicht janz so alt wie ich, keine Ahnung, ob sie da eine Meinung haben …“

„Naja, ich hatte immerhin schon eine Leistenbruch-OP.“

„WAS SIE NICHT SAGEN!“

Ihr seht: Ich bin auch für Rentner-Smalltalk bestens gerüstet! 😉

Und dann stand ich wirklich zum Sonnenuntergang am Ende noch 5 Minuten vor der Haustür meines 76-jährigen Kunden und hab mich mit ihm über Schmerzen in den Hoden unterhalten. Und wisst Ihr, was? Es war eigentlich mal eine ganz nette Abwechslung. Und er war danach sichtlich hoffnungsvoller:

„Na wenn dit schon vor 20 Jahren nur eine kleine Sache war, dann glaub ick mein‘ Arzt da besser mal, wa?“

Gut, wirklich neiden werde ich den Tagfahrern diese Kundschaft jetzt nicht unbedingt. Auf der anderen Seite hat mir die Tour am Ende auch gute 2 € Trinkgeld gebracht und das Gefühl, dass unser Job nicht umsonst ist. Und meistens reicht das ja schon, um die Arbeit zumindest mal ok zu finden.