89!

Und wieder ein neues Auto!

Ganz ehrlich, so wirklich einreissen sollte das eigentlich nicht, aber die 72 war in einen Unfall verwickelt und braucht noch ein Weilchen zum Genesen. Also hab ich für diese Woche die 89, was wie immer kein großer Umstieg ist. Auch ein B-Zafira, ausstattungsmäßig in vielen Punkten nicht groß anders als die 72 oder damals die 1925. Vor allem in den wichtigen Punkten (Navi, Taxameter) ist sie identisch.

Sie hat ein paar Kilometer weniger auf dem Buckel (hab heute Nacht die 304.000 voll gemacht) und ist erstaunlich gut in Schuss. Was mir insbesondere in Hinblick auf den CD-Player gefällt, denn der schluckt im Gegensatz zu dem in der 72 alle Discs ohne Murren. \o/

Kleinere Umgewöhnungen sind natürlich auch jetzt wieder nötig, aber wild isses nicht. Der fehlende Stifthalter gehört schon zu den größeren Dingen. 😉
Und an so Dinge wie die Fensterheber hinten könnte man sich ja eigentlich auch gewöhnen.

Naja, dieses Wochenende, danach sollte die 72 wieder da sein.

Liebe Sparkasse,

ich müsste Euch eigentlich ja dankbar sein. Meine letzte Tour ist vier Euro lukrativer als geplant geworden, weil Ihr inzwischen weitgehend flächendeckend nachts Eure Filialen abschließt und ich mit meinen Kunden noch eine Runde zu einer anderen Bank drehen musste. Aber ich bin nicht dankbar.
Mal abgesehen davon, dass auch ich Kunde bei Euch bin – noch dazu einer, der dazu neigt, zu seltsamen Zeiten zur Bank zu gehen – ich finde es auch per se ein Unding.
Worum geht es Euch? Vandalismus? Oder einfach nur um die armen Obdachlosen, die mal eine Nacht in einem eurer Vorräume Schutz vor der Kälte suchen?

Habt Ihr nicht ohnehin jemanden, der morgens vor der Filialöffnung mal durchputzt? Und würde sich nicht sogar in Einzelfällen Wachpersonal finanzieren lassen von den zusätzlichen Transaktionen – zumal in einer Stadt mit viel Nachtleben wie Berlin?

Vor ein paar Jahren noch habt Ihr nachts das Online-Banking geschlossen (WTF?), ich hatte eigentlich die Hoffnung, Ihr hättet es danach halbwegs geschnallt.

Ich als Taxifahrer werde künftig Touristen keine eurer Filialen mehr nahelegen. Ich hab nämlich weder Zeit noch Lust, herauszufinden, welche davon wann warum offen haben oder nicht. Dann kassieren eben die anderen die teils abenteuerlichen Abbuchungsgebühren. Und ich verdiene mein Geld dann halt mit den weiteren Wegen. Unterm Strich seid es also Ihr, die ihr an Image bei den eigenen und an Geld bei fremden Kunden verliert. Hoffe ich zumindest.

Mit, nun ja, Grüßen halt.

Sascha Bors

Neuer Monat und so …

Uff. Zwei Tage Pause. Und das nicht nur beim Bloggen, sondern auch im Taxi.

Dass ich am zweiten Mai auch frei gemacht habe, war so zwar eigentlich nicht geplant – aber der Abend des ersten ist etwas länger geworden und ich musste um ehrlich zu sein erst einmal einen kleinen Kater wegstecken. Viel nerviger als dieser war jedoch, dass ich die ganze letzte Woche nicht sonderlich gut geschlafen hab. Soll ja ein verbreitetes Nachtschichtproblem sein. Ich hatte gehofft, das langsam mal hinter mir zu haben.

Glücklicherweise scheint der Mai es gut mit mir zu meinen. Denn am Ende war ich gestern trotz fehlendem Schlaf und spätem Losgehen kein Bisschen unzufrieden mit der Schicht. Den verlorenen Freitag hab ich natürlich nicht reinholen können, aber überhaupt mein Ziel bei so wenig verbleibender Zeit zu erreichen, war super.

Ich hätte noch ein bis drei Fahrgastgeschichten zu verbloggen, aber darüber denke ich morgen nach. Gestern waren es dreieinhalb Stunden – noch dazu unruhiger – Schlaf. Dass ich jetzt, nach 6 Uhr morgens, überhaupt noch geradeaus gucken kann, ist schon verwunderlich genug, das will ich nicht überstrapazieren.

Jetzt ist nur noch Essen und Bettchen angesagt.

Euch allen einen schönen Sonntag, hier machen wir erst morgen wieder weiter, ok?

Gestern am Telefon

„Moin, Sascha hier. Du, ich wollte nur nochmal kurz Bescheid sagen, dass ich morgen, am ersten Mai nicht arbeite. Also falls Ihr das Auto braucht …“

„Heute auch nicht?“

„Heute ist ja eh Mittwoch. Aber morgen würde ich ja eigentlich …“

„Jo, is‘ aber’n interessanter Tag, das weißte, ’ne?“

Schon. 🙂

Aber der erste Mai ist der einzige Feiertag im Jahr, an dem ich immer geplant freimache. Das hole ich an Silvester wieder rein. Oder so.

Tagfahrermomente

Ich hab ja wirklich – und das ist kein Scherz! – einen Heidenrespekt vor den Kollegen, die den Job tagsüber machen. Denn abgesehen von den sozial etwas verträglicheren Arbeitszeiten kann ich darin keinerlei Vorteile erkennen. Der Verkehr macht die Fahrten viel komplizierter und zeitaufwändiger und ich würde wetten, die Kundschaft ist keineswegs einfacher. Sicher, das Bangen ums Ins-Auto-Kotzen entfällt vielleicht, dafür entsteht viel mehr Stress durch Gepäck, kurze Touren, schwierige Haltesituationen, eilige Termine, gestresste Leute etc. pp.
Und dem Hörensagen nach ist am Ende der Verdienst durchschnittlich noch einmal schlechter als in der Nacht.

Gewiss ist das eine Gewohnheitssache. Ich hab ja jahrelang in Stuttgart zur Hauptverkehrszeit Behindertenfahrdienst gemacht, dagegen ist die Berliner Rush-Hour gemütliches Cruisen. Und ich hab’s eigentlich gerne gemacht und mich wenn dann nicht über den Verkehr geärgert.

Nun, warum schreibe ich das? Weil mich neulich tatsächlich so ein bisschen Tagfahrer-Feeling gestreift hat. Nicht nur, dass ich meinen Tagfahrer-Kollegen heimgebracht habe und dann sehr früh (und bei Sonnenschein, ih!) angefangen habe. Nein, ich hatte als erste Tour ausgerechnet eine Fahrt, wie sie bei mir – und natürlich ist das meine Klischeevorstellung! 😉 – irgendwie immer ausdenke, wenn ich an die Arbeit während der Sonnenstunden denke:

An einem Taxistand am Straßenrand fuhr gerade ein Kollege weg, dahinter stand ein älterer Mann und winkte mich heran. Er konnte nur schlecht gehen, ich hielt also möglichst passend vor ihm. Noch bevor er einstieg, begann er zu fluchen:

„Haben Sie das gesehen? HABEN SIE DAS GESEHEN?“

„Was denn?“

„Da hat der mir das Taxi weggeschnappt! Dieser Junge Schnösel! Und der Fahrer nimmt den auch noch mit!“

Jetzt aber, glücklich mit eigenem Taxifahrer, beruhigte er sich schnell wieder. Er sagte eine Zieladresse an, für die er wirklich an eine seltsam doofe Ecke gewatschelt war. Also klar, zum Taxistand. Aber 50 Meter vorher hätte er zumindest besser einen der durchaus zahlreich anzutreffenden Kollegen ranwinken können. Er hätte allerdings auch eine Kurzstrecke verlangen können und das hat er auch nicht.

Die eigentlich nur zwei Minuten Fahrt wurden verhältnismäßig kompliziert, damit länger und waren vollständig von seiner medizinischen Geschichte bestimmt. Eine Leistenbruch-OP hätte er bald und er überlege, ob er das wirklich machen sollte. Über die Zahl solcher Eingriffe und der Komplikationen wusste er bestens Bescheid, aber er musste das jetzt loswerden und wollte – natürlich, man nenne mir mal bessere Experten! – einen Rat von mir als Taxifahrer.

„Gut, Sie sind ja nun ooch noch nicht janz so alt wie ich, keine Ahnung, ob sie da eine Meinung haben …“

„Naja, ich hatte immerhin schon eine Leistenbruch-OP.“

„WAS SIE NICHT SAGEN!“

Ihr seht: Ich bin auch für Rentner-Smalltalk bestens gerüstet! 😉

Und dann stand ich wirklich zum Sonnenuntergang am Ende noch 5 Minuten vor der Haustür meines 76-jährigen Kunden und hab mich mit ihm über Schmerzen in den Hoden unterhalten. Und wisst Ihr, was? Es war eigentlich mal eine ganz nette Abwechslung. Und er war danach sichtlich hoffnungsvoller:

„Na wenn dit schon vor 20 Jahren nur eine kleine Sache war, dann glaub ick mein‘ Arzt da besser mal, wa?“

Gut, wirklich neiden werde ich den Tagfahrern diese Kundschaft jetzt nicht unbedingt. Auf der anderen Seite hat mir die Tour am Ende auch gute 2 € Trinkgeld gebracht und das Gefühl, dass unser Job nicht umsonst ist. Und meistens reicht das ja schon, um die Arbeit zumindest mal ok zu finden.

Arbeitsmoral auf der Probe

Gestern hat es mich nicht wirklich vor die Türe gezogen. Das Wetter war zwar traumhaft, aber am Ende war es genau das, was ich befürchtet hatte: Der letzte Wochentag der Osterferien – nicht gerade bekannt für gute Geschäfte im Taxi. Und was mir die Kollegen so berichteten … da war ich ganz schnell wieder weg von der Straße. Und ich war mit 9,40 € Umsatz auf 2 Stunden nicht das schlimmste, was in dieser Woche im Berliner Taxigewerbe passiert ist, das kann ich Euch sagen.

Deswegen sollte ich es jetzt am Wochenende besser nicht so schleifen lassen. Ein paar Euro brauche ich dann nämlich schon noch, um auf mein Soll zu kommen. Und nun habe ich dieses Wochenende auch noch sturmfrei … da ist mein innerer Schweinehund leider gerne besonders aktiv.

Also wenn ihr schon immer mal beim Feiern am Wochenende jemanden rumscheuchen wolltet, dann erinnert mich bei Twitter oder Facebook daran, dass ich arbeiten muss. Statt Gemecker nehme ich aber natürlich auch Touren an. 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Feiertage

So, nun ist wieder Ostern. Wie der Name schon sagt, ist das das Gegenteil von Western und entsprechend wenig spannend. Entgegen meiner persönlichen Erwartung allerdings waren die Umsätze beim Arbeiten recht hoch. Am Freitag, frisch genesen dem Krankenbett entstiegen, lag mir nichts ferner, als mich zu verausgaben. Am Ende sollte ich trotz gemütlicher achteinhalb Stunden auf der Straße 20 € über mein eigentlich angedachtes finanzielles Ziel hinausschießen.

Darüber hinaus hatte ich das Auto das ganze Wochenende vor der Haustüre stehen, was mir insgesamt locker anderthalb Stunden Arbeitsweg gespart hat. Dennoch schwierig einzufügen ins Nachtschichtler-Geschehen war dieses „Familie“, das es zu Feiertagen ja bisweilen mitzuerledigen gilt. So hab ich am Samstag morgens nur eine Stunde, und nach einem ausgiebigen Frühstück abends noch einmal drei Stunden geschlafen. Der Eindruck einer ausreichenden Nachtruhe wollte sich nicht so recht einstellen an diesem Punkt.

So habe ich auch die Samstagsschicht mit eher verminderten Erwartungen angetreten, um sie binnen weniger als sieben Stunden als übererfüllt abhaken zu können.

Jetzt, nach der üblichen halben Sonntagsschicht, liegt mir eine Beschwerde jedenfalls fern – obwohl ich das mit der Müdigkeit vermutlich erst durch den Mittagsschlaf während der letzten Stunde endgültig auf Normalmaß einpegeln konnte. Ich wünsche Euch allen noch ein schönes Rest-Ostern und möglichst wenige nicht gefundene Eier in irgendwelchen Nischen. 😉