Wachmacher

„Orr, wenn’s hier nicht bald weitergeht, muss ich noch wegfahren, weil ich pissen muss!“

meinte derletzt ein Kollege am Stand. Scheiß-Situation, kennen vermutlich alle Taxifahrer.

„Aber ohne den blöden Kaffee kriegste die Nacht halt auch nicht durch. Ich bin ja nicht so der Kaffeefreund, aber was willste machen …?“

Ich gehöre zu den vermutlich am Besten angepassten Nachtfahrern da draußen. Ich mache das seit über fünf Jahren, ich wechsele meinen Schlafrhythmus selbst in meiner Freizeit nur sehr selten und bin zudem jung, bekloppt und fröhlich. Aber selbst ich nehme Koffein regelmäßig zu mir, um mich fit zu halten. Allerdings, so hab ich an diesem Abend wieder mal festgestellt, etwas pragmatischer als die Kollegen.

Sicher: sich mal auf einen Kaffee an der Tanke zu treffen ist toll, Gemütlichkeit bla keks. Aber, und diese Ehrlichkeit vermisse ich hier und da  sowohl unter Kollegen, als auch unter Berichterstattern: Koffein ist eine Droge und Kaffee nur ihre bevorzugte Darreichungsform. Natürlich kann Kaffee auch ein Genußmittel sein, ein Gaumenschmaus und eine Kunst, was die Zubereitung betrifft. Aber ja, es gibt auch die gemütlichen Pfeifenraucher in ihren Ledersesseln, die nicht viel gemein haben mit dem Ausmaß der Nikotinsucht hierzulande. Im überwiegenden Fall gehören die ersten ein bis drei Tassen Kaffee jeden Tag für viele Menschen einfach dazu und dienen dem Aufwachen.

Und deswegen sagte ich zu meinem Kollegen:

„Äh, wenn Dir nix am Kaffee an sich liegt: wieso dann nicht Koffein-Tabletten?“

Und er hatte nicht einmal eine Ahnung, dass es sowas gibt.

Ich will jetzt keine Werbung für eine Firma machen – obwohl es meiner Erfahrung nach nur eine zu geben scheint – aber das war wirklich DIE Entdeckung für mich. Eine Tablette statt zweier Kaffee. Von unsagbar blöden Schreibweisen wie Caffè (hat mal einer von Euch das ausgesprochen?) ganz abgesehen. Ohne Nebenwirkungen, die über die des Koffeins an sich herausgehen. Ohne Verschüttungsgefahr transportabel, handlich, bla bla bla. So wenig wie den meisten am Geschmack des Getränks liegt, ist es schon komisch, dass diese Tabletten immer noch eine Insider-Droge für Party-Druffis sind.

Wofür ich allerdings wirklich noch Werbung machen kann: Die Energie-Sticks von Abtei (Ref-Link zu Amazon). Die haben zwar nur einen Bruchteil des Koffeins, dafür – und das ist für uns Hardcore-Junkies nicht uninteressant – vor allem eine ordentliche Dosis Taurin und schmecken dabei nicht einmal wie wiedergekäute Gummibärchen, aka Energydrinks. Und sie sind ebenso leicht in der Handhabung. Wenn nicht sogar leichter – z.B. für Leute wie mich, die keine Tabletten schlucken können. Und die rocken auch ziemlich, zumindest bei mir. 🙂

Wenn Ihr – abgesehen von gesundem Tagschlaf – andere Konzepte habt, mit denen Ihr die Nacht gut durchrockt, dann freue ich mich über Hinweise.

Wenn’s nicht so recht will …

Ich hab gestern Abend irgendwie keine Lust gehabt. Und das nicht einmal wie sonst, weil der Umsatz scheiße war oder meine Laune am Boden. Nö, einfach keine Lust auf Arbeit. Soll – hab ich mal gehört – einigen da draußen öfter mal so gehen. Ich hab mir die Schicht und mich selbst von da an noch eine Stunde beobachtet und darauf geachtet, ob es besser wird.

Schichtmäßig ja, denn ich bekam eine nette Leseranfrage zu einer langen Tour und hab die auch gemacht.

Aber nachdem ich wieder alleine im Auto war, hatte ich einfach keine Lust mehr. 🙁

Und dann hab ich mich darauf besonnen, dass Freiheiten ja keine sind, wenn man sie nicht auch gelegentlich ausnutzt und bin heimgefahren.

Gut, meine Chefs wird’s nicht freuen – aber Ärger wird’s auch nicht geben. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mein Monatssoll ohnehin schon seit vorgestern drin hab und noch 5 Arbeitstage im Mai übrig sind … 🙂

Lucky

Also diese Schicht heute …

Wenn man den Kollegen glauben darf, dann lief es richtig mies. Ich aber hatte auf der anderen Seite mehr Leseranfragen, als ich mal eben abarbeiten konnte. Womit es dann am Ende so halbwegs gepasst hat. Vor vier Wochen wäre ich sogar froh um das Ergebnis gewesen, aber die letzte Zeit lief so gut … und außerdem war ich ja gestern nicht draußen.

Was ich schon mal geschrieben habe: es ist immer schwer mit Anfragen mitten in der Schicht. Heute hat das Jo mitbekommen, den ich erst achtmal weggedrückt und anschließend am Telefon nochmal abgewürgt und ihm gleichzeitig eine Absage erteilt habe. Das mache ich extrem ungern, aber zweiteilen kann ich mich auch nicht. Vierteilungen wiederum sind zwar historisch belegt, die Gesundheitsgutachten der Probanden lassen aber auch da eher Probleme für den Alltag erwarten.

So hatte ich auch dieses Mal vor einer Lesertour knapp eine Stunde Zeit. Gut, ich musste dazu sowieso raus nach Marzahn, da konnte ich wenigstens einen Zwischenstopp bei mir zu Hause als richtig echte und sogar arbeitsrechtlich korrekte Pause einlegen. Aber was das wieder an Leerkilometern einbringt!

Und dann winkte es tatsächlich. Auf der Landsberger Allee stadtauswärts. Kurz vor IKEA. 0.o

Richtung Osten wäre mir recht gewesen, im Grunde hoffte ich aber nur, dass es nicht in die Stadt zurückgehen sollte. Und dann fragten mich die zwei schon reichlich schwankenden Gestalten, ob ich das Lucky Inn kennen würde. Da muss man einwerfen: das ist eine fast schon unverschämte Frage. Das ist eine absolut unbedeutende Kneipe in einem Außenbezirk, die nicht einmal von einer öffentlichen Straße aus einsehbar ist. Ungefähr 125% der Besucher dieser Kneipe rekrutieren sich aus den drei umliegenden Hochhäusern. Wer soll diese Kneipe kennen?

Ich natürlich. Und: tue ich auch. Ich wohne nämlich ein Hochhaus weiter, knapp außerhalb des Einzugsgebietes. Aber wenn mir persönlich eine Kneipe in Torkelweite unheimlich ist, dann ist das ein ernstzunehmender Warnhinweis!

Die Tour war also in vielerlei Hinsicht perfekt: sie bedeutete für mich einen quasi inexistenten Umweg, füllte also einfach die ohnehin anfallenden Kilometer mit ein paar Euro. Darüber hinaus waren die zwei Burschen ausgesprochen ok dafür, dass sie bereits voll wie Wassereimer in der Monsunzeit waren, jeder noch Bier mithatte und sie auf eine Marzahner Absturzkneipe zuzusegeln gedachten.

„Ach, ihr Taxifahrer! Ihr habt’s ja ooch nich‘ leicht. Ick meine: wir uff’n Bau schimpfen ja schon wejen da Kohle!“

Die haben die schwärzesten Seiten des Jobs besser beleuchten können als jeder meckernde Kollege da draußen, das ist gewiss. Wenn man ihnen glauben darf, verdienen wir irgendwas um die 1,50 € brutto, werden jeden Tag ausgeraubt, angepöbelt und mit vollgekotztem Auto zurückgelassen. Also sinngemäß. Das hat dann ja nun auch nicht mehr sonderlich viel mit der Realität zu tun.

Aber sie fanden es gut, dass ich den Job gerne mache und rundeten am Ende die aufgelaufenen 10,60 € obergroßzügigst auf 15 € auf. Was noch besseres hätte mir in dieser „Leerlaufzeit“ echt nicht passieren können. Und am Ende hätte ich sogar noch eines der verschlossenen Biere behalten können. Sogar meine Marke. DA hab dann sogar ich abgelehnt. Perfekter als perfekt ist dann ja vielleicht doch ein schlechtes Omen oder so … 😀

Fehler: Scheibe nicht gefunden!

So, in zwei Stunden startet die neue Arbeits-„Woche“. Eigentlich hätte ich ja gestern schon wieder auf die Straße gewollt, aber es kam mal wieder was dazwischen. Während ich schon frisch geduscht und fast bereit zum Losgehen war, klingelte gestern das Telefon und mein Chef teilte mir – für die Umstände ungewohnt heiter – mit, dass ich auf ein anderes Auto ausweichen müsste. Wer jetzt gleich mit den Augen rollt und sich fragt, was die alte Möhre nun wieder hat, dem sei gesagt, dass die 72 dieses Mal nix für kann.

Offenbar waren mein Tagfahrer und ein Radfahrer dergestalt im Verkehr aneinandergeraten, dass „friedlich“ nicht mehr das Wort der Wahl wäre. Ohne jetzt nähere Details zu kennen: eines scheint sicher zu sein: zu guter Letzt schlug der aufgebrachte Kontrahent meinem kleinen Taxi derart heftig auf die Frontscheibe, dass diese gesprungen ist. Nicht gleich aus der Fassung zwar, aber eben ausreichend, um einen Reparaturbedarf geltend zu machen. Hmm.

Einen Ersatzwagen hätte ich bekommen, aber wie die meisten von Euch wissen, sind das für mich, ingesamt, Hin- und Zurück, knappe anderthalb Stunden mehr Arbeitsweg. Und der Donnerstag ist eine halbe Schicht, die ich selten auf mehr als 5 Stunden ausdehne. Also hab ich abgelehnt und starte dann eben heute – wieder mit der 72 – ins Nachtleben. Muss jetzt halt entsprechend ein paar Euro mehr einfahren. Drückt mir die Daumen, dass der Schwan zusammenkommt! 🙂

Blaues Auto, blaues Auto!

(Alle, die den Film „K-PAX“ gesehen haben, haben jetzt eine Ahnung, wie man die Überschrift zu lesen hat)

Es war eine kurze Tour, Winker noch dazu, alles prima. Die Straße, zu der die Leute wollten, kannte ich aus dem Kopf, eine grobe Peilung, zwischen welchen Querstraßen das Ziel genau liegt, wurde mir auch vermittelt. Zudem die Hausnummer: 102. Gut, die alleine hilft ja nicht viel, am Nachmittag, an dem wir die in der Taxischule durchgesprochen haben, war ich ja bekanntlich nicht da. 😉

„Da steht so’n blaues Auto vor der Tür!“

meinte einer der Fahrgäste.

„Vadder! Du könntest auch die Kirche nennen oder die Kneipe gegenüber, das besetzte Haus oder …“

hieß es alsbald von der anderen Seite. Ich befuhr die Straße indessen, die Kirche sah ich schon und suchte mehr oder minder unauffällig nach der Nummer 102. War im Grunde bei so vielen Hinweisen auch nicht schwer zu finden. Nach ungefähr drei „Halten Sie einfach hier!“-Rufen bugsierte ich die 72 an den Straßenrand und nahm schon mal die ersten Münzen entgegen. Woraufhin „Vadder“ einwarft:

„Und siehste: Hier steht auch das blaue Auto!“

Tage wie diese Nacht

Autsch.

Ich hab mich gestern – mein Taxi-Wochenanfang – erst spät aufgemacht, die Straßen zu erobern. Das war auch ok, denn ich hatte prima ausgeschlafen, danach ein paar Dinge im Haushalt erledigt und war sowieso noch ziemlich guter Laune, weil mir in der Nacht zuvor endlich mein Buchvertrag zugegangen war. \o/

Um 21 Uhr statt 19 Uhr zu starten war da schon ok. Dann halt erst um 3 Uhr heim und nicht schon um 1 Uhr.

(Nicht wundern: Donnerstag ist bei mir immer nur eine halbe Schicht eingeplant!)

Danach folgte lange Zeit nix. Zwei Touren mit je rund 7 € und ein paar Cent Trinkgeld, die erste sogar gleich noch mit einem Hunderter beglichen … wahrlich zum Abgewöhnen!

Da man aber wie immer selten eine ganze (halbe) Schicht lang der Arsch vom Dienst ist, hatte ich in der Zeit wenigstens zwei Anfragen nach Touren – später am Abend. Eine von Marzahn aus, eine von Schönefeld aus, eine Anfrage via SMS, eine via Twitter. Und beide nur eine halbe Stunde hintereinander. Ja, puh …

Aber es hat geklappt. Mal abgesehen davon, dass ich Leerkilometer runtergerissen hab, die die Schicht an die Grenzen der Rentabilität geführt haben (gut, dass mein Schnitt sonst in Ordnung ist!), hab ich’s gepackt. Die erste Tour startete verfrüht, die zweite verspätet, und dazwischen war das Radio laut. Zwei nette Fahrgäste und außerdem mal eben 75% des Schichtumsatzes. Damit ist der Abend dann noch halbwegs sowas wie im Normbereich gelandet.

Bin ich froh, Leser zu haben! 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wechselgeld mal andersrum

Ich hab ja schon oft geschrieben, dass wir Taxifahrer nicht viel Wechselgeld dabei haben. Ich finde das selbst nicht toll, aber dank der immer noch ungefähr täglich stattfindenden Überfälle – alleine in Berlin – ist es sinnvoll. Für den einzelnen Fahrer natürlich kein Bisschen, für die Kunden noch weniger – aber eben in der großen Masse. Je erfolgloser Taxiüberfälle sind, desto eher wird ihre Zahl zurückgehen – man muss nicht studiert haben, um diese Idee nachvollziehbar zu finden.

Und nun stand ich an der Tanke und hab mit der üblichen lahmen Geschwindigkeit Erdgas in den Tank der 89 pressen lassen. An der Säule gegenüber hielt ein mir unbekannter Kollege, und wie man halt so ist: man grüßt einander. Daraus wird in der Regel nicht einmal Smalltalk, aber jener Kollege fragte mich dann was, was ich ungelogen noch kein einziges Mal bisher gehört habe:

„Sach ma‘, brauchste vielleicht kleine Scheine?“

Natürlich isses angenehm, zur Abrechnung beim Chef nicht nur Fünfer mitzubringen. Aber Taxifahrer, die ihre kleinen Scheine gerne, freiwillig und ohne Anfrage gegen große tauschen … das war wirklich ein Novum für mich. Aber hey, einen Fünfziger kleinwechseln wollte ich so oder so an der Tanke … 😉