Ziemlich blau

„Stimmt so.“

Das ist einer der Sätze, die man am liebsten hört im Taxi. Bedeutet immer Trinkgeld, und ungeachtet der Höhe kann man das ja schon mal als positiv verbuchen. Gut, zugegeben: Meistens gibt es Trinkgeld. Aber ein bisschen freuen darf man sich dann ja doch.

Kurios wird es, wenn man einen Zwanziger gereicht bekommt mit oben genannten Worten, und es sich bei der Fahrt um eine Kurzstrecke handelt.

Ich bin ja sowieso nicht dreist genug, das Geld ohne dummen Kommentar einfach einzustecken, aber hier hat auch gleich seine Freundin interveniert:

„Hey!“

„Was denn?“

Ich hab ihm den Schein dann auch noch mal gezeigt…

„Oh, ja der kam mir gleich ziemlich blau vor…“

Hätte ich nicht besser ausdrücken können. Allerdings nicht auf den Schein bezogen 😉
Blieb dann also bei den üblichen 4 € plus 1 € Trinkgeld. Klar, 16 wären netter gewesen, aber man kann ja nicht alles haben…

Rückgeld-Profis

Am Ostbahnhof haben sie mich aufgegabelt und wollten in einen Club in Prenzl’berg. Mit dem haben sie mich eiskalt erwischt. Ich hatte keine Ahnung, wo er liegt. Da sie aber den Namen der Straße mehr oder minder nennen konnten, und ich zudem mal kurz die Gegenprobe via Robertha gemacht habe, sind wir kurz darauf mit guter Stimmung an Bord gen Nordwesten gebrettert.

Den Club zu finden, war keinerlei Problem, die Ecke war mir eigentlich nicht unbekannt. Aber man weiss ja nicht alles. Als wir ankamen, stand die Uhr auf 11,80 €, und die beiden suchten nach Geld. Der eine hatte zwei Fünfer, der andere fahndete nach Kleingeld, legte dann aber doch einen Fünfer drauf.

„Wieviel geben wir?“

fragte wieder der andere und wieder wurde im Kleingeld gegraben. Dann stellten sie fest, dass sie inzwischen 18 € in der Hand hielten. 3 Fünfer und 3 € in klein. Mir wurde das Ganze nach vorne gereicht mit der Bitte:

„Machste 13 und gibst uns einen Fünfer zurück.“

Ich hab keine Kamera gesehen, also hab ich ziemlich dumm geguckt und meine Verwunderung kundgetan. Die beiden haben allerdings selbst schon gelacht. Dass das albern war, war also durchaus nicht nur mir bewusst. Sie haben ihren Fünfer natürlich zurückbekommen, und obendrauf gab es eine Visitenkarte mit Blog-Adresse. Meine Worte dazu:

„Damit habt ihr euch qualifiziert!“

Na denn herzlich willkommen hier 🙂

I am not a Criminal!

„Would you bring me to the Intercity Hotel?“

Na gut. Vom Frankfurter Tor (also Biermeile) bis zum Ostbahnhof nehme ich an. Warum nicht? Kurze Strecke und gleich wieder hier. Fast so gut wie eine lange. Naja, kurze Nachfrage noch:

„Which one?“

„Oh, see, it is just near to the airport…“

OK, Schönefeld! Super!

„What will it cost?“

„30 €.“

„OK. I have to look, how much money I have. But I have a friend in the hotel and my credit card. I’ll pay you. I am not a Criminal!“

Gut einen im Tee hatte er ja, aber es war ein netter Kerl. Ich hab mir keinen Kopf gemacht. In dem Fall weiss ich sogar vom Hotel, dass die den Taxipreis ggf. mit auf die Rechnung setzen. Also wegen des Geldes hatte ich nun wirklich keine Sorgen.

20 € hat er auch so noch zusammengekramt. Zwei Fünfer und ein Zehner. Die hat er die ganze Fahrt über in der Hand gehalten, sie mir gezeigt, um zu zeigen, dass er mich bezahlen wird, und hin und wieder nachgezählt. Meist kam er beim Zählen auf 20 €, manchmal auch auf 30, wobei ich ihn dann vorsichtshalber korrigiert habe.

Und die Fahrt nach Schönefeld kann ziemlich lange dauern…

„Ill pay you, don’t panic!“

Nein, keine Sorge. Aber er hat auch sonst nicht viel erzählt. Die meiste Zeit wollte er meine inexistente Panik bekämpfen. Nebenbei hab ich eigentlich nur erfahren, dass er aus Norwegen ist, und mit einem Kollegen mal dessen Heimat besucht.

Auch wenn er sich zwischenzeitlich abenteuerliche Lösungen ausdachte, um das mit dem Geld zu klären (Aussteigen auf der Autobahn bei Adlershof beispielsweise), endete das alles mit einem kurzen Anruf bei seinem Kumpel, der dann auch Gewehr bei Fuß am Hotel stand, als wir eintrafen, um mir den letzten Zehner zu überreichen.

Während ich bei einer gemütlichen Zigarette einen kleinen Chat mit Ozie führte, entbrannte um mich herum eine Art norwegische Freudenparty, bei der mir mehrfach versichert wurde, dass die beiden kein bisschen kriminell sind und sich nur freuen, einander zu sehen.

Nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel daran hatte, aber irgendwelche Gründe zum schreien und lachen muss es ja geben.

Billiger geworden?

Winker sind das Salz in der Suppe. Immer wieder und ganz besonders an schlechten Wochentagen wie Montag.

Ich stand relativ frei von überbordendem Geschäftssinn gelassen an einer Ampel in Prenzl’berg und hab auf Grün gewartet. Plötzlich standen zwei Jungs neben mir, und der eine fragte mich, wie viel es denn etwa kosten würde bis zu den Allianz-Towern.

Ui. Das ist echt eine miese Strecke, die ich mal gar nicht einschätzen kann!

„Ich sag jetzt mal vorsichtshalber 15 €…“

„Also du meinst, mit nem Zwanni sind wir locker dabei?“

„Auf jeden Fall!“

Na dann los! Die beiden haben sich eigentlich nur untereinander unterhalten, und so hab ich immerhin mitbekommen, dass der Fragesteller gar nicht mehr in Berlin wohnt, sondern inzwischen in Übersee. Die Laune war gut, und irgendwann bekam ich dann den etwas seltsamen nun folgenden Satz zu hören:

„Lass dir ruhig Zeit! Wenn es 25 kostet, ist es auch nicht schlimm…“

Wahrscheinlich der alte Irrglaube, dass wir in Berlin mit dem Fahrttempo die Uhr beeinflussen könnten… ist aber nach wie vor nicht möglich. Ohne perverse Ampeln zählt das Taxameter bei uns nach Kilometern. Ausschliesslich! Naja, ich hab aber dieses Mal nicht den Oberlehrer raushängen lassen und bin einfach weitergefahren. Sie zeigten mir dann, wo sie genau aussteigen wollen, und damit war gut.

„Was haste denn dann, Meister?“

„Wir sind bei 13,40 €.“

Insofern habe ich vorher gut geraten, denn es war noch ein Stückchen vor den Towers. Aber egal.

„Wie? Sach mal, ist Taxifahren hier billiger geworden?“

„Nee, wir hatten letztes Jahr sogar eine Tariferhöhung…“

„Na, is ja auch egal. Hier haste 20, der Rest is für dich!“

Mehr als die Hälfte des Trinkgeldes in der Schicht! Danke Jungs!

10 €

Landsberger Allee, Ecke Weissenseer Weg.

„Petersburger Platz, machste 10 € Festpreis?“

„10 € Festpreis?“

„Jo!“

„Nee, aber keine Sorge: Wir werden günstiger dahin kommen!“

„Ich weiss, dass wir da günstiger hinkommen. Das war jetzt einfach ein Angebot für dich!“

Da verschlägt es einem dann doch irgendwie die Sprache. Das müssen die Typen sein, die die Zettel mit „Schwarzarbeiter gesucht!“ aufhängen. Ich hab ihn darüber aufgeklärt, dass ich mich mit meinem Chef gut verstehe, und das hat er auch gut gelaunt zur Kenntnis genommen:

„Na dann ist ja super!“

Das Ende vom Lied ist ebenso leicht zu erraten:

„Dann wären wir bei 8,20 €.“

„Hier, kriegste trotzdem nen Zehner!“

Wer dann doch laufen muss…

Morgens nach etlichen Kilometern Leerfahrt sind Winker immer erfrischend. Auch Kurzstrecken! An der Ecke Revaler / Modersohn hab ich sie aufgegriffen und sie wollten eben mit einer Kurzstrecke zum Strausberger Platz. Das kam mir ein wenig weit vor. Aber ich bin erst einmal losgefahren, viele Kunden fahren die Strecken ja mehrmals, ich muss jedes Mal aufs Neue abschätzen. Man wird schließlich kaum jemals am gleichen Platz in die gleiche Richtung zu einer Kurzstrecke rausgewunken.

Am Frankfurter Tor hab ich dann aber mal nachgefragt:

„Seid ihr die Strecke schon öfter mit Kurzstrecke…“

„Ja!“

„Also reicht es?“

„Also bisher hat der Taxifahrer immer irgendwann ausgemacht.“

„Also reicht es nicht…“

Tja, da haben die Jungs – im Übrigen ohne zu protestieren – noch geschätzte 800 Meter zu Fuß zurücklegen müssen. Wunder der Kommunikation: Mit dem Satz „Nee, reicht nicht ganz, den Rest laufen wir.“ wären ihre Chancen rapide angestiegen, dass ich ein Auge zugedrückt hätte.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Pricing Fail

Nach Köpenick wollten sie, zum Schloßplatz. Ich hatte den Abend über schon die ganze Zeit Glück mit den Touren. Da fiel mir diese Fahrt vom Matrix aus kaum noch auf. Aufgefallen ist hingegen, dass die Besatzung meines Taxis trotz der Aussage einer Protagonistin (Boah, ich bin derbe voll“) durchaus in angenehmem Zustand war.

Sie quittierten Selbstverständlichkeiten wie Fensteröffnen auf Wunsch und die Wahl des Radiosenders mit Freude und fanden mich deswegen total toll. Schön, wenn man mit so wenig Einsatz so ein Ergebnis erzielen kann.

Was meint ihr, wie die Stimmung war, als ich bei Gefallen der Musik ein wenig lauter gemacht hab? 😀

Wir haben an der Sparkasse gehalten, ein sehr betrunkener junger Mann hat die bisher aufgelaufenen 22 € zuzüglich eines Euros Trinkgeld aus Geldbeutel und Bankautomat zusammengekratzt und eigentlich wäre es das gewesen. Dann kam der Auftritt eines Autofahrers, der ziemlich verzweifelt eine Adresse in Köpenick gesucht hat, und dem ich beim besten Willen erst einmal nicht weiterhelfen konnte, weil die verschachtelte Altstadt auf bei mir eine Aufgabe ist, die gefälligst mein Navi zu lösen hat – und er hatte selber eines. So aus dem Stand konnte ich dazu also gar nix sagen.

Letztlich ist dieser Auftritt nur interessant, weil er mich Zeit kostete. Zeit, die zwei meiner ehemaligen Fahrgäste gebraucht hatten, um festzustellen, dass kein Bus mehr fährt. Sie kamen wild diskutierend auf mich zu, das Geld war knapp und eigentlich wollten sie kein Taxi nehmen, aber weiter wussten sie auch nicht.

Was es nach Friedrichshagen, zum Bahnhof, kosten würde?

Puh, so wirklich gut bin ich da unten in Punkto Ortskunde noch nicht. Also hab ich mein Navi kurz angeschmissen, die 4,3 km hab ich dann wie folgt kommentiert:

„Also, ihr habt jetzt echt das Glück, dass das Taxameter noch nicht weggeschaltet hat. Also meinetwegen könnten wir die Fahrt noch fortsetzen. Dann sind die Kilometer günstiger, und die 3,20 € entfallen auch. So um die 6 € würde ich vermuten.“

„Sie meinen also, wenn wir jetzt noch einen Zehner haben, dann reicht das?“

„Locker.“

Gut, der Rest war schnell bequatscht und sie saßen nach ein paar Späßen mit ihrem betrunkenen Freund wieder im Auto. Ich bin losgefahren und sie haben mir angeboten, mich zu lotsen, wo sie genau hinwollen. Nun, und irgendwo hat sich dabei ein Kommunikationsfehler eingeschlichen, denn als wir den Bahnhof Friedrichshagen Richtung Rahnsdorf passierten, war klar, dass sie das andere -hagen gemeint hatten. Wilhelmshagen. Das sind ein paar km weiter.

Ehrlich gesagt, ich kann nicht mehr nachvollziehen, wer wann wie welchen Namen eingeworfen hatte. Und nun saßen wir im Auto, und die Uhr zeigte die bereits bezahlten 22 €, die vom Freund netterweise bereits angezahlten 2 € und 9 von den 10 € an, die die Mädels noch in der Tasche hatten. Mitten im Wald bei Rahnsdorf.

Ich hab dann gesagt, dass ich bei 34 € die Uhr ausmache, weil ich sie schlecht hier im Wald rauslassen kann.

Ich meine, natürlich hätte ich es können. War trotzdem besser so.

Zumal ich so oder so nicht mehr sagen könnte, ob nur ich mich verhört habe. Naja, letztlich hatte ich noch einen Zehner mehr Umsatz, die beiden sind heimgekommen, und der Weg ist dem Auto sicher leichter gefallen, als den beiden zu Fuß.

Naja, gute Tat für die Woche abgehakt…