Nur eine Frage…

„Ich hätte nur eine Frage an den Taxifahrer. Ist das OK?“

Mein eben erworbener Fahrgast stimmte zu.

„Wieviel kostet ein Taxi bis zum Schlesischen Tor?“

„Puh, etwa 8 €, etwas mehr vielleicht.“

Da fragte mein Fahrgast dann, ob er alleine fahren möchte, oder einsteigen will. Ich hab bei Sammelfahrten immer irgendeinen ewig alten Blogeintrag von Torsten im Hinterkopf, in dem er sinngemäß meint, dass das zwar keine allzu schlechte Idee ist, aber nur wenn die Bezahlung der Parteien im Vorfeld geklärt ist – weil untereinander Unbekannte gerne zur Uneinigkeit neigen, wenn es dann ums Geld geht.

Da hatte ich allerdings Glück. Mein erster Fahrgast meinte, der andere solle 4 € zahlen, ob das ok wäre. Der war happy, Geld gespart zu haben, alles supi. Ich hab mich meist mit Fahrgast 2 unterhalten, bis von hinten die Stimme kam:

„Ich unterbreche nur ungern, aber ich müsste dann hier raus…“

Er hat großzügige 7 € gezahlt, und als ich mit dem zweiten Fahrgast am Magnet angekommen bin, stand die Uhr auf 9,20 €.

„Puh, wow! Da hab ich ja richtig Geld gespart!“

meinte er zu mir.

4 € hat er dann allerdings doch gezahlt. Fand ich dann irgendwie auch nett 😉

Fürstlich umsorgt

Als Dienstleister ist man ja irgendwie doch immer nur darum bemüht, es den Kunden recht zu machen. Wäre das nicht so, wäre es schlicht fies, dabei noch von Arbeit zu sprechen 🙂

Manchmal schlägt das Ganze jedoch fast ins Gegenteil um. Ich meine hier gar nicht die überbesorgten Kunden, die einen damit volllabern, wie leid man ihnen tut, dafür dass man für die schlechte Bezahlung zu so einer miesen Uhrzeit noch lauter stressige Kunden hat. Nein, manchmal läuft es einfach nebenher.

Heute Morgen zum Beispiel:

Um 2.30 Uhr war mein Umsatz bereits dreistellig, was nach 6 Stunden Arbeit schon mal ok ist. Ich hab eine Runde mit Ozie gechattet und dabei sinngemäß verlauten lassen, dass ich ob des Wetters fertig bin, Hunger hab, bald Feierabend machen will und nur noch eine Tour fahren will, wenn mir niemand mehr vors Auto springt. Im Stillen hab ich noch gehofft, dass im Radio vernünftige Musik laufen sollte, wenn der CD-Player schon so senil ist, dass er bei jeder Platte nach wenigen Minuten meint, die kennt er nicht mehr. Und halbwegs umsatzstark aber in die richtige Richtung sollte es möglichst gehen, das Auto war schon betankt.

Das sind so die Situationen, in denen man dann im Normalfall nölige Kunden nach Spandau kriegt, die auf den Cent genau und auch noch ungern bezahlen und statt Musik zu wünschen über ein Klappern im Kofferraum meckern.

Aber nicht heute! Zunächst bekam ich sofort als Sechster am Matrix eine ganz liebe Fünfertruppe mit sehr frischlufthungrigen Australiern bis nach Wilmersdorf. 20 €, gute Laune und die Fenster immer ganz unten. Trotz des ersten zaghaften Sommerregens. Erholung pur!

Auf dem Rückweg hab ich eine Kurzstrecke zum Alex gekriegt. Richtige Richtung, und zudem haben mir die beiden netten Jungs am Ende noch was von ihrem eben erstandenen Essen aufgedrückt. Irgendeine Art türkischer Frühlingsrollen oder so. Sacklecker und ein guter Etappensieg gegen den Hunger!

Nun war ich fast am Abstellplatz, noch 2 km. Da winkte mich eine junge Frau heran, die zwar völlig entgegen der Richtung nach Kreuzberg wollte, aber mit guter Laune, Gesprächigkeit und einer ebenso ausgeprägten Liebe zu offenen Fenstern bei mir voll ins Schwarze traf und die 10 € zu den mit am lockersten verdienten in dieser Nacht gemacht hat. Und fast 2 € extra sind dann auch nicht zu verachten.

Die Oberbaumbrücke war inzwischen wieder frei (davor war da ein Straßenfest), und so hab ich mein Glück abermals auf dem kürzesten Weg versucht. Nix da. 5 Leutz hielten mich am schlesischen Tor an und wollten in die Rosenstr.

„CityStay Hostel?“

hab ich gefragt und war damit binnen einer Sekunde ihr Lieblingstaxifahrer 🙂

Sie wollten unbedingt alle Fenster offen haben und haben mich gebeten, möglichst laut Rock zu spielen. Danke! Laute Mucke, gute Laune, nette Partystimmung. Ausufernde Verabschiedung  für den besten aller Taxifahrer natürlich inklusive. Und immerhin auch nicht soweit vom Ziel weg. Jetzt aber los!

Ich bin über die Landsberger in Richtung Strokower Str. geschossen. Mein Kilometerschnitt war wieder prächtig und das ist der schnellste Weg. Scheiß auf kurz!

Und naja… ein Winker.

„Sach mal, darf ich mit Bier?“

„Klar, so lange es in Mund oder Flasche bleibt. Gibt nur Ärger, wenn was dreckig wird!“

„Ja, wow! Danke!“

War nicht weit, also hab ich gefragt:

„Kurzstrecke?“

„Ja Mann, nette Idee. Aber ich weiss nicht, ob es reicht. Aber wenn nicht, ich zahl dir natürlich auch den vollen Preis, ist ja klar!“

Hat gereicht. Bei offenen Fenstern. Er hat der Fairness halber dann doch den eigentlich anfallenden Normalpreis gezahlt, nur eben als Trinkgeld.

Abgesehen davon, dass mein Rücken inzwischen scheinbar am Sitz festgewachsen war, ging es mir nach diesen anderthalb Stunden wesentlich besser als davor. Jede Menge Fahrtwind, etwas Essen, ausschließlich nette Leute, ein bisschen Musik und nicht zuletzt ziemlich genau 50 € Umsatz in so kurzer Zeit in einer Nacht auf Montag haben es mir dann doch leicht gemacht, fröhlich Feierabend zu machen.

Muss mal wieder sein: Danke liebe Kunden! 🙂

Festpreis angenommen…

Also, das ging wie folgt:

„Was würd’n das in die Bülower Str. kosten? In Schönberg?“

„Bülowstr. in Schöneberg?“

„Äh ja, genau. Ich hab nämlich nur noch 15 €. Können wir 15 € Festpreis machen?“

„Wohin denn genau in der Bülowstr.“

„Äh, Hotel Aldea, Agon, irgendwie so.“

„Steig ein.“

Vom Matrix aus kenne ich inzwischen den Preis zu einigen Hotels und vor allem Hostels centgenau. Insofern war mir auch bewusst, dass es nicht reichen würde. Allerdings gehört hinter diese Aussage ein kleines Sternchen, denn es würde reichen, wenn ich ihn auf der anderen Straßenseite rauslassen würde. Mit Wenden an der nächsten Wendestelle kommt man auf genau 15,40 €.

Das ist also nun nicht gerade ein riesiges Problem. Viel interessanter (aber durchaus nicht unanstrengend) war hingegen die Tatsache, dass mein Kunde eigentlich gar keinen Bock auf Feilschen hatte und sich selbst ständig dafür schämte, dass er den Rest seines Geldes versoffen hat. Auf halber Strecke hat er dann darum gebeten, doch irgendwo noch an einer Sparkasse anzuhalten, damit er mir noch Trinkgeld geben kann.

Im Grunde niedlich, ich hab ihn dann aber trotzdem einfach vor dem Hotel abgesetzt. Der war schon genug damit gestraft, sein Budget versoffen zu haben 🙂

Da will man ehrlich sein

und es klappt einfach nicht.

Während der Fahrt hat einer von 5 Fahrgästen im wilden After-Party-Getümmel in meinem Taxi bemerkt, dass ihm 50 Cent im Fahrzeug verloren gegangen sind. Die wahrscheinlichste Variante des weiteren Verlaufs würde nun eigentlich sein, dass der Kunde es für zu aufwändig empfindet, danach zu suchen, sagt, ich solle es behalten, und ich irgendwann später an der Tanke auf das vermisste Geldstück stoße und es dem Trinkgeld zurechne.

Aber natürlich nicht immer.

Obwohl die Fahrt trotz bester Laune schon trinkgeldlos verlief, warf der entsprechende Fahrgast auch noch einen kurzen Blick in den Fond. Ich hab mich beteiligt und nach einem kurzen Blick 20 Cent, die im Wagen lagen, in der Hand gehalten. Der Kunde hat sich bedankt und sie sind alle davongewatschelt.

Und ich hab kurz darauf auch die anderen 50 Cent gefunden, um die es wohl eigentlich ging. Das Konzept „Kleingeld in Hosentasche“ hab ich mir zwar aus genau diesem Grund abgewöhnt, aber meine Kunden dürfen es meinetwegen gerne weiter praktizieren 😉

We sing a song…

…and you tell us if you know it!

Ich könnte hier ein Quiz mit 2 vorgegebenen Antwortmöglichkeiten starten, aber niemand würde erraten, was sie gesungen haben. Niemand! Und nein, glaubt mir: Die deutsche Nationalhymne wäre für mich überhaupt nicht erstaunlich gewesen!

Nein, die australischen Mädels in meinem Auto haben angefangen, mir das deutsche Alphabet vorzusingen. So wie man es eben als Kind in der Grundschule mal macht und wie sie es offenbar auch gelernt haben. Ich bin schier abgebrochen. Dagegen waren damals die Jungs mit den Abba-Klassikern oder die anderen mit einer äußerst eigenwilligen Beatles-Interpretation, die scheinbar aus dem Text von „Yesterday“ und der Melodie von „Help!“ bestand, gar nix.

Ach ja, die Bezahlung muss ich auch noch zwingend erwähnen:

„Will it be under 20?“

„Definitely! 12,50 to 13 €. Of course you can give me 20, but that would be a bit too much!“

Aber sie haben es gemacht. Während der Fahrt nach dem Singen haben sie brav jeder 4 € spendiert und ich bin mindestens genauso grinsend wie die fünfe in die Nacht entschwunden. Fürs Protokoll: Matrix-Gäste.

Jaja, die Kinder…

Fangen wir nach der langen Pause doch klassisch mit einer Matrix-Tour an!

Die Jungs haben mich hinten als Dritten gleich angequatscht, ob ich 5 Leute mitnehmen könne. Und wie viel es zum Generator kosten würde. 7 bis 8 Euro hätte der Kollege gesagt.

„Nee sorry, das reicht nicht ganz. Die Fahrt kostet exakt 9,40 €. Dann kommen aber noch die 1,50 für die fünfte Person dazu. Also 10,90€.“

„Machen wir 10 € glatt?“

„Nee, jetzt stellt euch nicht so an.“

„11 €!“

„Ich hab doch 10,90 € gesagt!“

„OK, alles klar!“

Zum einen hab ich natürlich jetzt drei Jugendliche von der Rückbank pflücken dürfen, um den einen Zusatzsitz rauszuklappen, aber es ist nicht selten, dass die Leute das OK für 5 Leute verwechseln mit einem „OK, ausnahmsweise dürft ihr euch zu viert auf die Rückbank quetschen!“

Dann ist einer der 5 plötzlich weggegangen und hat rumgemeckert, er hätte jetzt schon die Tageskarte bezahlt und er würde so heimfahren, wenn das noch extra kostet. Seine Kumpels haben ihn alle gedrängt einzusteigen, er solle nicht so einen Stress machen wegen dem bisschen Geld – fast schon selten sowas.

Auch wenn das zu Beginn alles recht stressig klingt, war die Fahrt zunächst sehr angenehm. Die 5 haben rumgealbert, sich ein bisschen gegenseitig geneckt, Jugendliche nach einer Party eben! Noch dazu nicht einmal voll wie Eimer, kein bisschen aggressiv… super Kundschaft im Grunde.

An der Warschauer Ecke Kopernikus ist dann tatsächlich die Mimose von vorhin wegen irgendeines unbedeutenden Spruches unter hunderten an der Ampel ausgestiegen und wollte den Rest laufen. WTF?

Seine Kumpels haben mich gebeten, anzuhalten, sie würden dann auch hier aussteigen. Der Unmut wurde allerdings lauter, und so kam es, dass ich rechts rangefahren bin, nicht auf ihre Wünsche gehört habe („Fahr den einfach um, ok?“), und die Fahrt nach halber Strecke quasi beendet habe. 6,70 € standen da, und selbst der eine Spinner, der jetzt nochmal anfragte, ob ich 6 machen würde, war eher auf einen Witz aus.

Naja, einer ist ausgestiegen und die anderen haben beschlossen, auf die beiden Idioten zu pfeifen und wollten, dass ich weiterfahre. Das Taxameter war schon aus, also hab ich es ausgelassen. Ich kenn ja den Gesamtpreis und hab mit den Jungs ausgemacht, dass es dabei bleibt.

Als wir die beiden anderen überholt haben, hagelte es noch böse Sprüche hin und her, der Rest war einfach nur locker. Die drei verbliebenen haben sich noch darüber amüsiert, wie weit der Weg für die anderen beiden jetzt wäre und waren am Ziel blendender Laune. Mit 11 € wollten sie mich von Dannen ziehen lassen, dann aber machte der eine nochmal die Tür auf und meinte:

„Ey, hier haste noch 50 Cent. Hol dir’n Bier! Auf jeden! Wie lange arbeiteste noch?“

„Ach, schon noch so 3 bis 4 Stunden…“

„Aber danach holste dir ein Bier! Versprochen?“

„Ich werd‘ sehen, was ich tun kann.“

Bleibt abschließend nur anzumerken, dass es erstaunlich treffsicher war mit den 60 Cent Trinkgeld. Wo mein Bier in meinem Supermarkt doch 59 Cent pro Flasche kostet 🙂

Ach so, bevor sich jemand wundert:

Ich hab auf dem Rückweg vom Generator in Richtung belebter Gebiete einfach kurz für 4,20 € das Taxameter angeschmissen, damit die Abrechnung auch für meinen Chef stimmt.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Warum man wachsam sein sollte…

Ich beherzige immer noch den Tipp einer Bedienung, die ich in der ersten Woche im Taxi hatte: Wenn Kunden zahlen, dann nie das Geld gleich ins Portemonnaie packen! Dadurch fallen auf jeden Fall die „Ich hab dir aber einen 1-Million-Dollar-Schein gegeben und keine 5 Euro!“-Geschichten weg, und auch man selbst kommt nicht durcheinander. Endgültig notwendig wird der Tipp spätestens, wenn ein paar Spinner je anteilig zahlen wollen.

Aber manchmal wird man neben dem praktischen Nutzen her auch noch mit putzigster Verplanung überrascht:

Ich hab am frühen Morgen, es war bereits seit längerer Zeit wieder hell, ein paar junge Frauen zu verschiedenen Adressen gefahren. Die letzte hab ich an einem Bahnhof rausgelassen, und nun war es an ihr zu zahlen. Das war auch ok, die anderen beiden hatten ihr bereits etwas dazugegeben.

„Dann wären wir bei 21,40 €!“

Sie kramt in ihrem Geldbeutel umher, sucht zwei Münzen heraus, legt mir dann eine 2€-Münze und ein 50-Cent-Stück in die Hand, lächelt und meint:

„Stimmt so!“

Ich hab einen kurzen Moment gewartet, aber als sie anfing, das Portemonnaie zuzumachen, hab ich kurz folgendes gesagt:

„Ähm!?“

Sie blickte mich an, dann die Münzen, wieder mich, sehr fragend, und meinte:

„22,50. Ist doch ok, oder?“

Ich hab sie dann erlöst:

„N‘ Zwanziger hätte ich gerne noch…“

Ich liebe diese Augenblicke der Erkenntnis. Wenn jemand gerade noch vermutet, irgendwer will ihm was böses, und dann stellt es sich plötzlich als eigene Dummheit heraus. Gar nicht böse gemeint! Aber man hat ihr am Gesicht ablesen können, dass sie Angst hatte, ich wäre irgendwie mit dem Trinkgeld unzufrieden oder es wäre sonst irgendwas schlimmes passiert… diese Mischung aus Erleichterung und Selbstironie ist einfach was göttliches für Zuschauer. Immer wieder!