Puh, einsfuffzich!

Kurze Tour vom Ostbahnhof ins Cassiopeia. Das liegt in der Revaler Straße, sind rund 2 Kilometer Fahrtweg. Beinahe egal, welche Route man wählt. Mein Fahrgast bevorzugte die, die nicht an der Hauptstraße entlangläuft und bedankte sich dafür.

Seinen vier Mitreisenden war das recht egal. Sie kamen allesamt von einem Konzert aus dem Yaam! und wollten nun noch ein bisschen weiter feiern. Komme was wolle. Taxi als Mittel zum Zweck. Wie es eben so ist.

Nun ist es hier in Berlin ja so, dass bei Fahrten mit mehr als 4 Fahrgästen ein Großraumzuschlag von 1,50 € (pro Person) erhoben wird. Ich weise das auch immer getrennt aus, schließlich tut das Taxameter dies auch. Damit die Leute sich nicht wundern, was ich da geheimnisvolles mache, deute ich meist aufs Taxameter und sagte hier zum Beispiel:

„So, das wären 6,40 €, zusammen mit dem Zuschlag für die 5. Person wären wir dann bei 7,90 €.

Mit Zuschlägen macht man sich natürlich nie Freunde…

Aber recht originell war dann doch folgende Antwort:

„Puh, 1,50… nee, sorry. Eigentlich wollte ich dir gerne ein ordentliches Trinkgeld geben, aber wenn das so teuer ist…“

Danke für den Hinweis 🙁

Gutes Timing

Hallo zurück erstmal, liebe Leser!

Eine Woche Funkstille ist nun vorbei – aber da die Klagen so zahlreich nicht waren, hoffe ich doch, dass ich gleich zur Tagesordnung übergehen kann 😉
Nur so viel: Ich war krank, hatte Besuch und nebenbei auch oft keinen Bock. Da muss auch mein Blog mal ein wenig leiden.

Heute dann der langersehnte Start, der Wiedereintritt – oder was einem sonst noch so für Vokabeln einfallen, die man in Anlehnung an den ersten bemannten Raumflug vor nunmehr 50 Jahren verwenden kann…
So spektakulär wie Gagarins Flug war meine erste Schicht natürlich nicht. Weder hat meine Kiste den Weltraum erreicht, noch ist sie ins Trudeln gekommen, und einen Orden von der russischen Regierung werde ich wahrscheinlich auch nicht bekommen. Sei es drum. Es war ja nur eine total langweilige Dienstagsschicht.

Ich bereite mich auf die Schichten ja durchaus unterschiedlich vor. Nicht arg, aber in Nuancen. Während ich Samstags zum Beispiel dafür sorge, dass ich ein paar Knabbereien dabei habe, die ich schnell nebenher essen kann, sorge ich mich Dienstags wesentlich mehr um Zigaretten und Lesestoff. Wer denkt schon daran, beim Fahren zu essen, wenn man sowieso 6 von 8 Stunden rumsteht…

Insofern war die Schicht nicht nur was seichtes zum Wiedereinstieg, sondern gleichzeitig auch eine erneute Geduldprobe. Eine Tour pro Stunde hab ich gerade so hinbekommen, das Gesamtergebnis blieb dennoch zweistellig. Dennoch spreche ich von gutem Timing in der Überschrift. Weswegen?

Also zum einen hab ich die Bahn zum Heimfahren punktgenau erwischt. Das ist in der Tat nicht schlecht, denn die fährt Nachts ja nur im 30-Minuten-Takt. Aber damit will ich nun wirklich niemanden langweilen.

Nein, es ging natürlich um eine Tour. Als ich heute einmal fast eine Stunde vor dem Ostbahnhof versauert bin, trat ein Mann an einen Kollegen vor mir heran, setzte sich in sein Auto und redete. Dann stieg er wieder aus und ging zu einem weiteren Kollegen. Soweit nichts ungewöhnliches, Preisverhandlungen sind ja letztlich – ob legal oder illegal – an der Tagesordnung.
Als er dann zu einem dritten Kollegen wechselte, wurde ich neugierig. Er war zwar bisher überall abgeblitzt, aber selbst der blödeste Vollpfosten fragt nicht 3 Taxifahrer, ob er eine 30€-Tour für 10 kriegt. Ich vermutete sowas wie „an der Bank halten“, Kartenzahlung oder eine kleine Finanzdifferenz von einem 5er – den man ja eventuell auch wieder an einer Bank ausgleichen könnte.

Inzwischen haben sich die ersten beiden Kollegen unterhalten, und es kam heraus, dass der Kerl wohl nach Bernau wollte. Ui!
Dem ersten Kollegen hat er einen Zwanni geboten, was dann locker die Hälfte unter einem halbwegs plausiblen Angebot liegt. Kollege 2 allerdings hat schon 30 geboten bekommen, und so überlegte ich zum einen, wie viel ich verlangen würde – zum anderen, wie viel er bieten würde, wenn er die Taxen der Reihe nach durcharbeitet und immer um einen Zehner erhöht 🙂

Letzteres hätte 70 € für die Tour gebracht, aber das war natürlich eine absurde Annahme. Ich hab also mal geschaut, wie weit das genau ist. Mein Navi meldete was von 25 Kilometern, und ich wartete weiter. Für 30, naja… 33 Euro hätte ich ihn eingesackt. Versaut zwar den Schnitt, aber an einem Dienstag… und selbst mein Chef freut sich im Zweifelsfall erst mal über den Umsatz. Eine gigantische Ferntour, bei der die Kilometer dann wirklich schmerzhaft werden, sieht ja dann doch anders aus.

Aber soweit kam es nicht.

Kollege Nummer 4 hat irgendeinen Deal ausgehandelt und ist mit ihm von Dannen gefahren. Damn! Ein paar Minuten mehr blieben mir also nicht erspart.

Meinen Fahrgast bekam ich aus einem ganzen Pulk an Leuten, und ja: Es war sekundengenaues Timing, dass ich just ihn erwischte. Und… Moment mal! Den kennste doch!

Es war niemand anders als der personifizierte Glücksgriff unter den regelmäßigen Fahrgästen am Bahnhof: Ein Geschäftsmann, der bis nach Zehlendorf fährt und immer gute 3 € Trinkgeld gibt. Meine erste Fahrt mit ihm hatte ich bereits in meinem ersten Monat. Siehe hier.

Er war damit – nach langer Pause – das dritte Mal (Rekord!) Gast in meinem Auto, und wie schon beim zweiten Mal erkannte er mich nicht wieder. Das macht mich jetzt nicht fertig, ich bin nur einer von zahllosen Taxifahrern und zudem hat der werte Mann die Angewohnheit, die Fahrt nach Hause mit Zeitunglesen zu verbringen. Das erste Mal hat mich seine Schweigsamkeit noch tierisch nervös gemacht, inzwischen freue ich mich darüber, denn bei ihm weiss ich inzwischen, dass es keine eisige Kälte ist, sondern er lediglich seine Fahrt gerne ruhig und lesend verbringt.

Auf den Fahrtpreis war ich selbst gespannt, da ich ihn seit der Tariferhöhung nicht mehr gefahren habe, und er außerdem inzwischen auch eine zweite Route vorschlug, die ich dann lieber genommen habe als seinen Standardweg.

Am Ende lief es auf 31,00 € raus, nicht auf die 29,60 €, die damals noch Standard waren.
(ich hab ja damals mit Fahren nach Navi sogar 28,90 € hinbekommen und hätte es noch billiger geschafft…)
Aber auch er hat seinen Preis angepasst und 34 € gegeben. 😀

Gut, wie eingangs erwähnt: Deswegen ist die Schicht noch nicht zu einem Rekord geworden – aber wenn ich jetzt überlege, wo ich ohne die Tour sein könnte…

Manchmal ist es dann doch schön, wenn man nicht den Erstflug wagt, sondern in bekannten Gewässern schifft.

Trinkgeld-Extreme

Wenn ich es gerade bei Torsten drüben lese, dann muss ich doch irgendwie auch meinen Senf dazugeben 🙂

Trinkgeld ist ja nun wirklich eine schwer zu bemeckernde Tatsache. Schon alleine, dass jemand Trinkgeld gibt, ist toll, das tun beileibe nicht alle Taxikunden. Manche tun es aus Unwissenheit über unseren Job nicht, manche aus Prinzip und manche sind vielleicht wirklich vom Service enttäuscht. Leider erfährt man es meist nicht.

Komisch ist es irgendwie oftmals, wenn es wenig Trinkgeld gibt. Klar geben manche einfach eisern genau einen Euro oder 10 Prozent, was mich dann bisweilen überrascht, weil ich bei einer Fahrt für 8,80 € nicht gerade erwarte, auf 9,80 € herauszugeben, oder bei 6 € Fahrpreis über die Ansage „6,60 €“ stolpere. Das ist einfach ungewöhnlich. Die beiden Beispiele lagen jetzt allerdings durchaus im Rahmen.

So ein ähnliches Beispiel wie Torsten hatte ich derletzt allerdings auch. Ich hatte ein paar Winker am Straßenrand in Friedrichshain, und sie wollten zum bekanntesten Bordell der Stadt, zum Artemis. Sie waren entzückt darüber, dass ich 5 Sitze habe, so konnten sie sich das zweite Taxi sparen. Unterwegs unterhielten wir uns nett – notgedrungen auf englisch, aber durchaus ausführlich – über alles mögliche von Berlins Sehenswürdigkeiten bis zu ihrer Heimat, übers Taxifahren, das Wetter, Fußball und nicht zuletzt über ihre Zieladresse. Einmal waren sie schon dagewesen, sie priesen Qualität und Sauberkeit und Service, und auch die Taxifahrer seien bisher alle so super gewesen, das würden sie gar nicht kennen von zu Hause.
Die Fahrt war also nicht nur relativ lang, sondern auch angenehm. Dazu hatte ich Kunden im Auto, die sich um die Ohren warfen, welchen Luxus sie sich gleich hier für einen Fuffi, da für einen Hunni extra leisten würden, und wie schön doch die Stadt sei. Am Ende standen 21,80 € auf der Uhr, und nachdem ich dem Fünften im Bunde geholfen habe, die dritte Sitzreihe zu verlassen, bekam ich 22 € gereicht und mit einem Klopfen auf die Schulter wurde mir bedeutet, ich könne den Rest doch gerne behalten, war ja schließlich so nett mit mir…

Man muss ihnen zu gute halten, dass sie immerhin kein hohes Trinkgeld versprochen haben.

Und dann hat man zwei Stunden später einen älteren HartzIV-Empfänger im Auto, der wegen einer Bahnverspätung nur noch einen ungünstigen S-Bahn-Anschluss nach Hause hatte. Der hat es sich nicht nehmen lassen, ein bisschen zu jammern, dass der Besuch bei seiner kranken Mutter doch eh schon ein tiefes Loch in die Haushaltskasse gerissen hätte, was ich ihm schlecht verdenken kann. Und dann rundet der Kerl mit einem zahnlosen Lächeln die 12,20 € auf 15 € auf und meint, darauf käme es jetzt auch nicht mehr an, er freue sich, dass ihm mal jemand zuhört.

Da wusste ich dann wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte…

Es ist ja klar, dass nicht jeder meinen Briten (Hey Torsten, bei mir zieht einer alleine den Schnitt schon nach oben! 😉 ) toppen kann. Das wäre auch etwas zu viel verlangt. Ich bin mit den durchschnittlichen 10 Prozent Trinkgeld zufrieden. Schade finde ich, dass es wirklich oft vorkommt, dass das wenigste Trinkgeld von den Leuten kommt, die es sich entweder leisten könnten oder auch noch damit prahlen, es zu tun.

Und hey, ich weiss, dass ich nicht die angenehme Art von Service biete, die Prostituierte ihren Kunden angedeihen lassen. Aber sind 2 € für den Taxifahrer echt so unvorstellbar, wenn man gleich 500 € im Puff liegen lässt?

Alles eins!

Dass das es irgendwie ein Politikum ist, sobald man Menschen nichtdeutscher Herkunft erwähnt, habe ich neulich ja mal wieder feststellen dürfen. Ich finde es immer noch ein wenig unverständlich (nein eigentlich unerträglich!) dass von der Herkunft der Menschen vermeintlich belastbare Rückschlüsse auf ihr Verhalten gezogen werden.

Meist werden irgendwelche schlimmen Ausnahmen als Klischeebestätiger herangezogen. Im Grunde hatte ich heute früh beinahe genau solche im Auto. Am Ende war ich dennoch positiv überrascht. Vielleicht versteht ja jemand anhand der Geschichte, warum ich meine Meinung nicht so schnell aufgebe.

Die Szene, die ich an der Ampel vorfand, könnte aus jenem Bilderbuch stammen, das Thilo Sarrazin bestimmt längst malt, um auch den Teil seiner Anhängerschaft zu erreichen, die des Lesens nicht ganz so mächtig – dafür aber mächtig stolz auf die deutsche Sprache – ist: Kottbusser Tor, Drogenumschlagsplatz Nummer 1 in Berlin. Vielleicht auch Nummer 2 oder 3, ist ja egal. Fast nur Menschen mit Migrationshintergrund auf der Straße, und ausgerechnet die lautesten drei winken mich heran. Ich muss noch an der Ampel warten, inzwischen winken sie einen Kollegen vorbei. Das könnte ich jetzt gleich als Beweis positiv auslegen, hab ich in dem Moment nicht getan. Ja, ich wäre fast froh gewesen, wäre der Kelch an mir vorübergegangen. Denn sonderlich sympathisch haben sie nicht wirklich gewirkt.

Als die Ampel dann grün wurde, hatten sie sich schon ziemlich planlos rund um mein Auto verteilt und sind dann von allen Seiten gleichzeitig eingestiegen.

„Hey, der Kanake da vorne zahlt!“

brüllte es mir von hinten gleich ins Ohr. Na das kann ja heiter werden.

Mein Beifahrer allerdings war ein eigentlich total netter Kerl, dessen erste Amtshandlung es war, sich für seine Kumpels zu entschuldigen und mir eine grobe Zieladresse zu nennen. Plötzlich erschien etwa 3 cm neben meinem Auge ein Gesicht:

„Mach ma Kurzstrecke, Alter!“

„Nee Jungs, so nicht!“

hab ich klargestellt. Das Ziel lag runde 5 bis 6 Kilometer entfernt, und auf Preisverhandlungen lasse ich mich grundsätzlich nicht mehr ein. Ich bin noch kurz demonstrativ stehengeblieben, obwohl hinter mir bereits fleißig gehupt wurde.

„Hör nich auf die, die sind besoffen.“

meinte der auf dem Beifahrersitz und gab mir zu verstehen, dass er selbstverständlich den Preis auf der Uhr zahlen würde. Na gut, immerhin nur 2 Idioten. Die haben sich allerdings in den nächsten 5 Minuten wirklich alle Mühe gegeben, anstrengend zu sein. Sie haben sich in einer Lautstärke unterhalten, die nur den Schluss zuließ, dass sie implantierte Ohrenschützer hatten, die Wortauswahl bediente sich nicht nur der klischeehaftesten Sprache, sondern umfasste sowieso nur rund 100 Worte. Davon etwa 50 nicht jugendfreie.

Eine Kleinigkeit war allerdings erstaunlich: Die üblichen frauen- und schwulenfeindlichen Sprüche waren nicht dabei. Das zu bemerken fiel mir gar nicht schwer, da sie sich lange Zeit damit aufhielten, sich gegenseitig zum Oralverkehr zu überreden. Als sie dabei diskussionsmäßig nicht weitergekommen sind, haben sie begonnen, meinen Beifahrer zu beleidigen. Der hat dann – nachdem er sich im Vorfeld bei mir entschuldigt hat – versucht, die beiden zu schlagen. Also die freundschaftliche Schlägerei-Variante.

Dann kam, was bei so einer wirklich anstrengenden Tour nicht fehlen darf: Das muntere Auswechseln von Fahrtzielen. Jeder der drei redete auf mich ein, wann ich wohin abbiegen müsse, natürlich nicht ohne sich dabei ständig zu widersprechen.

„Jungs, nu mal ruhig! Ich bring euch gerne überall hin, aber einig sein solltet ihr euch halt!“

Während sich nun der Beifahrer darum kümmerte, mich zu fragen, ob er meine Nummer haben könnte, weil er mich cool fand, stritten die beiden hinten sich über das Fahrtziel:

„Gehn wir bei mir. Könnt ihr zoggn, Alder!“

„Was zoggn? Wo soll isch pennen?“

„Pennsch du nix, Alder! Zoggn. Dann gehsch du heim!“

„Boah, bisch du Arschloch Alder. Wir gehen bei mir!“

Man glaubt es nicht, aber so kann man sich minutenlang unterhalten und gleichzeitig absurde Wegbeschreibungen für den Taxifahrer von sich geben. Aber alles hat ein Ende, und ich kam zuletzt sogar darum herum, mich bei dem dunkelsten der Drei zwischen den zwei Anreden „Nigger“ und „Kanake“ zu entscheiden. Die wollte mir der Spaßvogel hinten links aufdrücken, als er mir „Blacky“ vorgestellt hat.

Und so standen wir da, vor einer zu guter Letzt kollektiv beschlossenen Zieladresse. Von rechts hauchte es nur noch sehr dünne Entschuldigungen, während es hinter mir zappelte und tobte:

„Scheiße Mann, bin isch hier Kindersischerung!“

Der Typ auf dem Beifahrersitz versank fast vor Scham in sich selbst, während er versuchte, die 10 Euro und ein paar Cent zu begleichen. Einen Fuffi wollte er mir nicht geben, also suchte er nach Kleingeld. Ich hab zwischenrein einen Blick nach hinten geworfen. Das Auto war sauber, ernstlich Probleme gemacht hatte also keiner.

Fürs Kleingeld musste nun der größte Stresser ran, und statt dummer Sprüche reichte er mir ordentlich Trinkgeld und bedankte sich, dass ich so cool gewesen wäre. Von hinten drängte sich „Blacky“ durch und meinte:

„Wir sind ordentlische Leute, nur betrunken. Mach disch nich Vorurteil! Kein Vorurteil wie Sarrazin! Hey, Kanake, Scheiße, Ausländer, Deutsche, Ost, West – wir sin alles eins! Wir sin cool! Vielleisch nisch jetz! Aba wart mal paar Jahre!“

Das ist kein Witz! Das haben die mir zum Abschluss wirklich so gesagt! Ich fand das ja selber zu klischeehaft.

Und während die beiden Rückbänkler gemeinsam „Wir sind Deutschland!“ riefen und in Richtung Haus zum Zocken verschwunden sind, nickte mir mein (inzwischen Ex-) Beifahrer durchs geschlossene Fenster mit einem mildtätigen Blick zu und bedankte sich mit einem nach oben gereckten Daumen dafür, dass ich sie heimgebracht habe.

Ja, es war eine anstrengende Fahrt. Auch das Geld im Taxi verdient sich manchmal mühsam. Auf der anderen Seite bestätigen mich solche Fahrten immer wieder, dass der größte Unterschied gemacht werden muss zwischen Arschlöchern und Nicht-Arschlöchern, zwischen Zurechnungsfähigen und Unzurechnungsfähigen, sicher aber nicht zwischen Nationalitäten!
Und ich rede das nicht schön. Es gibt auch ganz andere Typen, das ist mir klar. Aber mal ganz im Ernst: Die Typen hätte ich – wäre ich vor ihnen geflüchtet – auch nur als Vorzeige-Assis in Erinnerung behalten. Dabei waren es auch nur ein paar bekloppte Besoffene mit einem seltsamen Humor.

Verdammte Scheiße ja, mir würde doch irgendwie was fehlen ohne solche Gestalten! 😀

Die Sache mit den Zielen…

Das Schönste und Schlimmste (je nachdem) am Taxigewerbe ist die Unberechenbarkeit. Mal läuft es, mal nicht. Ein Kollege von mir ist beispielsweise letzte Woche zweimal binnen zwei Tagen nach Cottbus gefahren. Noch dazu für gar nicht schlechte 210 €. Ich hab in jetzt bald zweieinhalb Jahren noch keine Tour über 100 € gehabt… so ist es eben.

Da aber unser Gehalt vom Umsatz abhängt, hat wahrscheinlich jeder Fahrer da draussen ein gewisses Ziel vor Augen, wenn er sich ins Auto setzt. Wie hoch das ist, das hängt natürlich vom Fahrer, vom Tag und wenn es dann eng wird auch mal von der Laune ab. Manche sehen einfach zu, dass sie einen oder zwei Hunnis einfahren, manche haben einen anderen Tagesschnitt vor Augen, manche variieren ihn sogar, um ein Monatsziel zu erreichen. Und ja, es gibt auch Fahrer, die einfach ihre Stunden runterrocken und am Ende mal durchzählen. Ein bisschen versuche ich das gerade auch so zu halten, weil ich am Umsatz letztlich ja nichts drehen kann.

Aber irgendwie ist es dann ja doch schön, wenn „der obligatorische Hunni“ oder was auch immer endlich in der Kasse ist.

Und so stand ich neulich da, und hab gehofft, dass ich jetzt mit der letzten Tour wenigstens den oben genannten erreiche. 10,70 € mussten es noch sein. Ich bekomme eine Tour und denke, dass das passen könnte. Nebenher mal das Navi angeschmissen, und siehe da:

„Yes, das werden 11 €!“

Einfach so fürs gute Gefühl. Aber Kunden können auch fies sein:

„Ach, lassen sie uns hier an der Ampel raus, wir laufen den Rest.“

„Alles klar, sehr gerne doch. Das sind dann 10,40 €.“

Argh!
Aber andererseits hätte ich mich sonst wahrscheinlich nicht so sehr über die Kurzstrecke gefreut, die ich auf dem Rückweg noch bekommen habe 🙂

Onneff (2)

„Onneff!“

Ich bin ja ehrlich sowas von froh, inzwischen mit der Aussprache von Touristen ganz gut zurecht zu kommen. Was war Onneff natürlich? Hönow!

Nun kann ich auch mal das Hotel aufklären: Das HEP in der Mahlsdorfer Straße 61a war es. Im Wissen, dass Hönow nun wirklich direkt an Mahlsdorf grenzt, bin ich also dorthin geschossen und hab die Mahlsdorfer Adresse eingegeben. Es ist natürlich mords der Umweg gewesen, sodass die Summe auf dem Taxameter inzwischen an den 30 € kratzte, während wir noch ein ganzes Stückchen vom Ziel entfernt waren.

Ich hab meinen immer noch feierwütigen Fahrgästen erklärt wie es aussieht, mich entschuldigt, dass ich auch nicht drauf gekommen bin und gefragt, wie wir das jetzt handhaben. Sie haben es mehr als nur locker genommen und gemeint, dass es jetzt ja noch nicht soo teuer sei, schließlich hätte man ihnen erzählt, 30 bis 35 € müssten sie für den Weg schon bezahlen. Herzlichen Dank an die Reiseleitung, da könnte man also quasi immer so fahren…

Naja, ich hab bei 32 € (was locker 5 € mehr waren, als der direkte Weg gekostet hätte) die Uhr ausgemacht und bin der Adresse entgegengeflogen. Bisher könnte man das vielleicht noch als dummen Fehler der Touris abtun – wieso stimmen drei Leute bei Köpenick zu? Wegen dem Ö? – aber natürlich fand sich an der angegebenen Adresse auch kein Hotel.

Das war jetzt gänzlich mein Fehler. Denn nicht nur weiss ich, dass mein Navi bei Hausnummern gerne mal einen Mittelwert berechnet und schon bei kurzen Straßen mal 100 Meter danebenliegt, vor allem aber kennt es keine Gnade bei Ortsgrenzen. Da mag die Adresse nur 100 Meter hinter der Stadtgrenze liegen, ich muss die richtige Gemeinde eingeben! Und genau das ist hier natürlich der Fall. Das Hotel liegt genau in der gleichen Mahlsdorfer Straße, in der ich inzwischen innerlich leicht panisch an einer Tankstelle angehalten habe, um mir zu überlegen, wie ich jetzt am besten diese Touristen loswerde, weil an der angeblichen Nummer 61 immer noch kein Hotel war.

Ein alter Mann war mir auch nicht wirklich eine Hilfe, der wies mir einen Weg, der so grob Richtung Berlin-Mitte lag, also entgegengesetzt des eigentlichen Ziels. Ich hab die Sache dann so angegangen, dass ich die Adresse nochmal in Hönow eingegeben habe – was dann auch gepasst hat.

Im Übrigen erklärt das auch das Fehlen des Hotels im Robertha. Dort ist es nämlich ganz deutlich und richtig verzeichnet: Als Übernachtungsmöglichkeit im Umland – halt nicht in Berlin 😉

Es ist aber auch absurd, dass das Navi mir für die Mahlsdorfer 61 einen Haltepunkt in Mahlsdorf angibt, auf derselben Straße (nur in Hönow) allerdings einen anderen… da muss man ja durcheinanderkommen. Naja, letztlich war die kurze Umherzuckelei nachher nicht mehr zu Ungunsten der Kunden, und ab jetzt kenne ich das Hotel! Die Tatsache, dass es bereits in Hönow liegt, hat nachträglich sogar das Uhrausmachen legalisiert, da ich ja nach Außerhalb Festpreise nehmen darf. Dass der nächstes Mal etwas niedriger wird, ist natürlich auch klar.

Aber was war eigentlich mit den Kunden?

Die waren happy! Die haben sich kaputtgelacht darüber, dass sie so lange gebraucht haben, haben sich nettestens bedankt und haben mir das kein bisschen übel genommen. Also wesentlich weniger als ich selbst zumindest!

Der endgültige Hammer kam dann beim Trinkgeld. Sie haben die 32 € mit einem Lächeln bezahlt und auf volle 40 € (!) aufgerundet. Sie haben viel Spaß gehabt und außerdem wäre es ja so oder so eine Frechheit, ein Hotel so weit auf dem Land zu nehmen…

Ich weiss nicht, wie oft ich mich bedankt habe, aber mir kommt es jedes Mal vor, als sei es mindestens einmal zu wenig gewesen 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Onneff (1)

Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber gelegentlich vergeige ich auch mal eine Fahrt. Ich hatte gehofft, das nächste Mal passiert so ungefähr im Winter 2061, wenn der Leichenwagen von der Straße abkommt, in dem mein Sarg transportiert wird – aber nun war es doch heute Nacht.

Mir stieg eine gut gelaunte Vierertruppe von Touris am Matrix ein, 2 Australier und 2 US-Amerikaner. Die waren auf der üblichen Europareise, sind aber in einem Hotel untergekommen, das ich nicht kannte. Bis jetzt. Da ich aus dieser Geschichte einen fiesen Cliffhanger machen werde, verrate ich mal nicht den Namen des Hotels.

Auf ihrem Ausdruck von der Reiseleitung standen der Name des Hotels, Berlin, die Straße und die Hausnummer. Das sollte meist ausreichen. Meist. Denn was passierte logischerweise, als ich mein Navi anschmiss: Es zeigte zweimal die entsprechende Straße an. Deswegen griff ich das Robertha und… fand nichts. Das sollte sich später allerdings noch aufklären.

Ich erklärte den feierwütigen Leuten mein Problem und gab ihnen die beiden Stadtteile Mahlsdorf und Köpenick zur Auswahl. Drei Stimmen für Köpenick und eine Enthaltung. Also los!

Die Laune war die kompletten 20 Minuten lang super, wir haben uns viel unterhalten und die beiden Jungs und die zwei Mädels stellten sich als äußerst wissbegierig bezüglich unseres Landes heraus. Nicht nur, dass die Australier stolz verkündeten, seit der Einführung im FreeTV bei ihnen jetzt regelmäßig Bundesliga zu sehen, nein sie kannten selbst den Unterschied zwischen den West- und den Ost-Ampelmännchen.

Und die Laune blieb auch so, als wir in den Punkt erreichten, an dem ihr Hotel stehen sollte. Ja, sollte. Nun war guter Rat teuer. Zumindest die Uhr meldete schon irgendwas von Ende 20. Und da kam von hinten der entscheidende Tipp:

„Onneff!“

Wer oder was Onneff ist, und ob wir das Hotel gefunden haben – das gibt es dann morgen zu lesen. Ich muss mich jetzt nämlich mal für die Arbeit rüsten! Wochenende und so!