Lieblingskundschaft

Nicht!

Ich kann wirklich behaupten, dass ich eigentlich allen Kunden erst einmal eine Möglichkeit gebe, sich unbeliebt zu machen. Selbst wenn mir am Matrix Soldaten ins Auto krabbeln, hoffe ich erst einmal das Beste. Ein paar Minuten bleiben dann noch, um mich zu entscheiden: Fahre ich sie über den Straßenstrich an der Oranienburger Straße oder mache ich zu Gunsten meiner Ohren und Nerven einen kleinen Umweg im 40-Cent-Bereich?

Neulich hatte ich beispielsweise ein paar ganz nette Jungs im Wagen, die sich furchtbar darüber geärgert haben, dass sie die letzten Töffel sind, die eingezogen worden sind, und jetzt mit verplombten Gewehren bei irgendwelchen drittklassigen Staatsbesuchen zu Zierde auf dem Hof rumstehen müssen. Sie beglückwünschten mich zu meiner Entscheidung, Zivildienst gemacht zu haben und sorgten für eine heitere Fahrt.

Die hatte ich auch mit den Jungs, von denen ich eigentlich erzählen will. Zu Beginn. Traurigerweise wurde das Ganze dann an der Oranienburger schnell anders, und auch wenn die Damen da rumstehen, um Begehrlichkeiten zu wecken: Die Sprüche meiner Kundschaft hätten sie schlicht nicht verdient. Ich ärgerte mich in Gedanken schon darüber, dass ich anschließend die Scheiben reinigen konnte – weil man ja offenbar mehr sieht, wenn man sich mit Mund und Nase ans Glas drückt und dabei sabbert.

Komischerweise sorgte diese kurze Episode aus der langen Fahrt in Richtung Tegel jedoch keineswegs für bessere Laune. Nein, alles war scheiße! Sie waren zu einem Sportturnier hier, und so langsam kristallisierte es sich auch heraus, welchem Kuhstall  sie entsprungen waren: Es waren Polizeischüler!
Bei meiner fiesen Einstellung spielt es im Übrigen keine Rolle, dass ich schon gelegentlich unsanft von Gesetzeshütern angegangen wurde – nee, den Ruf hat sich die künftige Truppe schön selbst in meinem Taxi erworben. Was die Ausdrucksweise angeht, hatte ich von grotesk bis strafbar schon alles, und auch wenn es diesmal nicht um Geschlechtsteile und lebensunwerte Menschen ging, war es eine eher ernüchternde Fahrt.

Denn: Berlin ist scheiße! Das nordrheinwestfälische Dorf aus dem sie kamen, sei der Hauptstadt ja sowas von überlegen. Nicht nur gibt es dort bessere Discos (als das Matrix! Das glaube ich unbesehen!), nein wenigstens sind dort die Hotels besser und ganz so kriminell sei es dort auch sonst nicht. Ob ich nicht 25 Festpreis machen könne?

„Nee, das wäre auch kriminell – aber wir kommen sowieso für knapp 20 hin.“

Na gut, immerhin fahren wir nicht durch Kreuzberg. Das Elend wollten sie keinesfalls sehen. Wie man es nur aushalten könne in Berlin! All die Türken und Kriminellen… und der Fluglärm!

Was soll man eigentlich dazu sagen? Da treffen sich ein paar Jungs, die die Geilheit Weisheit mit Löffeln gefressen haben und nicht mal wissen, was eine Stadt wirklich ist. Sie wohnen in einem billigen Hotel in der Einflugschneise des Flughafens Tegel und besuchen einen der schlechtesten Clubs der Stadt. Außerdem sind sie so doof, an einem Turnier teilzunehmen, auf das sie keine Lust haben und ärgern sich über ihre Weckzeiten um 9 Uhr, nur weil sie bis 4.30 Uhr saufen waren.

Also ehrlich, bei denen will ich mit Berliner Kennzeichen in ihrer Heimat auch nicht in eine Verkehrskontrolle kommen!

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Machste 25, haben wir ja gesagt.“

Manchmal ist es ja schon praktisch, wenn man sich seinen Teil nur denkt, und einen Blog zum Abreagieren hat 😉

Ich hab gerade hin und her überlegt, wie ich den Artikel überschreiben soll. Mir ist nichts eingefallen, bzw. das, was mir eingefallen ist, wäre als Überschrift zu unschön gewesen. Eigentlich braucht man auch keine Überschrift, keine Umschreibung und kein Fazit.

Ich war binnen weniger Minuten der Dritte am Ostbahnhof, und hab nur kurz registriert, wie eine dreiköpfige Gruppe ziemlich kurioser Gestalten vom Kollegen vor mir abgewiesen wurde. Das muss wirklich nicht zwingend schlimmes bedeuten, allzu oft fragen die Leute nach Kartenzahlungen, Umlandsfahrten oder sperrigen Gepäckstücken – sprich: Nach Dingen, die wir Taxifahrer ablehnen können.

Die Frage, die mir die ziemlich verwahrlost aussehende Frau stellte, war indes ziemlich simpel:

„Enschuulgung. Fahrst du uuns?“

„Klar doch.“

Der Grund für die Ablehnung des Kollegen war offensichtlich: Die drei Gestalten waren nicht gerade die saubersten, und gleich nach dem Losfahren meinte meine Beifahrerin dann auch:

„Weissdu, siind wir Obdachlose!“

Als ob das nun irgendwie die logischste Fortsetzung war, klappte sie den Pizzakarton in ihrer Hand auf und wollte mich einladen, von der herrlich frisch duftenden Champignon-Pizza zu kosten. Ich verneinte höflich, was zugegebenermaßen durchaus auch daran lag, dass ihre Finger dreckverkrustet das Stück hielten.

„Wär kein Problem. Isse genuug!“

teilte sie mir lachend mit. Die Fahrt selbst war wirklich nur sehr kurz. Sie lotste mich an ein leerstehendes Haus ohne Fenster, dessen einziger Daseinszweck von außen betrachtet zu sein schien, als Übungsfläche für unbegabte Graffiti-Künstler zu dienen.
Die alte Frau zeigte mir ein ungemein breites Grinsen, dass die drei verbliebenen Zähne über Gebühr betonte, und lachte:

„Darf ich dir vorstellen: Meine Villa!“

Das Taxameter zeigte am Ende magere 5 € an, und irgendwie hab ich ja darauf gewartet, dass sie sagen, sie hätten kein Geld. Wahrscheinlich hätte ich es ihnen nicht einmal übel genommen, wenngleich es natürlich unverschämt mir gegenüber gewesen wäre.
Die Frau aber quittierte den Betrag mit einer Anweisung an einen der Mitreisenden im Fond. Der erfolgte in einer mir gänzlich unbekannten Sprache, ich vermute irgendwas östliches.

Der Mann hinter mir reichte mir 6 € und bedeutete mir, dass das so stimmt:

„Guy, that was a nice ride. Nice to meet you!“

„Du bisse guute Mensch!“

sagte die Frau lächelnd, während ihr Begleiter sich mit eingeübtem Schwung unter dem Bauzaun durchrollte, der wahrscheinlich genau dafür da war, arme Landstreicher wie diese drei abzuhalten.

Sind wir mal ehrlich: Ja, ich hab nach einer kurzen Tour für insgesamt 6 € nochmal Sitze, Scheiben und Türgriffe sauber machen müssen. Fettige Finger hier, dreckige Hosen da – aber nix wildes. Froh drum war ich sicher nicht. Aber wenn mich jemand fragt, was die schönste Tour des Abends war…

Wat ein Anfang!

So, der Mai schlägt erstmalig zu, und endlich stimmen auch die Umsätze mal wirklich wieder. Ich hab das erste Mal seit 18. Februar (!) mal wieder über 200 € in einer Schicht gemacht.

Mir sind die Kunden nur so zugeflogen, noch dazu die mit den lukrativen Touren. Es ist einfach schön, wenn selbst die Fahrgäste mit den kurzen Fahrten fast allesamt positiv auffallen. Bezeichnend hierfür wären zum Beispiel der Kunde, der seine Tour für 8,00 € mit 12 bezahlt hat und meinte, er danke mir „von ganzem Herzen“ – oder der nette Herr, der in irgendeiner leitenden Position bei der aktuell laufenden „Körperwelten“-Ausstellung sitzt, und mir bei 6,80 € Rechnungsbetrag neben 1,20 € Trinkgeld gleich 2 Freikarten für die Ausstellung hat zukommen lassen.

Es geht nicht immer nur ums Geld in diesem Job – aber wenn das Einkommen auch noch stimmt, dann macht es doch gleich doppelt Spaß! In diesem Sinne einen fröhlichen Mai euch allen!

Blaaaaah*

„Zum Lido?“

„Nee, ich glaub nicht, dass das das Lido war…“

Einigkeit unter potenziellen Fahrgästen ist stets schön 🙂

Das Lido war offensichtlich nicht wirklich die Adresse, zu der sie wollten, denn zumindest der eine behauptete felsenfest, sie müssten zum Kottbusser Tor. Um selbiges herum kenne ich vom Vorbeifahren zwar ein oder zwei Locations, wo es gelegentlich Schlangen von Partygästen gibt – einen Namen für irgendeinen Club dort kenne ich allerdings nicht. Die nächsten beiden, die ich im Umfeld kenne, sind eigentlich der Tresor und der Farbfernseher. Davon sollte es keiner sein.

So ein bisschen soll es schon wie Lido klingen, aber es geht ganz sicher nicht zum Schlesischen Tor, sondern zum Kottbusser.

Sind jetzt nicht gerade meine Lieblingsfahrten, wenn das Ziel nicht feststeht, aber die Jungs waren recht nett und erweckten auch nicht den Anschein, als würden sie es mir übelnehmen, dass ich auf die Frage nach einem namenlosen Club ohne sonstige Merkmale keine Antwort hatte. Sie würden es schon erkennen, wenn sie da wären. Aber erstmal zur Tanke!

Kaum eingestiegen kam die tollste aller Fragen:

„Machste Fuffzehn Festpreis?“

„Haha, im Ernst Jungs: Ich darf nicht. Aber 15 würde ich verdammt gerne machen!“

„Äh, na dann halt 12 oder so…“

Das Thema hatte sich schnell erledigt. Sollte die Fahrt am Kotti beendet sein, wären das mit Tankstellenstopp vielleicht 8 €.

„Willste auch was?“

„Nee danke, ich bin versorgt!“

Es ist immer eine nette Sache, wenn Kunden einen zu irgendwas einladen wollen – ich bin da trotzdem meist freundlich zurückhaltend.  Der eine ist dann mit zwei Bier im Gepäck zurückgekommen und es herrschte höchste Freude, als ich ihnen erlaubt habe, es aufzumachen. Mit dem netten Hinweis, dass ich nicht erpicht darauf bin, nachher die Kronkorken im Auto zu finden.

Am Kotti angekommen haben sie natürlich gar nichts wiedererkannt, und auch ein bisschen rumfahren half nicht wirklich. Letztlich hab ich sie dann doch vor dem Lido abgesetzt mit dem Verweis darauf, dass der Club der Visonäre auch noch in Fußweite liegt. Sie haben es wirklich bis zum Schluss nicht so recht geschafft, mir begreiflich zu machen, nach was sie eigentlich genau suchen würden – mal ganz abgesehen vom Lido am Kottbusser Tor.

Zusätzlich zu einem netten Trinkgeld (der Betrag lag aber immer noch unter den 15 €) bekam ich dann sogar noch ein Snickers geschenkt, das mein Fahrgast wohl an der Tanke noch extra für mich geholt hat. Manchmal sind sie ja schon super, die Kunden!

Dummerweise lag die schokoladige Köstlichkeit dann ein oder zwei Minuten direkt vor dem Bildschirm des Navis. Offenbar vom dort gezeigten Kartenmaterial inspiriert, begann sie wegzulaufen. Vielleicht lag es auch an der Hitzeentwicklung in dem Bereich…
Ich hab das Problem dann gelöst, indem ich das Teil auf die Lüftungsschlitze für die Frontscheibe gelegt und die Belüftung auf Kalt gestellt habe. Man muss sich nur zu helfen wissen 😉

*Der Titel wurde im Rahmen der Kommentare meiner Facebook-Gruppe gefunden. El Programador hat den Vorschlag gemacht, ohne den Inhalt zu kennen.

Zu wenig

Ich bin manchmal wirklich eklig nett. Eigentlich völlig ungeeignet, um vernünftig Geschäfte zu machen. Also in vielen Punkten bin ich da ja schon stolz drauf, und ich finde nach wie vor, dass der Taxi-Branche ein wenig mehr Dienstleistung und etwas weniger Egoismus gut tun würde. Aber manchmal denke ich dann auch, dass ich eigentlich dämlich bin.

Die beiden Jungs am Frankfurter Tor schienen sich nicht so wirklich sicher zu sein, ob sie ein Taxi nehmen sollten. Eine Hand hat gezuckt, ich hab leicht gebremst, Blicke wurden ausgetauscht, ich löste die Bremse, das Gesicht wurde länger, ich bremste wieder stärker… manchmal hat man es ja auch nicht einfach. Dass der Kollege direkt vor mir die beiden nicht wahrgenommen hat, wundert mich nicht.

Aber als ich dann dastand, war ja alles gut. Die Nacht lief bescheiden wie immer in den Osterferien, und hey: Winker! Also eigentlich ja eher Zucker…
Das nähere Betrachten der beiden weckte dann aber auch wieder Argwohn in mir. Mit Bierflaschen hab ich jetzt persönlich kein so großes Problem, das ist mit einer Ermahnung bisher immer gut gegangen. Aber die beiden hatten ausgerechnet noch Döner dabei. Verdammt! Und ich meine jetzt nicht eine stolz befüllte dünne Plastiktüte mit Dönern drin, sondern abgenagte Teigfladen ohne den Hauch einer Serviette. Hmm, was mach ich jetzt? Ich meine, ich Idiot hab ja auch noch selber angehalten…

„Entschuldigen sie, ist der dem vielleicht ok mit den Kebaap oder besser nicht?“

Nüchtern übrigens. Nur Schweden.

„Ist nicht wirklich gut, ist es nicht? Mit den Kebaap?“

Ach Jungs, für die nette Nachfrage und die niedliche Aussprache machen wir mal eine Ausnahme. Enttäuscht mich nicht!

Ich hab sie natürlich trotzdem nochmal eindringlich ermahnt, dass ich das nur so locker sehe, so lange davon nix an den Sitzen landet.

„Das ist sehr nett von ihnen. Viele Dank für nehmen uns mit den Kebaap! Wir müssen in den Koppenstraße nicht weit.“

Und was mach ich? Nach 40 € Umsatz in 5 Stunden? Bei zwei angetrunkenen Schweden mit Döner in der Hand?

„Machen wir Kurzstrecke, oder?“

Ich sag es ja: Manchmal ist es widerlich mit mir. Schlimmer noch: Die beiden wären von sich aus nie auf die Idee gekommen!
Allerdings war die Fahrt wirklich angenehm. Beide hielten sie ihre Döner ehrfurchtsvoll fest und dankten mir, dass ich sie trotzdem mitnehmen würde. Der Geruch hat mich dann auch noch hungrig gemacht, aber da wusste ich, dass der bei offenen Fenstern schnell wieder weg ist. Die beiden haben wirklich keinen Krümel hinterlassen, keinen Tropfen Bier, ja nicht einmal die obligatorische Haargel-Schleimspur an der Seitenscheibe.

„Was soll es jetzt kosten?“

„Vier Euro. Kurzstrecke eben.“

„Oha! Vier Euro. Das ist zu wenig!“

Meine Rede 🙂

Und so sind dann doch noch 6 € daraus geworden. Irgendwann werde ich es noch bereuen, so viele Zugeständnisse zu machen. Bei denen war es schon ok.

„Und haben sie den Dank, dass sie uns genommen haben mit…“

Mit Kebaap, ich weiss…

Bonne nuit!

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann dass es kein Fehler war, Französisch in der Schule abzuwählen. Französisch ist zweifellos eine wunderschöne Sprache, mir persönlich liegt sie allerdings gar nicht. Theoretisch hätte ich an meiner Schule sogar das französische Abi machen können, bei mir war es aber eher so, dass mich die ein oder andere Stunde histoire etliches Geschichtswissen gekostet hat, anstatt es mir näherzubringen.
Ich stehe im Allgemeinen mit der Grammatik ein wenig auf Kriegsfuß, und das wird der Grund sein, weswegen ich mich mit Englisch zwar anfreunden kann, Französisch aber immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.*

Aber eines muss man dieser Sprache lassen: Richtig ausgesprochen ist es die beste Form, Einladungen ins Schlafgemach glaubhaft zu machen.

Nun, ganz so zügellos geht es meinem Taxi dann auch nicht zu. Aber ich hab mich dazu breitschlagen lassen, ein paar Worte auf französisch zu reden mit der reizenden jungen Dame, die in ihr Hotel gebracht werden wollte. Also sind wir ehrlich: Einen wirklich holperfreien Satz hab ich allenfalls zur Verabschiedung zustande gebracht (manche Dinge vergisst man halt doch nie) – aber es hat tatsächlich ein wenig Spaß gemacht. Und ein paar Worte haben die 7 Jahre Unterricht dann ja doch hinterlassen. Während ich in Spanien wirklich ausschließlich zwei Bier bestellen kann, kann ich in Frankreich schon erklären, dass ich mit dem Auto da bin und lieber etwas alkoholfreies hätte.

Aber wir (will heißen: Sie) hatten schon einiges zu lachen. Am Ende hat sie zusätzlich zu ihrem netten Trinkgeld noch im Geldbeutel gekramt, eine Münze rausgeholt und sie mir mit einem umwerfenden Lächeln in die Hand gedrückt:

„C’est pour toi, mon ami. Pour collectionner. Bonne nuit.“

Ganz ehrlich: Obwohl ich jedes Wort verstanden hab, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Rrrr!

Was die Münze angeht, hatte ich ja auf einen Franc gehofft, wäre ja wirklich nett, eine nicht mehr im Umlauf befindliche Münze zu erhalten. Aber leider war meine wohlwollende Kundin wohl aus der Schweiz.

Aber wenn ich gerade dabei bin:

Zut alors! Trop tard pour écrire des textes longues… Bonne nuit, mes copains!

Wer in den Sätzen Fehler findet, darf sie gerne behalten. Ich kann schließlich gar kein Französisch und hab es jetzt nicht überprüft.

*Hey, an diesem bewusst zweideutigen Wortspiel hab ich hart gearbeitet – also lacht bitte auch! 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

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Trinkgeldversprechen

Im Allgemeinen halte ich mich wirklich daran, Trinkgeldversprechen nicht zu trauen. Ich habe vor einiger Zeit zwar schon ein nettes Gegenbeispiel verbloggt, aber im Allgemeinen gilt doch immer wieder, dass man sich auf Aussagen von Kunden nicht verlassen sollte. Warum das so ist, weiss ich selbst nicht. An Unzufriedenheit lag es nach meinem Wissen zumindest bei mir im Taxi noch nie.

Die längste Tour des Wochenendes war ein schönes Beispiel dafür. Eine Gruppe junger Leute hat am Ostbahnhof am frühen Morgen ein Großraumtaxi gesucht. Dann hieß es aber auf die fünfte Person warten und außerdem gedachten sie, noch eine Zigarette zu rauchen. Bei dem Spielchen mit dem Warten mache ich gerne mit – allerdings hat das Grenzen. Ich hab da keine feste Linie, dass ich nur eine Minute pro Euro Umsatz warten will oder so – aber diese Spinner damals haben es echt so sehr ausgereizt, dass ich es mir inzwischen überlege.

„Wo soll es denn hingehen?“

hab ich gefragt. Abgelehnt hätte ich sie so oder so nicht. Aber übers Taxameter einschalten darf man schon nachdenken, wenn es nur um einen Fünfer geht. Oder ich stehe eben doch anderen Kunden zur Verfügung. Bei aller Lockerheit will ich ja trotzdem ein wenig Geld verdienen.

„Nach Falkensee. Lohnt sich also.“

Hossa! Klar, es liegt außerhalb – aber dafür reden wir hier auch von 35 bis 40 € Umsatz.

„Und sagen wir mal so: Wenn du uns noch rauchen lässt, dann springt auch ein bisschen mehr Trinkgeld raus…“

Na klar.

Die Fahrt war tatsächlich sehr entspannt, und mir wurde immer klarer, dass es eine wirklich lange Tour werden würde. Sie mussten alle an unterschiedlichen Adressen raus, ich hatte also richtig viel Glück. Gott sei Dank hatte ich nicht irgendeinen Festpreis ausgemacht 🙂

Als die ersten Ratten das Schiff verließen, stand die Uhr bei knapp 30 €, allerdings geschah jetzt etwas recht seltenes. Auf einen Sammelaufruf zückten wirklich alle schnell ihr Portemonnaie, und der der zuletzt aussteigen sollte, bekam tatsächlich in Windeseile 55 € zusammen fürs Taxi. Normalerweise wird da erst mal rumgerechnet, wer jetzt wie viel zahlt, manchmal geht es da echt um Cent-Beträge. Hier nicht. Die 55 € schienen zunächst ein absurd hoher Betrag zu sein, aber es stellte sich heraus, dass der junge Mann sogar noch ein Dorf weiter wollte…

Nach und nach hab ich die Leute abgesetzt, und zu guter Letzt sind wir dann an einem Kaff unweit der B5 gelandet, die für mich die morgendliche Einflugschneise nach Berlin werden sollte. Mein inzwischen ziemlich müder Fahrgast lotste mich zu seinem Haus, und das Taxameter stoppte die Zählung bei 49,10 €. Wow!

Da kann man doch nur froh lächeln in Anbetracht der Tatsache, dass er 55 € fürs Taxi bekommen hat. 🙂

Denkste!

„Hier haste 50. Stimmt so – und eine angenehme Schicht noch!“

Zugegeben: Hier war die Fahrt schon Belohnung genug – aber man denkt sich seinen Teil. Die zweitlängste Tour an dem Abend hab ich übrigens quasi genauso beendet. Die Uhr stand auf 24,80 €.

„Das war jetzt aber eine echt nette Fahrt. Machen sie mal 25.“