West Berlin, 5 €

Anfragen von Kunden sind erst einmal immer schön. Ich will Geld verdienen, und was ich dazu brauche, sind Kunden, die Geld für meine Dienstleistung ausgeben wollen. Also antworte ich auf Kundenanfragen eigentlich immer mit der gebotenen Höflichkeit und mit guter Laune. Heute Nacht ist mir das zugegebenermaßen schwer gefallen.

Vor der Narva Lounge (also im Grunde das Matrix) laberten mich zwei Quatschköppe auf englisch zu. Damit komme ich auch eigentlich gut klar, aber wenn ich bedenke, dass sich manch einer über Schwaben in Berlin aufregt, dann sollte man sich meines Erachtens nach gleich danach die Australier ansehen.

Ich hab ja nun einige Australier im Auto, aber es ist schlicht schwer, einen Slang zu verstehen, wenn man selbst bei der eigentlichen Sprache noch diverse Lücken hat.

„West Berlin, to West Berlin, the Zoo. In the Hostel. 5 €!“

Das war so das, was ich mit Mühe und Not aus einem dreißigsekündigen Monolog entnehmen konnte. Aber das war ein schlechter Scherz. Denke ich mir so.

Zum Zoo sind es vom Matrix aus runde 16 bis 18 €, also weit entfernt von dem, was die Jungs mir geboten hatten. Ich hab sie über den Preis aufgeklärt, unseren Tarif, unsere Pflicht, selbigen einzuhalten und darüber, dass ich ja auch mein Geld verdienen muss.

Dennoch haben sie mein Angebot angenommen, einen anderen Fahrer zu fragen.

Kein Wunder, dass sie letzlich zurück kamen. In unserem Gewerbe tummeln sich einige Gestalten, die Festpreise liebend gerne annehmen, aber die 5 € sind ja nicht einmal schwarz ohne Uhr eine Alternative.

So kam es dann, dass sie mich letztlich auch noch mit folgendem grandiosen Argument belästigten:

„Fuck, we’re only fucking students!“

Ich bin sonst ja ein Meister der Konfliktbewältigung, aber darauf ist mir nichts anderes eingefallen als:

„Fuck, and I’m just a fucking cabdriver!“

Senti

Die erste Fahrt war mal wieder so ein richtig gelungener Treffer, eine Fahrt wie sie die meisten Kollegen davon abhält, sich an den Ostbahnhof zu stellen. Gerade mal 6,80 € sind auf dem Taxameter zusammengekommen, und wenn ich ehrlich bin, dann auch nur deswegen, weil mein Kunde die Hausnummer derart ungenau beschrieb, dass ich am Ende noch ein paar hundert Meter Umweg fahren musste.

Aber wenigstens war es eine nette Fahrt, der Kerl war gut drauf, ich auch… also was soll es?

Am Ziel zückte er trotz Monatsanfang auch nicht etwa einen Fuffi, sonder meinte zu meiner Freude:

„Ha! Endlich werd ich mein ganzes Kleingeld los!“

„Na dann immer her damit! Ich kann Kleingeld gebrauchen!“

Als er mir dann einen Fünfer reichte, wunderte mich das schon, aber er hat tatsächlich nochmal ganze 4 € mehr oder minder klein nachgelegt. Im Übrigen in durchaus brauchbaren Münzen, kein Rotgeld.

Beim Einwerfen ins Portemonnaie ist mir dann eine allerdings doch aufgefallen:

10 estische Senti, Quelle: Sash

10 estnische Senti, Quelle: Sash

Insbesondere da die Produktion dieser Münzen inzwischen eingestellt wurde, denke ich doch stark, dass es zugleich das erste und letzte Mal gewesen sein wird, dass ich 10 Senti aus Estland in der Fingern halten werde. Da die Münze umgerechnet nur etwa 0,64 Cent wert ist, werde ich mir einen Umtausch wahrscheinlich ersparen 🙂

Unentschlossen

Als sie mir am Ostbahnhof ins Auto stiegen, wirkten sie wie ein Vorzeige-Pärchen. Waren sie gewissermaßen auch. Nur anders. Sie gab gleich den Kurs an:

„In die Oranienstraße bitte!“

Alles klar. Eine der üblichen  7€-Touren am Ostbahnhof. Einmal über den Fluss und gut is.

Im Fond begann sich aber der männliche Teil zu regen, tuschelte dann sogar mit ihr, und letztlich meinte sie genervt:

„Dann sag du doch!“

Das tat er auch:

„Ja, ähm… wir fahren dann in die Lichtenberger Straße xy.“

OK, das ist vom Anfang her die gleiche Richtung, nur geht es gar nicht erst bis über den Fluss. Eher so die Größenordnung 5 €. Es wäre gelogen zu behaupten, ich sei begeistert gewesen, aber so ist das Leben. Ich hab dann noch kurz klären wollen, wo die xy genau liegt. Alles kann man ja auch nicht wissen.

„OK, wo liegt die xy denn genau?“

„Ist gleich das große Haus da vorne.“

„Ah, dann fahr ich also am Besten über die Holzmarktstraße?“

„Ja.“

Das ist nun wirklich kein Weg. Links, rechts, links, fertig. Also setze ich den Blinker und…

„Nein! Hier rechts!

Also doch nicht über die Holzmarkt. Wieso frage ich eigentlich? Ich bin also der Straße gefolgt, und hab mich schon halbwegs gefreut, weil das – wenn es wirklich das Haus sein sollte – ein ziemlicher Umweg sein müsste.
Meine Fahrgäste zankten sich inzwischen. Es ging irgendwie darum, warum sie jetzt nicht mit dem Taxi nach Kreuzberg fahren würden. Er wollte anscheinend selber fahren, sie wollte aber nicht mit ihm fahren. Ich war gerade dabei zu überlegen, ob es geschäftsbelebend wäre, mich auf ihrer Seite in die Diskussion einzumischen – da schrie es von hinten plötzlich:

„Links! Hier links!!!“

Also durch die Lange Straße? Hat das blöde Haus etwa einen Hintereingang?

„Entschuldigung! Aber wir streiten uns gerade ein bisschen…“

Ich hab also so mehr oder weniger gewendet und mich auf den Dienstleistungsgedanken zurückbesonnen:

„Das stört mich nicht, ich brauche bloß etwas Zeit, um auf eine Ansage zu reagieren.“

Ob das angekommen ist, weiss ich nicht. Die Diskussion auf der Rückbank ging gnadenlos weiter. Da ich an der nächsten Kreuzung aber wieder einen Richtungswechsel erwartete, hab ich mal besser vorher nachgefragt, ob ich rechts abbiegen soll.

„Nein, hier können sie uns rauslassen.“

Hier? Das bedeutet also, die Gesamtstrecke betrug etwa einen Kilometer, und die letzten 200 Meter laufen sie lieber. Manchmal verstehe ich meine Kunden nicht, ganz ehrlich. Aber gut, es gab ja letztlich noch ein Happy End. Also für mich. Bei den beiden bin ich mir nicht so ganz sicher.

„Stimmt so.“

meinte er und reichte mir einen Zehner nach vorne. Einen Zehner. Es gibt so Momente, da muss man das Erstaunen nicht einmal spielen. Super! Zu guter Letzt noch der Abschiedsspruch von ihr:

„Tut mir echt leid. Wir wollten dich nicht nerven!“

Äh? Ja. Wegtreten!

Kuriose Summe

Eine nette Kundin hatte ich zweifelsohne. Auch ihr Mann war mir sehr sympathisch, und die Tatsache, dass die Fahrt 22 € Umsatz brachte, machte die Sache dann endgültig angenehm. Nach einer relativ langen, wenn auch oberflächlichen Unterhaltung stehen wir dann bei den beiden vor der Türe und ich stoppe das Taxameter:

„So, dann wären wir bei genau 22 €.“

„So, hier… oder soll ich es ihnen lieber klein geben?“

„Klein ist immer super! Also wenn es keine Umstände macht…“

„Nein nein, hier!“

Sie reichte mir einen „Stapel“ Fünfer und gab mir dann 3 € Kleingeld hinzu. Ich hab mich für das Trinkgeld bedankt. Nicht überschwänglich, zugegeben. 1 € ist bei einer so langen Fahrt unter dem Durchschnitt, und damit – so schön Trinkgeld auch jedes Mal wieder ist – unter dem, was ich – insbesondere nach so einer Fahrt – erwartet habe.

Ich hab die Scheine gleich weggepackt. Mein Wechselgeld war ja nach wie vor komplett, und für den Fall aller Fälle ist nie mein ganzes Geld im Portemonnaie. Soweit, so normal. Ich hab die Tour gedanklich abgehakt, und mich weiter der Schicht gewidmet. Als ich allerdings meine Einnahmen irgendwann durchgesehen habe, bin ich auf 5 Scheine zu 5 € gestoßen – und das war die einzige Fahrt, die mir so bezahlt wurde.

Nun würde mich doch interessieren, ob ich bewusst 6 € für die Tour gekriegt habe, oder ob sich die werte Frau bei der Anzahl der Scheine ebenso vertan hat wie ich.

Im Übrigen war das wahrscheinlich das erste Mal im gesamten letzten Jahr, dass ich einen Haufen Scheine einfach eingesteckt habe, ohne genau nachzuzählen.

Zufälle gibt es…

Nicht mehr mein Problem…

Die Neuigkeiten zu den Auswurf-Spezialisten vom frühen Samstagmorgen sind natürlich noch überschaubar. Heute stand dann erst einmal auf dem Programm, was für mich als Angestellten dann doch irgendwie unabdingbar ist:

Ich hab meinen Chef informiert.

Im Grunde wollte ich eigentlich nur nachfragen, wie sie mir im Zweifelsfalle den Rücken stärken könnten, bzw. auch um überhaupt mal was zu sagen – schließlich hab ich ja für den Fall, dass die Typen sich einer Zahlung weiterhin verweigern, eine nicht gerade kleine Fehlfahrt von 70 € auf der Uhr.

Nun ist mein Chef bei der ganzen Kotz-Thematik allerdings ganz anders drauf als ich. Ich sehe den Leuten ihren übermäßigen Alkoholkonsum gerne nach und sogar Kotzen bewerte ich als zwar ärgerliche Sache, nicht aber als Kapitalverbrechen. Natürlich setze ich voraus, dass ich entschädigt werde, wenn ich im Abendessen von Alkoholleichen umherfische anstatt einfach nette Kunden zu befördern – aber wenn das geklärt ist, dann sind mir die Leute nicht mal zwingend unsympathisch.

Mein Chef hingegen vertritt nicht nur die Meinung, dass Kotzen mit das Übelste ist, was uns Fahrern passieren kann – er hat beim letzten Weihnachtsfest auch die gesamte Nachtfahrerschaft gegen sich aufgebracht, als er die Meinung vertrat, angetrunkene Kundschaft sollte man gar nicht befördern, und man könne die solche auch tatsächlich in der Praxis umgehen.
Er hat also entsprechend noch keinen derartigen Zwischenfall als Fahrer gehabt und uns ans Herz gelegt, auf jeden Fall die Autos danach für schlappe 400 € professionell reinigen und desinfizieren zu lassen, die Rechnung zum Kunden schicken und Ende.

Ich gebe zu, da stimme ich ihm nur bedingt zu. Dass die Kunden im Zweifelsfall eine solche Maßnahme dulden – und damit zahlen – müssen: D’accord! Nach Möglichkeit handhabe ich es allerdings dennoch so wie ausgerechnet der unsympathischste Typ am Samstag gesagt hat:

„Selber mit’m Lappen drüber!“

Natürlich geht das nicht schnell, weil man es gründlich machen muss – und natürlich spart man sich damit trotzdem nicht den Verdienstausfall. Aber die Rechnung für den Kunden wäre ja schnell 4-stellig geworden, wenn ich die Kiste übers Wochenende hätte stehen lassen, mein Tagfahrer ebenso, und wir dann am Montag nochmal einen halben Tausender für die Reinigung aufschlagen. Da ist dann in meinen Augen trotz mancher Arschgeige die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben – zumindest wenn man wie ich relativ pragmatisch mit den Körperflüssigkeiten anderer Leute umgehen kann.

Da ich aber eigentlich gar keine große Lust habe, diesen Ärger auf meine eigene Schulter zu nehmen, war ich dennoch positiv überrascht, als mein Chef kurz und knackig verkündete:

„Du musst da gar nix machen! Die verklagen wir und da schlagen wir die höchstmögliche Entschädigung für dich raus!“

Also mal sehen. Die wichtigsten Fakten hab ich ihm schon gemailt, jetzt muss ich auch abwarten.

Abschließend möchte ich noch sagen: Ja, das ist hart. Meinetwegen hätte es so nicht laufen müssen. Ich hab – wirklich lächerliche – hundert Euro gefordert. Ein

„Sorry, wir haben nur 80!“

hätte mir vielleicht gereicht und ich werde bei entsprechenden Vorkommnissen auch in Zukunft erst mal darauf setzen, dass man sich einigt. Ich will dabei nicht draufzahlen und vielleicht ein nettes Trinkgeld als Entschädigung – um mehr geht es nicht, und ich finde meine Haltung gerechtfertigt. Aber wenn statt einer Entschuldigung meine Arbeit herabgewürdigt wird, ich beleidigt werde und ich dann auch noch auf  Geld verzichten soll – dann ist es vielleicht ok, wenn es so läuft wie jetzt. Ich kann die Helden der Nacht echt nur beglückwünschen zu allem, was jetzt kommt…

Auswurf, braun-rot

„Eine Leiche gibt’s immer…“

lächelte die junge Dame gequält, als sie einen massiven Typen auf die Rückbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er würde es sicher packen? In diesem – wie in den meisten Fällen – hab ich mich zum Transport entschieden, mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Geldgeilheit. Wie das beim Taxifahren wohl immer der Fall ist.

„Dann ist es aber nicht so gut, wenn er ganz links sitzt – da geht die Tür nämlich nicht auf!“

„Ach, im Notfall sagen wir Bescheid.“

Jetzt springen sicher gleich ein paar Kollegen auf und meinen, dass ich ja hier schon hätte abbrechen können. Gewiss, eine konkrete Gefahr bestand. Aber ich führe diese Dialoge so oft – und es passiert fast nie was. Ich hab mit solchen Truppen schon lustigste Fahrten und beste Trinkgelder gehabt – meist schafft man im Ernstfall ja noch so eine ganz eigene Art „Gefahrenbremsung“.

In diesem Fall war es ein Fehler. Als ich auf Bitten eines Mitreisenden angehalten habe, hatte „die Leiche“ schon lautlos aus dem Fenster gekotzt und eine ansehnliche Spur auf der Außenseite des Wagens hinterlassen. Es folgte eine kurze Pause, einiges an Abwischerei, und ich war immerhin froh, dass kaum etwas im Auto zu finden war. Die Truppe war zudem recht nett, sie kümmerten sich um ihren Freund und ich bekam auch schon den ersten Zehner „fürs Anhalten“ zugesteckt.

Ich hab das mit einem Verweis auf die laufende Uhr abgetan und gesagt, dass wir mal sehen würden, wie wir das hinkriegen. Bisher sah es zudem wirklich so aus, als ob die Geschichte mit einmal Waschanlage erledigt sein würde.

Den nächsten Kilometer verbrachte die Leiche dann auf der rechten Seite, wo die Türe auch von innen zu öffnen ist. Die Bitte zum abermaligen Anhalten kam auch dieses Mal kurz nach Entleerung des Magens aus dem Fenster. Na danke!
Damit waren das Auto, die Laune und absehbar die Schicht im Arsch. Warum hätte ich sie nicht noch eben bis nach Hause mitnehmen sollen?

„Ist nur um die Ecke.“

Diese Ecke maß etwa 3 Kilometer Fahrtweg. Dann standen wir da, und nachdem der Typ sich – trotz einiger Beherrschung in den letzten Minuten – gleich auf der Straße wieder erbrochen hat, ging es ans Bezahlen. Dem netten Beifahrer hab ich nach dem Herumreichen von Tüchern, kurzem Wischen hier und dort Herumgucken dann auch gesagt, dass jetzt natürlich der unangenehme Teil kommt. Ruhig und sachlich, wie das meine Art ist.

Was denn jetzt auf der Uhr stehen würde?

„15,90 €. Aber es ist wohl klar, dass das nicht der Preis ist, über den wir jetzt verhandeln.“

Völlig entgeistert wurde ich von hier und dort angeschaut. Ob ich etwa mehr haben wollte? Außerdem hätte ich ja schon einen Zehner…

Ich hab meinem Beifahrer mit angemessenem Bedauern erklärt, dass mir klar ist, dass das ein unschönes Ende für einen Partyabend ist, aber dass ich auch mein Geld verdienen muss. Dass ich das Auto jetzt erst einmal sauberzumachen hätte, und das – natürlich ausgerechnet – zu quasi der besten Zeit der Woche, zu der ich an jeder Ecke Kunden mitnehmen könnte. Und bei allem Verständnis für ihre missliche Lage: Ich würde nicht auf mein Geld verzichten, nur weil ihr Kumpel einen über den Durst getrunken hätte.

Etwas zögernd reichte er mir einen Zwanziger und erwartete so etwas wie ein

„Alles klar, schönen Abend noch!“

Das hat er natürlich nicht bekommen. Inzwischen wurden die Stimmen ums Auto herum lauter. Vom unangenehm drohenden

„Meister, du hast jetzt 30 €!“

bis hin zu

„Ey, 15 €! Auf dem Hinweg haben wir 5 € bezahlt! 5!“

war alles dabei. Noch viel besser: Ich hätte sie vorher darüber aufklären müssen, was es kostet, ins Auto zu kotzen. Außerdem sei ich selber schuld, weil ich die Kindersicherung links drin hätte. Im Umkehrschluß – als ich erwähnte, dass die Kindersicherung extra dazu da ist, dass Betrunkene nicht einfach auf die Straße springen, war ich dann selber schuld, weil die Kindersicherung ja schon beweisen würde, dass ich Betrunkene mitnehmen würde. Wir erinnern uns daran, wie froh die Truppe vor einer halben Stunde war, dass sie jemand mitgenommen hat, und dass ich auf die Kindersicherung hingewiesen habe.
Der Vorwurf mit den Kosten für die Fahrt ist auch extrem lustig, da sie mir nie ein Fahrtziel genannt, sondern die Strecke unterwegs angesagt haben. Und etwa 5 km Fahrtweg mit 5 Personen zuzüglich etwa 10 Minuten Wartezeit… kommt mir ziemlich tarifgerecht vor.

Aber gut, während der Großteil der Gruppe entweder kotzte oder mir vorwarf, ich wolle sie übelst über den Tisch ziehen, saß mein Beifahrer möchtegerngelassen da und wähnte sich in einer total guten Position. Die 14,10 €, die er mir nun quasi freiwillig obenauf überlassen hat, waren in seinen Augen unanfechtbarer Beweis, dass die Sache nun geklärt ist. Mit einem süffisanten Lächeln wollte er hören, was ich denn nun noch haben wolle. Ob ich etwa glauben würde, er solle mir nun 50 – oder gar 100! – Euro geben.

„Und ob ich das glaube.“

Die Antworten darauf könnte man als Beleidigung auffassen, aber da bin ich hart im Nehmen. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass das nicht einmal sonderlich hochgegriffen ist, und ich wenn es nach meinem Chef ginge, die Kiste jetzt sowieso erst einmal professionell reinigen lassen müsste. Dass das wiederum noch mehr Zeit kostet und schnell mal bei mehreren hundert Euro liegt.

Sein Kumpel meldete sich wieder von der Seite und meinte, das eine Mal Waschanlage sei ja wohl von den 30 € locker mitbezahlt.

„Ach ja? Mit den übrigen 14,10 € komme ich auf Uhr gerade mal bis zur Waschanlage. Ohne zusätzliche Kosten und die Zeit, die das dauert!“

„Hör mal, bevor ich hier 100 € zahle, nehm ich dir dein ganzes Auto auseinander!“

„Gerne. Das ist auch eine Möglichkeit! Dann bleibt nur mein Verdienstausfall…“

Aber natürlich spinne ich total, bin unverschämt, ein Arschloch und dergleichen. Er stellte klar, dass er nicht zahlen werde, und ich, dass ich diesbezüglich nicht einverstanden bin und die Polizei rufen werde. Relativ friedlich eigentlich. Auf die Frage, ob ich irgendeinen Namen bekommen würde, bekam ich die Antwort

„Nimm Karl-Heinz oder so.“

Alles klar. Ich stand vor ihrem Haus, ihr Fenster war als einziges beleuchtet und die Haustüre haben sie gnädigerweise geöffnet gelassen, was die beiden angeforderten Streifenpolizisten auch dankbar nutzten, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. Und was soll ich sagen? Selten habe ich zufriedener in ein WTF-Gesicht gesehen als heute morgen um 5 Uhr. 😀

Die Personalien sind also ausgetauscht, und zack – keine halbe Stunde später (etwa der Gegenwert der 14,10 €) – konnte ich mich also ans Putzen machen. Ich hab die Uhr angemacht, mir Putzutensilien von der Tanke und von zu Hause besorgt und die Kiste nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und pünktlich zum Schichtbeginn meines Tagfahrers flecken- und geruchsfrei am Abstellort bereitgestellt. 70,60 € standen auf der Uhr, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ihnen eine teure Reinigung und (übers Wochenende!) gleich mehrere Tage Verdienstausfall erspart habe, ist eine Pauschale von 100 € fürs Putzen auch nicht unangemessen. Sind dann also irgendwas um die 170 €. Ich bin ja gespannt, ob darüber ein Gericht entscheiden muss, oder an welchem Punkt sie beschließen, es besser sein zu lassen. Beim netten Brief von mir, bei dem vom Anwalt, beim Mahnbescheid?

Mir soll es egal sein, ich hab Zeit.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Das Maria mal wieder

Ich war gerade dabei, ein wenig über mich selbst zu lachen. Im Radio erzählte der Sprecher etwas von den 17 Euro-Ländern, und dank der Betonung hatte ich mich zunächst gefragt, welche runtergekommenen Staaten denn jetzt bitte zu den 17-Euro-Ländern gehören würden.

Da trat ein Anzugträger an mein Auto heran und fragte mich, ob es hier etwa irgendwo einen Club namens Maria geben würde. Etwas anders formuliert höre ich die Nachfrage nach dem Club am Ostbahnhof ja recht regelmäßig. Wie auch in jedem anderen Fall war ich mir nicht zu fein, die 400 m Fußweg mit einmaligem Abbiegen zu beschreiben.

Der sehr nette Kerl bedankte sich höflich, zögerte dann aber doch.

„Sagen sie, könnten sie mich da auch hinfahren?“

„Klar, wenn sie wollen. Aber wegen des Einstiegspreises sind wir da auch gleich bei 4 Euro.“

Im Grunde sage ich das hauptsächlich, weil es mir als Kunde für die paar Meter echt zu teuer wäre. Aber just ein paar Stunden zuvor hatte ich eine nicht ganz so kurze Tour, genau 2 Kilometer, bei der ich am Ende der Strecke vom Fahrgast zu den 6,60 € zu hören bekam:

„Na das sind ja Preise! Für das Stückchen!?“

Der hier war locker.

„Na dann würde ich sie bitten! Ich bin ja so halb im Urlaub hier!“

Da ich gerade mal ein paar Minuten dort stand, lag mir selbst der Gedanke fern, mich irgendwie zu beschweren oder auch nur zu ärgern.

Die Fahrt selber war so kurz, dass es wirklich nichts besonderes zu berichten gibt. Ich zeigte ihm die nicht gerade einladend wirkende Tür im Zaun, die zum Club führt, und er kramte in seinem Geldbeutel, um die aufgelaufenen exakt 4,00 € zu begleichen.

Dass er das nicht mit 4,00 € getan hat, auch nicht mit dem üblichen Fünfer, sondern mit 7,00 € – das ist der Grund, warum es jetzt hier steht. Außerdem hab ich mir grinsend gedacht:

„Wenn du jetzt noch einen Zehner einfährst, gründest du ein 17-Euro-Land!“

😀