Preisverhandler auf der Abseitstreppe

Ja, ich hab gestern ehrlich einen Kollegen gelobt, weil er mal eine Ausnahme beim Preis gemacht hat. Ausnahmen gehören dazu, so ist das Leben eben. Nun aber ein Pärchen am Ostbahnhof. Sie wollten in ein Hotel nahe Schönefeld. Ich kannte es nicht einmal genau, aber dank des Flughafens dort ist zumindest der grobe Fahrpreis ja vermittelbar:

„I think, it’ll be something around 35 €.“

Der Kollege vor mir hatte schon abgelehnt, ich hatte also ohnehin keine großen Hoffnungen. Während der Mann noch nachdachte, keifte die Frau von hinten:

„Thirty!“

Er wiederholte brav und deutlich netter:

„Thirty?“

„No, sorry. I’m sure that this will not be enough.“

Und Abgang.

Während irgendeiner von weiter hinten in der Schlange sie dann für was weiß ich wie viel mitgenommen hat, hab ich den Kollegen vor mir gefragt, was er ihnen gesagt hat. Und die Antwort gab mir zu denken:

„Die haben gefragt, wie viel das wäre, ich hab mal vorsichtshalber 40 gesagt. Und die dann so: ’35?‘. Wusste ich nicht sicher, hab also abgelehnt.“

Sollte das Hotel außerhalb der Berliner Gemarkung gelegen sein, wäre verhandeln prinzipell ja ok. Bei der Technik der beiden sind sie aber wohl beim übernächsten Kollegen bereits bei 20 € gewesen. Da packt mich dann der Neid nur noch so mittel. 😉

Vielen lieben Dank, Kollege!

Ich schreibe hier so oft aus verschiedensten Anlässen schlecht über Kollegen. Und das unfreiwillig, ganz ehrlich. Ich mag unseren Job ja und ich bin zudem der Überzeugung, dass die meisten Kollegen den ja wie ich auch machen: Vielleicht nicht immer perfekt, aber zumindest mal gewissenhaft und eigentlich gut. Und  deswegen möchte ich heute zur Abwechslung mal eine Danksagung loswerden:

Vielen Dank, lieber unbekannter Kollege, der Du vor kurzem eine Kundin in die Otto-Nagel-Straße gefahren hast!
Sie hatte für die Fahrt nicht ausreichend Geld dabei und Du hast beschlossen, dass Du eine einsame Frau nachts nicht alleine in einem Plattenbauviertel aussetzen willst, sondern hast sie trotzdem noch ein ganzes Stückchen weiter bis vor die Haustüre gebracht. Einfach so. Du wolltest nix von Kartenzahlung wissen, sondern hast sie für den Zehner, den sie noch dabei hatte, sicher heimgebracht. Obwohl Du sicher wie ich unter knapper Kohle leidest, die Sache mit der Tarifbindung kennst und natürlich auch immer Gefahr läufst, aufgrund deiner Gutmütigkeit von Hinz und Kunz beschissen zu werden.

Ich überbringe hiermit die frohe Nachricht: Du hast in dieser Nacht das Richtige getan!

Die Kundin hat mich korrekt nach Tarif bezahlt und mir ein gutes Trinkgeld gegeben. Und sich anerkennend dahingehend geäußert, dass sie das, was sie mit Dir derletzt erlebt hat, nicht für selbstverständlich erachtet und es deswegen so unglaublich toll fand.

Du hast eine überzufriedene Kundin hinterlassen, die deiner Ausnahme wegen nicht bezweifelt, dass unser Tarif schon eigentlich eingehalten gehört und ihr trotzdem in einer Notsituation über die eigenen Befugnisse  hinaus geholfen. Ich danke Dir von ganzem Herzen dafür und ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich hoffe, dass das Bild, das Du als Taxifahrer hinterlassen hast, das ist, das möglichst viele Menschen im Laufe der Zeit mitnehmen werden.

Kollegiale Grüße, gute Kasse und jede Schicht einen Fuffi Trinkgeld von meiner Seite!

Sash

WTF, Kollege?

„Fahren Sie dem Taxi einfach hinterher!“

„Ihr habt keine Adresse?“

„Doch, sicher: Die Kennstedoch-Umseckstraße drölf. Aber fahr dem einfach nach!“

Hab ich gemacht. Ganz auf dem direktesten Weg ist die Straße gerade leider nicht zu erreichen, Baustelle und so. Ich fuhr also dem ziemlich eiligen Kollegen hinterher. Dann bog er links ab, obwohl die Straße nun komplett rechts von uns lag. Ähm, ok …
Ich war nun schon etwas verwundert. Ich fragte die Kunden noch einmal, ob sie bei der Adresse wirklich sicher seien:

„Sicher! Bei Jens, kennen wir! Ist Richtung Frankfurter Tor!“

Das lag nun genau rechts von uns, der Kollege vor mir aber preschte genau jetzt geradeaus über die Kreuzung. Hätte ich die Straße nicht gekannt, wäre ich nun vielleicht auch etwas unsicher geworden, aber die besagte Straße lag nun in Gänze rechts hinter uns, geradeaus war einfach keine Option.

„Jungs, ich fahr dann hier mal rechts. Ist eh schon ein absurder Umweg, aber wo immer der Kollege auch hinfährt, ich bringe Euch besser ans Ziel.“

Kurz danach ein Stopp, da wäre ein Durchgang, alles super. Gute Laune, Trinkgeld, für eine kurze Tour perfekt. Wo die Kumpels im Auto des Kollegen gelandet sind, weiß ich leider nicht. Ich schätze aber, sie haben dafür unnötig viel bezahlt. 🙁

Trinkgelder, wie sie Dienstleister heimlich träumen

Ja, es war schon eine nette Fahrt. Eine junge Familie vom Bahnhof nach Hellersdorf. Ich hab dem Kleinen eine Sitzerhöhung gereicht, hab eloquent bedauert, die Straße nicht auswendig zu wissen und mich mit Papa ein wenig über seinen und meinen Job unterhalten. So weit, so gut normal.

„Dann wären wir bei 30,90€.“

„Ja, dann mach mal 45.“

„Oh, äh, wow, danke!“

„Was denn? War nett, ging schnell, alles ok.“

Und ich dachte, ich wäre bei Trinkgeldern schon vorbildlich.

0.0

Schon wieder Kotzer!

Ja, gut, im Gegensatz zu den beiden gutgelaunten Russen letzte Woche hätte ich es dieses Mal wissen können. Oktoberfestbesucher, eine Frau und offensichtlich drei dazugehörige Kinder. Alle volljährig und vollintoxiniert. Das Mädel hinten rechts bekam aber gleich eine Tüte gereicht und ich hab nochmal klargestellt, dass Aus-dem-Fenster-kotzen die teuerste Idee seit ihrer Designerjacke werden könnte.

Der Typ hinten in der Mitte dankte mir da schon, wie nett ich sei.

Der hinter mir stammelte eloquent:

„K … keine Ans, wennsch kotzn muss, schhaltditt bissuhause aus!“

500 Meter später:

Der Typ hinter mir bittet mich, rechts ranzufahren. Aber ja: Trotz Kindersicherung alles problemfrei. Ich lasse ihn raus, er geht noch ums Auto rum, alles perfekt. Ich hab im Gegenzug auch das volle Programm abgefahren: Küchenrolle zum Abwischen, Bonbon gegen den Geschmack, kriegen wir alles hin

Ich hab dem verständigen Teil der Truppe nochmal klargemacht, in welchen Stress wir uns reinmanövrieren würden, wenn die Scheiße im Auto landet und ich bekam erfreulicherweise einen Haufen Zustimmung und Dank dafür, dass ich das überhaupt mache. Auf dem Niveau, liebe Fahrgäste, können wir das hinkriegen:

„Ich hab schon schlimmeres erlebt. Aber ich will ehrlich sein: Ich vermute, dass das eine extrem lange Heimfahrt wird, wenn wir das jetzt alle 500 Meter haben.“

Und die Mutter:

„Uff. Ich fürchte auch.“

Natürlich bin ich umsichtig gefahren, natürlich meistens rechts. Und ja, natürlich war das stressig!

Kaum drei Minuten nach dem Zwischenstopp kam aber nur noch Schnarchen aus dem Fond und die neben mir sitzende Mutter frohlockte gar:

„Kiek Dir dit an: Alle zur gleichen Seite umjekippt! Brauchste nachher nur eine Tür uffmachen, dann purzeln die alle raus.“

Das hat am Ende nicht gestimmt. Den hinter mir musste ich langatmig überreden, doch bitte endlich das Auto zu verlassen. Obwohl er mit den Begriffen Auto, Taxi und Verlassen erkennbar nichts mehr anfangen konnte. Muttern indes hielt die junge Dame fest, die inzwischen über ein Gartentor gefallen war und sich dort auskotzte.

Aber ja: Trotz zwei kotzenden Leuten blieb bei mir alles sauber und ich bin so gesehen mit der Tour  völlig zufrieden gewesen. Ein bisschen Stress ist ja immer bei Lohnarbeit.

Gedankt wurde es mir im Übrigen auch finanziell, denn ich sollte die 28,90€ am Ende aufrunden. Auf 35.

Wenn man nur immer wüsste, wie es am Ende läuft …

Ironie, auch nix für jeden.

Das war wirklich eine der herrlichsten Unterhaltungen ever seit ich Taxi fahre:

„Entschuldigung, sagen Sie mir bescheid?“

„Wie? Wenn wir angekommen sind?“

„Ja. Ich schlaf glaub ich gleich ein.“

„Nein, das geht leider nicht. Ich fahr dann weiter bis zur Stadtgrenze.“

„Ehrlich!?“

Holy fucking Shit, wie kann man das ernst nehmen? Vielleicht macht mich die Brille zu glaubwürdig oder so … 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die Kleinigkeiten …

Vom Ostbahnhof zur Dudenstraße. Tausendmal gemacht, eine der Standardstrecken. Auch für einige Ziele, die hinter der Dudenstraße liegen. Und nun machte der Kunde folgende, wirklich nicht schlechte, Routenansage:

Kann man gelten lassen. Quelle: osrm.at

Kann man gelten lassen. Quelle: osrm.at

Ungenau in dieser Größenordnung bin ich tagtäglich auch selbstverschuldet unterwegs, ganz im Ernst. So gesehen bin ich ja auch von Kunden viel derbere Vorschläge gewohnt, bei denen ich dann ein schlechtes Gewissen habe und Einspruch einlege. Die Strecke oben bin ich einfach gefahren, passt schon.

Und ich hab bis zuhause am PC gewartet, um mal zu checken, wie viel länger als mein Standardweg es wirklich ist. Aber siehe da: Immerhin 500 Meter und damit bei der vorliegenden Strecke ein glatter Euro. 🙂

Und, auch wenn ich weiß, dass Ihr Profis seid: Welchen Weg wäre ich sonst wohl gefahren?