Preisverhandler auf der Abseitstreppe

Ja, ich hab gestern ehrlich einen Kollegen gelobt, weil er mal eine Ausnahme beim Preis gemacht hat. Ausnahmen gehören dazu, so ist das Leben eben. Nun aber ein Pärchen am Ostbahnhof. Sie wollten in ein Hotel nahe Schönefeld. Ich kannte es nicht einmal genau, aber dank des Flughafens dort ist zumindest der grobe Fahrpreis ja vermittelbar:

„I think, it’ll be something around 35 €.“

Der Kollege vor mir hatte schon abgelehnt, ich hatte also ohnehin keine großen Hoffnungen. Während der Mann noch nachdachte, keifte die Frau von hinten:

„Thirty!“

Er wiederholte brav und deutlich netter:

„Thirty?“

„No, sorry. I’m sure that this will not be enough.“

Und Abgang.

Während irgendeiner von weiter hinten in der Schlange sie dann für was weiß ich wie viel mitgenommen hat, hab ich den Kollegen vor mir gefragt, was er ihnen gesagt hat. Und die Antwort gab mir zu denken:

„Die haben gefragt, wie viel das wäre, ich hab mal vorsichtshalber 40 gesagt. Und die dann so: ’35?‘. Wusste ich nicht sicher, hab also abgelehnt.“

Sollte das Hotel außerhalb der Berliner Gemarkung gelegen sein, wäre verhandeln prinzipell ja ok. Bei der Technik der beiden sind sie aber wohl beim übernächsten Kollegen bereits bei 20 € gewesen. Da packt mich dann der Neid nur noch so mittel. 😉

6 Kommentare bis “Preisverhandler auf der Abseitstreppe”

  1. Sebastian sagt:

    Vielleicht sind sie es aus ihrer Heimat gewohnt, mit dem Taxifahrer um den Preis zu handeln und wollten deswegen pauschal 5 Euro weniger bezahlen als angesagt war 🙂

  2. alex0711 sagt:

    Alternativ haben sie in irgendeinem Reiseführer gelesen, dass die Taxifahrer einen sowieso alle über den Tisch ziehen und die Preise frei verhandelt werden. Wahrscheinlich war das ein Reiseführer über ein anderes Land, aber das ist eine andere Geschichte.

    Nach 2 Gesprächen mit potentiellen Fahrern hat sich gezeigt, der Reiseführer lag richtig. Der erste Fahrer sagt 40,- EUR und will nicht nachgeben, der zweite 35,- EUR, was dem Preis entspricht für den der erste Fahrer nicht fahren wollte (der aber sicher immer noch zu hoch angesetzt war)…. Am Ende fand sich dann ein Fahrer der korrekt war und ihnen den richtigen Preis nannte oder ihnen sogar noch Geld für die Tour gab.

    Was mögen die beiden für zukünftige Taxifahrten gelernt haben und ihren Freunden zuhause erzählen?

  3. W. Schnappauf sagt:

    Aus Zeitungsartikel über Preisfindung aufgeschnappt und nicht vergessen:

    ‚Der Preis muss dem Kunden nicht gefallen‘

  4. Sash sagt:

    @Sebastian:
    Ist natürlich auch eine gute Taktik. 😉

    @alex0711:
    Naja, wir haben ja schon beide gesagt, dass das Schätzwerte sind und wir nach Uhr fahren, das sollte bei verständigen Leuten die Interpretationsmöglichkeiten einengen. Aber wer weiß, was sie daraus mitgenommen haben.

    @W. Schnappauf:
    Naja, das gilt aber erst ab dem Punkt, wo sie Kunden sind. 😉

  5. Draalo sagt:

    Der letzte Gefragte war der Klügste – Er hat einfach geantwortet: „FIFTY!“

    Er hat damit impliziert das es nicht billiger geht.
    Und darauf gesetzt das die Spacken sich nicht trauen zu einem der ersten Fahrer zurückzugehen 😉

  6. Sash sagt:

    @Draalo:
    Diese Schlagfertigkeit hätte selbst ich mir manchmal gewünscht. 😀

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