Vielen lieben Dank, Kollege!

Ich schreibe hier so oft aus verschiedensten Anlässen schlecht über Kollegen. Und das unfreiwillig, ganz ehrlich. Ich mag unseren Job ja und ich bin zudem der Überzeugung, dass die meisten Kollegen den ja wie ich auch machen: Vielleicht nicht immer perfekt, aber zumindest mal gewissenhaft und eigentlich gut. Und  deswegen möchte ich heute zur Abwechslung mal eine Danksagung loswerden:

Vielen Dank, lieber unbekannter Kollege, der Du vor kurzem eine Kundin in die Otto-Nagel-Straße gefahren hast!
Sie hatte für die Fahrt nicht ausreichend Geld dabei und Du hast beschlossen, dass Du eine einsame Frau nachts nicht alleine in einem Plattenbauviertel aussetzen willst, sondern hast sie trotzdem noch ein ganzes Stückchen weiter bis vor die Haustüre gebracht. Einfach so. Du wolltest nix von Kartenzahlung wissen, sondern hast sie für den Zehner, den sie noch dabei hatte, sicher heimgebracht. Obwohl Du sicher wie ich unter knapper Kohle leidest, die Sache mit der Tarifbindung kennst und natürlich auch immer Gefahr läufst, aufgrund deiner Gutmütigkeit von Hinz und Kunz beschissen zu werden.

Ich überbringe hiermit die frohe Nachricht: Du hast in dieser Nacht das Richtige getan!

Die Kundin hat mich korrekt nach Tarif bezahlt und mir ein gutes Trinkgeld gegeben. Und sich anerkennend dahingehend geäußert, dass sie das, was sie mit Dir derletzt erlebt hat, nicht für selbstverständlich erachtet und es deswegen so unglaublich toll fand.

Du hast eine überzufriedene Kundin hinterlassen, die deiner Ausnahme wegen nicht bezweifelt, dass unser Tarif schon eigentlich eingehalten gehört und ihr trotzdem in einer Notsituation über die eigenen Befugnisse  hinaus geholfen. Ich danke Dir von ganzem Herzen dafür und ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich hoffe, dass das Bild, das Du als Taxifahrer hinterlassen hast, das ist, das möglichst viele Menschen im Laufe der Zeit mitnehmen werden.

Kollegiale Grüße, gute Kasse und jede Schicht einen Fuffi Trinkgeld von meiner Seite!

Sash

13 Kommentare bis “Vielen lieben Dank, Kollege!”

  1. Joe sagt:

    Von mir auch vielen Dank für den unbekannten Kollegen. Möge er immer leere Halteplätze vorfinden.

  2. Peter sagt:

    Ich möchte einfach mal Danke für den unbekannten Kollegen sagen 🙂

  3. Starke sagt:

    10Euro schwarz…..? Du Trottel versaust die Preise und den Chef dazu bescheissen…. Huhhuhaha. Bestimmt wieder einer ohne alles!

  4. Edgar sagt:

    Von mir auch danke

  5. hafensonne sagt:

    Wer sagt denn, dass er den Zehner schwarz eingestrichen hat? Den Rest hat doch Sash ganz gut dargestellt. Eben nix mit Preise versauen. Ich als Frau finde das auch nicht selbstverständlich und würde mich gleichzeitig in einer solchen Situation auch sehr freuen (und das bei der nächsten Taxifahrt honorieren, damit das kosmische Gleichgewicht wieder stimmt). Und in meiner Stadt ist die Möglichkeit von Kartenzahlung tatsächlich die Ausnahme, nicht wie in Berlin die Regel.

  6. mirs sagt:

    Hast nicht du neulich das gleiche getan? Vielleicht war es ja diese Kundin?

  7. Sash sagt:

    @Starke:
    Naja, laut Kundin lief die Uhr bis zu besagtem Zehner mit und alles andere hab ich ja eigentlich geschrieben. Ein Trottel mag ich vielleicht sein, aber lesen können schadet auch nicht.

    @mirs:
    Das wäre mir aufgefallen. 😉

  8. mathematikos sagt:

    es ist halt so eine sache mit diesem komischen sinnerfassenden lesen.
    lieben gruß aus der hochsteiermark,
    werner

  9. Marco sagt:

    @Sash: OK, laut Einträgen war es einmal ein weiblicher Gast mit 10 € und einmal ein männlicher mit 15 €. Aber wenn die Anonymisierung es zulassen sollte, dass Geschlecht und Summe übereinstimmen: Bist du sicher, dass dir das bei deiner Gesichtsblindheit aufgefallen wäre?

  10. […] ich hab gestern ehrlich einen Kollegen gelobt, weil er mal eine Ausnahme beim Preis gemacht hat. Ausnahmen gehören dazu, so ist das Leben eben. […]

  11. Sash sagt:

    @Marco:
    Auch wenn ich bei den Fahrten tatsächlich etwas beherzter anonymisiert habe und meine Gesichtsblindheit immer ein gutes Argument ist, drücke ich’s mal so aus: Ich würde meinen Vater auch nicht mit meinem Bruder verwechseln … 🙂

  12. Jens sagt:

    Ich hatte letztens eine Frau im Auto, bei der Vorbestellung ist etwas schief gelaufen und sie drohte ihren Zug nach Frankfurt (Zugbindung) zu verpassen. Bin dem Zug quasi gefolgt und aus der eigentlich 10km Tour wurden 75km. Berechnet habe ich 55km – 10€ (falscher Zielort, abgerechnet habe ich eigentlichen Zielort – nächsten Hbf). Schuld war die Zentrale. Außerdem bekommt sie eine Rechnung. Sonst hätte sie den Zug verpasst, wenn ich noch zur Bank gefahren wäre.

    In besonderen Situationen, Notsituationen oder unverschuldeten Situationen handele ich auch nicht immer 100% wie vorgesehen. Bis jetzt gab es nie Probleme. Den einen oder anderen Euro dazu geben und später beim Fahrgast abrechnen und die Fahrt voll aufgeschrieben. Im ländlichen Raum geht das. Da kennt man alle Kunden und umgekehrt 😉

    Und man trifft sich immer mehrmals im Leben. Beim nächsten mal gibt es dann 5-15€ Trinkgeld. Oder am Bäcker die gelegten Brötchen bezahlt. Oder an der Tanke bringt der Fahrgast Wasser und Energy mit. Wie man in Wald hineinruft … 🙂

  13. Sash sagt:

    @Jens:
    Naja, das ist in Berlin halt anders. Nicht, dass man sich zwingend nie wieder sieht – aber die Chance, dass nächstes Mal zwei Kollegen vor einem an der Halte stehen, ist halt groß.

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