Zwei Euro sind ein Witz…

Ich hatte mich gerade festgelesen an einem ziemlich interessanten Text – wahrscheinlich mal wieder einer von Aro –  und muss ziemlich konzentriert auf mein Handy gestarrt haben, als sie die Tür aufmachte und mich fragte:

„Darf ich sie mal was fragen? Fahren sie auch kurze Strecken?“

Das sind nun wirklich nicht die Worte, mit denen in der Regel erwähnenswerte Fahrten anfangen. Es sei denn, ich erwähne einmal mehr absichtlich, dass kurze Strecken nicht abgelehnt werden dürfen und ich es auch nicht toll finde, wenn Kollegen das machen. Und was antworte ich wohl allen – nicht nur wenn es sich wie in diesem Fall um attraktive junge Frauen handelt? Genau:

„Selbstverständlich. Nur Kurzstrecke geht nicht vom Stand aus! Ansonsten gerne!“

„Ich müsste in die Wirstegekündigtwenndusievergisststraße nach Mitte.“

„Naja, soo kurz ist das ja gar nicht…“

„Echt nicht?“

„Nee, da bin ich hier anderes gewöhnt…“

Sprach es und fuhr von meinem Lieblingsbahnhof mit den berüchtigten 6€-Touren los. Als ich ihr auf dem Weg als Beispiel für extrem kurze Fahrten das Maria gezeigt habe, begann sie damit, sich über Leute lustig zu machen, die Taxen aus Prestigegründen für die Vorfahrt vor einen Club wählen – was zwar beim Maria bisher nicht wirklich der Grund für solche Fahrten war, mich aber dennoch auch amüsierte.

Dass sie selbst im Dienstleistungsbereich tätig ist, war weiterhin unverkennbar, da sie ähnlich meiner Wenigkeit keinerlei Probleme hatte, wie ein Orkan daherzureden, und wenn es nur um Belanglosigkeiten wie das böse böse Rauchverbot in Taxen ging. Mit der aberwitzigen Gesprächsfrequenz sowie den eigentlich zu öden diesen zu Grunde liegenden Themen landeten wir binnen Minuten ausgerechnet bei Witzen. Nicht nur, dass wir sie uns gegenseitig erzählten, nein, nebenher blieb während der zeitlich recht eng umrissenen Fahrt auch noch Platz für ein kurzes Gespräch für und wider geschmacklose Witze – nicht ohne Beispiele natürlich.

Entsprechend heiter standen wir dann letztlich vor ihrer Haustüre, und ich warf zwischen zwei Sätze des Gesprächs den Fahrpreis für diese „kurze Strecke“ ein:

„Wir wären dann übrigens bei exakt 10 €!“

Die Antwort werde ich so schnell nicht vergessen, denn was kann einem als Mensch mit Interesse an der Sicherung des Lebensunterhaltes, an Unterhaltung selbst, und daran, dass zufällig anwesende Frauen die eigene Anwesenheit wertschätzen, besseres passieren als folgender Satz:

„Ich geb dir 12, wenn ich noch einen Witz erzählen darf!“

„Da sage ich nicht nein, und Danke natürlich auch! Aber ich würde vorschlagen, wir steigen dafür aus und rauchen noch eine!“

Es war drei Uhr Nachts und der Herbst hat Berlin bereits voll in seiner Hand gehabt. Es hat geregnet, und so fanden wir uns bei ihr im Hauseingang wieder, zwei Witze erzählend und lachend. Ich zitiere an solchen Stellen immer wieder gerne meinen Chef, der bereits vor meiner Einstellung die hier inzwischen bekannten Worte sprach:

„Taxifahren ist der einzige Job, bei dem du während der Arbeit nette Frauen kennenlernen kannst, und direkt im Anschluss mit ihnen was trinken gehen kannst.“

Natürlich habe ich meine Schicht nicht beendet, getrunken haben wir auch nichts, und so sehr ich nach wie vor die Gesellschaft netter Frauen zu schätzen weiss, so sehr verliert das auch irgendwie an Bedeutung, wenn man glücklich in einer Beziehung ist.

Aber geredet haben wir…

Das Auto stand auf einer der bekanntesten Straßen Berlins einsam mit eingeschalteter Warnblinkanlage im Regen und die Lüftung surrte vor sich hin, übertönt vom Prasseln der Tropfen. Und wir standen zu zweit mehr oder minder regengeschützt da und haben uns unterhalten. Über Witze, über unsere Herkunft, Berge, das Meer und ein paar Kleinigkeiten. Keine weltbewegenden Sachen, im Grunde nur Smalltalk extended. Aber doch irgendwie schön in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns gerade mal 20 Minuten kannten und uns wohl nie näher kennenlernen werden.

Und als wir uns die Hand gegeben und uns verabschiedet hatten, als ich wieder im Auto saß und die Tourdaten runtergeschrieben hab, hab ich doch kurz durch die vom vielen Regen fast milchig anmutende Scheibe in den Berliner Himmel gesehen und mich klammheimlich darüber gefreut, dass das – all das, was die letzte halbe Stunde passiert ist – tatsächlich das ist, womit ich auch noch meinen Lebensunterhalt verdiene.

Natürlich überwiegen die langweiligen Fahrten. Klar gibt es Idioten, die ich meines Jobs wegen ertragen muss. Aber es gibt eben auch diese schönen Momente während der Arbeit.

Du bis’n ehrlicher Kerl…

Der letzte Monat war bitter, ich könnte gerade ein paar Euro extra vertragen. Nicht, dass ich ernstlich dran geglaubt hätte, aber prima reingelaufen wäre mir eine Viererfahrt zum Puff meiner Wahl oder ein abenteuerlicher Trunkenbold mit einem „Behalt den Fuffi“-Trinkgeld durchaus.

Ein Kandidat für zweiteres hat mich in Treptow entdeckt. Ich hab ihn zwar vorher gesehen, aber da Wochenende war, sah ich mich ausnahmsweise nicht sofort genötigt, den Mittvierziger mit dem ungestümen Ausfallschritt auf mich aufmerksam zu machen. Aber die Ampel war rot, ich stand da so rum und Fahrten ablehnen tue ich dann ja auch nicht. Seine Bewegungen waren auf ganz eigene Art durchaus grazil, und sein Aussehen können alle erahnen, die ebenso gerne wie ich Dr. House bei der Patientenfürsorge sehen und sich an einen gewissen Detective Michael Tritter aus Staffel 3 erinnern.

Gleich vorneweg: Er war netter und wurde ohne Thermometer im Hintern von mir entlassen.

„Wo darf es denn hingehen?“

„Köpenick.“

Als er dann fast eingeschlafen war, hab ich kurz nachgehakt:

„Wohin denn genau?“

„Bisteirgendwannmalgewesenstraße.“

„Haben sie jetzt vielleicht noch eine Hausnummer?“

„Drölf.“

Und weg war er. Aber gut, ich hatte Ortsteil, Straße, Hausnummer. Das reicht im Prinzip, um meinem Job angemessen nachzugehen, und wenn der Kerl was nötig hatte, dann Schlaf! Nach einem halben Kilometer hab ich ihn nochmal aufgeweckt, um ihn an die Anschnallpflicht zu erinnern, weil er reichlich unförmig auf der Rückbank in sich zusammengefallen ist – und so etwa bei Kilometer 3 ist er meiner Bitte dann endgültig nachgekommen. Die weitere Fahrt war Kinderfasching. Ich hätte wahrscheinlich über das Rollfeld des Aéroport Paris-Charles-de-Gaulle nach Köpenick fahren können und er hätte es nicht gemerkt. Ich bin dagegen gemütlich den Anweisungen des Navis hinterhergegurkt, bzw. ich hab es angemacht, als ich nach Köpenick eingeflogen bin. Das Taxameter wollte sich nicht überreden lassen, über die 20,00 € rauszuspringen, was mir mit Blick aufs Trinkgeld weh getan hat, aber auf der anderen Seite wäre es reichlich unverschämt gewesen, über eine Minute dumm in der Gegend rumzustehen, um auf 20,20 € zu warten 😉

Ich hab die Uhr also ausgemacht und ihn angestoßen. Er ist – glücklicherweise – auch gleich aufgewacht und war natürlich völlig konfus. Ich hab ihm beruhigend erklärt, wo wir sind, mich vergewissert, dass wir auch am richtigen Ort sind und ihm den zu zahlenden Betrag genannt. Die folgenden 5 Minuten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Ich sagte ihm, wie viel es kostet, er holt seinen Tabakbeutel raus. er kramt darin rum, stellt fest, dass es nicht sein Geldbeutel ist, steckt ihn ein, sucht seinen Geldbeutel ein paar Sekunden lang. Dann fragt er, wie viel es kostet, lächelt mich an und sagt:

„Nicht böse sein. Bitte! Ich bin doch sternhagel… wie viel kriegste?“

Daraufhin holt er seinen Tabakbeutel raus, kramt darin rum, stellt fest, dass es nicht sein Geldbeutel ist… ich denke, ihr könnt euch vorstellen, dass man das in 5 Minuten ein paar mal durchkauen kann.

Auf das etwa achte

„Nicht böse sein!“

hab ich wie immer geantwortet, dass ich das natürlich nicht bin, aber angefügt, dass ich jetzt dennoch aussteige, um wenigstens eine rauchen zu können. Bei der Gelegenheit bin ich natürlich ganz zufällig bis zu seiner Tür hinten rechts gegangen, hab sie aufgemacht und meine Hilfe angeboten.

Die zu leisten fiel gar nicht schwer, da ich schnell sah, dass sein Geldbeutel am ungünstigst zu erreichenden Platz lag: Unter seiner rechten Schuhsohle. Ich hab ihn hervorgezaubert und ein ungläubiges Lächeln geerntet, als ich ihm das gesuchte Teil unter die Nase gehalten habe. Er war froh, glücklich und fragte natürlich:

„Was kriegste denn jetzt?“

Ich hab geantwortet:

„Immer noch 20 €. Aber nach der zehnten Nachfrage erhöhe ich auf 25…“

Ach, da hat er lachen müssen.

Mit angestrengtem Gesichtsausdruck (Beobachtet mal Dreijährige beim Kacken!) hat er einen Geldschein aus dem Portemonnaie gezogen, ihn prüfend gegens Licht gehalten und mir in die Hand gedrückt:

„Hier haste mal einen Zehner…“

„Sehr gut, die Hälfte ist geschafft!“

Dann folgte wieder eine einminütige autistisch anmutende Suchphase, an deren Ende er mir einen zweiten, ebenso sorgfältig geprüften Schein zuschusterte:

„Hier is‘ noch ein Zehner…“

Das war natürlich ein Fuffi. Ich hab ernstlich mit mir ringen müssen, aber ich kann es einfach nicht. Geht nicht!

„Hey, das is’n Fuffi!“

Ein „Is mir doch egal“ und ich hätte das Ding wahrscheinlich eingesteckt. Er hatte auch noch reichlich davon zur Auswahl, fast schon erstaunlich, dass er davor einen Zehner gefunden hat. Aber man ist ja… lassen wir es den Kunden sagen:

„Mensch, du bis’n ehrlicher Kerl! Hehe. Hättest mich ja richtig übel verarschen können jetzt! Ich bin ja voll wie…“

„Ist schon ok. Also jetzt kriegen sie erstmal den Zehner…“

„Wieviel kriegstn du jetzt?“

„…und dann kriegen sie noch 30, Moment, hier: 30 €!“

„Wat? Ich krieg noch was zurück! Wahnsinn!“

Man kann auch drauf rumhacken 🙁

Naja, eine Zigarette gab es noch als Trinkgeld, und kaum eine Viertelstunde nach Fahrtende war ich auch schon wieder frei. Ich sollte das mit dem Uhranhalten einfach nicht machen…

Das unheimliche Navi

Boah, was war ich begeistert. Da fahre ich extra an einem Club vorbei, um vielleicht noch Winker zu finden. Dann standen da tatsächlich drei Damen und hielten mich an. Ob es in die xy-Straße noch Kurzstrecke wäre. Die Straße sagte mir erst einmal nichts, aber wozu gibt es das Navi. Das zeigte mir folgendes an:

4,3 km

Da blieb mir nichts anderes übrig als zu sagen:

„Nee, sorry! Das reicht nicht mal ansatzweise. Der Preis läge so bei 10 € Vielleicht auch 11, sag ich jetzt mal vorsichtshalber.“

Sie wirft einen Blick aufs Navi, und meint dann:

„Und wenn du Umweg nischt mitfährst?“

War eine sehr kurze Unterhaltung im Endeffekt…

Im wahren Leben…

Nicht jede Tour ist angenehm. Ebenso wenig wie jede unangenehm ist. Und bei einigen, die zwischen beidem liegen, lassen sich noch genügend Punkte in beide Richtungen finden. Wie bei der mit den beiden Winkern an der Mühlenstr.

Sie wollten zur Fischerinsel. Meine Nachfrage nach der Hausnummer brachte mir die durchaus akzeptable Antwort

„Zeig ich ihnen“

und der Frau auf der Rückbank ein Gespräch darüber, weswegen Sie jetzt den Taxifahrer so aggressiv angehen würde. War nicht aggressiv, war schnell geklärt, alles kein Thema. Wie ich denn fahren wolle?

„Na auf jeden Fall nachher links!“

pfiff der sportive Begleiter der Dame in den Raum, bevor ich eine Chance zum Antworten erhielt. Ich bestätigte in Ermangelung wirklicher Alternativen. Auch wenn das nichts aussagte, da ich je nach gewünschter Länge der Fahrt alleine 4 Möglichkeiten sehen würde, über den Fluß zu kommen. Na gut, als seriöser Fahrer 3!

Vor der Schillingbrücke ordnete ich mich links ein, setzte artig den Blinker und kassierte (nicht ganz wortwörtlich) den Satz:

„Jetzt kiek dir det Schlitzohr an.“

Was ist jetzt kaputt?

„Da stellt der sich hier bei de Ampel, weil er Jeld verdienen will.“

Erstaunlicherweise war das nicht wirklich bösartig gemeint, er erklärte seiner Begleiterin nun aber eloquent, dass er die Jannowitzbrücke nehmen würde wegen der grünen Welle bis dahin. Das ist gar keine allzu dumme Idee, schenkt sich aber sonst nix gegenüber der Schillingbrücke. Als er mir dann auch noch einreden wollte, ich hätte jetzt aber wenigstens hinten ums ver.di-Haus fahren müssen wegen der teuren Ampeln, hab ich die beiden mit der größten mir eigenen Gutmütigkeit darüber aufgeklärt, dass sie nicht etwa einem ominösen Augenfehler anheimfallen, sondern sich das Taxameter an der Ampel tatsächlich nicht bewegt. Und zwar durchaus berechenbar, weil nach wie vor eine Minute Wartezeit umsonst ist.

Aber da sie mir das Geld (welches, bitte?) ja auch durchaus gönnten, war mein Leben schnell das Gesprächsthema Nummer eins. Was ich denn im wirklichen Leben sei…

Ich hab das Spielchen mitgespielt und etwas geheimnisvoll getan, als ich geantwortet habe:

„Ob sie es glauben oder nicht: Ich bin Taxifahrer…“

Aber das konnte ich derart klugen Passagieren natürlich nicht weismachen. Meine Statur, mein Bartwuchs… also eigentlich spricht alles dagegen, dass ich Taxifahrer bin. Meine Meinung, dass ich mit mangelnder Lust zum Rasieren und Wohlstandsplauze dank Arbeit im Sitzen ja wohl der Vorzeige-Fahrer bin, habe ich ihnen gar nicht mehr zu erklären versucht.

Insbesondere er begann nun das wenig angenehme Spielchen, Aussagen in meinem Beisein über mich zu machen.

„Nee, also der kann mir erzählen, was er will: Die Arbeit ist aufgezwungen!“

Dass er selber nicht Taxifahrer werden würde, weil er ja schließlich 1800 € verdient, wusste er auch noch gekonnt in den lautstarken Gesprächen mit seiner Partnerin unterzubringen und sah das wohl als einen weiteren Beweis an, dass man die Arbeit ja kaum ernsthaft mögen könne.

Auch wenn ich es nicht so rübergebracht hab, es war einfach der pure Trotz, als ich kurz vor dem Ziel gemeint hab:

„Das ist einfach ein Trugschluss. Gehen sie auf gestern-nacht-im-taxi.de, lesen sie die 600 von mir selbst geschriebenen Texte und dann reden wir nochmal drüber, ob ich den Job mag oder nicht!“

Es war wahrscheinlich Angst ob der Wahrheit, die sich Bahn brach, als er antwortete:

„Oh je, wer will denn sowas?“

Ich hab die beiden entlassen in dem Glauben, sie hätten mich gerade auf äußerst witzige Art unterhalten. Immerhin gab es Trinkgeld und einen Eintrag im Blog. Das war es wert 🙂

Ratestunde für Berliner

Wohin es gehen soll, fragte ich ganz arglos meine neu gewonnene Kundschaft.

„Änton-Kämpin-Street“

vernahm ich aus dem Fond. Na wo wollten die Fahrgäste da wohl hin?

Fantasie bei englischer Aussprache ist gefragt. Es stimmte fast perfekt, aber ein bisschen viel reininterpretiert (im letzten Teil) hab ich natürlich trotzdem…

Tuff tuff tuff, wir fahren in den… HOSTEL!!!

Besser spät als nie…

Manchmal wird es ganz eng mit der Ortskenntnis. So zum Beispiel bei den vielen Touris die gerne möglichst billig „Spaß haben“ wollen. Nicht einmal absichtlich, aber ich kenne natürlich schlicht nicht alle Preise. Und vor allem entzieht es sich oft genug meiner Kenntnis, wie billig „billig“ ist. So gesehen gab es gestern zwei Leute, die einiges gelernt haben.

Begonnen hat alles am Matrix. Er wollte zu seinem Hostel, nur ein paar Straßen weiter. Die ganz besonders unterdurchschnittliche Tour. Davor aber wollte er gerne irgendwas, für das ihm kein Verb auf Deutsch eingefallen ist, was die Sache wesentlich erleichtert hat. Schließlich ist er letztlich schon bei einem Substantiv gelandet, bei dessen konsequenter Anwendung im Rahmen eines längeren Aufenthaltes er sicher ernste Probleme bekommen hätte. Mein böses Ich findet den Gedanken aber immer noch reizvoll, wie er ein „Frauenhaus“ aufsucht, um käuflichen Sex zu finden.

Naja, Spaß beiseite. Ich hab ihm ein Etablissement in relativ geringer Entfernung vorgeschlagen, das mir als nicht allzu teuer in Erinnerung war. Er war einverstanden und wir sind losgefahren. Bevor das Taxameter den ersten Sprung auf 3,40 € machen konnte, musste ich aber wieder anhalten, weil Freunde auf der Straße standen und er dann doch lieber mit denen um die Häuser ziehen würde. Glaubt mir, da kam ich mir ein wenig verarscht vor. Bei 3,20 € ohne Trinkgeld… Aber es stellte sich (für mich glücklicherweise) heraus, dass die ganze Bande eigentlich auch nur ins Bett wollte, und ihm das ja nicht ganz so gelegen kam. Also ab zum Puff! Und als wir davor standen, vereinbarten wir, dass ich warte, falls es nicht den Vorstellungen entsprechen sollte. Und tatsächlich: Bei den letztlich 8 € blieb es nicht.

80 € wollten die dort haben, das wäre wirklich wahnsinnig teuer. Hmm, naja, ein Laden etwas weiter weg ist mir noch eingefallen. Ob der jetzt aber soo viel billiger ist?

Egal, auf dahin! Unterwegs hat er mir dann erzählt, dass er gestern mit einem Bekannten in einem Laden war, da hätten sie 35 € bezahlt, und nett und sauber sei es auch gewesen…

Wow! Da kam ich mir als Taxifahrer plötzlich vernünftig bezahlt vor. Der nächste Laden lag rund 11 € weiter, und auch dort zahlte er zunächst, um eine kurze Unterredung mit der Dame vor der Tür später wieder im Auto zu sitzen. 55 €… noch zu happig!

Daraufhin hab ich ihm mein Handy geliehen, damit er mit seinem Kumpel telefonieren kann, um herauszufinden, wo der grandiose Puff von letzter Nacht genau ist. Dafür hab ich im Gegenzug doch eine neue Fahrt gestartet und nicht weitergedrückt. Fairer Deal, würde ich sagen.

Dass er ins gleiche Netz telefoniert, was für mich letztlich kostenlos ist… naja. Nehmen wir es mal als Glückstreffer. Ist mein Handy halt teurer zu mieten als ich es bin 🙂

Ja, einiges betrunkenes Kumpelgeschrei später hat der Freund zwar nicht die ominöse Adresse rausgerückt, aber vereinbart, dass sie sich in 20 Minuten am Hostel treffen. 9,60 € später standen wir dann wieder da, und bei aller guter Laune im Auto war ich etwas irritiert, als er mir zum Ende der Unterredung mitteilte, er hätte nur noch ein halbes Jahr zu leben. Aha? Krass, aber irgendwie unpassend…

Die Moral von der Geschichte war, dass er fast 30 € im Taxi hat liegen lassen, was mich in der Nacht ziemlich gerettet hat. Seinen Puff hat er auch noch gefunden, zudem hat er jetzt noch ein Treffen mit seinem Kumpel, das er sonst wohl nicht gehabt hätte. Ich hab ein paar neue Bordellpreise abgespeichert und durch Zufall später noch einen Kollegen getroffen, der mir ein zwei Möglichkeiten genannt hat, wo dieser Laden gewesen sein könnte. Auch abgespeichert! Manchmal dauert eben alles seine Zeit.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Definitiv ein Klassiker

Nachdem ich euch gestern eine tolle Geschichte angekündigt hab, kommt jetzt eine, nach der ich diesen Blog beenden kann. Darüber wird nichts mehr rausgehen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Fahrgast jemals wird toppen können, was dieser junge Mann gemacht hat. Keine Panik, ich will meinen Blog nicht so jung sterben lassen, aber als All-Time-Favorit könnte dieser Beitrag es in die Herzen aller Besucher schaffen, da bin ich überzeugt von!

Also, was war?

Ich hab mich – was selten genug vorkommt – ans Watergate gestellt. Eine Viertelstunde hab ich vielleicht gewartet. Soweit nichts besonderes. Dann kam er raus. Vom Alter her würde ich ihn auf 25 schätzen, ein bisschen jünger als ich.

Er torkelte schon ziemlich umher und traf dennoch zielsicher das Taxi. Naja.

„Keine Angst, ich kotze nicht!“

„OK, schön das zu hören! Im Notfall einfach Signal geben.“

„Kein Problem. Ich möchte in die Köpenicker Str.“

Och nee… Selbst wenn ich verkehrsgerecht noch über die Oberbaumbrücke fahr, komme ich je nach Entfernung auf höchstens 6 €. Wahrscheinlich wohnt der Töffel auch noch direkt am Schlesischen Tor.

„Die in… in… Biesdorf bitte!“

OK,  Friede sei mit ihm, eine 20 €-Tour!

„Was, was macht das?“

„Pi mal Daumen 20 €, ich würde lieber mal mit 25 rechnen. Wenn es weniger wird, stört es ja niemanden.“

„Du! Du bist genau mein Mann!“

„Das klären wir gegebenenfalls mit meiner Freundin, aber für die Fahrt soll es mal so sein!“

Mein Tag! Wenn mir sogar ein schlagfertiger Kommentar gelingt, dann ist die Welt ok. Normalerweise versage ich da relativ regelmäßig. Jo sei mein Zeuge dafür 😉

„Soll ich dann einfach die B1 rausfahren?“

„Äh, ja, mach mal!“

Er nannte mir noch eine Nummer, und dann waren wir schon unterwegs. Die Fahrt war auch völlig unspektakulär, er hat meist vor sich hingedöst. So hab ich mich bei der Hausnummer aufs Navi verlassen und ihn geweckt, als wir direkt davor standen.

„So, hier wären wir.“

„Hier ist das? Köpenicker xy?“

„Ja, genau. Das Haus müsste es sein. Noch nie hiergewesen oder wie? Ich dachte, es geht nach Hause?“

„Jaja, aber ich wohn eigentlich in der Köpenicker in Kreuzberg…“

Schock! Was falsch verstanden? Nein. Definitiv nicht!

„Du hast mir aber Biesdorf gesagt!“

„Jaja, mir hat im Club vorher ’n Kumpel erzählt, dass es hier auch noch eine gibt. Da hab ich mir gedacht: Ich muss doch mal gucken, wie das hier aussieht…“

„Du hast WAS?“ (Ich glaube, ich hab wirklich gebrüllt…)

„Ja, ich wollt mir das nur mal ansehen. Hier ist ja echt nix los.“

„Das hätte ich dir vorher sagen können.“

„Egal, bringst mich in die Köpenicker nach Kreuzberg?“

„Ähm, ausgesprochen gerne, aber war es das wert?“

„Pff, als ob ich morgen noch weiss, wofür ich mein Geld ausgegeben hab…“

„Naja, Preis kannste ja einschätzen jetzt…“

„Kriegst meinen Notfall-Fuffi. Weck mich, wenn wir… *schnarch* „

Klar, Hausnummer und Weg kenne ich ja…

Das war die mit weitem Abstand absurdeste Fahrt, die ich jemals gemacht habe!

Und ich hätte auch gerne Mal das Geld so locker sitzen…