Muss ich das blicken?

An der Rückseite vom Berghain, kurz nach drölf Uhr und im Schein des Mondes spielte sich folgende Geschichte ab.

Ein mit gutem Umsatz gesegneter Sash schießt die Wedekindstraße entlang, froh ob der Tatsache, dass ihm an dieser Stelle nicht wie vor kurzem ein Kollege mit Fernlicht entgegenkommt. Stattdessen: Winker!

Gleich 4 Leute stehen in der Gegend rum und einer rennt zu mir und beginnt mich zu fragen, wie man zum lab.oratory kommt.

„As far as I know it’s inside this building, but the entrance is on the other side.“

sagte ich und deutete etwas irritiert auf die Rückwand des Berghain. Den Weg hab ich mittels Gesten noch angedeutet, und irgendwann tönte es aus der Gruppe:

„We take the taxi!“

Im Auto bot ich dem Mann auf dem Beifahrersitz auf Englisch an, seinen Sitz zurückzuschieben, woraufhin dieser meinte, ich könne Deutsch mit ihm reden. Und die da hinten kenne er gar nicht.

Das Fahrtziel hieß nun Warschauer Str., und ich hab es gar nicht mehr geblickt. Also wurde mir erklärt, ich solle erstmal zum Berghain, bzw. zum lab.oratory fahren. Da steigen dann die beiden englischsprachigen Gäste aus. Die bezahlen bis dorthin, die beiden Deutschen dann den Rest zu ihrem Fahrtziel. Das Ganze hätte vor Ort noch etwas komplizierter werden können, da ich von den Berghain-Spezialisten nur 2 € für die Kurzstrecken bekommen hatte – obwohl die im Auto verbliebenen soo ja gar nicht teilen wollten.

Aber sie haben es hingenommen. Glücklicherweise.

Mir haben sie dann noch erzählt, dass sie die beiden Gestalten auch nur zufällig an der Ecke getroffen haben, wo ich sie dann aufgegabelt habe. Der Ruf „we take the taxi“ war so gemeint gewesen, dass er und sein Kumpel mit mir fahren, wenn die anderen mich nicht bräuchten. Die seien dann aber einfach mitgekommen.

Die Krönung war aber, wo die beiden Niesel ohne Deutschkenntnisse gerade herkamen. Genau: aus dem Berghain…

WTF?

Na da hab ich ja was verpasst…

„Darf ich dich mal was fragen?“

Etwas heruntergekommen wirkte der Mann, der vom InterCity-Hotel am Ostbahnhof zur 3. Rücke am Ostbahnhof herüberkam. Unrasiert, die schwarze Jacke mit 2 Fanschals mir unbekannter Mannschaften verziert und selbst nicht sonderlich gut gelaunt. Mal sehen:

„Na klar!“

„Kannst du mir ’nen Lichtenberger Taxifahrer besorgen?“

Das sind aber schon sehr spezielle Wünsche…

„Also einen der sich da auskennt. Ich muss zum Bahnhof Lichtenberg, dann in die Sparkasse…“

Für einen Moment habe ich daran gedacht, ihm zu sagen, er solle einsteigen.

Dann erging er sich in Schimpfkannonaden gegenüber Wessis. Neulich hätte er sogar mit einem Türken fahren müssen. Wenn ich ihm keinen Taxifahrer besorgen könne, dann würde er die Taxi-Genossenschaft anrufen, die gebe es ja wohl wenigstens noch?

„Äh…“

„Ach, lass es sein! Früher gab es noch Taxifahrer. Ihr braucht euch ja nicht wundern, wenn ihr bald alle arbeitslos seid! Unglaublich! Was für eine Frechheit, was man sich heute alles erlauben darf. Alles Arschlöcher, ich glaub das ja nicht…“

Den Rest seines zweifelsfrei sehr hörenswerten Monologes hab ich nicht mehr mitbekommen, weil ich mich mit einem gemurmelten „Schon gut“ grinsend in mein Taxi gesetzt habe und irgendwas betont belangloses gemacht habe, bis er endlich weg war.

Routine…

Ich liebe es ja, wenn ich als letzte Fahrt am Wochenende morgens um 6.30 Uhr vom Ostbahnhof noch mal eben eine Fahrt nach Schönefeld bekomme. Das klappt übrigens mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit. Mal eben noch 30 € plus können durchaus darüber entscheiden, ob ich die Schicht nun als gut oder mittelprächtig werte.

„Guten Morgen, wo darf es denn hingehen?“

„Hallo. Ich müsste nach Schönefeld zum Bahnhof.“

„Alles klar, kriegen wir hin… Moment mal! Zum BAHNHOF?“

Es gibt tatsächlich Leute, die nach Schönefeld, aber nicht zum Flughafen müssen. Man lernt nie aus… 😉

Schichtende (1)

OK, gleich vorweg:

Dieser Eintrag wird etwas länger und ich schreibe ihn, bevor ich ins Bett gehe. Es kann also sein, dass die Fehlerdichte etwas höher ist als sonst. 🙂

Es geht ganz aktuell um das Ende der heutigen Schicht. Meine Planungen für selbiges waren eigentlich recht ausgereift. Das Auto pünktlich auf spätestens 3 Uhr waschen und tanken, danach eine Runde zum Matrix. Wenn es schnell geht und ich eine kurze Tour erwische, dann schaff ich die Bahn um 3.50 Uhr nach Hause, andernfalls die um 4.20 Uhr. Danach war in Marzahn Kochsession mit meiner besseren Hälfte und Kässpätzle angesagt. Bis zum Punkt mit Waschen und Tanken lief alles astrein.

Am Matrix fand ich mich in dritter Position wieder. Um 3 Uhr kann das alles zwischen einer Minute und einer Stunde Wartezeit bedeuten. Meine dauerte rund 20 Minuten. 2 Mädels enterten das Auto, wobei die eine nicht gerade den fittesten Eindruck machte. Da man aber von Fahrgästen alles erwarten, nicht aber unbedingt das, wonach es aussieht, hab ich erst einmal gute Miene zum bösen Spiel gemacht und gefragt, wo es hingehen sollte.

Eine Straße im selben Stadtteil wie mein eigenes Domizil. 20 €, vielleicht ein bisschen mehr. Na holla die Waldfee! Glück muss man haben – und die Schicht war so schon ganz ok.

„Gibt es irgendwo Spucktüten?“

holte mich die blonde der beiden Grazien aus meinen Träumen zurück. Ihrer Cousine gehe es nicht so gut. Och nöö!

Ich hab gesagt, dass ich keine dabei habe und dass vielleicht der beste Weg erstmal wäre, sie von der Tür mit der Kindersicherung umzusetzen.

„Aber das Fenster geht auf?“

„Ja, natürlich. Aber das ist keine gute…“

„Schnell! Aufmachen, schnell!“

Ficken!

Da stand das Auto, noch keinen Meter vom Fleck bewegt, und hinten links reiherte mein Fahrgast einen sprudelnden Mix aus unglaublich absurd riechenden Alkoholika aufs schöne Pflaster. Die Cousine hing hinten an ihr dran, hielt sie an den Schultern und erklärte ihr, dass sie das „ganz fein“ mache. Ob wir nicht irgendwie? Also trotzdem?

„Also ohne Tüten geht gleich dreimal nix! Seid froh, dass es bisher nicht INS Auto ging!“

„Vorschlag: Ich halte sie und sie holen eine Tüte!“

„Äh, nein? Wenn ich eine Tüte dabei hätte, dann hätte ich sie doch längst schon geholt. Und woher soll ich jetzt eine nehmen?“

„OK, anderer Vorschlag: Sie halten sie und ich hole eine Tüte…“

Viel Spaß…

Um es abzukürzen: 2 Minuten später hielt sie es für geboten, einen Notarzt zu rufen. Gemacht hab das natürlich ich, denn das Cousinchen des Cousinchens konnte alles, nur nicht mehr gerade sitzen – was aber just in diesem Fall geholfen hätte. Der Mensch am Notruf bestätigte, sie würden in 5 Minuten etwa da sein. Puh!

Die Auswurfamsel bereitete mir da eigentlich keine Sorgen mehr, denn die saß hackeprall da, hat die verantwortlichen Giftstoffe fein säuberlich auf dem Gehsteig verteilt und professionelle Hilfe war im Kommen begriffen. Wayne? Hauptsache, sie bleibt dabei, aus dem Auto raus zu reihern…

Aber Cousinchen entwickelte einen lebhaften Bemutterungstrieb, und zwischen all den „Fein machst du das“ verlangte sie nach Licht, um ihre Pupillen zu kontrollieren, versuchte sie in zig Positionen zu halten, ihr gut zuzureden und ihr zu erklären, sie dürfe jetzt bloß nicht einschlafen. Ich hab das Ganze dann eher gelassen mit ein paar Tüchern zum Abwischen von Auto und Mund (jeweils getrennt versteht sich) unterstützt und die Heizung hochgedreht, weil es empfindlich kalt war.

Unmittelbar vor dem Eintreffen des Rettungswagens wollte Cousinchen mich schon dazu zwingen, nochmal anzurufen – obwohl nun wirklich noch nicht viel nennenswerte Zeit vergangen war.

Der Sani hat erst einmal den wichtigsten Satz des Abends gesprochen:

„Nee, das is jetzt nich euer Ernst!“

Ob das darauf bezogen war, dass die Dame noch recht unzugänglich im Taxi lag oder daran, dass er sich ihr erst nähern konnte, nachdem er mit den Fußsohlen schonmal Kontakt zum Corpus Conflicti  aufnehmen musste, weiss ich nicht. Fakt ist, ich hätte ihn auch längst bringen sollen!

Die erste sinnvolle Handlung jedenfalls war dann, Cousinchen zu entfernen. Die hat die folgenden Minuten damit verbracht, einem Helfer auf die Nerven zu gehen mit den Worten:

„Aber sie fahren jetzt nicht mit meiner Cousine los? Das tun sie nicht, oder? Bitte fahren sie nicht los!“

[…]

„Und??? Was ist??? Was hat sie???“

„Na, die is betrunken.“

Danke! Das hat mich mit der Situation auch versöhnt. Cousinchen begann, sich ausschweifend zu entschuldigen und bestand darauf, mir die Seitenschweller des Wagens nochmal zu putzen. Und Geld wollte sie mir auch unbedingt geben.

Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass ich inzwischen mindestens 6 Kollegen besetzt habe wegfahren sehen, war es nur ein fairer Deal. Verschmutzungen gab es indes keine mehr. Ich fand es ok, dass sie mir einen Zehner zugesteckt hat, obwohl mehr jetzt in Anbetracht der Ekligkeit ihrer Verwandschaft nicht übertrieben gewesen wäre.

Definitiv übertrieben war allerdings der nervige Kollege hinter mir, der zwar nix sinnvolles zur Situation beigetragen hat, aber Cousinchen und mich dringend davon überzeugen wollte, dass ich jetzt eine 300€-Rechnung schreibe.

Denkzettel für Kotzer schön und gut. Dass Wartezeit auch Geld ist – ja. Aber wenn das Taxameter gelaufen wäre, wären vielleicht 15 € draufgestanden und am Auto war wie gesagt nix. Warum einer letharigischen Koma-Braut und einer hysterischen und offensichtlich geschockten Angehörigen da das Leben noch schwerer machen?

Naja, bald darauf waren die Helfer mit den beiden Mädels gen Krankenhaus verschwunden und ich stand da. Etwas genervt, kurz vor meinem eigentlichen Feierabend-Zeitpunkt, und neben der Hintertür erstreckte sich eine Lache ziemlich übelriechenden Zeugs.

Während ich darüber nachdachte, wie man das am Besten verbloggt, traten zwei Mädels auf. Beide betrunken, eine hangelte sich nur an der anderen entlang, und sie fragten:

„Taxi? Bist du etwa frei?“

„Ja, jetzt schon…“

Und was aus dieser Tour geworden ist, das schreibe ich morgen!

Viel Spaß damit!

Winker! Schon wieder!

Ich hab gerade einen kurzen Stopp am Hauptbahnhof eingelegt. Da hatte ich zwar am Wochenende in den frühen Morgenstunden nicht vor, mich anzustellen – aber ich konnte mir ein paar Coffees besorgen. Dem Grinsen im Gesicht des Apothekers nach hatte ich sie ziemlich nötig.

Und jetzt, auf dem Weg zu meinen Lieblings-Abstauber-Straßen winkt es schon an einem Hotel in der Invalidenstraße. Auch nicht schlecht. Die Drogenbesorgung hat mich Zeit gekostet, und die ist – wie man allerorten hört – bekanntlich Geld.

Ich wurde gestoppt von einem Haufen reichlich finsterer Gestalten. Finster war allerdings nur ihre Hautfarbe, die Jungs waren allesamt ziemlich cool drauf. Ihr Fahrtwunsch brachte mich etwas ins Schwitzen, denn er betraf einen Club, den ich dereinst mal nicht gefunden habe. Eine unrühmliche Fahrt damals mit ziemlichem Ärger, vermindertem Fahrpreis und einem schlechten Gewissen. Damals hab ich die Clubadresse im Robertha nachgeschlagen, er war allerdings inzwischen umgezogen. Die neue Adresse war nur so ungefähr überliefert, und ich hab ihn seitdem nicht mehr angefahren. Nicht, dass ich aus meinem Fehler nicht gelernt hätte: Die neue Adresse hab ich am selben Tag noch ergoogelt, sie ins Buch eingetragen. Ins alte natürlich. Inzwischen hab ich die neue Ausgabe, und da steht plötzlich schon wieder eine andere Adresse drin. Ob die nun aktuell ist – oder die letzte mir (quasi teilweise) bekannte, die mir die Fahrgäste bestätigt haben, das wollte ich noch irgendwie rausfinden.

Aber in ihrem Übermut waren die Jungs schon dabei, selbst auszuprobieren, wie man die Sitze hinten ausklappt, da sie zu fünft waren, und die Diskussion in breitestem englischen Slang war auch nicht gerade einfach zu führen für 4er-Schüler wie mich.

Sollten die Fahrgäste Recht haben, dann läge der Club übrigens rund 800 Meter entfernt.

In diesem Augenblick, nach rund 2 Minuten Durcheinander und Handy-Googelei von allen Seiten trat ein Kollege auf den Plan. Er hielt an und ich ahnte da schon fast, was kommen würde. Er hielt sich auch nicht lange mit Nettigkeiten auf, als ich ihn fragte, ob er etwa eine Bestellung hat.

„Haste doch gehört, dass ich die vor 3 Minuten angenommen hab!“

Nein, tut mir leid! Funk war leider aus. Aber natürlich klau ich keine Fahrten. Schon gar keine über 800 Meter… (Dank der freundlichen Begrüßung war durchaus etwas Schadenfreude dabei).

Als ob das Durcheinander noch nicht perfekt war, kam jetzt auch noch ein Hotelbediensteter und entschuldigte sich bei mir, er habe leider ein Taxi bestellt. Ich glaub es euch ja! Kein Problem! Ehrlich!

Ich hab dann versucht, mich zu verdrücken, bevor dem Kollegen klar wird, dass er sich um eine 6€-Tour streitet – oder mit 5 Jungs diskutieren muss, warum der Club doch woanders ist. Für mich war der Abflug durchaus ok, Kunden gab es in der Nacht fast überall. Nur die Fahrgäste wollten erst nicht. 20 € Trinkgeld versprachen sie mir, wenn sie mit mir fahren dürften. Ich hab sie nett und in feinstem Schulenglisch darüber aufgeklärt, dass es wirklich unfair wäre, dem Kollegen die Fahrt zu klauen, wo er ganz offensichtlich eine Weile drauf gewartet hat.

Ich bin letztlich 2 Kilometer weiter gefahren, und hatte eine nette 18€-Tour bis nach Wilmersdorf. Den Club (2BE-Club) hab ich danach natürlich nochmal gegoogelt. Ich bin immer noch nicht schlauer. Ist er jetzt in der Heidestr. 73 – wo meine Beinahe-Fahrgäste ihn vermuteten? Oder in der Bornimer 6 in Charlottenburg – was auf einigen Seiten als Adresse zu finden ist. Dass er nicht mehr in der Ziegelstr. ist, weiss ich. Und woher kommt die Angabe Englische Str. im Robertha?

Ich wäre ja froh, das das nächste Mal zu wissen.

Ach ja, und dem Kollegen wünsche ich natürlich trotzdem, dass er eine angenehme Tour hatte 😉

Nachtrag: Hab nochmal im Netz geschaut. In der Klosterstr. 44 soll der Club auch sein. WTF?

Der Hammer!

„Bringste uns an die x-Straße? Da an die Kreuzung mit der y-Straße?“

„Das kriegen wir hin.“

„Wieviel kostet das?“

„Ich weiss nicht, ob wir es mit einem Zehner schaffen. Bisschen mehr vielleicht…“

„Machste ’n Zehner?“

„Nö.“

Dazu ein Grinsen, und da haben sie ihre Anfrage schon selbst nicht mehr ernst genommen. Da die beiden mich unbedingt noch aufrauchen lassen wollten, haben wir uns am Stand noch kurz eine Diskussion darüber gegeben, warum Festpreise nicht in Ordnung sind und wie reich meine Chefs wahrscheinlich sein müssen bei dem enormen Startpreis von 3,20 €.

Auf dem Gebiet schlägt mich so schnell keiner mehr beim Diskutieren, und seltsamerweise mussten sie eingestehen, dass sie beim Bäcker auch 20 Cent fürs Brötchen zahlen, obwohl der Weizen nur rund 1 Cent wert ist. Dass zu meiner Arbeit auch Wartezeit und Anfahrt gehören, sowie das Bereithalten eines mehr oder minder funktionstüchtigen Autos, ist wie immer argwöhnisch in Frage gestellt worden. Als ob es selbstverständlich sei, dass jemand am Samstagmorgen mit einem Taxi in der Gegend rumsteht, ohne Geld dafür zu wollen…

Glücklicherweise waren sie aber gar nicht so stressig und immerhin guter Laune, so dass es eigentlich Spaß gemacht hat. Ich hätte sie eiskalt stehen lassen, und das sogar mit einem Grinsen, denn es war eine gute Samstagsschicht gewesen. Ich hatte davor in nur 4 Stunden 170 € Umsatz gemacht und mir fehlten nur noch 15 € zu meinem Schichtziel. Auf die beiden war ich als erster am Ostbahnhof wahrlich nicht angewiesen.

Unterwegs habe ich sie an der zweiten Kreuzung gleich gefragt, ob es ok ist, wenn ich geradeaus fahre, anstatt gleich rechts abzubiegen. Sie glaubten mir, dass es wirklich kürzer ist, sind aber 2 Straßen weiter gleich ins Lamentieren gekommen:

„DAS ist jetzt aber definitiv ein Umweg!“

„Nein, das ist genau der Trick bei der Route. Der kleine Haken ist nicht zu vermeiden. Dafür kann ich anschließend geradeaus durchfahren.“

„Aber auf dem Hinweg sind wir ganz anders gefahren…“

„Ihr seid schon mit dem Taxi hergefahren? Na dann können wir doch vergleichen. Wie viel hat es denn gekostet.“

„11,20 €.“

Ein bisschen Hin und Her später war klar, dass der Fahrtpreis 10,20 € war, und der Kumpel noch einen Euro Trinkgeld spendiert hat. Na denn…

Der Rest der Fahrtstrecke war dann wirklich unspektakulär, weil ich nur dem Straßenverlauf folgen musste.

Zwischenrein fragte der eine mich an der Ampel noch, ob mein Motor tatsächlich noch laufen würde – er sei so leise. Das war wahrscheinlich das schönste Kompliment, das mein Auto die letzten 100.000 km bekommen hat und zeigt zugleich, was für absurde Vorstellungen manche Leute von Taxen haben. Nur weil das Auto ein bisschen modifiziert ist, glauben Menschen an geheimnisvolle Motorausschalter oder an Super-Heizungen. Mein Navi mit der inzwischen sagenumwoben alten CD von 2006 soll angeblich auch besser sein als alle aktuellen tragbaren Modelle und es wurden sogar schon Vermutungen geäußert, der Motor meiner alten Möhre soll stärker sein als vergleichbare Serienmodelle, weil ich ja bis zu 6 Leute mitnehmen könne.

Egal, letztlich sind wir natürlich heil angekommen, und das hat zu folgendem Dialog geführt:

„Wahnsinn! Du hast es unter 10 € geschafft! Du bist der Hammer!“

„Tja…“

hab ich nur gesagt und bei 9,20 € das Taxameter ausgemacht. Der Kumpel sprach einen Satz, für den ich sehr dankbar bin:

„Und du Depp wolltest 10 geben! Haha!“

Die 10 hab ich natürlich trotzdem bekommen. Bleibt nur die Frage, warum ich damit weniger Trinkgeld hab als der Kollege… *grummel*

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Verplant in Spandau

Ach was für eine schöne Tour nach dem bescheidenen Schichtbeginn: 6 Leute vom Ostbahnhof nach Spandau. Der Fahrtpreis war trotz leichter Fehleinschätzung meinerseits kein Problem, alles nett und Trinkgeld gab es auch noch.

Aber was will ich am Wochenende morgens um 3 Uhr in Spandau?

Rückflug!

Mit Dritte Wahl im Schallgepäck brezel ich Richtung Osten in die City zurück und denke an meine alte Heimat und all das, was da gerade abgeht. Kein Zufall, dass auf meinem aktuellen Mix „Plakativ“ nicht fehlt.

Und so fliege ich, die Gedanken voller zensurwürdiger Ideen, durch die leeren Straßenschluchten und hätte beinahe die winkende Gestalt links übersehen. 30 Meter weiter stand der Wagen dann auch, aber er wies mich an, zurückzusetzen.

OK, er stand an einer Wendestelle und er winkte nur stellvertretend für eine Frau, die noch weiter links stand und das offenbar alleine nicht hinbekommen hätte.

Sie stieg immerhin selbstständig ein und wirkte gar nicht so dramatisch verstrahlt. Bingo! Mal abgesehen davon, dass wieder nach Spandau rein geht. Aber beim achten Besuch in zwei Jahren ist vorprogrammiert, dass ich noch was lerne. Auch nicht schlecht. Bildung ist der Schlüssel zu allem! Im Zweifelsfall wenigstens zu gutem Umsatz!

„Ich fahre Niegehörtstraße.“

Nein. Ich fahre! Aber gut, diplomatisches Geschick bezüglich meiner Dienstleistung tut Not:

„Au, da haben sie mich erwischt! Das müsste ich kurz ins Navi…“

„Kein Problem, ich zeige es ihnen.“

Auch gut. Also schnell das Navi programmiert. Sie kriegt das eh nicht wirklich mit und so habe ich wenigstens einen Anhaltspunkt. Ach sieh an: In die Richtung, aus der ich gerade gekommen bin!

„Wieviel kostet das ungefähr?“

Ich habe am Navi aufgrund der mangelnden Information erst einmal nur die Straße eingegeben gehabt. Abgesehen von einigen sehr langen und ungünstig zur Fahrtrichtung liegenden Straßen (oder solchen mit Unterbrechungen) reicht das meistens aus, um einen halbwegs akzeptablen Weg zu finden. Die Kilometeranzeige verriet mir nun 5,0 km.

„Das werden vielleicht 12 € werden. Aber genau festlegen möchte ich mich nicht. Vielleicht sind es auch 11 oder 13.“

Tiefgestapelt hab ich erst vorher bei der letzten Tour unabsichtlich. Lieber auf Nummer Sicher gehen!

Ich bin meinem elektronischen Helferlein hinterhergeeilt, bis ich blinkend an einer Kreuzung stand, die ich sogar noch vom Lernen auf die Ortskundeprüfung her kannte. Dagewesen war ich seit rund einem Jahr nicht mehr. Ist ja auch egal.

„Fahr besser gradeaus!“

Den Tipp hab ich gerne angenommen. Wir waren laut Navi zwar nur noch rund einen Kilometer entfernt, aber es kann ja sein, dass das Navi

  • ausgerechnet diese Strecke nicht leiden kann (das kommt vor),
  • nur da lang fährt, weil es 2,34 Meter kürzer ist, was das Taxameter nicht interessiert,
  • einen Umweg zum Anfang der Straße wählt, anstatt den direkteren zu ihrer Hausnummer (den es ja noch nicht kennt) anzuzeigen.

Also nicht links. Nächste Kreuzung auch nicht, übernächste auch nicht.

Dann kamen wir an einen Kreisverkehr. Das Navi, inzwischen bei 1,5 km Entfernungsanzeige, wollte wieder links. Sie lotste mich hingegen geradeaus und warf ein, dass sie hier schließlich schon lange wohne. Gewonnen!

Von da an wollte das Navi fast nur noch in die entgegengesetzte Richtung, aber ich war so langsam sicher, dass ich den Straßennamen einfach falsch verstanden habe. Soll ja vorkommen, sowas.

Mein Fahrgast lotste mich mit erstaunlicher Professionalität immer weiter in Richtung Stadtgrenze, nur um dann plötzlich – bei rund 15 € auf der Uhr – festzustellen:

„Nein, ist falsch!“

Also hab ich sie nach ihrer Hausnummer gefragt und bin trotz kurioser Ansagen dem Navi dorthin gefolgt. Zwischenzeitlich hab ich mit dem Gedanken gespielt, das Taxameter auszumachen, aber ehrlich gesagt habe ich keinen Grund dafür gesehen. Ich hätte sie natürlich schneller und günstiger heimgebracht, aber genauso soll ich den Kundenwünschen entsprechend fahren.

Bei punktgenau 20 € hab ich sie dann – im Übrigen ohne Trinkgeld – entlassen. Dass sie vom Fahrtverlauf nicht sehr begeistert war, hat sie kundgetan. Eine Nummer, eine Quittung, meinen Namen oder ähnliches wollte sie aber gar nicht haben. Sollte sie nach all den zahllosen Versuchen das Schlüsselloch noch getroffen haben, wird sie sich sicher ausschlafen und vielleicht auch einsehen, dass es auch hätte schlimmer kommen können. So sie sich denn überhaupt erinnert…