Schlüsselerlebnisse

„Du?“

„Jepp!“

Blöde Frage, blöde Antwort. Altes Spiel. 🙂

„Du!“

„Ja …?“

„Du bringst uns heim!“

„Darauf können wir uns einigen.“

„Was macht das bis Hermann-, Ecke Flughafenstraße?“

„Ach, so 11 bis 12 € etwa.“

Da fiel seine Begleitung uns ins Wort:

„Sagen wir doch einfach 10. Los jetzt!“

„10 sagen wir nicht, das wird nicht ganz reichen. Aber ich kann Sie gerne bei 10 € rauslassen, wenn Sie nicht mehr dabei haben.“

„Nee nee, 12 is‘ ja völlig ok. War nur’n Spaß!“

Und was für ein ausgefallener und amüsanter Spaß. -.-

Aber egal. Auch wenn sie zu Beginn ein wenig reserviert wirkte, sollte das nicht die schlechteste Fahrt sein. Er hatte definitiv ein Bisschen einen im Tee und ließ sich nicht davon abbringen, zu erzählen, dass es voll toll wäre, dass ich sie jetzt heimbringen würde. Lob für recht banale Dinge kann ja auch mal erfrischend sein.
Bereits nach mehreren Metern allerdings bekamen sie einen Anruf von Freunden, die wohl mit ihnen im FritzClub waren und der warf – wie auch immer – irgendwie die Pläne durcheinander. Dass die anderen jetzt schon in der Bahn saßen war wohl irgendwie falsch, sollte doch eigentlich die Anita bei ihnen pennen, nur der Klaus musste ja nach Steglitz. Ähm, ja. Die Relevanz des Ganzen war mir nicht ganz klar, aber ich muss ja nicht alles verstehen. Eine sehr direkte Auswirkung allerdings war wichtig: im Laufe des Telefonates nämlich merkte mein fröhlicher Beifahrer, dass er seinen Schlüssel vergessen oder verloren hätte. Ach nee, den hätte ja die Anita. Die jetzt aber mit Klaus nach Steglitz fuhr.

„Schatz, hast Du ’n Schlüssel?“

„Nee. Du, mein Lieber, hast gesagt, ich soll ihn nicht mitnehmen, Du hättest ja einen dabei!“

Perfekt. Dann bräuchten sie halt den von Anita. Nun fing „Schatz“ an zu lamentieren, sie könne ja dann kurz nach Steglitz fahren, sie sei ja noch fahrtüchtig – was auf lauten und sehr sehr albernen Widerspruch stieß. Nach einem kurzen Halt zum Nachdenken beschlossen sie dann, dass das ohnehin alles irrelevant sei, weil der Autoschlüssel ja bei ihnen in der Wohnung liegen würde. In die sie ja nicht reinkommen würden. Es war offensichtlich, dass sie sich mit Anita treffen sollten. Also mir war das klar. Bei den beiden Helden in meinem Auto hat diese Erkenntnis ein wenig Zeit gebraucht. Ein Telefonat später wussten wir dann aber, dass die gerade in der Bahn zwischen Jannowitzbrücke und Alex wären. Dann legte er auf und dachte weiter nach, ob wir bis nach Steglitz fahren sollten. Binnen weniger Sekunden kam er zu einem Entschluss:

„Gut, wir fahren nach Steglitz.“

Aus meiner Tour für knapp über einen Zehner wurde plötzlich irgendwas in der Größenordnung 30 bis 50 Euro. Oha! Das war soweit prima, danach hätte ich umgehend Feierabend machen können, aber ein bisschen absurd schien mir das Ganze schon. Auch wenn wir den Weg der S-Bahn nicht nochmal gekreuzt hätten – eine halbe Stunde mehr oder minder einer Bahn hinterherzufahren, um am Ende wieder umzudrehen … also ich wär da nicht drauf gekommen. Schon gar nicht in einem Taxi, das mal eben 1,28 € pro Kilometer kostet. Also hab ich mich ein wenig eingemischt und dem Typen klargemacht, dass zumindest finanziell alles andere als Steglitz deutlich sinniger sei. Das hat er auch eingesehen und mich nebenbei ermahnt, er wolle sich jetzt bitteschön nicht den geilen Abend kaputtreden lassen.

Es waren noch zwei Telefonate mit ziemlich hanebüchener Gesprächsführung notwendig, um einen ziemlich einfachen Entschluss zu fassen: Anita und Klaus sollten am Hackeschen Markt aussteigen und kurz die Schlüssel übergeben. Manchmal frage ich mich zwar auch, warum ich so nett bin – auf der anderen Seite war mir die Unterhaltung in Kombination mit einer einstündigen Tour vielleicht auch einfach zu anstrengend.

Die Übergabe klappte problemlos, ich durfte endlich Anita und Klaus kennenlernen, von denen ich schon so viel gehört hatte, am Ende haben wir sie sogar noch zur nächsten S-Bahn-Station mitgenommen. Nach einer abermals lautstarken und mittlerweile völlig unwichtigen Diskussion, ob Madame noch fahrtüchtig sei und ob sie das einfach mal probieren sollten, erreichten wir das Ziel bei von mir vorher recht gut geschätzten 25,40 €.

Die bekam ich dann auch prompt ohne irgendwelches Trinkgeld und war doch relativ froh, die beiden loszusein. Auf dem Rückweg hab ich vorsichtshalber mal in meiner Hosentasche nachgesehen, ob mein Schlüssel da ist. Er war es, wenigstens ich müsste in dieser Nacht keinem Kollegen auf die Nerven gehen … 😉

PS: Auch von vergessenen Schlüsseln erzählt der Eintrag „Schlüsselkinder“ von 2010.

Nicht das Geld allein …

macht eine gute Fahrt aus. Insbesondere, wenn man mal betrachtet, was man bei so einer normalen Fahrt verdient. Nee, also ich für meinen Teil muss da nebenbei schon noch ein nettes Gespräch führen, was neues kennenlernen, irgendwas halt, das sich nicht nach stupider Arbeit anfühlt. Ich glaube, das ist der Unterschied zu den dauernd grummeligen Kollegen. Würde ich immer nur Euro und Minuten sehen, dann wäre Taxifahren wirklich ein außergewöhnlich beschissener Job und ich würde hier den ganzen Tag nur Rumranten und mich bedauern.

Aber, seien wir mal alle froh, is‘ ja nicht so!

Ein bisschen albern bin ich ja manchmal beim kürzesten Weg. Ich fahre hier und da wirklich gerne mal die Schleichwege, die der ein oder andere Kollege ignoriert und stattdessen die Hauptstraßen nimmt. Das ist rein kohlemäßig zwar eher kontraproduktiv, verträgt sich dafür aber hervorragend mit der Taxiordnung und der Kundenlaune.

So auch bei der Frau, mit der ich umgehend ins Quasseln gekommen bin. Dies und das, tolle Taxi-Erlebnisse, bla keks. Und dann standen wir plötzlich vor ihrer Türe.

„Oh! Äh, ich mein, äh, wow!“

„Was ist?“

„Ja, äh, gut gefahren!“

„Danke?“

„Ey, ich wusste ja, dass das nicht so weit ist – aber dass es die kurze Strecke gibt …“

Und ganz ehrlich: Es lässt sich drüber streiten, ob das schon die kürzeste und/oder sinnvollste war.  Aber natürlich hab ich das Lob gerne angenommen. Ebenso wie die 2,20 € Trinkgeld. Das ist zwar – wie eingangs erwähnt – nicht alles, aber schlechter werden die Fahrten durch die Kohle dann halt auch auf keinen Fall. 🙂

Kurzstrecke, is klar!

Es freut mich ehrlich gesagt oft, wenn Kunden von sich aus auf die Idee kommen, Kurzstrecke zu fahren. Nicht wirklich, weil ich darauf stehe, weniger Geld zu verdienen, sondern weil dann zumindest nicht mitten während der Fahrt noch der Einfall kommt. Dann kann ich schließlich das Taxameter nicht mehr umstellen und das Geschrei ist mitunter groß.

Jetzt aber stieg mir an der Greifswalder Straße einer ein, etwa Höhe Christburger. Und wollte zum Friedrichstadtpalast …

Ich hätte die Entfernung jetzt nicht auf Anhieb genau einschätzen können, aber dass es deutlich mehr als zwei Kilometer waren – um das zu erkennen, braucht man wahrlich nicht den Stadtplan auswendig lernen.

„Das wird nicht reichen.“

„Na ja, probier’s mal.“

„Ehrlich, das ist deutlich länger!“

„Is‘ ok. Ich hab auch noch mehr Geld.“

Er hat dann offenbar sein Smartphone gepackt und meinte irgendwann:

„Boah Fuck Digger! Das sin‘ ja echt noch vier Kilometer!“

Sag ich doch. 🙂

Also war die Kurzstrecke irgendwann zu Ende, das Taxameter piepte zweimal binnen 300 Metern (einmal bei 4,00 und einmal bei 7,00 €) und am Ende war die Chose mit unter zehn Tacken erledigt. Gab am Ende sogar noch gutes Trinkgeld, will mich also keinesfalls beschweren …

Netto

Also zuerst mal muss ich was über die Umfrage gestern sagen:

Faszinierend, dass sich über 60% dazu entschieden haben, Deko zu sein. 😀
Ich sollte wohl beim Formulieren etwas weniger witzig sein …

Große Stories hab ich nicht mehr rumliegen, außerdem tut mir das Tippen gerade etwas weh, weil ich mir – hier dürfen alle Beteiligten lachen – den Fingernagel am rechten Zeigefinger eingerissen hab. Die Rahmenbedingungen könnten also besser sein für einen langen Blogeintrag. Aber was kurzes zwischendurch:

Das mit der Wegfindung ist in manchen Ecken ja etwas schwieriger. Vor allem, wenn man zwar sein Navi nutzen kann, aber nicht einmal eine Hausnummer vom Fahrgast kriegt. Der, den ich vor ein paar Tagen im Auto hatte, hat sich der Informationspreisgabe durch sofortiges Einschlafen entzogen. Die Ecke in Pankow kannte ich nur so mittel, einen Kilometer vor dem Ziel wollte ich mich dann nicht mehr auf den elektronischen Helfer verlassen und hab das schnarchende Etwas geweckt:

„Hier gleich links?“

„Nee, erst beim Netto.“

Mist, find mal einen Netto nachts. War aber auch egal. Er schlief wieder ein und mein Navi korrigierte die Route auf drei Kilometer Rest. Hmm, sollte ich umdrehen? War mir dann aber egal – wahrscheinlich war das der Weg am Netto vorbei, was soll’s!

Bis ich bei ihm in der Straße stand, kam kein Netto mehr. Also vermutete ich den Netto direkt an seinem Haus IN der Straße. Hmm, auch nicht. Hab ihn dann nochmal wachgerüttelt und nach der Nummer gefragt. Er hat gesehen, dass wir schon vorbei waren – mit Wenden lag der Umweg am Ende wirklich locker bei drei Kilometern. Hab ich in dem Fall nicht an die große Glocke gehängt. Zeitlos schön dann der Abschlussdialog:

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Nur? Mach mal 25.“

„Oh, danke. Eine Frage hätte ich aber noch: Wo ist bitte hier ein Netto?“

„Netto? Hier? Meine Freundin wohnt bei ’nem Netto, aber das ist in Weissensee. Wieso?“

Ach, unwichtig … 🙂

Ein Stern

Dann schreibe ich doch hier gleich mal die Geschichte nieder, wie ich als allererste Bewertung bei MyTaxi einen Stern bekam. Zumindest vermutlich, ich hab erst nach 3 Fahrten das erste Mal in mein Profil geschaut. Aber es wäre nur logisch.

Der Auftrag überraschte mich kurz vor Feierabend und da ich noch ein paar Eurolein gebrauchen konnte, nahm ich ihn fix an. Die angegebene Adresse des Kunden war ein Lichtenberger Wohngebiet, das übliche verschachtelte Tralala zwischen all den Plattenbauten. Eine der Gegenden, von denen ich gerne sage, dass der Straßenname dort etwa so hilfreich ist wie die Postleitzahl: Zwischen Parkplätzen verästeln sich die Straßen, zweigen mehrfach unter gleichem Namen voneinander ab und die Hausnummern wurden noch zu DDR-Zeiten vom Zentralkommitee vergeben, ungefähr in der Reihenfolge der Stasiaktendicke der zukünftigen Bewohner. Zumindest wäre das ein Erklärungsansatz für das Chaos, das dort mancherorten herrscht und uns Taxifahrern das Leben schwer macht.

Ich hoffte also guter Dinge darauf, dass mein Navi schon weiß, was es tut. Leider scheint das die Hausnummern auch gelegentlich von Tarot-Karten abzulesen. Es kam also, wie es kommen musste: Ich gab die Nummer 56 ein und das Navi schickte mich ans Ende einer ziemlich verwinkelten Straße. Letzte Hausnummer vor der Wendefläche: 55. Und die Nummer 56 hätte nach der dort vorherrschenden Logik in alle vier Himmelsrichtungen liegen können. Wobei aber nur zwei halbwegs direkt durch Straßen zu erreichen waren. Ich schaute mir die Position des Kunden auf meinem Handy an, die lag irgendwo hinter dem vorletzten Block, an dem ich vorbeigefahren war. Also bin ich da mal hin. Da hieß die Straße zwar plötzlich anders, aber das war nicht das Problem – vielmehr war die Durchfahrt bis direkt zum Auftraggeber nicht möglich.

Also hab ich die Technik mal genutzt, den Fahrgast angerufen und gesagt, dass ich das mit der Nummer 56 irgendwie wohl ein bisschen verpeilt hätte.

„Ich seh’s, ich seh’s.“

argwöhnte er,

„…aber das ist auch egal, ich steh ja eigentlich auch vor der 73.“

DAS ist in diesem Wohngebiet natürlich besonders hilfreich gewesen. Die 73 erkannte mein Navi sogar und schickte mich nur ein einziges Mal durch eine Einfahrt, die inzwischen eine Einbahnstraße in die andere Richtung geworden war. Immerhin. Außerdem war es ja halb sechs in der Frühe, da störte das ja nur auf dem Papier …

Folglich kam ich also nach einem Gespräch und insgesamt sicher später als erwartet an und erweckte zu Recht einen reichlich verpeilten Eindruck. Da kann man schon mal eine schlechte Bewertung geben, wenngleich mir das unbeabsichtigt jeder Zeit wieder passieren könnte. Was wirklich gemein war, war der eine Stern für die 1925.

Ich meine, ok, ich bin nur Taxifahrer. Aber mein Auto hat vielleicht Gefühle … 🙁

Nach Hause …

Ist ja nun wirklich eines der gängigsten Klischees: Betrunkener Fahrgast kommt an und möchte „nach Hause“ gebracht werden. Ich hab darauf auch schon ganz vorbildlich mit „Zu ihnen oder zu mir?“ geantwortet, alles kleines Taxi-Einmaleins. Aber vorgestern hat einer das irgendwie völlig ad absurdum geführt, in dem er völlig nüchtern am Bahnhof in mein Auto stieg und sich folgender Dialog ergab:

„Guten Abend, wo darf’s hingehen?“

„Hallo. Ich hatte echt einen stressigen Tag und würde jetzt gerne nach Hause.“

So weit, so gut. Dann aber kehrte Stille ein und er sah mich durch seine Hornbrille an und grinste verschmitzt. Einfach so. Hatte schon gedacht, das wird so eine Ich-will-ins-Blog-Geschichte, mich dann aber doch geschäftsmäßig professionell verhalten und gemeint:

„Dann … müsste ich nur noch wissen, wo ihr Zuhause genau liegt.“

„Ach Mensch, natürlich! Treptow, Karl-Kunger-Straße!“

Ach Mensch, natürlich. Da hätte ich aber auch von selbst drauf kommen können … 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Auch mal wieder …

„Guten Tag, entschuldigen Sie?“

„Guten Abend, was gibt’s?“

„Fahren Sie auch nach Köpenick?“

„Aber sicher, sehr gerne doch. Warum auch nicht?“

„Naja, is‘ ja so weit weg und sie stehen ja in die falsche Richtung …“

Irgendwann, vielleicht wenn ich in Rente bin, werden die Menschen gelernt haben, dass man mit dem Taxi auch wenden kann. Ich bin sicher. Also …fast. 😉