Glück allein…

…entscheidet letztlich beim Taxifahren.

Das Auto hatte ich geputzt und betankt, als ich das letzte Mal am Matrix aufgeschlagen bin. Der Umsatz war ok. Nicht berauschend, aber ok. Immerhin würde es dreistellig werden. Jetzt noch eine Tour zum Generator Hostel und ich bin glücklich!

Eine ganze Weile lümmelte ich in der Schlange herum und las mich durch meinen Feedreader. Erster war ich noch nicht, aber irgendwann kamen dann doch zwei einsame Gestalten auf mich zu:

„Sach ma, wat würde es bis Petershagen kosten?“

„Kommt drauf an, wo genau. Grobe Größenordnung liegt aber bei 40 €.“

Und es kam kein Widerwort. Kein Handeln, kein entsetzter Blick. Nur der Satz:

„Alles klar! Wir fahren mit dir. Wir rauchen nur noch auf.“

In den nächsten zwei Minuten sind die anderen Taxen vor mir frei geworden. Auf mein Auto kam eine geradezu nach Gruppenkotzen aussehende Truppe randalierender Schotten im Kilt und versuchte, sich Zugang zum Taxi zu verschaffen. Und dann haben auch noch meine Fahrgäste geholfen, mein Auto zu verteidigen, und die sturzbetrunkenen Tölpel weiterzuleiten. Da ist der Kelch gerade nochmal an mir vorübergegangen. Puh!

Die Fahrt war nett und komplikationslos. Der Fahrpreis lag nach Taxameter bei genau 40,00 €, und dennoch gab es Trinkgeld.

Die Arschkarte an dem Abend hatte neben dem Kollegen mit den Schotten vor allem mein Tagfahrer. Nach dem Tanken und Putzen nochmal 50 km* über teils staubige Dorfstraßen zu brettern hatte ich allerdings so auch nicht geplant…

*man darf nicht vergessen, dass die Tankfüllungen nur rund 300 km weit reichen. Das reicht natürlich für mehr als eine Schicht, aber ein voller Tank ist immer netter.

Verplant in Spandau

Ach was für eine schöne Tour nach dem bescheidenen Schichtbeginn: 6 Leute vom Ostbahnhof nach Spandau. Der Fahrtpreis war trotz leichter Fehleinschätzung meinerseits kein Problem, alles nett und Trinkgeld gab es auch noch.

Aber was will ich am Wochenende morgens um 3 Uhr in Spandau?

Rückflug!

Mit Dritte Wahl im Schallgepäck brezel ich Richtung Osten in die City zurück und denke an meine alte Heimat und all das, was da gerade abgeht. Kein Zufall, dass auf meinem aktuellen Mix „Plakativ“ nicht fehlt.

Und so fliege ich, die Gedanken voller zensurwürdiger Ideen, durch die leeren Straßenschluchten und hätte beinahe die winkende Gestalt links übersehen. 30 Meter weiter stand der Wagen dann auch, aber er wies mich an, zurückzusetzen.

OK, er stand an einer Wendestelle und er winkte nur stellvertretend für eine Frau, die noch weiter links stand und das offenbar alleine nicht hinbekommen hätte.

Sie stieg immerhin selbstständig ein und wirkte gar nicht so dramatisch verstrahlt. Bingo! Mal abgesehen davon, dass wieder nach Spandau rein geht. Aber beim achten Besuch in zwei Jahren ist vorprogrammiert, dass ich noch was lerne. Auch nicht schlecht. Bildung ist der Schlüssel zu allem! Im Zweifelsfall wenigstens zu gutem Umsatz!

„Ich fahre Niegehörtstraße.“

Nein. Ich fahre! Aber gut, diplomatisches Geschick bezüglich meiner Dienstleistung tut Not:

„Au, da haben sie mich erwischt! Das müsste ich kurz ins Navi…“

„Kein Problem, ich zeige es ihnen.“

Auch gut. Also schnell das Navi programmiert. Sie kriegt das eh nicht wirklich mit und so habe ich wenigstens einen Anhaltspunkt. Ach sieh an: In die Richtung, aus der ich gerade gekommen bin!

„Wieviel kostet das ungefähr?“

Ich habe am Navi aufgrund der mangelnden Information erst einmal nur die Straße eingegeben gehabt. Abgesehen von einigen sehr langen und ungünstig zur Fahrtrichtung liegenden Straßen (oder solchen mit Unterbrechungen) reicht das meistens aus, um einen halbwegs akzeptablen Weg zu finden. Die Kilometeranzeige verriet mir nun 5,0 km.

„Das werden vielleicht 12 € werden. Aber genau festlegen möchte ich mich nicht. Vielleicht sind es auch 11 oder 13.“

Tiefgestapelt hab ich erst vorher bei der letzten Tour unabsichtlich. Lieber auf Nummer Sicher gehen!

Ich bin meinem elektronischen Helferlein hinterhergeeilt, bis ich blinkend an einer Kreuzung stand, die ich sogar noch vom Lernen auf die Ortskundeprüfung her kannte. Dagewesen war ich seit rund einem Jahr nicht mehr. Ist ja auch egal.

„Fahr besser gradeaus!“

Den Tipp hab ich gerne angenommen. Wir waren laut Navi zwar nur noch rund einen Kilometer entfernt, aber es kann ja sein, dass das Navi

  • ausgerechnet diese Strecke nicht leiden kann (das kommt vor),
  • nur da lang fährt, weil es 2,34 Meter kürzer ist, was das Taxameter nicht interessiert,
  • einen Umweg zum Anfang der Straße wählt, anstatt den direkteren zu ihrer Hausnummer (den es ja noch nicht kennt) anzuzeigen.

Also nicht links. Nächste Kreuzung auch nicht, übernächste auch nicht.

Dann kamen wir an einen Kreisverkehr. Das Navi, inzwischen bei 1,5 km Entfernungsanzeige, wollte wieder links. Sie lotste mich hingegen geradeaus und warf ein, dass sie hier schließlich schon lange wohne. Gewonnen!

Von da an wollte das Navi fast nur noch in die entgegengesetzte Richtung, aber ich war so langsam sicher, dass ich den Straßennamen einfach falsch verstanden habe. Soll ja vorkommen, sowas.

Mein Fahrgast lotste mich mit erstaunlicher Professionalität immer weiter in Richtung Stadtgrenze, nur um dann plötzlich – bei rund 15 € auf der Uhr – festzustellen:

„Nein, ist falsch!“

Also hab ich sie nach ihrer Hausnummer gefragt und bin trotz kurioser Ansagen dem Navi dorthin gefolgt. Zwischenzeitlich hab ich mit dem Gedanken gespielt, das Taxameter auszumachen, aber ehrlich gesagt habe ich keinen Grund dafür gesehen. Ich hätte sie natürlich schneller und günstiger heimgebracht, aber genauso soll ich den Kundenwünschen entsprechend fahren.

Bei punktgenau 20 € hab ich sie dann – im Übrigen ohne Trinkgeld – entlassen. Dass sie vom Fahrtverlauf nicht sehr begeistert war, hat sie kundgetan. Eine Nummer, eine Quittung, meinen Namen oder ähnliches wollte sie aber gar nicht haben. Sollte sie nach all den zahllosen Versuchen das Schlüsselloch noch getroffen haben, wird sie sich sicher ausschlafen und vielleicht auch einsehen, dass es auch hätte schlimmer kommen können. So sie sich denn überhaupt erinnert…

Geld ist Geld (Hoffe ich doch…)

Das Matrix. Unerschöpflicher Quell kurioser Fahrgäste.

Dieses Mal hatte ich es zu tun mit zwei Brasilianern, die ganz schön einen über den Durst getrunken hatten. Sie waren zu aufrechter Bewegung fähig, allerdings vermute ich, dass die beiden das nur als Zweiergespann schaffen konnten. Was auf den ersten Blick wie gegenseitiges Schubsen aussah, war in Wirklichkeit wohl eher sowas wie Stützen.

Aber zwei herzensgute Kerle, rund um ihr zwanzigstes Lebensjahr.

Was es denn nach Kaulsdorf kosten würde.

„Maybe 25 €…“

Mit einem dicken Grinsen sind sie ins Auto gesprungen und haben mich augenblicklich vollgelabert, wie geil die Stadt ist und was nicht alles sie schon gesehen hätten in den anderthalb Tagen, die sie nun hier sind.

Ihr Englisch war schlechter als meines, aber die Grundaussage über die Stadt und die ein oder andere Sehenswürdigkeit war stets:

„This is very ok!“

Das kann man als Kompliment an die Stadt verstehen. Keiner von den beiden neigte zu oraler Inkontinenz, es war eine lustige Tour, und von der Länge konnte ich kaum was besseres erwarten – wenngleich wir „nur“ bei rund 20 € waren am Ende. Aber natürlich gab es einen Haken:

„I guess we have no money!“

meinte der eine nach dem Durchforsten seines Geldbeutels. Der andere pflichtete bei:

„No no no no money. No money!“

Ach nee, ist ja klar! Ich hab das Spielchen einfach mal mitgespielt und hab gesagt:

„Well Guys, that’s no big deal. I’ll call the police and they will decide what to do with you…“

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich sicher gewesen, dass die Cops gar nicht viel machen können. Aber die beiden waren keine Abzocker. Ihr Mitleid mit meiner finanziellen Schieflage hielt sich zwar sichtbar in Grenzen, aber wahrscheinlich hat es sich einfach mit dem siebten Cocktail im Hinterkopf versteckt. Ich hab dann noch ein paar hoffentlich eindrucksvolle Sätze über die Polizei und ärgerliche Gefängnisaufenthalte von bis zu 48 Stunden fallen lassen. Natürlich im Wissen, dass ihre Reise sie bereits morgen nach Prag führen sollte.

Ich hab sie gefragt, ob sie denn gar kein Geld mehr hätten.

Naja, nicht so wirklich. Auf jeden Fall keine Euro mehr.

Ob wir zur Bank fahren könnten?

Nein, der Reisekassennachschub der Eltern kommt wohl erst zum ersten…

„OK, let me see what you have!“

Und dann ist dem einen eingefallen, dass er noch brasilianische Reais hat.

Puh! Wie bitte ist denn der Umrechnungskurs zum Euro? Während der eine seine Scheinchen auspackte, erzählte der andere was von

„Two Reais is one Euro!“

Zwei zu eins. Hm? Ich wollte gerade den Segen des mobilen Internets nutzen, um nachzusehen. Da wedelt der Kumpel mit ein paar Scheinen vor mir herum:

„Take it all. No Police! Please! Please! No Police!“

Als ob mir daran gelegen wäre, brasilianische Jugendliche deutschen Cops auszuliefern… wegen 20 €. Ich hab ihnen gesagt, sie sollen abhauen. Ziemlich genervt natürlich. Mir werden die Scheine unter ständigem

„No Police!“

in die Hand gedrückt und die beiden verschwinden in Richtung ihres Hotels. Was für eine Abschlusstour… 🙁

Dann hab ich mal kurz die Scheinchen durchgezählt und das Internet befragt. Was für eine Abschlusstour!!! 😀

Eigentlich echt schon zu heftig, Quelle: Sash

Eigentlich echt schon zu heftig, Quelle: Sash

127 Reais. Auf die erste Anfrage spuckt das Internet als Gegenwert 54,59 € aus. Wenn ich jetzt noch eine Bank finde, die das annimmt, will ich mal nix gegen meine Kundschaft sagen…

Du bis’n ehrlicher Kerl…

Der letzte Monat war bitter, ich könnte gerade ein paar Euro extra vertragen. Nicht, dass ich ernstlich dran geglaubt hätte, aber prima reingelaufen wäre mir eine Viererfahrt zum Puff meiner Wahl oder ein abenteuerlicher Trunkenbold mit einem „Behalt den Fuffi“-Trinkgeld durchaus.

Ein Kandidat für zweiteres hat mich in Treptow entdeckt. Ich hab ihn zwar vorher gesehen, aber da Wochenende war, sah ich mich ausnahmsweise nicht sofort genötigt, den Mittvierziger mit dem ungestümen Ausfallschritt auf mich aufmerksam zu machen. Aber die Ampel war rot, ich stand da so rum und Fahrten ablehnen tue ich dann ja auch nicht. Seine Bewegungen waren auf ganz eigene Art durchaus grazil, und sein Aussehen können alle erahnen, die ebenso gerne wie ich Dr. House bei der Patientenfürsorge sehen und sich an einen gewissen Detective Michael Tritter aus Staffel 3 erinnern.

Gleich vorneweg: Er war netter und wurde ohne Thermometer im Hintern von mir entlassen.

„Wo darf es denn hingehen?“

„Köpenick.“

Als er dann fast eingeschlafen war, hab ich kurz nachgehakt:

„Wohin denn genau?“

„Bisteirgendwannmalgewesenstraße.“

„Haben sie jetzt vielleicht noch eine Hausnummer?“

„Drölf.“

Und weg war er. Aber gut, ich hatte Ortsteil, Straße, Hausnummer. Das reicht im Prinzip, um meinem Job angemessen nachzugehen, und wenn der Kerl was nötig hatte, dann Schlaf! Nach einem halben Kilometer hab ich ihn nochmal aufgeweckt, um ihn an die Anschnallpflicht zu erinnern, weil er reichlich unförmig auf der Rückbank in sich zusammengefallen ist – und so etwa bei Kilometer 3 ist er meiner Bitte dann endgültig nachgekommen. Die weitere Fahrt war Kinderfasching. Ich hätte wahrscheinlich über das Rollfeld des Aéroport Paris-Charles-de-Gaulle nach Köpenick fahren können und er hätte es nicht gemerkt. Ich bin dagegen gemütlich den Anweisungen des Navis hinterhergegurkt, bzw. ich hab es angemacht, als ich nach Köpenick eingeflogen bin. Das Taxameter wollte sich nicht überreden lassen, über die 20,00 € rauszuspringen, was mir mit Blick aufs Trinkgeld weh getan hat, aber auf der anderen Seite wäre es reichlich unverschämt gewesen, über eine Minute dumm in der Gegend rumzustehen, um auf 20,20 € zu warten 😉

Ich hab die Uhr also ausgemacht und ihn angestoßen. Er ist – glücklicherweise – auch gleich aufgewacht und war natürlich völlig konfus. Ich hab ihm beruhigend erklärt, wo wir sind, mich vergewissert, dass wir auch am richtigen Ort sind und ihm den zu zahlenden Betrag genannt. Die folgenden 5 Minuten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Ich sagte ihm, wie viel es kostet, er holt seinen Tabakbeutel raus. er kramt darin rum, stellt fest, dass es nicht sein Geldbeutel ist, steckt ihn ein, sucht seinen Geldbeutel ein paar Sekunden lang. Dann fragt er, wie viel es kostet, lächelt mich an und sagt:

„Nicht böse sein. Bitte! Ich bin doch sternhagel… wie viel kriegste?“

Daraufhin holt er seinen Tabakbeutel raus, kramt darin rum, stellt fest, dass es nicht sein Geldbeutel ist… ich denke, ihr könnt euch vorstellen, dass man das in 5 Minuten ein paar mal durchkauen kann.

Auf das etwa achte

„Nicht böse sein!“

hab ich wie immer geantwortet, dass ich das natürlich nicht bin, aber angefügt, dass ich jetzt dennoch aussteige, um wenigstens eine rauchen zu können. Bei der Gelegenheit bin ich natürlich ganz zufällig bis zu seiner Tür hinten rechts gegangen, hab sie aufgemacht und meine Hilfe angeboten.

Die zu leisten fiel gar nicht schwer, da ich schnell sah, dass sein Geldbeutel am ungünstigst zu erreichenden Platz lag: Unter seiner rechten Schuhsohle. Ich hab ihn hervorgezaubert und ein ungläubiges Lächeln geerntet, als ich ihm das gesuchte Teil unter die Nase gehalten habe. Er war froh, glücklich und fragte natürlich:

„Was kriegste denn jetzt?“

Ich hab geantwortet:

„Immer noch 20 €. Aber nach der zehnten Nachfrage erhöhe ich auf 25…“

Ach, da hat er lachen müssen.

Mit angestrengtem Gesichtsausdruck (Beobachtet mal Dreijährige beim Kacken!) hat er einen Geldschein aus dem Portemonnaie gezogen, ihn prüfend gegens Licht gehalten und mir in die Hand gedrückt:

„Hier haste mal einen Zehner…“

„Sehr gut, die Hälfte ist geschafft!“

Dann folgte wieder eine einminütige autistisch anmutende Suchphase, an deren Ende er mir einen zweiten, ebenso sorgfältig geprüften Schein zuschusterte:

„Hier is‘ noch ein Zehner…“

Das war natürlich ein Fuffi. Ich hab ernstlich mit mir ringen müssen, aber ich kann es einfach nicht. Geht nicht!

„Hey, das is’n Fuffi!“

Ein „Is mir doch egal“ und ich hätte das Ding wahrscheinlich eingesteckt. Er hatte auch noch reichlich davon zur Auswahl, fast schon erstaunlich, dass er davor einen Zehner gefunden hat. Aber man ist ja… lassen wir es den Kunden sagen:

„Mensch, du bis’n ehrlicher Kerl! Hehe. Hättest mich ja richtig übel verarschen können jetzt! Ich bin ja voll wie…“

„Ist schon ok. Also jetzt kriegen sie erstmal den Zehner…“

„Wieviel kriegstn du jetzt?“

„…und dann kriegen sie noch 30, Moment, hier: 30 €!“

„Wat? Ich krieg noch was zurück! Wahnsinn!“

Man kann auch drauf rumhacken 🙁

Naja, eine Zigarette gab es noch als Trinkgeld, und kaum eine Viertelstunde nach Fahrtende war ich auch schon wieder frei. Ich sollte das mit dem Uhranhalten einfach nicht machen…

Im wahren Leben…

Nicht jede Tour ist angenehm. Ebenso wenig wie jede unangenehm ist. Und bei einigen, die zwischen beidem liegen, lassen sich noch genügend Punkte in beide Richtungen finden. Wie bei der mit den beiden Winkern an der Mühlenstr.

Sie wollten zur Fischerinsel. Meine Nachfrage nach der Hausnummer brachte mir die durchaus akzeptable Antwort

„Zeig ich ihnen“

und der Frau auf der Rückbank ein Gespräch darüber, weswegen Sie jetzt den Taxifahrer so aggressiv angehen würde. War nicht aggressiv, war schnell geklärt, alles kein Thema. Wie ich denn fahren wolle?

„Na auf jeden Fall nachher links!“

pfiff der sportive Begleiter der Dame in den Raum, bevor ich eine Chance zum Antworten erhielt. Ich bestätigte in Ermangelung wirklicher Alternativen. Auch wenn das nichts aussagte, da ich je nach gewünschter Länge der Fahrt alleine 4 Möglichkeiten sehen würde, über den Fluß zu kommen. Na gut, als seriöser Fahrer 3!

Vor der Schillingbrücke ordnete ich mich links ein, setzte artig den Blinker und kassierte (nicht ganz wortwörtlich) den Satz:

„Jetzt kiek dir det Schlitzohr an.“

Was ist jetzt kaputt?

„Da stellt der sich hier bei de Ampel, weil er Jeld verdienen will.“

Erstaunlicherweise war das nicht wirklich bösartig gemeint, er erklärte seiner Begleiterin nun aber eloquent, dass er die Jannowitzbrücke nehmen würde wegen der grünen Welle bis dahin. Das ist gar keine allzu dumme Idee, schenkt sich aber sonst nix gegenüber der Schillingbrücke. Als er mir dann auch noch einreden wollte, ich hätte jetzt aber wenigstens hinten ums ver.di-Haus fahren müssen wegen der teuren Ampeln, hab ich die beiden mit der größten mir eigenen Gutmütigkeit darüber aufgeklärt, dass sie nicht etwa einem ominösen Augenfehler anheimfallen, sondern sich das Taxameter an der Ampel tatsächlich nicht bewegt. Und zwar durchaus berechenbar, weil nach wie vor eine Minute Wartezeit umsonst ist.

Aber da sie mir das Geld (welches, bitte?) ja auch durchaus gönnten, war mein Leben schnell das Gesprächsthema Nummer eins. Was ich denn im wirklichen Leben sei…

Ich hab das Spielchen mitgespielt und etwas geheimnisvoll getan, als ich geantwortet habe:

„Ob sie es glauben oder nicht: Ich bin Taxifahrer…“

Aber das konnte ich derart klugen Passagieren natürlich nicht weismachen. Meine Statur, mein Bartwuchs… also eigentlich spricht alles dagegen, dass ich Taxifahrer bin. Meine Meinung, dass ich mit mangelnder Lust zum Rasieren und Wohlstandsplauze dank Arbeit im Sitzen ja wohl der Vorzeige-Fahrer bin, habe ich ihnen gar nicht mehr zu erklären versucht.

Insbesondere er begann nun das wenig angenehme Spielchen, Aussagen in meinem Beisein über mich zu machen.

„Nee, also der kann mir erzählen, was er will: Die Arbeit ist aufgezwungen!“

Dass er selber nicht Taxifahrer werden würde, weil er ja schließlich 1800 € verdient, wusste er auch noch gekonnt in den lautstarken Gesprächen mit seiner Partnerin unterzubringen und sah das wohl als einen weiteren Beweis an, dass man die Arbeit ja kaum ernsthaft mögen könne.

Auch wenn ich es nicht so rübergebracht hab, es war einfach der pure Trotz, als ich kurz vor dem Ziel gemeint hab:

„Das ist einfach ein Trugschluss. Gehen sie auf gestern-nacht-im-taxi.de, lesen sie die 600 von mir selbst geschriebenen Texte und dann reden wir nochmal drüber, ob ich den Job mag oder nicht!“

Es war wahrscheinlich Angst ob der Wahrheit, die sich Bahn brach, als er antwortete:

„Oh je, wer will denn sowas?“

Ich hab die beiden entlassen in dem Glauben, sie hätten mich gerade auf äußerst witzige Art unterhalten. Immerhin gab es Trinkgeld und einen Eintrag im Blog. Das war es wert 🙂

Singen? Ist klar…

„Der Sitz geht noch ein ganzes Stück nach hinten…“

begann ich die Konversation mit dem letzten Fahrgast, der auf den Beifahrersitz krabbelte.

„Ach nee, ist schon ok, ich…“

„Ganz ehrlich: Da ist hinten auch noch genug Platz. Irgendwie pass ich mit meinen 2,03 m hier ja auch rein.“

Fehler.

„2,03 m!?!?

kreischte es hinter mir und vor Schreck hätte ich fast das Lenkrad verrissen, als zur offensichtlichen Anerkennung passend auch noch eine Hand meine Schulter griff und wohl so etwas wie eine Massage andeuten wollte.

Ein bisschen Flirten ist ja ok (abgesehen vom fürchterlichen Wort dafür), aber Anfassen ohne Fragen ist ein wenig unangemessen, wenn man bedenkt, dass ich über Wohl und Wehe meiner Insassen mit einem versehentlichen Zucken zu entscheiden vermag.

Abgesehen von diesem unschönen Anfang verlief die Fahrt aber problemlos und auf absolut lockerem Niveau. Es wurde viel gescherzt, und mir sind die Touren am liebsten, bei denen ich mein Geld mit Herumalbern verdienen kann. Die beiden offenbar zu den Damen gehörenden Herren nahmen glücklicherweise auch nicht allzu ernst, was ihre Liebsten so alles von sich gaben, und ehe die Fahrt begann, war sie auch quasi schon wieder vorbei.

Einer der Männer meinte beim Aus-dem-Wagen-Flüchten dann noch:

„So, und jetzt müsst ihr euch entscheiden: Singen oder nackig Taxe waschen!“

Und da kommen wir zum großen Mysterium im Umgang der Geschlechter miteinander. Nachdem die Damen nämlich den Vorschlag mit dem Singen lautstark verwarfen – ich erlaube mir hier keine Meinung dazu – lag mir natürlich einiges daran, den anzüglichen Vorschlag der männlichen Begleitung möglichst elegant zu verwerfen. Weder mochte ich am Ende der Geschichte vor den beiden Grazien als der lüsterne zwielichtige Taxifahrer dastehen, noch zog ich es in Erwägung, diese Geschichte im Blog nicht erwähnen zu können, weil meine Freundin bekanntlich mitliest. Also entschied ich mich für folgenden, eher biederen Satz:

„Ganz ehrlich: Ich würde normales Geld bevorzugen.“

Ja, und jetzt weiss ich, dass man auch damit einen Sturm der Entrüstung entfachen kann…

Wenn man alles ernst nehmen würde, was im Taxi so erzählt wird, dann hätten die Videotheken bald ein richtiges Platzproblem, weil sie so manchen Porno in die Doku-Abteilung packen müssten…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Definitiv ein Klassiker

Nachdem ich euch gestern eine tolle Geschichte angekündigt hab, kommt jetzt eine, nach der ich diesen Blog beenden kann. Darüber wird nichts mehr rausgehen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Fahrgast jemals wird toppen können, was dieser junge Mann gemacht hat. Keine Panik, ich will meinen Blog nicht so jung sterben lassen, aber als All-Time-Favorit könnte dieser Beitrag es in die Herzen aller Besucher schaffen, da bin ich überzeugt von!

Also, was war?

Ich hab mich – was selten genug vorkommt – ans Watergate gestellt. Eine Viertelstunde hab ich vielleicht gewartet. Soweit nichts besonderes. Dann kam er raus. Vom Alter her würde ich ihn auf 25 schätzen, ein bisschen jünger als ich.

Er torkelte schon ziemlich umher und traf dennoch zielsicher das Taxi. Naja.

„Keine Angst, ich kotze nicht!“

„OK, schön das zu hören! Im Notfall einfach Signal geben.“

„Kein Problem. Ich möchte in die Köpenicker Str.“

Och nee… Selbst wenn ich verkehrsgerecht noch über die Oberbaumbrücke fahr, komme ich je nach Entfernung auf höchstens 6 €. Wahrscheinlich wohnt der Töffel auch noch direkt am Schlesischen Tor.

„Die in… in… Biesdorf bitte!“

OK,  Friede sei mit ihm, eine 20 €-Tour!

„Was, was macht das?“

„Pi mal Daumen 20 €, ich würde lieber mal mit 25 rechnen. Wenn es weniger wird, stört es ja niemanden.“

„Du! Du bist genau mein Mann!“

„Das klären wir gegebenenfalls mit meiner Freundin, aber für die Fahrt soll es mal so sein!“

Mein Tag! Wenn mir sogar ein schlagfertiger Kommentar gelingt, dann ist die Welt ok. Normalerweise versage ich da relativ regelmäßig. Jo sei mein Zeuge dafür 😉

„Soll ich dann einfach die B1 rausfahren?“

„Äh, ja, mach mal!“

Er nannte mir noch eine Nummer, und dann waren wir schon unterwegs. Die Fahrt war auch völlig unspektakulär, er hat meist vor sich hingedöst. So hab ich mich bei der Hausnummer aufs Navi verlassen und ihn geweckt, als wir direkt davor standen.

„So, hier wären wir.“

„Hier ist das? Köpenicker xy?“

„Ja, genau. Das Haus müsste es sein. Noch nie hiergewesen oder wie? Ich dachte, es geht nach Hause?“

„Jaja, aber ich wohn eigentlich in der Köpenicker in Kreuzberg…“

Schock! Was falsch verstanden? Nein. Definitiv nicht!

„Du hast mir aber Biesdorf gesagt!“

„Jaja, mir hat im Club vorher ’n Kumpel erzählt, dass es hier auch noch eine gibt. Da hab ich mir gedacht: Ich muss doch mal gucken, wie das hier aussieht…“

„Du hast WAS?“ (Ich glaube, ich hab wirklich gebrüllt…)

„Ja, ich wollt mir das nur mal ansehen. Hier ist ja echt nix los.“

„Das hätte ich dir vorher sagen können.“

„Egal, bringst mich in die Köpenicker nach Kreuzberg?“

„Ähm, ausgesprochen gerne, aber war es das wert?“

„Pff, als ob ich morgen noch weiss, wofür ich mein Geld ausgegeben hab…“

„Naja, Preis kannste ja einschätzen jetzt…“

„Kriegst meinen Notfall-Fuffi. Weck mich, wenn wir… *schnarch* „

Klar, Hausnummer und Weg kenne ich ja…

Das war die mit weitem Abstand absurdeste Fahrt, die ich jemals gemacht habe!

Und ich hätte auch gerne Mal das Geld so locker sitzen…