Liebesbeweise, fragwürdige

Ein kleiner Nachschlag, wo doch der Holländer-Artikel so kurz war 🙂

Nicht zwingend komisch, aber zweifelsohne erwähnenswert war dann noch die junge Australierin, die ihren Mitreisenden freimütig verkündete:

„Of course I love my boyfriend! Guess why I’m wearin‘ panties in fucking Europe?“

Ich stelle mir das so als Erinnerungshilfe vor:

Er: „Ich zieh dir das Höschen aus, ja?“
Sie: „Höschen? Oh scheiße, ich hab ja nen Freund!“

Holländer beim Sex

Ich finde ja, dass grundsätzlich so einiges erlaubt ist, so lange es allen Beteiligten gefällt. So kann ich schon damit umgehen, wenn Holländer ihre Landessprache sprechen. Klar, nicht jeder ist da so tolerant wie ich, aber die Versuche auf Deutsch sind oftmals ja auch nicht weniger grausam.

Das selbe gilt meines Erachtens nach auch für Sex. Meinetwegen können die Menschen sich gegenseitig die Genitalien anzünden, wenn beide das für sinnvoll erachten. Oder alle acht. Das soll mir egal sein, so lange ich nicht gezwungen bin, daran teilzunehmen.

Insofern war auch an den Holländern neulich im Wagen gar nichts per se Verachtenswertes, aber ich bin durchaus am Überlegen, ob ich meine liberale Haltung vielleicht durch ein paar Dummheits-Paragrafen einschränken sollte. Die Jungs haben mir relativ glaubhaft versucht klarzumachen, dass sie unlängst ihre Schwengel gegen die Berliner Mauer geklatscht haben.

An welche therapeutische Einrichtung kann ich mich wenden, um die Bilder wieder loszuwerden?

So ne Art Speed Dating…

Der Winker war ein völlig normal erscheinender Endzwanziger. Mein Kaliber von Alter und Größe, und da er immerhin eine mittellange Fahrt in einer mittelschlechten Nacht mit mir zurücklegen wollte, kam mir das auch sonst sehr recht. In eine Straße nach Kreuzberg wollte er, die ich nicht sofort einordnen konnte. Fix hat er zwei Nebenstraßen parat gehabt, sodass ich ihm sagen konnte, ich wüsste, wo ich hin muss.

Nicht schlecht gestaunt habe ich, als er an der ersten Kreuzung meinte:

„Nee du, lass mal. Ich geb dir auch ’nen Zehner, aber ich steig hier aus.“

Blick aufs Taxameter: 3,60 €. Was is’n jetzt kaputt?

„Nee du, ich muss gleich kotzen, und da will ich dir nicht ins Auto reihern. Tut mir echt leid!“

Ich hab ihm angeboten, kurz zu warten. Ich hab ihm den Zehner ausgeredet und letztlich einen Fünfer erhalten. Und ich hab ungläubig zugesehen, wie er ungelogen ins Gebüsch gerollt ist zum Kotzen.

Er hatte schon recht: Das wär wohl nix geworden mit uns beiden 🙂

I am not a Criminal!

„Would you bring me to the Intercity Hotel?“

Na gut. Vom Frankfurter Tor (also Biermeile) bis zum Ostbahnhof nehme ich an. Warum nicht? Kurze Strecke und gleich wieder hier. Fast so gut wie eine lange. Naja, kurze Nachfrage noch:

„Which one?“

„Oh, see, it is just near to the airport…“

OK, Schönefeld! Super!

„What will it cost?“

„30 €.“

„OK. I have to look, how much money I have. But I have a friend in the hotel and my credit card. I’ll pay you. I am not a Criminal!“

Gut einen im Tee hatte er ja, aber es war ein netter Kerl. Ich hab mir keinen Kopf gemacht. In dem Fall weiss ich sogar vom Hotel, dass die den Taxipreis ggf. mit auf die Rechnung setzen. Also wegen des Geldes hatte ich nun wirklich keine Sorgen.

20 € hat er auch so noch zusammengekramt. Zwei Fünfer und ein Zehner. Die hat er die ganze Fahrt über in der Hand gehalten, sie mir gezeigt, um zu zeigen, dass er mich bezahlen wird, und hin und wieder nachgezählt. Meist kam er beim Zählen auf 20 €, manchmal auch auf 30, wobei ich ihn dann vorsichtshalber korrigiert habe.

Und die Fahrt nach Schönefeld kann ziemlich lange dauern…

„Ill pay you, don’t panic!“

Nein, keine Sorge. Aber er hat auch sonst nicht viel erzählt. Die meiste Zeit wollte er meine inexistente Panik bekämpfen. Nebenbei hab ich eigentlich nur erfahren, dass er aus Norwegen ist, und mit einem Kollegen mal dessen Heimat besucht.

Auch wenn er sich zwischenzeitlich abenteuerliche Lösungen ausdachte, um das mit dem Geld zu klären (Aussteigen auf der Autobahn bei Adlershof beispielsweise), endete das alles mit einem kurzen Anruf bei seinem Kumpel, der dann auch Gewehr bei Fuß am Hotel stand, als wir eintrafen, um mir den letzten Zehner zu überreichen.

Während ich bei einer gemütlichen Zigarette einen kleinen Chat mit Ozie führte, entbrannte um mich herum eine Art norwegische Freudenparty, bei der mir mehrfach versichert wurde, dass die beiden kein bisschen kriminell sind und sich nur freuen, einander zu sehen.

Nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel daran hatte, aber irgendwelche Gründe zum schreien und lachen muss es ja geben.

Ich bin zu nett…

Der Typ, der am Matrix um den ersten Kollegen herumfloss – skurile Auswahl an sehr geschmeidigen Schritten – ist mir gleich aufgefallen. Er lehnte sich dann neben meinem Auto auf die Motorhaube eines geparkten Fahrzeugs und tat erst einmal nix.

Der Kollege aus dem ersten Wagen stieg aus, ging zu meinem Fenster und meinte:

„Total besoffen.“

Ohne Frage. Der potenzielle Fahrgast erschien dann aber an meinem Fenster, sodass ich das Kollegengespräch beendete, bevor ich es begonnen hatte.

Angetrunken war er wirklich, und so vom ersten Eindruck her auch nicht gerade das, was man gemeinhin als sympathisch erachtet. Er war irgendwie so ein Typ, der ohne weiteres als Statist im Fight Club untergekommen wäre, und ich kann nicht ausschließen, dass sein Gesicht heute so aussieht, weil er es genau für solche Zwecke gegen die Faust anderer gehauen hat.

Die folgenden Zitate sind der Einfachheit halber aus dem Englischen frei Schnauze übersetzt, damit es für die nicht so versierten leichter zu lesen ist.

Er reichte mir eine zerknitterte Karte ins Auto und meinte:

„Bring mich dahin!“

„Lass mich mal sehen.“

Oh, ok. A&O Hostel Boxhagener Str. Keine 7 €. Nicht gerade die Luxus-Tour, aber auf eine abendfüllende Ferntour mit ihm hatte ich es auch nicht gerade abgesehen.

„Steig ein, ich weiss wo das ist!“

Die Strecke, die ich gefahren bin, ist nicht gerade kompliziert. Direkt am Matrix bin ich in die Rother abgebogen, um das erste Drittel der Strecke bis zur Modersohnstr. zurückzulegen. Und abgehakt. Ich bin dann nach links auf die Modersohnstr., Richtung Brücke eingeschwenkt und dann ging es los:

„Du, du hättest da rechts ab gemusst!“

„Nein, glaub mir!“

„Wirklich, ich bin mir sicher!“

„Du hast mir doch die Karte gezeigt. Ich weiss, wo das Hostel ist und ich bringe dich auf dem schnellsten Weg dahin!“

„Nein nein, wir müssen umdrehen! Hier wohne ich nicht!“

„Es ist nicht mehr weit. Vertrau mir! Warte doch kurz ab!“

„Du musst sofort umdrehen, ich weiss wo wir hinmüssen.“

„Hey, es ist nicht mehr weit! Warte doch kurz ab, ob ich Recht habe. Wenn wir dann wirklich falsch sind, dann fahre ich dahin, wo du denkst.“

„Ich wohne hier nicht. Dreh doch um, Mann!“

Nach dem Rechtsabbiegen in die Wühlischstr. und ein paar weiteren hundert Metern geradeaus standen wir nach rund zweieinhalb Minuten Fahrt an der Ecke Boxhagener, quasi direkt gegenüber des Hostels. Das ist in einer Einfahrt versteckt, aber dank des Imbiss an der Ecke hatte ich Hoffnung, dass er an dieser Stelle erkennt, wo er ist und Ruhe gibt. Natürlich nicht. Weiterhin behauptete er, ich müsse umdrehen und dass wir falsch wären. Ich hab dann einfach weil mir danach war mit ihm nochmal das Kärtchen rausgeholt, mich nochmal vergewissert, dass er in dem Hostel auf dem Kärtchen wohnt, ihm versucht klarzumachen, dass wir an der richtigen Straße sind, etc. Nix da, ich solle ihn doch zurückbringen, von wo wir herkommen würden, er würde mir den Weg dann zeigen.

So langsam hatte ich ja selbst fast Bedenken.

Dann bin ich einfach mal über die Straße in die Einfahrt gefahren.

„Na? Ist das dein Hostel?“

„Ey…“

„Sind wir hier richtig?“

„Mann, du hattest Recht!“

„Danke. Hättest mir auch einfach glauben können.“

„Ey, das ist ja genau wo ich wohne, Mann!“

„Ich weiss…“

„Ey, wir sind genau richtig!“

„Ja.“

„Das ist ja geil, Mann! Was macht das?“

„6,40 €.“

„Boah geil Mann! Danke! Danke dass du nicht auf mich gehört hast, du hättest mich ja sonstwohin fahren können.“

„Ja, aber manche Dinge weiss man als Taxifahrer dann eben doch…“

„Ey wie geil! Wir sind da! Das ist verdammt nochmal genau der Platz, wo ich hinmuss!“

„Hab ich mir fast gedacht…“

„Hey hier, nimm den Zehner, Mann! Danke! Boah ist das geil!“

Ja, unglaubliche Zauberkunst!

Das Trinkgeld wurde übrigens nochmal geschmälert, weil ich Idiot vergessen hab, die Uhr auszumachen vor lauter Hin und her… 🙁

In gewisser Weise wäre es ja ganz nett gewesen, mich von ihm bis nach Adlershof oder so führen zu lassen, bis ich dann mit 40 € auf der Uhr den richtigen Kurs anpeile, wenn er eingeschlafen ist. Ich hab seitdem oft darüber nachgedacht. Ich sage ja immer: Wenn die Kunden einen Wunsch haben, wie sie fahren wollen, dann gehe ich da gerne drauf ein. Aber das geht natürlich nur, wenn die Kunden erkennbar etwas Ahnung von der Sache haben, also z.B. in Berlin wohnen oder wenigstens nicht unzurechnungsfähig sind. Und bei einer Strecke von 4 Minuten ist jeder Umweg unverhältnismäßig – vor allem wenn ich mir meiner Sache so sicher bin. Hätte ich sofort auf ihn gehört und ihn dann nach einer Minute schon wieder vom Gegenteil überzeugt gehabt, dann wären wir gleich über 10 € gewesen. Bei einer voraussichtlichen 30€-Tour einen Umweg von 4 € zu machen… bitte! Aber besoffene Ortsunkundige lade ich dann doch lieber schnell ab, und wie man sieht, lohnt es sich bisweilen.

Eine Stunde später hatte ich dieselbe Tour übrigens mit 3 anderen besoffenen Engländern. Die haben nicht gemeckert, waren begeistert von meinem guten Englisch und haben auch 3,60 € Trinkgeld gegeben. Das ist natürlich noch besser 🙂

Boah Fuck, Taxi! Oder?

Aus der Reihe: Worte, die man als Taxifahrer am Zielpunkt nicht erwartet 🙂

Ich hatte die beiden leicht ferngesteuert wirkenden Gestalten in Mitte aufgegabelt und zum Frühstück nach Charlottenburg gebracht. Während sie anfangs noch diskutierten, ob man nicht lieber gleich heim sollte, sind sie irgendwann beide eingeschlafen. Von mir im Übrigen unbemerkt.

Am Ziel angekommen war die Konfusion groß.

„Hallo, wir sind da.“

„Was, wo sind wir?“

Danach eben der oben genannte Satz. Erschreckt aufgerissene Augen, mühsamer Versuch, die Situation zu peilen, und dann:

„Boah Fuck, Taxi! Oder?“

Nach etwa einer Sekunde Bedenkzeit wurde ich mit Fragen bombardiert:

„Wo sind die anderen? Wo sind die ausgestiegen? Wo haben sie uns abgeholt?“

Die waren reichlich irritiert und offensichtlich fehlten ihnen ein paar Minuten. Da kann ich doch nur sagen: Guten Morgen und ein schönes Frühstück!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Rätsel für Rätselwillige

An der Adalbertstr. sprang mir ein Winker ins Auto, war reichlich angetrunken und wollte ich die Gleichestr. xx. Die Neuronen in meinem Hirn feuerten, dass es ein Prachtbeben auf jedem EEG geworden wäre. Gleichestr.?

„Kurzstrecke!“

Hm, dann lag die doch nicht in Prenzelberg! Muss hier in der Nähe sein. Fuck, ich kenne mich nirgends so gut aus wie hier in der Gegend – nicht einmal da, wo ich aufgewachsen bin! Hat er wirklich Gleichestr. gesagt? Oder vielleicht Gleischestr.? Vielleicht schreibt man es ja auch mit a oder gar ay…

„Tut mir leid, das sagt mir gerade nichts. Wie war das nochmal genau?“

„Gleichestr. xx. Einfach geradeaus!“

„Ach, sie meinen die gleiche Straße?“

„Ja, Gleichestr. xx. Ist nicht weit!“

„Also gleiche wie selbe?“

„Ja, hier!“

Manchmal ist man aber auch vernagelt, wenn man immer nach unbekannten Straßennamen sucht… 😉