Furioses Ende

„Das Glück ist mit den Tüchtigen“

lautet ein Sprichwort, das wie kein anderes seine Falschheit oft zur Schau stellt. Ich hatte es dennoch im Kopf, als ich in einer nicht so spannenden Nacht etliche Umwege gefahren bin, um dann an einem Club zwei Leute aufzunehmen, die mir umgehend ein Fahrtziel ganz im Süden der Stadt nannten, was eine gute 25€-Tour zu werden versprach.

Die beiden Fahrgäste waren zwar im gleichen Alter, gute Freunde, beide recht nett – aber der Zustand der beiden hätte unterschiedlicher nicht sein können. Während mein Beifahrer guter Laune war und ziemlich fit wirkte, war der Kumpel hinter ihm kurz vor dem Einpennen und heftig alkoholisiert.

Sie wollten noch was zu Essen besorgen, ich sollte also kurz vor dem Ziel noch an einen Burgerladen ranfahren. Der quirlige Typ vorne beschäftigte mich mit Erzählungen, während ich vom hinteren gerade noch mitbekam, dass sein Kopf an der Seitenscheibe entlangrutschte und eine Schleimspur aus Haargel an selbiger hinterließ. Im Übrigen kein Einzelfall: Die Scheibe an der Fahrertüre reinige ich ungefähr drei- bis viermal seltener als die Scheiben, hinter denen meine Fahrgäste sitzen…

Während ich nach einer Strecke von rund 5 Kilometern mit dem einen darüber sinnierte, wo sich besagter Burgerladen befindet, kippte der Hintermann vornüber und hing in bester Kotzer-Pose im Gurt.

Sowohl ich als auch der Kumpel waren deswegen besorgt und haben ihn eindringlich ermahnt, ja Bescheid zu sagen, wenn es ihm nicht gut gehe, und wir jederzeit halten könnten. Und wie wir zwei gerade beratschlagen, dass es wohl besser sei, erst den Übervollen abzuladen und dann was zu essen holen, nahm ich aus dem Augenwinkel wahr, wie selbiger nach dem Türgriff fingerte.

Wir standen noch an einer Ampel, mittlere Spur zwar – aber kein Auto weit und breit. Er konnte also gefahrlos aussteigen.

(Jetzt wird es eklig, Absatz wenn nötig überlesen)

Zeitgleich mit dem Öffnen der Tür würgte der plötzlich ziemlich bewegungsfreudige junge Mann aber schon, und ich muss ihn wenigstens für seine Beherrschung loben, denn noch während er im Wagen saß, blubberte ihm der Auswurf im Mund und drückte sich tröpfchen- und bröckchenweise aus selbigem hinaus. Er aber konzentrierte sich – in heller Panik – auf den Türöffnungsvorgang und schaffte es in gewisser Weise den Mund synchron zur Tür zu bewegen und seinen Mageninhalt komplett außerhalb des Autos loszuwerden. Vielleicht ein oder zwei Tröpfchen am Vordersitz, aber sonst sehr kunstvoll.

(Weiterlesen, er hat es hinter sich!)

Noch bevor er das Auto verließ, um nach seinem Kumpel zu sehen und die hintere Tür zu schließen, drückte mir der Fitte sein Bedauern aus. Entgegen aller Verkehrsregeln hab ich das Auto an die Fußgängerampel manövriert, um die beiden nicht aus den Augen zu lassen. Der Mageninhaltsentleerte hatte sich einhergehend mit dem Verlust des sicher teuer bezahlten Alkohols direkt auf eine angrenzende Wiese geschmissen und sein Freund wusste nicht so recht, ob er sich nun besser bei mir entschuldigt oder seinem Freund hilft.

Mir ging es richtig gut!

Ich war einfach froh, dass ich keine Kotze im Auto hatte, und was schlimmeres als 10 Minuten auf einen Krankenwagen warten, konnte eigentlich nicht mehr passieren. Ich bin also relaxt-beschwingt ausgestiegen, hab die Küchenrolle um 10 Blatt gekürzt und hab dem am Boden liegenden Spuckvogel die Hälfte davon zum Abwischen überreicht.

„Danke Mann!“

„Ist doch kein Ding!“

Mit dem Rest bin ich zum Auto zurück und hab mich nach Verschmutzungen umgesehen. Nix! Gar nix! Kein Tropfen weit und breit! Ich hab also eher präventiv den Türgriff abgewischt und mich an die Beseitigung der Schleimspur an der Scheibe gemacht, während die Dankesworte des Freundes auf mich einprasselten. Wenn er das gewusst hätte, wären sie mit der Bahn gefahren (wie habe ich mir das vorzustellen?) und toll, dass ich da so gelassen bin, danke, boah muss das scheiße sein für mich, bla bla.

Ich hab ihn darauf hingewiesen, dass mir nun wirklich kein Schaden entstanden ist und er sich lieber Sorgen machen sollte, was mit seinem Kumpel ist. Der hatte sich nämlich offenbar entschlossen, eine Runde im Gras zu pennen. Bei 3°C wohlbemerkt.

Ich hab ihm vorgeschlagen, einen Krankenwagen zu holen, er hat aber abgelehnt und gemeint, er ruft seine Freundin an, die solle doch vorbeikommen und sie abholen. Die Idee fand ich gut und ich war überzeugt davon, dass der Auswurfkönig zweifelsohne nach dieser Aktion sehr rasch genesen würde. Sein Kumpel war definitiv fit, es war nicht notwendig, beide zwingend im Auge zu behalten. Was ich aber natürlich angeboten habe.

Überhaupt: Ich hab den Kumpel nicht eingehend angesehen nach der Kotzerei, der Wunsch, die Fahrt nicht fortzusetzen, kam erstmal nicht von mir. Ich hab zwar bei der Erwähnung der Planänderungen durchaus Bedenken angemeldet, aber es gibt ja immer Möglichkeiten.

Aber mein zurechnungsfähiger Fahrgast war bereits am Planen, Betüddeln und nebenher immer noch damit beschäftigt, sich zu bedanken und mir allerlei Beileid dafür auszusprechen, dass ich gerade seit 5 Minuten im Halteverbot mein Auto sauber mache und die Uhr fleißig mitläuft. Er hat mir angeboten, ich könne gehen, wenn ich wollte und mir beim Bezahlen noch ein nettes Trinkgeld überlassen.

„Kann ich dich vielleicht anrufen, wenn es in 10 Minuten wieder ok sein sollte?“

„Äh? Das ist vielleicht ein wenig blöd!“

Ich wollte die Weiterfahrt nun keineswegs kategorisch ausschließen, aber wenn ich jetzt wieder Richtung Innenstadt gurke, dann fahr ich doch nicht gleich wieder zurück. Hier warten wäre ja ok gewesen (Zugegeben: Natürlich hätte ich mir das bezahlen lassen), aber wir waren an einer wirklich viel befahrenen Kreuzung direkt vor den Toren einer unlängst geschlossenen großen Verkehrseinrichtung. Im Zweifelsfall doch noch ein Taxi zu bekommen, wäre wahrlich kein Problem gewesen.

Ohne weitere Nachfragen hat er mich dann freundlich verabschiedet und mir nochmal gedankt. Dabei war sein Abend definitiv schlimmer als meiner…

Italienische Schmetterlinge

Bella Italia! Ein Land, das mir persönlich völlig unbekannt ist, abgesehen von der meist miesen Wirtschaft, der korrupten Regierung und der Mafia aber sicher sehr lebenswert ist.

Im Berliner Taxigewerbe dienen Italiener meist als Vorzeigebeispiele für die Nicht-Trinkgeldgeber. Aber – o Wunder! – die Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, und im Grunde muss man das gar nicht weiter breittreten.

Italiener jedenfalls waren es, die heute Nacht vor dem Matrix gleich zwei Taxen enterten. Der Kollege vor mir bekam 5 Fahrgäste, ich 4.

„Follow that Taxi!“

Ach, was liebe ich solche Ansagen 🙁

Aber in dem Moment kam der Kollege kruz rübergesprintet und meinte, wir fahren sie zum Cesar’s Palace – einem Bordell in Friedrichshain.

Na gut, warum nicht? Ich stelle es mir zwar für die entsprechenden Dienstleister dort ziemlich abenteuerlich vor, wenn 9 betrunkene Kerle da auf einmal auftauchen, aber wahrscheinlich ist da Kundschaft auch Kundschaft, wie bei uns.

Ich war heilfroh, dass der Kollege mich noch kurz aufgeklärt hat, denn wie nicht anders zu erwarten war, habe ich ihn an einer Ampel verloren. Das sollte aber noch nicht die Krönung des ganzen Weges sein, denn mein Beifahrer musste kurz raus, um sich sein Essen nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Das war aber überhaupt kein Problem, immerhin war er so gefasst, dass er einem Kumpel die Übersetzung ins Englische überlassen hat.

Das nächste Problem war, dass mein Kollege sich entschlossen hat, einen einfachen Weg zum Puff zu fahren, der nur einen kleinen Haken hat: Seit dem Wegfall einer Baustelle ist dort das Linksabbiegen wieder illegal. Ich vergesse das auch noch öfter mal bei der Tourenplanung, aber heute hatte ich keine Chance mehr zur Korrektur, als ich darauf kam, und nicht einmal die Chance, das Problem illegal zu umgehen, da vor mir an der Ampel ausgerechnet die Cops standen…

Das Rumrangieren, um die Sache in trockene Tücher zu bekommen, wurde aber nur bis zur näheren Erläuterung meinerseits mit Häme bedacht, es war also alles ok, als wir ankamen.

Alles? Naja.

Der Rest der Truppe (mein Kollege war schon weg) meinte gleich, dass sie in einen anderen Laden wollen. Weniger Barbetrieb, einfach nur Puff, bla Keks. Ein zweites Taxi wurde mal schnell angehalten, und so hab ich kurz mit dem Kollegen beraten, und er schlug das Butterfly vor.
Ich hätte auch einen näheren Laden gewusst, aber ich hab dem Kollegen bezüglich Barbetrieb mal geglaubt. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, dass das Butterfly sich seiner Shows auf der Leuchtreklame rühmt. Immerhin hatte ich nun fünf Leute im Auto…

So langsam hat sich abgezeichnet, dass das eine durchaus ansprechende Tour werden könnte. Da würde der Kollege von der Halte am Matrix nicht mithalten können, der sich gerade stolz wie Bolle eine 12€-Tour gesichert hatte.
Es ging um den Kartoffelsack auf dem Beifahrersitz, der nach mancher Meinung nicht mal mehr taxitauglich war, ganz sicher aber nicht mehr paarungswillig.

Ob ich ihn zu seinem Hostel fahren könne, wenn ich den Rest abgesetzt habe?

„Of course!“

Natürlich ist einem als Fahrer nicht wohl dabei, wenn man einen Kotzer transportiert, aber der Kerl war in bester Verfassung und vor allem: Er konnte sich artikulieren bevor es zu spät war!

„Which Hostel do you mean?“

„Well, this is the card. I don’t have the address.“

Sehr schön! Meiningers! Fallen mir spontan 4 Hostels ein.

Naja, so ein Drama war es dann nicht, einer der Kumpels aus der anderen Taxe hatte die Adresse, und damit war mir ja auch klar, um welches es geht. Eine gemütliche Pause am Butterfly kam dennoch zusammen, da mein Beifahrer nochmal eine Stange Essen ins Eck stellen musste. Seine Kumpels haben ihn professionell unterstützt, und währenddessen hat mir der Chef der Runde einen Fuffi in die Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle seinem Kumpel dann einfach den Rest zurück geben.

Kein Thema. Zugegeben: Die Hoffnung, der Kotzprofi lässt mich den Rest behalten, lag für einen Moment in der Luft, aber das würden immer noch über 20 € sein. Also nee!

Die „Sorgen“ waren allerdings unbegründet. Nicht nur, dass er selbst darauf kam, nachzufragen. Nein, ein offenbar telefonisch vor die Türe beorderter Freund wachte darüber, dass ich die korrekte Summe ausbezahle. Immerhin kamen mit all der Wartezeit und dem Zuschlag für die übergangsweise mitreisende Nummer 5 letztlich 28,90 € zusammen.

Aber sie haben es geschafft, den Vorurteilen gerecht zu werden: Nicht mal auf 29 € haben sie aufgerundet 😉

Nette Kleinigkeit

„Ich bin ja jetzt auch eher eine angenehme Fahrgästin, oder?“

„Zweifelsohne.“

„Ich mein, ich kotze nicht ins Auto, ich brülle keine obszönen Worte…“

Sie war wirklich sehr angenehm. Der Alkoholpegel war noch völlig im Rahmen, wenngleich doch spürbar vorhanden. Sie hat sich gefreut, dass ich meine Arbeit gerne mache, und über drei Umwege waren wir dann an dem Punkt, an dem ich mich als Blogger geoutet habe. Über die Fahrt konnte ich allerdings auch nur sagen:

„Wie sie selbst gesagt haben: Sie fallen einfach nicht sonderlich auf unter meinen Kunden. Ich würde gerne etwas schreiben, aber sie müssen zugeben: Was besonders interessantes ist ja nun nicht wirklich passiert.“

„Oh, ich kann auch ganz anders! Aber das willst du nicht wissen!“

„Das glaube ich sofort. Aber sie müssen jetzt nicht anfangen, obszöne Worte zu rufen. Ich hab nunmal eine Menge Menschen bei mir im Auto, da lässt es sich nicht vermeiden, die ein oder andere Fahrt auch mal wieder zu vergessen.“

„Das ist gemein. Du könntest mich doch einfach als nette Kleinigkeit im Gedächtnis behalten.“

„Einen Versuch ist es sicher wert.“

„Ich mein, wir haben uns ja jetzt auch noch nicht so richtig tief in die Augen gesehen. Dann wäre das sicher einfacher und du würdest dir denken: Mensch, das war doch jetzt mal eine Nette…“

Wir haben letztlich darauf verzichtet, die Fahrt mit gegenseitigem Anstarren zu beenden und ich dachte mir, dass ich wohl doch am besten darüber blogge, um diese nette Kleinigkeit nicht zu vergessen. Ob es jetzt spannend ist oder nicht 😉

Schichtende (2)

OK, da stand ich nun vor dem Matrix neben einem großflächigen Kotzfleck an meinem Auto als zwei weitere Mädels mich ansteuerten.

Ich hab ihnen bestätigt, dass ich frei bin und gleich gesagt:

„Bitte auf der anderen Seite einsteigen! Hier nicht!“

„Na, i steig’s hier aan!“

„Nein, das tun sie nicht. Denn hier ist alles voller Kotze!“

Auch wenn die bemitleidenswerte Dame aus der letzten Geschichte mein Auto zwar hervorragend verfehlt hatte, so betraf die Pfütze doch jeden Quadratzentimeter vor der linken Hintertür, von dem aus man die Chance hatte, ins Auto zu gelangen. Erfreulicherweise wurde mir diese barsche Ansage aber nicht übel genommen, und die beiden Neukundinnen stiegen auf der anderen Seite ein.

Zum mehr als eindeutigen Dialekt stellten sie auch umgehend klar, dass sie aus Tirol kommen. Das hat im weiteren Verlauf der Geschichte zwar keine Rolle gespielt, aber sie schienen sehr daran interessiert zu sein, dass man es mitbekommt. Die beiden waren zwar nicht unbedingt voll wie ein Rudel Wehrpflichtiger, aber fast wie die zugehörigen zwei sprichwörtlichen Haubitzen.

Das Hotel, das sie mir nannten, erinnerte mich unangenehm an die Ortskundeprüfung, der dazu hingeschmissene Straßenname dann daran, dass ich inzwischen ja einiges mehr weiß. Also gut, eine Tour nach Charlottenburg, runde 15 bis 17 €. Auch ein schönes Schichtende…

Aber davor müssten sie unbedingt noch was essen. Kennt noch jemand das Wort Fressflash? Ich schon, und so konnte ich sie gut verstehen. Was es sein soll? Döner? McDonalds?

„Nee, Currywurst, weil wir sind *hicks* in Berlin!“

Also wäre Döner auch eine Möglichkeit… 😉 OK, im Ernst: Da bot sich das Curry 36 an, das ja angeblich eine hervorragende Wurst macht und fast exakt auf dem Weg liegt. Also wenn man 500 Meter Umweg nicht als Weltuntergang sieht. Und die beiden Damen taten vieles, das aber nicht.

Als sie sich verbal darüber ausließen, wie viel sie zu verdrücken gedachten, schwirrten mir Bilder von verschmierten Sitzen durch den Kopf, die ich unbedingt loswerden musste.

„So, nu muss ich mal was fragen: Wie machen wir das mit dem Essen genau?“

„Ja einfach rein und möglichst viel!“

„Schon klar, aber… Ich gehöre ja nicht zu den Spielverderbern, die das Essen im Auto verbieten wollen – aber eine Currywurst ist ja nun nicht gerade super um sie hier zu essen!“

„Ach was, wir haben doch – guck dir sie mal im Spiegel an! – wir haben teure Mäntel an. Als ob wir die versauen wollten. Aber wenn du kein‘ Bock hast, dann lass uns da raus und wir suchen uns danach ein anderes Taxi!“

„Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich wollte tatsächlich fragen, ob das nicht eine Lösung wäre. Bis ins Hotel mit geschlossener Verpackung schaffen sie es ja sicher nicht mehr…“

„Nein! Das wäre ja voll uncool! Hey, kein Problem, wir essen da im Stehen. Du kriegst auch eine Wurst!“

Einladungen durch Fahrgäste… meist halten sie sowieso nicht Wort, meist kriegt man sie, wenn es nicht passt, oder sie wollen einem gleich mitten in der Schicht Drogen anbieten…

„Nee danke!“

„Hey, ist gar kein Problem, ehrlich. Du kriegst, was du willst!“

Diesen Dialog führten wir in unterschiedlicher Intensität noch ein Weilchen fort. Als wir am Curry 36 angekommen waren, unterbrach die eine sogar das Schreiben einer SMS, um nur nicht zu spät zum Essen zu kommen. Ich hab gesagt, ich würde noch eine Zigarette rauchen und erstmal am Auto bleiben – in der Hoffnung, das mit dem Einladen würde sich erledigen. Ich hab das dann gemacht, kurz mit meiner besseren Hälfte via Chat geklärt, dass ich später komme, und bin dann zum Imbiss vorgelaufen.

Ums Abhauen brauchte ich mir gar keine Sorgen zu machen, denn jegliches Hab und Gut der beiden lag sicher im Auto. Fast schon unverantwortlich von den beiden, mich damit alleine zu lassen.

Während ich mich zielstrebig auf die beiden Damen zubewegt habe, herrschte bei ihnen ein gewisses Zögern vor weil sie mich offensichtlich nicht mehr erkannten, und erst als ich quasi vor dem Tisch stand, meinte die eine zögerlich:

„Taxifahrer?“

„Ja…“

„Hier!!!“

Mir wurde ein Schälchen mit Wurst gereicht und Pommes dazu angeboten. Ich hab mehrfach dankend angenommen und mich gefreut, dass meine bezahlte Arbeit in diesem Moment aus Currywurstessen bestand. Während die eine mir dankte, fiel die andere ins Wort:

„Brauchst nicht zu danken, die Uhr läuft ja weiter!“

Aber es kam gar nicht zu einem Streit oder dergleichen. Die kleinen, aber sehr leckeren Portionen waren bald alle, und so gab es noch eine Runde. Dieses Mal verzichtete ich allerdings. Hier und da hab ich ein paar Pommes genascht, aber dennoch verweigert, noch eine zusätzliche Portion zu bekommen. Gekriegt hätte ich sie zweifelsohne, denn mehrfach hintereinander bestellten die beiden Wurst und Pommes und mir wurde versichert, ich könne alles haben, was ich nur wolle.

Aber ich war zu ehrlich, bzw. auch zu unschlüssig, da ich ja ziemlich genau für den Moment, in dem wir da standen, mit meiner Freundin ausgemacht hatte, Kässpätzle zuzubereiten und zu essen. Und ganz ohne Hunger wollte ich ja auch nicht heimkommen 😉

Die beiden unterhielten sich lautstark über Belanglosigkeiten oder sprachen wildfremde Leute direkt an, sodass unser Tisch von allerlei Augen begutachtet wurde, ja allerseits die Leute kicherten ob unserer obskuren Truppe, und ich mir stets dachte:

„Wenn ihr wüsstet, dass ich die beiden nicht etwa abgeschleppt habe, sondern nur der Taxifahrer bin…“

Irgendwann wurde die letzte Schale Pommes bestellt, und ich sollte die Beiden mit eben jener direkt zum Hotel bringen. Sie haben sich mit dem Balancieren wirklich Mühe gegeben, und sich sowohl die Finger geputzt als auch die Schale mitgenommen. Nicht verhindern konnten sie allerdings, dass ich am Ende 15 Pommes von der Fußmatte schütteln durfte. Aber wie will ich deswegen böse sein bei 7 € Wartezeitkosten, 2,60 € Trinkgeld und einer Currywurst?

Und bis ich dann zu Hause war, hatte ich auch wieder Lust auf Kässpätzle…

Schichtende (1)

OK, gleich vorweg:

Dieser Eintrag wird etwas länger und ich schreibe ihn, bevor ich ins Bett gehe. Es kann also sein, dass die Fehlerdichte etwas höher ist als sonst. 🙂

Es geht ganz aktuell um das Ende der heutigen Schicht. Meine Planungen für selbiges waren eigentlich recht ausgereift. Das Auto pünktlich auf spätestens 3 Uhr waschen und tanken, danach eine Runde zum Matrix. Wenn es schnell geht und ich eine kurze Tour erwische, dann schaff ich die Bahn um 3.50 Uhr nach Hause, andernfalls die um 4.20 Uhr. Danach war in Marzahn Kochsession mit meiner besseren Hälfte und Kässpätzle angesagt. Bis zum Punkt mit Waschen und Tanken lief alles astrein.

Am Matrix fand ich mich in dritter Position wieder. Um 3 Uhr kann das alles zwischen einer Minute und einer Stunde Wartezeit bedeuten. Meine dauerte rund 20 Minuten. 2 Mädels enterten das Auto, wobei die eine nicht gerade den fittesten Eindruck machte. Da man aber von Fahrgästen alles erwarten, nicht aber unbedingt das, wonach es aussieht, hab ich erst einmal gute Miene zum bösen Spiel gemacht und gefragt, wo es hingehen sollte.

Eine Straße im selben Stadtteil wie mein eigenes Domizil. 20 €, vielleicht ein bisschen mehr. Na holla die Waldfee! Glück muss man haben – und die Schicht war so schon ganz ok.

„Gibt es irgendwo Spucktüten?“

holte mich die blonde der beiden Grazien aus meinen Träumen zurück. Ihrer Cousine gehe es nicht so gut. Och nöö!

Ich hab gesagt, dass ich keine dabei habe und dass vielleicht der beste Weg erstmal wäre, sie von der Tür mit der Kindersicherung umzusetzen.

„Aber das Fenster geht auf?“

„Ja, natürlich. Aber das ist keine gute…“

„Schnell! Aufmachen, schnell!“

Ficken!

Da stand das Auto, noch keinen Meter vom Fleck bewegt, und hinten links reiherte mein Fahrgast einen sprudelnden Mix aus unglaublich absurd riechenden Alkoholika aufs schöne Pflaster. Die Cousine hing hinten an ihr dran, hielt sie an den Schultern und erklärte ihr, dass sie das „ganz fein“ mache. Ob wir nicht irgendwie? Also trotzdem?

„Also ohne Tüten geht gleich dreimal nix! Seid froh, dass es bisher nicht INS Auto ging!“

„Vorschlag: Ich halte sie und sie holen eine Tüte!“

„Äh, nein? Wenn ich eine Tüte dabei hätte, dann hätte ich sie doch längst schon geholt. Und woher soll ich jetzt eine nehmen?“

„OK, anderer Vorschlag: Sie halten sie und ich hole eine Tüte…“

Viel Spaß…

Um es abzukürzen: 2 Minuten später hielt sie es für geboten, einen Notarzt zu rufen. Gemacht hab das natürlich ich, denn das Cousinchen des Cousinchens konnte alles, nur nicht mehr gerade sitzen – was aber just in diesem Fall geholfen hätte. Der Mensch am Notruf bestätigte, sie würden in 5 Minuten etwa da sein. Puh!

Die Auswurfamsel bereitete mir da eigentlich keine Sorgen mehr, denn die saß hackeprall da, hat die verantwortlichen Giftstoffe fein säuberlich auf dem Gehsteig verteilt und professionelle Hilfe war im Kommen begriffen. Wayne? Hauptsache, sie bleibt dabei, aus dem Auto raus zu reihern…

Aber Cousinchen entwickelte einen lebhaften Bemutterungstrieb, und zwischen all den „Fein machst du das“ verlangte sie nach Licht, um ihre Pupillen zu kontrollieren, versuchte sie in zig Positionen zu halten, ihr gut zuzureden und ihr zu erklären, sie dürfe jetzt bloß nicht einschlafen. Ich hab das Ganze dann eher gelassen mit ein paar Tüchern zum Abwischen von Auto und Mund (jeweils getrennt versteht sich) unterstützt und die Heizung hochgedreht, weil es empfindlich kalt war.

Unmittelbar vor dem Eintreffen des Rettungswagens wollte Cousinchen mich schon dazu zwingen, nochmal anzurufen – obwohl nun wirklich noch nicht viel nennenswerte Zeit vergangen war.

Der Sani hat erst einmal den wichtigsten Satz des Abends gesprochen:

„Nee, das is jetzt nich euer Ernst!“

Ob das darauf bezogen war, dass die Dame noch recht unzugänglich im Taxi lag oder daran, dass er sich ihr erst nähern konnte, nachdem er mit den Fußsohlen schonmal Kontakt zum Corpus Conflicti  aufnehmen musste, weiss ich nicht. Fakt ist, ich hätte ihn auch längst bringen sollen!

Die erste sinnvolle Handlung jedenfalls war dann, Cousinchen zu entfernen. Die hat die folgenden Minuten damit verbracht, einem Helfer auf die Nerven zu gehen mit den Worten:

„Aber sie fahren jetzt nicht mit meiner Cousine los? Das tun sie nicht, oder? Bitte fahren sie nicht los!“

[…]

„Und??? Was ist??? Was hat sie???“

„Na, die is betrunken.“

Danke! Das hat mich mit der Situation auch versöhnt. Cousinchen begann, sich ausschweifend zu entschuldigen und bestand darauf, mir die Seitenschweller des Wagens nochmal zu putzen. Und Geld wollte sie mir auch unbedingt geben.

Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass ich inzwischen mindestens 6 Kollegen besetzt habe wegfahren sehen, war es nur ein fairer Deal. Verschmutzungen gab es indes keine mehr. Ich fand es ok, dass sie mir einen Zehner zugesteckt hat, obwohl mehr jetzt in Anbetracht der Ekligkeit ihrer Verwandschaft nicht übertrieben gewesen wäre.

Definitiv übertrieben war allerdings der nervige Kollege hinter mir, der zwar nix sinnvolles zur Situation beigetragen hat, aber Cousinchen und mich dringend davon überzeugen wollte, dass ich jetzt eine 300€-Rechnung schreibe.

Denkzettel für Kotzer schön und gut. Dass Wartezeit auch Geld ist – ja. Aber wenn das Taxameter gelaufen wäre, wären vielleicht 15 € draufgestanden und am Auto war wie gesagt nix. Warum einer letharigischen Koma-Braut und einer hysterischen und offensichtlich geschockten Angehörigen da das Leben noch schwerer machen?

Naja, bald darauf waren die Helfer mit den beiden Mädels gen Krankenhaus verschwunden und ich stand da. Etwas genervt, kurz vor meinem eigentlichen Feierabend-Zeitpunkt, und neben der Hintertür erstreckte sich eine Lache ziemlich übelriechenden Zeugs.

Während ich darüber nachdachte, wie man das am Besten verbloggt, traten zwei Mädels auf. Beide betrunken, eine hangelte sich nur an der anderen entlang, und sie fragten:

„Taxi? Bist du etwa frei?“

„Ja, jetzt schon…“

Und was aus dieser Tour geworden ist, das schreibe ich morgen!

Muffel

Ja, ich kriege tatsächlich 6 Leute rein in die Kiste. Alles nicht so leicht, denn wir will nach hinten, wer nach vorne, wo ist vorne überhaupt, wo sind die Sitze und warum reden alle gleichzeitig? Eine ganz normale Fragestellung bei jugendlichen Großgruppen am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang.

Dann, rund zwei Minuten, einige eiligst aufgerauchte Zigaretten und ungelenkes Krabbeln später sitzen wir alle im Taxi. Prima.

„Was kostet es denn zum Hans-Kennsteschon-Platz?“

„Muss ich überlegen… nee ich frag besser das Navi wegen der genauen Strecke.“

„Können wir da nicht irgendwie so einen Preis fest machen und…“

„Nee, geht nicht. Kostet Pi mal Daumen 20 €, vielleicht etwas mehr mit den Zuschlägen…“

„Komm, wir machen 15.“

„Nee.“

„16.“

„Nein. Werde ich nicht machen.“

„Komm schon, 17 €? Ist doch eine Menge Geld. Wir sind arme Studenten.“

„Ja, und ich bin armer Taxifahrer und ihr seid zu sechst und ich alleine.“

„Wir könnten einfach 16 € machen und gut ist.“

„Weisste was? Machen wir doch 22 €!“

„Ey, du hast gerade noch 20 gesagt!“

„Wenn du den Preis nicht zahlen willst, kann ich ja auch einen anderen verlangen. Ist genauso illegal wie deine Idee.“

„Ach, ist schon ok, fahr einfach…“

Man muss dazusagen, dass er inzwischen auch die Mitreisenden ziemlich genervt hat und auch von der Seite aus die Bitte kam, es doch gut sein zu lassen. Der Rest der Truppe war auch super in Ordnung, es war bisweilen sogar vonnöten, die ein oder anderen High Five zu erwidern ob mancher Sprüche. Aber Obernerv-Kandidat Beifahrer war nicht so schnell fertig:

„Ist ok, wenn ich eine rauche?“

„Nee, isses nicht. Aber wir sind ja in zehn Minuten da.“

„Also ist ok?“

„Nein.“

„Und wenn ich Fenster aufmache?“

„Auch dann nicht.“

„Also ist ok, wenn ich Fenster aufmache?“

„Nein!“

„Aber ich mach ja auch Fenster auf!“

„Trotzdem nicht. Hey, ich verkneife mir das Rauchen im Auto, und ich sitze deutlich länger drin. Die paar Minuten bringen einen auch als Raucher nicht um.“

„Also mit Fenster ist ok?“

„NEIN! Es ist nicht ok!“

„Du kannst auch einfach sagen, dass es nicht ok ist, dann passt das. Also? OK?“

„Ich hab doch schon nein gesagt – wie oft willste es denn noch hören?“

Ein paar vom Hintermann angedrohte Schläge später gab er auch das Thema mit dem Rauchen auf. Aber er machte das Fenster runter. Das war mir egal, es war ziemlich warm im Auto. Die Mitreisenden, von der 5°C kalten Zugluft umweht, fanden es nicht so toll. Dann entspann sich eine fünfminütige Diskussion übers offene Fenster, die ich zu schlichten versucht habe, indem ich anbot, dass ich die Heizung ausmache und wir das Fenster ziemlich weit schließen. Letztlich waren es doch wieder die Schläge, die ihn umstimmten.

Mit mir geredet hat der Sympathieentrückte natürlich nicht mehr. Außer beim Zahlen der 20,40 €. Da hat er etwas zerknirscht aber hochanständig

„22, stimmt so.“

gesagt.

Einer der Fahrgäste ist noch ein ganzes Stück weiter mitgefahren und hat größtes Unverständnis geäußert. Die Schlüsselsätze laueteten wie folgt:

„Ey, nüchtern ist der auch ganz anders. Du würdest dich wundern. Ich meine, der hat ja sogar einen Job, bei dem er jedem in den Arsch kriechen muss. Warum der sich jetzt so aufführt…“

Nach oben bücken, nach unten treten – mir schien das nur zu logisch. Primitiv, traurig, aber logisch und verbreitet. Naja, war jedenfalls schön, dass ich die Fahrt noch mit einem netten Gespräch beenden durfte.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Is‘ egal!

Das Matrix. Unendliche Breiten…

Wie so oft ist ein junger Mann an mich herangetreten und hat mich gefragt, wie viel es zum Kolumbus-Hotel (oder wie immer es sich gerade genau nennt) kostet.

„Pi mal Daumen 15 €. Kann aber schon sein, dass es ein bisschen mehr ist.“

„Das is ok. Bringst mich hin?“

Na logo! Es gibt schon grundsätzlich schlechtere Touren als zum Kolumbus, und mein Fahrgast sah sogar noch relativ fit aus.

„Party schon vorbei?“

hab ich ihn gefragt. Ziemlich überrascht lauschte ich ihm, als er erzählte, er wisse, dass es jetzt genug sei und dass er weiss wo seine Grenzen liegen. Ja, Studienfahrt hin oder her, aber irgendwann ist es eben gut, und der Abend wird ja nicht besser, nur weil man am Abend noch kotzt oder nicht mehr heimfindet. Und er fühlt sich nicht mehr so gut, würde sich lieber ins Hotelbett schmeißen und noch ein bisschen lesen.

Wow!

Kenn ich so grob zwar auch von mir, dass ich das Bettchen den letzten Partyeskapaden vorziehe, das hat mich in dem Alter allerdings nicht davor bewahrt, davor schon zu übertreiben 😉

Es war eine angenehme Fahrt, und auch wenn der Typ sicher nicht die Partykanone war, war er mir doch sympathisch. Einer von den Leuten, bei denen man nach 3 Sätzen weiss, dass sie keine Hohlbirnen sind und das Bildung tatsächlich was bringt.

Obwohl ich ihn schön artig auf der kürzesten (und nicht der schnellsten) Route heimgebracht habe, verging die Zeit wie im Flug. Rund 100 Meter vor dem Hotel stellte er fest, dass er sich hier „ja sogar schon wieder“ auskenne, und er quittierte es mit einem ehrlichen und höflichen Danke, dass ich tatsächlich die Hotelvorfahrt genutzt habe, um ihn keine 3 Meter vor der Tür abzusetzen. Viele seiner Altersgenossen bevorzugen ja das Aussteigen 100 m vorher, um die letzten 20 Cent Ersparnis noch durch 6 zu teilen.

„Na und siehste: 14,80 €! Hat sogar noch unter 15 gereicht!“

Sowas sagt man ungern. Ist ja eine blöde Summe für Trinkgeld… aber hey, es war eine wirklich nette Fahrt und sie hat jetzt schon das Gefühl hinterlassen, dass ich jemandem mit meiner Dienstleistung wirklich helfen konnte.

„Is‘ egal!“

meinte er recht gelangweilt, in Gedanken schon im Bett.

„Der Rest ist für dich!“

5,20 € Trinkgeld. Und da will ich noch einmal was hören, dass sich Bildungsausgaben nicht lohnen!