Extreme Schlaglöcher

Und dann war da noch der Kunde, der mich nicht so recht glauben konnte, dass ich schon einiges gesehen habe:

„In meiner Straße, da müssen Sie echt ganz arg aufpassen!“

„Ja?“

„Da sind Schlaglöcher. Aber richtig extreme!“

„OK, das kenn‘ ich aus einigen Kleingartenanlagen.“

„Nee, solche haben Sie noch nie gesehen. Das ist echt extrem.“

„Also wenn wir durchkommen, hab ich schon schlimmeres gesehen, sicher.“

„Ja, aber das ist echt heftig.“

Dort angekommen erwiesen sich die Schlaglöcher durchaus als heftig – also bis zu 30 cm tief und auch sehr zahlreich über die Straße verteilt. Allerdings zeichnete sich gleich ein Weg ab, wie man sie gut umfahren kann. DA hat er mir dann allerdings doch noch was neues erzählen können:

„Ja und hier hinten steht manchmal die Polizei und fragt nach, warum man Schlangenlinien fährt…“

Das machen die nicht wirklich, hoffe ich o.0

Krieg ich das Geld von Google wieder?

Ich bin ja recht gut ausgestattet, um alle möglichen Adressen zu finden. Am Wochenende musste ich einmal passen. Die Kundin drohte mit einer sehr lukrativen Fahrt nach Blankenfelde-Mahlow zu einem Hotel. Sie hatte die Adresse dabei. Sodenn!

Nix!

Das Navi kannte die Straße (ist wohl relativ neu) nicht. Der Stadtplan hörte einen halben Kilometer vorher auf, da es zu weit im Umland lag. Blieb noch Google. Smartphone gezückt, rumgetippelt… da hat sie dann gefragt, ob sie nicht vielleicht mit einem anderen Kollegen…

*seufz*

Aber der Kunde ist König. Der Kollege hinter mir hat die Straße dann gleich im Navi gefunden. Herzlichen Glückwunsch, die bessere Technik gewinnt. Ich hab also die Tour über 40 oder 50 Euro gegen eine trinkgeldlose Fahrt für 9 € getauscht. Das hat mich die ersten zwei Stunden der Schicht ehrlich gefuchst.

Andererseits bin ich froh, dass ich es nicht mit meinem Kollegen Jens gehalten habe. Der hat nämlich gleich gemeint:

„Wärste halt erstmal losgefahren. Machen die anderen doch auch alle.“

Aber zu dem Thema kommt morgen noch was…

Frühling.

Die Tatsache, dass das Thermometer inzwischen Sprünge in den zweistelligen Bereich – und zwar im Plus-Bereich – macht, erfreut mich auch. Ich hab es zwar gerne etwas kühler, aber zum einen war es ja heute Nacht nochmal eisig und zum anderen war dieser Winter geprägt von Ärger um die Heizung im Auto, ständig geschlossene Waschanlagen, etc. Außerdem fühle ich mit den Prostituierten, die sicher wesentlich angenehmere Arbeitskleidung als Skihosen haben. 🙂

Aber ein bisschen traurig stimmt mich der langsame Abschied vom Winter dann doch. In erster Linie geht es mir um die Dunkelheit. Schon jetzt kündigt die Sonne am Wochenende gegen Schichtende bereits wieder langsam ihr Aufgehen an, die Nächte werden kürzer. Ich weiß, viele freut das und aus Gründen des Stromsparens kann ich mich auch mit ein paar hellen Stunden mehr anfreunden.
Aber über die drei Jahre im Taxi ist mir die Nacht so dermaßen ans Herz gewachsen, dass die wenigsten Tagaktiven das wohl verstehen werden. Sicher werde ich immer noch hier und da nachts müde und ein schöner Sonnenaufgang erfreut auch mein gar nicht so kleines Taxifahrerherz – aber ich weiß nicht, ob ich jemals wieder meine Liebe zur Nacht loswerde.

Zum einen ist da die ganze Arbeit: Nachts sind die Leute lockerer und lustiger, die Straßen sind freier und man erkennt Querverkehr meist schon am Licht. Aber auch all das Nebenbei: Berlin ist ein Lichtermeer, das Grau der Stadt verschwindet im Nachtschwarz. Wenn mal nicht der (über Berlin natürlich magere) Sternenhimmel seine Pracht darbietet, führt selbst Regen nur zu tausenden glitzernden Spiegelungen, nicht zur Untermalung der Tristesse.

Mein Rhythmus IST inzwischen umgestellt. Es fällt mir nicht leicht, früh ins Bett zu gehen und die aufgehende Sonne veranlasst mich viel eher zu selbigem. Viel schlimmer: Im Sommer fühle ich mich in den taghellen Abend- und Morgenstunden viel eher dem geborgenen Vorhang der Nacht entrissen, mein Drang, die Arbeit niederzulegen wächst exponentiell mit jedem Lichteinfall.

Gut, ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich freuen, spätabends noch im Shirt im Café ihrer Wahl zu sitzen und darüber zu sinnieren, wie unanständig kalt das Herabsinken unseres Zentralgestirns die Welt werden lässt. Ich bin der Typ von der anderen Seite, der euch immerhin zu sagen weiß, dass die Gerüchte über Zombies und Werwölfe weiitgehend unzutreffend sind. Also wenn es in einem halben Jahr wieder früher dunkel wird, dann ärgert euch nicht – freut euch stattdessen für mich!

Seid ihr Tag- oder Nachtmenschen?

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Und wenn wir schon…

dabei sind. Heute Morgen hatte ich den Artikel mit dem Polizisten, der gerne mal Kollegen anpöbelt. Auch sonst neigt die Truppe ja gerne zu Humor in seltsamen Lebenslagen. Der Beweis ist wohl ein Brief, den ich vor Ewigkeiten mal von ihnen gekriegt habe:

Zielgruppengerechte Werbung

Hab Acht!

„Hey du, dein Auto ist ja ein 8-Sitzer…“

Klar. Und wenn wir den Dachgepäckträger aus dem Anhänger nehmen, passen nochmal 10 aufs Schiff, das sich darin befindet… 😉

Zugegeben: Mein Auto hat 7 Sitze, soweit daneben waren sie also gar nicht. Aber es ist lustig, dass manche gleich noch ein bis drei (!) Sitze mehr vermuten, als da sind – andere wiederum völlig überrascht sind, wenn ich sage, dass 5 Leute kein Thema sind.

Im Übrigen war die Truppe auch nur zu fünft, ich hab sie also durchaus mitnehmen können.

Taxifahrer und ihre Taxis

…und einparken!

Als Taxifahrer sammelt man Fahrpraxis. Eine ganze Menge. Sicher, die Kollegen aus den Bussen und den LKW mögen lachen über unsere bescheiden vor sich hintickenden Kilometerzähler, aber 2.000 bis 5.000 Kilometer monatlich sind doch einiges im Gegensatz zu manchem Nur-privat-Fahrer, der über die 9.000 km jährlich, die in seinem Vertrag mit der Versicherung festgehalten sind, nie herauskommt. Wie wir alle wissen, macht Routine uns zu besseren Fahrern, bla Keks.

Da ist sicher auch etwas dran, aber wenn man mich fragt, was das Taxifahren für Auswirkungen auf mein fahrerisches Können hat, dann muss ich mit Tränen in den Augen zugeben:

„Ich verlerne langsam aber sicher das Einparken…“

Es ist ein Drama sondersgleichen. In Stuttgart habe ich bereits meinen Fahrlehrer in schweißgebadete Zustände getrieben, wenn ich schwungvoll die letzten Zentimeter meines Autos ausgenutzt habe. Als ich dann in freie Wildbahn entlassen wurde, hab ich das auf die Spitze getrieben. Als persönlichen Rekord möchte ich verbucht wissen, dass ich den Renault Mégane meiner Mutter – bei dem man die Front so wenig sehen konnte wie bei der 1925 – am Berg (!) ohne Feindberührung in eine Parklücke bugsiert habe, die sich im Nachhinein als kaum 15 bis 20 cm länger als das Auto herausgestellt hat.

Ohne Witz: Ich bin ein Meister im Einparken!

Natürlich hab ich mir das bitter erkauft, denn alle meine bisherigen Unfälle betrafen den ruhenden Verkehr. Aber ich hab auch die Sprinter des Behindertenfahrdienstes in vergleichsweise enge Lücken in engen Einbahnstraßen untergebracht und die Autos meiner Eltern wirklich zentimetergenau dort eingefädelt, wo kurz zuvor die Besitzer wesentlich kleinerer Fahrzeuge nach 5 Versuchen aufgegeben hatten.

Und jetzt? Wann muss ich denn bitte mal einparken?

Die meisten Stopps erledigt man in zweiter Reihe, die Straßen in Berlin sind ohnehin überdimensionierter und hier vor dem Haus haben wir nur Parallelparkplätze. Mit denen können einige zwar auch nicht umgehen, mich haben sie immer schon gelangweilt und meine diesbezügliche Einweisung in der Fahrschule dauerte exakt einen Versuch lang – danach hat mein Fahrlehrer zugegeben, dass ich das wohl kann…

Nur selten – aber immerhin manchmal – ist wenigstens Position 5 am Ostbahnhof noch eine „Herausforderung“. Da muss man manchmal tatsächlich einparken. Es kommt allerdings auch oft vor, dass Kollegen die Position erst einnehmen, wenn bereits zwei bis vier Fahrzeuglängen Platz ist. Im Großen und Ganzen würde ich da allerdings nicht die Park-Skills der Kollegen für verantwortlich machen, sondern eher deren Willen, noch ein bisschen länger auf der „Abstauberposition“ 6 zu verharren, die Fahrgäste gerne für den Beginn einer zweiten Schlange halten und man somit von ihr oftmals schnell mit zahlender Kundschaft wegkommt.

Wie dem auch sei: Ich habe also im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich immer schlechter im Einparken werde. Das ärgert mich zwar, ist aber erst mal bedeutungslos, weil ich es ja im Gegenzug auch kaum mehr muss. Ursache und Wirkung vermischen sich hier.

Nun hab ich aber einmal mehr meine Lieblingshalte mit Leben erfüllt und der Kollege vor mir rutschte auf – auf Position 5. Platz war mehr als genug, selbst seine E-Klasse hatte noch ungelogen drei Meter (!) Spielraum zum Rangieren. Und was macht besagtes Wunderkind der Fahrkunst und der Kommunikation?

Er hupt meinen Kollegen Yussuf auf Position 4 an, weil der noch etwa 80 cm zum Dritten in der Reihe aufrutschen konnte. Ich selbst hatte mir davor überlegt, ob ich nicht letztlich auch noch dorthin passen würde. Hab die Überlegungen dann aber auf Eis gelegt, weil ich befürchtete, damit die Platzangst des Kollegen eher zu forcieren. Also hab ich es wie Yussuf gehalten und nichts gemacht. Und damit einen Kunden von der Abstauber-Position an Land gezogen…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kundenschreck im Fußraum

Worum könnte es sich bei einem Kundenschreck im Fußraum handeln? Nun: Um diesen kleinen Kerl hier:

Taxi-Alarmanlage im Fußraum des Taxifahrers
Versifft, aber laut: Taxialarm. Quelle: Sash

Es geht hier gar nicht um den vielen Dreck – den ich zwar auch nicht angenehm finde, der sich aber bei matschigem Wetter immer irgendwann einstellt – es geht um den kleinen unscheinbaren Knopf. Das ist der Knopf für die Alarmanlage. Der hat gute wie auch schlechte Seiten. Die gute ist: Ich kann ihn zu jeder Zeit erreichen. Egal, was ein potenzieller Räuber auch tut – ich habe noch nie gehört, dass einer mit Fußfesseln angefangen hat…

Der Nachteil – insbesondere, wenn man wie ich mit Quadratlatschen in Größe 50 unterwegs ist – besteht darin, dass man durchaus auch mal versehentlich dagegenkommen kann. Derletzt ist mir das ausgerechnet passiert, als ich prominent in erster Position am Ostbahnhof stand und ich mich aus dem Wagen schwingen wollte, um einem Kunden beim Einladen des Gepäcks zu helfen. Hat einen prima ersten Eindruck gemacht, wie das Taxi plötzlich anfing zu heulen und der Fahrer erstmal zur Motorhaube gestürzt ist…

Denn: Der Alarm lässt sich nur ausschalten, indem man das Gegenstück zu diesem Knopf drückt. Und der ist praktischerweise im Motorraum untergebracht. Mein Kunde hat es mir – wenn auch mit riesigen Fragezeichen auf der Stirn – nachsehen können. Danach bin ich dann ganz gelassen ums Auto gewuselt, hab ihn mit einem Lächeln begrüßt und gemeint, dass das eben das Problem an gut erreichbaren Alarmknöpfen ist 😉

Im Übrigen, falls sich jetzt jemand Gedanken über potenzielle Taxiräuber macht: Diese Alarmknöpfe sind selbst bei den Opel-Taxen in unserem Betrieb nicht überall an derselben Stelle untergebracht. In vielen Taxen gibt es neben dem (vorgeschriebenen) lauten Alarm auch noch einen stillen. Das grobe Wissen hier bringt einen also nicht wirklich weiter…