Die Zentrale nutzt die Technik voll aus

Freitag abend. Ich hatte eben meinen ersten Kunden heimgebracht. So gegen 19:30 Uhr. Schichtbeginn, Wochenbeginn. Ich bin ja noch zur Hälfte in Elternzeit. Dann ein Anruf mit unterdrückter Nummer. Ich hab mir überlegt, ihn wegzudrücken, aber wer weiß, vielleicht wäre es ja einer von Euch gewesen.

„Taxe 2140?“

„Ja?“

„Gut, dass ich Sie erreiche. Ihr Kunde hat vorher sein Handy verloren.“

„Aha.“

„Ja, hat es auf dem Beifahrersitz liegen lassen.“

„Wann war das denn?“

„Na, so gegen 13 Uhr.“

„Da muss ich leider passen, denn das war dann wohl mein Tagfahrer.“

Es ist ehrlich gesagt unglaublich. Ich bin ja trotz meiner Bloggertätigkeit ein Freund des Datenschutzes. Ihr Leser könnt mein Taxi zu meinen Arbeitszeiten tracken, aber mir war es immer ein wenig suspekt, dass das auch andere können. Aber gut, es ist die Zentrale, das kann man akzeptieren, die brauchen das, um unsere Geschäfte abzuwickeln. Aber wieso bitte melde ich mich mit meiner persönlichen PIN am Funk an und werde dann trotzdem anstelle des Kollegen angerufen? Ich verstehe es nicht, denn selbst in meinem Display im Auto wird mein Name angezeigt. Die müssen meine Arbeitszeiten oder die des Kollegen nicht kennen, die kriegen die automatisch mitgeteilt.

Aber hey, sie fanden es gut, das ich geantwortet habe (unterdrückte Nummer, da verstehe ich die Ausfallquote) und haben sich entschuldigt.

Mal ganz ehrlich: So wird das mit der Digitalisierung hier immer ein Märchen bleiben …

 

13 Kommentare bis “Die Zentrale nutzt die Technik voll aus”

  1. Jerowski sagt:

    Naja, das schöne an der „Datenflut“ ist’s ja, das dass Sammeln gar nicht die große Kunst ist, spannend wird es erst, wenn es ums Akkumulieren verschiedenster Quellen, Kombinieren und Auswerten geht – und das ganze automatisch, per Hand und ggf. sogar noch „selbstlernend“. Also wenn das System aus den vorhandenen Daten am Ende korrekte Schlüsse auf Dinge ziehen kann, auf die keiner zuvor gekommen ist (Da gibt’s doch die schöne (und wohl wahre) Story zu Walmart und den Schwangerschaftsvorhersagen)… In deinem Fall wird wohl irgendwo ne Liste (möglicherweise sogar die berühmt-berüchtigte Excel-Tabelle) existieren, vermutlich Hand-gepflegt und kaum aktualisiert, aus der man eben zu dem Wagen deine Nummer entnommen hat. Ganz ohne tolles System mit „Log in“ vermutlich. Hätte man dich über Funk angesprochen, wäre es vielleicht eher aufgefallen?

  2. Sash sagt:

    @Jerowski:
    Das Irre ist, dass das unwahrscheinlich ist. Den Weg „über Funk“ gibt es nicht mehr. Die melden sich immer via Telefon. Und ich bin seit letztem Monat auf dem Wagen, der Kollege seit Jahren. Die wissen ja nur aus dem System, welches Auto ich fahre, ich kann jederzeit ein anderes nehmen, als Fahrer werde ich über meine Nummer identifiziert.

  3. madmax sagt:

    Die Zentrale weiß alles!

  4. MithriL sagt:

    Hat die Zentrale echt schwäbisch geredet, mit „vorher“ statt „vorhin“? 😉

  5. Joern sagt:

    Ich versteh nicht ganz, worauf du hinaus willst.

    Stört dich, dass sie dich überhaupt dem Auto zugeordnet haben? Also quasi zu viel wussten.

    Oder dass sie dich angerufen haben, obwohl sie anhand der Funk-Anmeldung hätten wissen müssen, dass du der falsche bist?

    Spekulation: die haben eine Echtzeit Anzeige welche Autos mit welchem Fahrern gerade unterwegs sind. Aber zurückblättern, wer zu einer bestimmten Zeit eingeloggt war, wird zumindest für den einfachen Disponenten nicht möglich sein.

  6. ednong sagt:

    Hm, kann ja inner mehrere Gründe haben. Anonym vielleicht deshalb, weil es ein Privathandy war oder damit auch Kunden angerufen werden. DIch anzurufen anstelle des Kollegen – nun ja, vielleicht war er in der zentrale etwas verpeilt oder neu, wer weiß. Immerhin hat er dich erreicht …

  7. Marco sagt:

    Ein Grund, möglicherweise sogar bewusst dich anzurufen anstatt des Kollegen wäre die Vermutung, dass das Handy noch im Auto liegen könnte (z.B. mittlerweile unter dem Beifahrersitz). Dort könntest du – im Gegensatz zu deinem Kollegen im Feierabend – nachsehen.

  8. Jerowski sagt:

    Danke – also nix mehr Funk am Funk? 😉
    Dann hat man wohl einfach nicht groß nachgedacht – oder ist Kollegen gewohnt, die die 24h gleich durcharbeiten?

  9. Ana sagt:

    Ist es denn so unüblich, dass der Tagfahrer dem Nachtfahrer sone Fundsache im Auto lässt? Vielleicht mit ner kleinen Notiz, dass das handy im Handschuhfach liegt oder so?
    Dann wär doch alles easy.

  10. nervling sagt:

    „Es ist ehrlich gesagt unglaublich. Ich bin ja trotz meiner Bloggertätigkeit ein Freund des Datenschutzes.“

    Ja, das ist unglaublich. Deine Seite ist eine der größten Ansammlungen von Trackern die ich auf Blogseiten kenne. Mein Ublock filtert hier 31 Objekte raus, das sind 43% Müll.
    Du gefährdest die Privatsphäre der Leser um lächerlich geringe Einnahmen zu erzielen.
    „Ein Freund des Datenschutzes“.. soso.

  11. Anne Marie sagt:

    Stimmt das jetzt wirklich was der da sagt?

  12. Aro sagt:

    @ ednong
    Ne, die Zentrale ruft mit unterdrückter Nummer an, weil sie nicht wollen, dass das gemeine Taxivolk auf dieser Nummer zurückruft. Wir müssen eine sog. „Servicenummer“ anrufen, bei der wir meist erstmal in der Warteschleife landen.

  13. Sash sagt:

    @MithriL:
    Ich weiß es nicht mehr, kann gut sein, dass das meine „Übersetzung“ war. 😀

    @Joern:
    Das wäre eine Möglichkeit, ich fänd’s halt ein leidlich schlechtes System. 😉

    @Ana @Jerowski:
    Kommt sicher immer auf die Kollegen an. Mit meinem ersten Tagfahrer, mit dem ich mir jahrelang das Auto geteilt habe, haben wir sowas schon gemacht, bzw. es hat sich mal ergeben.

    @nervling: Du hast recht, dass ich GNIT dringend mal ausmisten sollte, da hat sich in über 8 Jahren einiges angesammelt und im Grunde nutze ich selbst davon eigentlich kaum was. Lediglich die Einbindung in die Social Networks, das bisschen Werbung ist es echt nicht wert. Ich wünschte, ich hätte gerade Zeit und Nerven dafür. Das ändert aber nix dran, dass ich Datenschutz grundsätzlich gut finde. Aber ich finde auch Tierschutz gut und hab’s nie geschafft, vegan zu leben, manchmal klappt’s halt nicht vollständig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: