Das. Genau das.

Mein Meeting mit dem Ostbahnhof an diesem Abend war völlig fehlgeschlagen. Zunächst kam einiges an Kundschaft, ich beschloss auf mein Glück zu warten – und dann ging es nur in Tippelschritten voran. Ich wäre vielleicht nach einer Stunde einfach entnervt abgehauen, aber zwischenzeitlich war ich mit einem mir bis dato unbekannten Kollegen ins Gespräch gekommen. Ein Selbständiger, Rentner, und nach allem, was wir so besprochen haben, würde ich sagen: Vielleicht so eine Art Prototyp für den älteren Berliner Taxler, der über all die Jahre nicht das Interesse an der Stadt, den Menschen und dem Leben verloren hat.

„Macht mir halt Spaß“, sagte er mir, während er nebenbei erwähnt hat, dass er heute noch keine 10 € Umsatz gemacht hat. Er gab mir Restauranttipps, wir redeten über schwäbische Küche, das Geschäft und die Absurditäten, die es so mit sich bringt. Eigentlich hatte er noch ein Date, aber im Laufe der Zeit wurde klar, dass sie nicht mehr anrufen würde. Während des Gesprächs stiegen wir immer mal wieder ins Auto, einmal verabschiedeten wir uns schon vorsorglich, weil es aussah, als ob gleich eine ganze Stange Taxen wegginge. Und dann haben wir doch weitergeredet.

Aber ein Ende kommt immer.

„Jetz‘ bin ick Erster. Und weißte, was ick jetz‘ mach?“

„Nee.“

„Ick hau ab. Dit Restaurant, wo ick noch wat essen will, hat um 23 Uhr Küchenschluss. Mach’s mal jut, hat mir jefreut!“

Einfach so. Nach anderthalb Stunden Wartezeit. Mir ist schon klar, dass man die lockere Einstellung nur behält, wenn man nicht vom Taxifahren abhängig ist. Aber ja: Da, genau da will ich hin! 🙂

12 Kommentare bis “Das. Genau das.”

  1. Edgar sagt:

    ein easy typ

  2. Drakoon1964 sagt:

    Genau darauf, arbeiten wir als angestellte „Taxifahrerfamilie“ auch hin 🙂
    Entspannt 2-4 Tage die Woche 6-8h 🙂
    (Allerdings ist es momentan eigentlich auch schon enspannt, ich lass mich nicht drängen und keine Wochenenddienste)

    Die Planung ist schon recht konkret, aber die nächsten paar Jährchen sind noch etwas konsequenter auf Geldverdienen ausgelegt.

    Aber diese 5-6 Jahre bekommen wir auch noch rum.

  3. Dolch sagt:

    Funkaufträge?
    Man muss alle Auftragsquelllen ausnutzen!

  4. Cliff McLane sagt:

    @Sash, so entspannt gehe ich meine Arbeit auch noch nicht an, aber ich habe freiwillig auf Teilzeit reduziert, was es uns (soziale Einrichtung) ermöglicht hat, eine junge Frau ebenfalls als Teilzeitkraft einzustellen. Wir Sozialarbeiter sind finanziell auch nicht auf Gold gebettet, aber bei mir kam halt einfach mal der Punkt, wo ich mich entscheiden musste, auf etwas zu verzichten oder meine Nerven endgültig zu ruinieren.

    Ich warte bei der Geschichte aber noch auf den ersten Kommentator, der sagt, „sollen die Rentner [Hausfrauen, Asylanten, Studenten] doch zuhause bleiben, die haben eh genug, nehmen uns die Touren auch noch weg“. Kommt beinahe so sicher wie das Amen in der Kirche, wetten?

  5. Wolfy sagt:

    Sollen die Rentner, Hausfrauen, Asylanten und Studenten doch zu Hause bleiben, die haben eh genug, nehmen uns die Touren auch noch weg!!!!!!!1111ölf

    :3

    Bekomme ich jetzt einen Keks dafür?

    @Berliner Protoopa

    Sehr lässt. Ich glaube da wollten wir gerne alle hin. Bei mir wäre es dann, gepflegt mit den Patienten quatschen und das Telefon schweigt dabei still, es kommt niemand sonst rein oder der Chef arbeitet zügig (wenn Dok zügig arbeitet, sind alle Pat. schnell wieder raus, keine Wartezeiten, keiner beschwert sich, gut für uns… aber meistens quatschen sie sich fest) und findet dann nicht neue Sachen, wie er uns quälen kann (gut mit der Sprechstunde durchkommen bedeutet immer auch „ach das könnten Sie mal noch und dies und das und jenes und dort und zwar bitte bis gestern und mir egal, dass sie noch Aufgaben haben, die sie bis nächstes Jahrtausend auf Trapp halten“). *_*

    Aber ich glaub da hoffe ich vergeblich. 😀

  6. Joe sagt:

    Das ist die Weisheit des Alters.

  7. Cliff McLane sagt:

    @Wolfy

    > Bekomme ich jetzt einen Keks dafür?

    Aber klar doch!

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6e/Pepperidge-Farm-Nantucket-Cookie.jpg

  8. Andy sagt:

    Wir sollten ma kickstartern. Vielleicht bekommen wir Das ja erste erste Taxi gesponsert fü den Weg in die Selbständigkeit und den Anfang für sein kommendes Imperium.

    Wäre interessant zu beobachten wie sich der Inhalt der Blogmeldungen ändert wenn er nicht mehr nur selber fährt sondern auch Tragschicht fahren lässt…

  9. Cliff McLane sagt:

    @Andy, crowdfunden kannst du nur irgendwelche spinnerten IT- oder elektronischen Ideen; alles was mit reller „Hardware“ zu tun hat, kannste da vergessen.

    Ein ideales Crowdfunding-Projekt wäre zum Beispiel eine farbwechselnde Taxi-Fackel, die auf die Anwesenheit von Smartphones reagiert und bei teilnehmenden Clubs und Bordellen in der jeweiligen Firmenfarbe leuchtet, sofern das freie WLAN erreichbar ist.

  10. Sash sagt:

    @Edgar:
    Genau den Eindruck hat er gemacht. 🙂

    @Drakoon1964:
    Ich wünsche viel Glück dabei!

    @Dolch:
    Taxiblogs? Man muss alle Auftragsquellen ausnutzen!
    Und um’s kurz klarzustellen: Nein, nicht.

    @Cliff McLane:
    Wie man sieht, scheint deine Sorge zumindest hier unbegründet zu sein. Einer der Gründe, weswegen ich Euch Kommentatoren so mag.
    Und Wolfy simuliert nur. 😉

    @Joe:
    Vermutlich.

    @Andy:
    So nett es sicher gemeint ist: Will ich gar nicht. Zum einen will ich keine Firma mit Angestellten gründen (Stichwort: Imperium), zum anderen halten mir meine Chefs viel mehr Stress vom Hals, als sie verursachen. Denn selbst wenn ich das Taxi gespendet bekommen würde, hätte ich all den Unternehmens-, Finanz- und Wartungskram an der Backe, der das eben nicht mehr zu dem lockeren Fahrerjob macht.

  11. robert sagt:

    @sash: Las´ ich da gerade „lockeren Fahrerjob“? ;))

    Also ich begegne eigentlich ständig so gewissen „Lockerheitsbremsen“. In ganz unterschiedlicher Form, aber oft in hoher Qualität.

  12. Sash sagt:

    @robert:
    Ich bin der letzte, der bestreitet, dass unser Job auch stressig sein kann. Aber in dem Fall ging es ja auch explizit um den Unterschied zwischen Selbständigkeit und Angestelltenstatus. Und selbständig zu sein bedeutet eben auch, nicht nur mal eben rauszufahren, sondern sich noch viel mehr um Finanzen, Auto und all das drumherum zu kümmern. Natürlich hat man dafür auch mehr Geld – aber der Job besteht eben nicht mehr „nur“ darin, sich hinter’s Steuer zu setzen und loszufahren.

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